Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen von einem Moment auf den anderen verändert. Im Fokus der medizinischen Behandlung steht die Rettung von Gehirnzellen, um die potenziellen Folgen des Schlaganfalls zu minimieren. Da ein Schlaganfall immer einen Notfall darstellt, ist schnelles Handeln entscheidend, um irreversible Schäden zu verhindern.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall, auch Hirninfarkt genannt, entsteht, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird. Dies führt dazu, dass Nervenzellen im betroffenen Bereich nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden und absterben können. Je nach betroffenem Hirnareal können unterschiedliche neurologische Ausfälle auftreten.
Ursachen eines Schlaganfalls
Die Hauptursache für einen Schlaganfall ist die Arteriosklerose, auch bekannt als Arterienverkalkung. Dabei lagern sich über Jahre Cholesterin, Fettsäuren, kleine Blutgerinnsel, Bindegewebe und Kalk in den Gefäßwänden ab. Diese Ablagerungen (Plaques) verengen und verhärten die Arterien, was den Blutfluss behindert.
Besonders häufig tritt Arteriosklerose in Gefäßabschnitten auf, in denen der Blutstrom durch Besonderheiten wie Abzweigungen oder Aufspaltungen des Gefäßes gestört ist. Dazu gehören unter anderem die Halsschlagadern und die Leistenarterien, die sich in die Beinschlagadern verzweigen. Auch die Herzkranzgefäße sind häufig betroffen.
Wenn eine Arterie durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) vollständig verschlossen wird, kommt es zu einem Hirninfarkt, also einem Schlaganfall. Löst sich das Gerinnsel von selbst wieder auf, spricht man von einer Transitorischen Ischämischen Attacke (TIA), die als Vorbote eines schweren Schlaganfalls gewertet werden muss.
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Weitere Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind:
- Herzrhythmusstörungen: Insbesondere Vorhofflimmern kann das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen.
- Bluthochdruck: Erhöhter Blutdruck kann die Gefäße schädigen und die Entstehung von Arteriosklerose begünstigen.
- Hyperthyreose: Eine Schilddrüsenüberfunktion kann mit gesteigerter Koagulation, verminderter Fibrinolyse und gestörter endothelialer Funktion einhergehen, was Thromboembolien begünstigen kann.
- Infektionen: Virale und bakterielle Infektionen können sich negativ auf die Herz- und Gefäßgesundheit auswirken und Gefäßentzündungen sowie die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen.
- Stress: Stress kann die Blutgefäße verengen und die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes erhöhen, was das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen kann.
- Kalziumpräparate: Eine US-Studie deutet darauf hin, dass Kalziumpräparate die Arterienverkalkung beschleunigen können, insbesondere bei Personen mit bereits bestehenden Plaques.
Symptome eines Schlaganfalls
Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf und können je nach betroffenem Hirnareal variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Plötzlich auftretende Schwäche, Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen: Oft sind Arm, Hand und/oder Bein auf einer Körperseite betroffen.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, abgehackte Sätze, Nuscheln oder verwaschene Sprache können auftreten. Auch Verständnisstörungen sind möglich.
- Gesichtsfeldausfall: Dinge auf einer Seite des Raumes werden nicht mehr wahrgenommen, das Gesichtsfeld ist eingeschränkt. Es kann auch zu vorübergehendem Sehverlust auf einem Auge oder zu Doppelbildern kommen.
- Schwindel und Gangunsicherheit: Probleme, das Gleichgewicht zu halten, Drehschwindel oder Schwankschwindel können auftreten.
- Starke Kopfschmerzen: Plötzliche, ungewohnt heftige Kopfschmerzen können auf eine Einblutung in das Gehirn hindeuten.
Was tun bei Verdacht auf Schlaganfall?
Bei jedem Verdacht auf einen Schlaganfall ist es wichtig, sofort die Notrufnummer 112 anzurufen. Je früher die Behandlung beginnt, desto eher lassen sich dauerhafte Folgen vermeiden.
Beim Notruf sollten die Symptome und näheren Umstände möglichst genau beschrieben werden:
- Wann sind die Symptome aufgetreten?
- Welche Anzeichen sind aufgetreten und wie haben sie sich weiterentwickelt?
- Welche Medikamente werden zurzeit eingenommen?
- Sind Herzrhythmusstörungen bekannt, insbesondere Vorhofflimmern?
- Gab es früher bereits ähnliche Beschwerden oder sogar schon einmal einen Schlaganfall?
Behandlung und Rehabilitation nach einem Schlaganfall
Die Behandlung eines Schlaganfalls zielt darauf ab, die Blutversorgung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen und weitere Schäden zu verhindern. Dies kann durch Medikamente zur Auflösung von Blutgerinnseln (Thrombolyse) oder durch eine interventionelle Behandlung (Thrombektomie) erfolgen, bei der das Gerinnsel mechanisch entfernt wird.
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Nach der Akutbehandlung ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um die verloren gegangenen Fähigkeiten wiederzuerlangen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Rehabilitation kann verschiedene Therapieformen umfassen, wie z.B.:
- Physiotherapie: zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination
- Ergotherapie: zur Förderung der Selbstständigkeit im Alltag
- Logopädie: zur Behandlung von Sprach- und Sprechstörungen (Aphasie)
- Neuropsychologie: zur Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen
Aphasie als Folge eines Schlaganfalls
Eine häufige Folge eines Schlaganfalls ist die Aphasie, der teilweise oder komplette Verlust der Sprache. Sie tritt auf, wenn das Sprachzentrum in der linken Gehirnhälfte betroffen ist. Aphasiker haben Schwierigkeiten, Sprache zu verstehen, zu sprechen, zu lesen oder zu schreiben.
Die wichtigste Therapie für Aphasiker ist die Sprachtherapie (Logopädie). Je früher die Therapie beginnt und je intensiver sie ist, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Auch Selbsthilfegruppen können für Betroffene und ihre Angehörigen eine wichtige Anlaufstelle sein.
Leben mit Aphasie
Ein Schlaganfall und die daraus resultierende Aphasie verändern das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend. Es erfordert viel Geduld, Ausdauer und Unterstützung, um mit den neuen Herausforderungen umzugehen.
Es gibt jedoch viele Beispiele von Menschen, die trotz Aphasie ein erfülltes Leben führen können. Anja Baumer erlitt beispielsweise mit zwölf Jahren eine schwere Gehirnblutung und konnte einige Jahre kaum mehr sprechen. Heute arbeitet sie im Service und kommt bei den Bewohnern sehr gut an.
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Markus Schedlbauer erlitt mit Anfang vierzig einen Schlaganfall und kämpft seitdem mit einer Aphasie. Er hat die medizinischen Untersuchungen für die Fahreignung erfolgreich absolviert und hofft, bald wieder in seinen Beruf als Lagerlogistiker zurückkehren zu können.
Prävention von Schlaganfällen
Viele Risikofaktoren für einen Schlaganfall können durch einen gesunden Lebensstil beeinflusst werden. Dazu gehören:
- Regelmäßige Bewegung: Sportliche Aktivität kann den Blutdruck senken und die Gefäße gesund halten.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Risiko von Arteriosklerose reduzieren.
- Nichtrauchen: Rauchen schädigt die Gefäße und erhöht das Risiko von Blutgerinnseln.
- Vermeidung von Übergewicht: Übergewicht kann den Blutdruck erhöhen und das Risiko von Diabetes und Arteriosklerose begünstigen.
- Kontrolle von Risikofaktoren: Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes sollten behandelt werden, um das Schlaganfallrisiko zu senken.
- Stressmanagement: Techniken zur Stressbewältigung können helfen, den Blutdruck zu senken und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren.
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