Das Pankreaskarzinom, auch bekannt als Bauchspeicheldrüsenkrebs, ist eine relativ weit verbreitete Krebserkrankung, die zunehmend häufiger auftritt. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Pankreaskarzinom und Thrombophlebitis migrans, einer Form der Venenentzündung, und untersucht Ursachen, Symptome sowie diagnostische und therapeutische Ansätze.
Die Bauchspeicheldrüse und ihre Funktionen
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein Organ des Magen-Darm-Trakts, das wichtige Aufgaben bei der Verdauung und Nährstoffaufnahme erfüllt. Sie liegt in der C-förmigen Schlinge des Zwölffingerdarms (Duodenum) und erstreckt sich von dort bis zur linken Niere und Milz. Die Bauchspeicheldrüse lässt sich in zwei Funktionseinheiten unterteilen:
- Exokrine Funktion: Produktion von Verdauungsenzymen, die über den Ausführungsgang (Ductus Wirsungianus) in den Zwölffingerdarm gelangen.
- Endokrine Funktion: Produktion von Hormonen wie Insulin und Glukagon, die direkt ins Blut abgegeben werden und den Blutzuckerspiegel regulieren.
Die meisten Tumore der Bauchspeicheldrüse entstehen im Bereich des Pankreaskopfes, also in der direkten Nähe des Zwölffingerdarms (Duodenum). In 95 % der Krebsfälle ist der exokrine Teil des Pankreas, insbesondere der Ausführungsgang, von einem Pankreaskarzinom befallen. Diese Karzinome, die von den Ausführungsgängen ausgehen, werden als duktale Adenokarzinome bezeichnet.
Ursachen und Risikofaktoren des Pankreaskarzinoms
Mögliche Ursachen für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs konnten bis heute noch nicht genau benannt werden. Dennoch geht man davon aus, dass bestimmte Faktoren die Wahrscheinlichkeit, an einem Pankreaskarzinom zu erkranken, stark erhöhen. Zu diesen Risikofaktoren zählen:
- Rauchen: Erhöht das Risiko für die Entwicklung eines Pankreaskarzinoms um das Zwei- bis Fünffache.
- Übermäßiger Alkoholkonsum: Gilt als Hauptrisikofaktor für die Entwicklung einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung, die wiederum das Risiko für ein Pankreaskarzinom deutlich erhöht.
- Fettreiche Ernährung: Kann ebenfalls zur Entstehung von Pankreaskarzinomen beitragen.
- Erbkrankheiten: In etwa 5 % der Fälle tritt Pankreaskarzinom familiär gehäuft auf.
- Karzinogene in der Nahrung: Vor allem in Fertig- und Tiefkühlprodukten enthalten.
- Chemische Noxen: Benzine, Insektizide, Dichlordiphenyltrichlorethan.
- Erkrankungen der Gallenwege: Rezidivierende Gallensteine erhöhen das Risiko.
Symptome des Pankreaskarzinoms
Die meisten Krankheitszeichen (Anzeichen, Symptome) eines Bauchspeicheldrüsenkrebses treten im Krankheitsverlauf erst recht spät auf. Zu den unspezifischen Anzeichen, die von Krebserkrankungen im Allgemeinen verursacht werden, gehören:
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- Fieber
- Abgeschlagenheit
- Gewichtsverlust
- Nachtschweiß
Diese unspezifischen Anzeichen werden durch eine unspezifische Abwehrreaktion (Immunantwort) des Körpers und einen erhöhten Stoffwechsel der Krebszellen verursacht. Sie können gelegentlich schon in früheren Stadien des Bauchspeicheldrüsenkrebses vorkommen, werden aber zumeist nicht als bedrohlich erkannt und führen nur in Ausnahmefällen zu einem frühen Entdecken der Krebserkrankung.
In fortgeschrittenen Stadien kommen dann schwerwiegendere Anzeichen hinzu, die üblicherweise zu dessen Entdeckung führen. Diese sind durch das verdrängende (invasive) Wachstum des Geschwulstes (Tumors) zu erklären:
- Gelbsucht (Ikterus): Hauptsymptom ist die anfangs schmerzlose Ausbildung einer Gelbsucht, bei der es zu auffälligen gelblichen Verfärbungen der Haut und Augen kommt. Grund für die Entstehung einer Gelbsucht bei Pankreaskarzinom-Patienten ist die Tatsache, dass es im Zuge des Krebswachstums zu einer starken Verengung der Gallengänge kommt.
- Schmerzen: In ihrer Intensität ständig ansteigende Schmerzen, die sich vor allem im Bauchraum und den Flanken zeigen. Die Schmerzen können wie bei einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse auch in den Bereich der Brustwirbelsäule ausstrahlen.
- Verdauungsbeschwerden und Durchfälle: Da die eigentliche Funktion der Bauchspeicheldrüse durch den Krebsbefall stark beeinflusst und eingeschränkt wird.
- Sekundäre Diabetes: In den Fällen, in denen der endokrine, hormonproduzierende Anteil des Pankreas befallen ist, sinkt vor allem die normale Insulinproduktion auf ein Minimum. Im Zuge dieser Insulin- Minderproduktion kann bei vielen Patienten eine sogenannte sekundäre Diabetes entstehen.
Im Zuge der Diabetes können dann weitere Symptome auftreten, die im Grunde nicht durch den Bauchspeicheldrüsenkrebs, sondern lediglich durch dessen Begleiterkrankung entstehen. Zu den am weitesten verbreiteten Krankheitszeichen gehört ein auffällig häufiger Harndrang und gleichzeitig auftretendes starkes Durstgefühl. Außerdem fühlen sich die betroffenen Patienten oftmals zunehmend schwach und klagen über anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Es kommt zu einem allgemeinen Leistungsabfall der Erkrankten. In extremen Fällen kann es sogar zur plötzlichen unerklärbaren Verschlechterung der Sehfähigkeit kommen.
Thrombophlebitis migrans als Begleiterscheinung des Pankreaskarzinoms
In seltenen Fällen kann ein Bauchspeicheldrüsenkrebs durch eine unspezifische Aktivierung des Immunsystems zu einer erhöhten Gerinnbarkeit des Blutes führen und eine Gerinnselbildung (Thrombose) bedingen. Insbesondere bei Tumorerkrankungen kann die Phlebitis an wechselnden Lokalisationen auftreten („Thrombophlebitis migrans“ = Trousseau-Zeichen).
Die Thrombophlebitis migrans ist eine spezielle Form der Thrombophlebitis, bei der sich Entzündungen der Venenwand an verschiedenen Stellen des Körpers wiederholt entwickeln. Sie ist oft mit einer erhöhten Gerinnungsneigung des Blutes verbunden und kann ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Krebserkrankung sein, insbesondere des Pankreas.
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Trousseau-Syndrom
Die Thrombophlebitis migrans ist ein typischer Vertreter des Trousseau-Syndroms. Dieses Syndrom umfasst eine Vielzahl von seltenen und ungewöhnlichen Thromboseformen, die bei Krebspatienten auftreten können. Ein weiteres Beispiel ist die nichtbakterielle thrombotische Endokarditis, eine seltene Erscheinung, die hauptsächlich Mitral- und Aortenklappe betrifft und eine Quelle für arterielle Embolien darstellen kann. Lebervenen-, Portal- oder Mesenterialvenenthrombosen sind ebenfalls überproportional häufig mit Malignomen, insbesondere auch mit myeloproliferativen Erkrankungen vergesellschaftet.
Pathophysiologische Mechanismen
Die genauen Mechanismen, die zur Entstehung der Thrombophlebitis migrans bei Pankreaskarzinom führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen:
- Aktivierung des Gerinnungssystems: Tumorzellen können Substanzen freisetzen, die das Gerinnungssystem aktivieren und die Bildung von Blutgerinnseln fördern.
- Entzündungsreaktionen: Die Entzündung im Bereich des Tumors kann sich auf die Blutgefäße ausweiten und die Gerinnungsneigung erhöhen.
- Tumorkompression: Durch sein zunehmendes Volumen drückt der Tumor den Hauptgallengang (Ductus choledochus) ab, sodass es zu einem Gallenstau (Cholestase) kommt. Verdauungsstörungen und Gelbsucht (Ikterus) sind die Folge. Ebenso kann der Tumor aber auch das gesunde Gewebe der Bauchspeicheldrüse verdrängen, so dass dieses nicht mehr richtig arbeiten kann (exokrine und endokrine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz). Dies führt zu Durchfällen, Fettstühlen und einem Diabetes Mellitus mit all seinen Folgen (gesteigerter Durst, erhöhte Urinmenge etc.).
- Unspezifische Aktivierung des Immunsystems: Durch eine unspezifische Aktivierung des Immunsystems kommt es bei Bauchspeicheldrüsenkrebs zu einer geringen Erhöhung von sogenannten Entzündungsmarkern im Blut. Auch kann der Tumor eine sogenannte Begleitentzündung der Bauchspeicheldrüse hervorrufen, die dann ihrerseits zu einer erheblichen Zunahme der Entzündungswerte Im Blut führt, aber auch durch eine relevante Steigerung der Konzentration im Blut von Bauchspeicheldrüsen-eigenen Enzymen (vor allem der sogenannten Lipasewert) auf sich aufmerksam macht.
Klinische Bedeutung
Das Auftreten einer Thrombophlebitis migrans bei einem Patienten ohne bekannte Risikofaktoren sollte immer Anlass zu einer gründlichen Abklärung geben, um eine mögliche Krebserkrankung, insbesondere des Pankreas, auszuschließen.
Diagnose des Pankreaskarzinoms
Was den Bauchspeicheldrüsenkrebs so gefährlich macht, ist, dass durch das relativ späte Auftreten starker und eindeutig zuordnenbarer Anzeichen eine frühe Entdeckung der Erkrankung sehr selten ist. In der Regel wird ein Bauchspeicheldrüsenkrebs entweder durch Zufall entdeckt oder aber er verrät sich erst im Endstadium durch entsprechende Symptome. Der Tumor ist dann bereits recht groß, und hat sehr oft bereits gestreut (metastasiert). Mit dem Schweregrad der Erkrankung verschlimmern sich im Verlauf auch die Symptome. Durch ein Einwachsen des Tumors in große Abgänge der Hauptschlagader (Truncus coeliacus oder Arteria mesenterica superior) erreicht ein Bauchspeicheldrüsenkrebs das Krebsstadium III. Stadium IV liegt bei Vorhandensein einer Fernabsiedleung über den Blutweg (hämatogene Metastasierung) vor.
Zur Diagnose des Pankreaskarzinoms werden verschiedene Methoden eingesetzt:
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- Anamnese und körperliche Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und Untersuchung des Patienten.
- Blutuntersuchungen: Bestimmung von Tumormarkern wie CA 19-9 und CEA sowie von Leber- und Pankreasenzymen.
- Bildgebende Verfahren:
- Ultraschall: Erste bildgebende Basisuntersuchung bei Hinweisen auf eine akute Pankreatitis, die jedoch zahlreichen Limitierungen unterliegt.
- Computertomographie (CT): Die kontrastmittelverstärkte Computertomographie ist die wichtigste Methode bei der Bildgebung des Schweregrades und der Komplikationen der akuten Pankreatitis.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Kann zur weiteren Abklärung eingesetzt werden.
- Endoskopischer Ultraschall (EUS): Ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Bauchspeicheldrüse und die Entnahme von Gewebeproben (Biopsien).
- Biopsie: Entnahme von Gewebeproben zur feingeweblichen Untersuchung.
Therapie des Pankreaskarzinoms
Die Therapie des Pankreaskarzinoms richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung, dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und seinen individuellen Wünschen. Folgende Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung:
- Operation: Die operative Entfernung des Tumors ist die einzige kurative Therapieoption. Allerdings ist dies nur in frühen Stadien der Erkrankung möglich.
- Chemotherapie: Kann vor oder nach der Operation eingesetzt werden, um das Wachstum des Tumors zu verlangsamen oder Metastasen zu bekämpfen.
- Strahlentherapie: Kann zur lokalen Tumorkontrolle eingesetzt werden, insbesondere bei inoperablen Tumoren.
- Palliative Therapie: Lindert die Beschwerden und verbessert die Lebensqualität des Patienten, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist.
Behandlung der Thrombophlebitis migrans
Die Behandlung der Thrombophlebitis migrans zielt darauf ab, die Entzündung zu lindern, die Bildung weiterer Blutgerinnsel zu verhindern und die zugrunde liegende Krebserkrankung zu behandeln. Folgende Maßnahmen können eingesetzt werden:
- Antikoagulation: Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen (z.B. Heparin, Marcumar), um die Bildung neuer Blutgerinnsel zu verhindern.
- Entzündungshemmende Medikamente: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente (z.B. NSAR) zur Linderung der Beschwerden.
- Kompressionsbehandlung: Anlegen von Kompressionsverbänden oder -strümpfen zur Unterstützung des Blutflusses in den Venen.
- Behandlung der Grunderkrankung: Wenn die Thrombophlebitis migrans durch eine Krebserkrankung verursacht wird, ist die Behandlung dieser Erkrankung entscheidend.
Prävention von Venenerkrankungen
Gesunde Venen sind für den menschlichen Blutkreislauf unverzichtbar. Die Venen sind dafür verantwortlich, "verbrauchtes", sauerstoffarmes Blut aus dem Körper (Organen, Muskeln, Haut) zum Herzen zurück zu transportieren. Die Beinvenen leisten dabei die schwierigste Arbeit, denn sie müssen das Blut entgegen der Schwerkraft nach oben transportieren. Aufgrund dieser Belastung erkranken sie leichter. Der Antrieb für die Beinvenen kommt aus den Beinmuskeln. Aktive Muskeln sorgen für einen gesunden Blutfluss - und umgekehrt.
Venenerkrankungen sind nach Ansicht von Experten nicht chronisch, sondern grundsätzlich vermeidbar. Der Umgang mit den Venen ist wichtiger als die Genetik.
Folgende Maßnahmen können helfen, Venenerkrankungen vorzubeugen:
- Regelmäßige Bewegung: Fördert die Durchblutung und stärkt die Venen.
- Vermeidung von langem Stehen oder Sitzen: Wechseln Sie regelmäßig die Position und bewegen Sie sich zwischendurch.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen.
- Vermeidung von Übergewicht: Übergewicht belastet die Venen zusätzlich.
- Tragen von Kompressionsstrümpfen: Kann bei Bedarf den Blutfluss in den Venen unterstützen.
- Regelmäßige Venen-Checks: Lassen Sie Ihre Venen regelmäßig von einem Arzt untersuchen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
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