Netzhautthrombose und Schlaganfall im Auge: Ein umfassender Überblick

Eine Netzhautthrombose, oft als Schlaganfall im Auge bezeichnet, ist eine ernstzunehmende Gefäßerkrankung, die ohne rechtzeitige Behandlung zu erheblichen Sehbeeinträchtigungen führen kann. Es ist wichtig, die Unterschiede zwischen einer Netzhautthrombose und einem Schlaganfall im Gehirn zu kennen, um die richtige Vorgehensweise und Behandlung zu verstehen.

Was ist eine Netzhautthrombose?

Eine Netzhautthrombose ist eine der häufigsten Gefäßerkrankungen des Auges. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einem Verschluss von Blutgefäßen in der Netzhaut. Ein Blutgerinnsel verstopft eine Vene in der Netzhaut und blockiert den Blutfluss, was die lebenswichtige Sauerstoffversorgung des Auges beeinträchtigt. Der Verschluss entsteht häufig an Kreuzungsstellen, wo Arterien und Venen eng aneinander liegen. Verdickte Arterienwände, wie sie bei Bluthochdruck entstehen, können die benachbarten Venen komprimieren und so den Blutfluss behindern.

Ursachen und Risikofaktoren

Gefäßverschlüsse können zahlreiche Ursachen haben und sind meist keine isolierten Augenerkrankungen, sondern Ausdruck einer allgemeinen Gefäßerkrankung wie Arteriosklerose. Zu den häufigsten Ursachen und Risikofaktoren gehören:

  • Diabetes mellitus: Eine Blutzuckererkrankung kann die Gefäße schädigen und das Risiko für Thrombosen erhöhen.
  • Bluthochdruck: Erhöhter Blutdruck kann die Gefäßwände verdicken und den Blutfluss behindern.
  • Herzerkrankungen: Herzerkrankungen können die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen, die in die Netzhaut gelangen und dort Gefäße verschließen können.
  • Erhöhter Cholesterinspiegel: Ein zu hoher Cholesterinspiegel kann zur Verkalkung der Gefäße (Arteriosklerose) beitragen.
  • Verringerung der Blutflussgeschwindigkeit: Eine verlangsamte Blutflussgeschwindigkeit kann die Bildung von Blutgerinnseln fördern.
  • Offenwinkelglaukom: Eine bestimmte Art des grünen Stars kann ebenfalls das Risiko für Netzhautvenenverschlüsse erhöhen.
  • Alter: Mit zunehmendem Alter verlieren alle Blutgefäße an Elastizität, werden weniger durchlässig und können leichter verstopfen. Venenverschlüsse treten daher häufiger bei Menschen zwischen dem 65. und 75. Lebensjahr auf.
  • Nikotinkonsum: Rauchen schädigt die Gefäße und erhöht das Risiko für Thrombosen.

Symptome einer Netzhautthrombose

Die Symptome einer Netzhautthrombose treten meist plötzlich auf und können je nach Schweregrad und betroffenem Gefäßbereich variieren. Anders als bei einem Schlaganfall im Gehirn verursacht eine Netzhautthrombose in der Regel keine Schmerzen. Typische Symptome sind:

  • Plötzliche Sehminderung: Betroffene bemerken beim Erwachen leichte bis starke Einschränkungen der Sehkraft, die sich meist im Laufe des Tages etwas zurückbilden, aber Spätfolgen haben können.
  • Verschwommenes Sehen: Viele Patienten haben den Eindruck, wie durch einen grauen Vorhang zu schauen oder Gegenstände verzerrt zu sehen.
  • Gesichtsfeldausfälle: Je nach Lage und Größe des Verschlusses kann es zu teilweisen Ausfällen im Gesichtsfeld kommen.
  • Makulaödem: Bei etwa 30 % der Betroffenen entwickelt sich durch die Ansammlung von Flüssigkeit und Verdickung im Bereich der Makula ein Ödem (Makulaödem).

Diagnose einer Netzhautthrombose

Die Diagnose einer Netzhautthrombose erfolgt in der Regel durch eine umfassende augenärztliche Untersuchung. Zu den wichtigsten Diagnoseverfahren gehören:

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  • Fundoskopie (Augenspiegelung): Der Augenarzt untersucht den Augenhintergrund, nachdem die Pupille mit Augentropfen erweitert wurde. Dabei kann er bereits Blutungen in der Netzhaut und Schwellungen im Bereich des Sehnervs erkennen.
  • Fluoreszenzangiografie (FLA): Bei dieser Untersuchung werden die Netzhautgefäße mit einem Kontrastmittel dargestellt, um den Schweregrad der Durchblutungsstörung zu beurteilen.
  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Die OCT liefert detaillierte Querschnittsbilder der Netzhaut und hilft, Schwellungen und Flüssigkeitsansammlungen (Makulaödem) präzise zu erkennen.
  • Blutuntersuchungen, Blutdruck- und Augeninnendruckmessungen: Diese Untersuchungen dienen dazu, die genaue Ursache für die Entstehung des Makulaödems und der Thrombose abzuklären. Bei Diabetikern wird zudem der Langzeit-Blutzuckerwert gemessen.

Behandlung einer Netzhautthrombose

Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad, der Lokalisation und möglichen Komplikationen der Thrombose. Ziel der Behandlung ist es, die Durchblutung der Netzhaut zu verbessern, Schwellungen zu reduzieren und Komplikationen zu verhindern.

  • Intravitreale Injektionen (IVOM): In den letzten Jahren haben sich intravitreale Injektionen als wirksame Behandlungsoption etabliert. Dabei werden Medikamente unter sterilen Bedingungen in den Glaskörper gespritzt.
    • VEGF-Hemmer: Wirkstoffe wie Ranibizumab, Aflibercept oder Bevacizumab blockieren Gefäßwachstumsfaktoren und reduzieren dadurch Schwellungen in der Netzhaut. Die Behandlung muss in der Regel mehrfach wiederholt werden.
  • Laserkoagulation: Bei bestimmten Formen der Netzhautthrombose kommt die Laserkoagulation zum Einsatz. Dabei werden kleine Areale der Netzhaut mit dem Laser behandelt, um die Bildung von Wachstumsfaktoren zu reduzieren und die Entwicklung von Komplikationen zu verhindern. Besonders bei Venenastverschlüssen kann eine Laserbehandlung nahe der Netzhautmitte sinnvoll sein.
  • Behandlung der Grunderkrankungen: Besonders wichtig ist die Therapie der zugrundeliegenden Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Eine konsequente Behandlung dieser Erkrankungen kann das Risiko für weitere Gefäßverschlüsse reduzieren.
  • Auflösung des Blutgerinnsels: Bei der Behandlung des Makulaödems durch einen Venenverschluss wird zuerst mit der Auflösung des Blutgerinnsels, das die Venen verstopft, begonnen. Dabei versucht man auch, das Blut durch Infusionen zu verdünnen, damit es besser durch die verengten Gefäße fließen kann. Je früher man mit der Behandlung beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten.

Prognose und Prävention

Die Prognose hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Art der Thrombose, der Schweregrad der Durchblutungsstörung und der Zeitpunkt des Therapiebeginns. Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Therapie können heute etwa 60-70 % der Patienten eine Verbesserung des Sehvermögens erreichen. Ohne Behandlung kommt es nach und nach zu einer massiven Sehverschlechterung. Wenn rechtzeitig therapiert wird, behält die Hälfte der Patienten mindestens ein Sehvermögen von 50 %. Bei etwa 10 % der betroffenen Patienten droht innerhalb der nächsten 5 Jahre auch ein Venenverschluss am 2. Auge.

Die Gefahr eines Netzhautvenenverschlusses kann man verringern, indem man als Diabetiker oder Patient mit Bluthochdruck konsequent die vom Arzt verordneten Medikamente einnimmt, sich gesund ernährt und Nikotin sowie übermäßigen Alkoholgenuss vermeidet. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt sind ebenfalls wichtig, insbesondere bei Vorliegen von Risikofaktoren.

Schlaganfall im Gehirn vs. Schlaganfall im Auge

Obwohl beide Begriffe den Begriff "Schlaganfall" verwenden, handelt es sich um unterschiedliche medizinische Zustände, die unterschiedliche Körperteile betreffen und unterschiedliche Symptome und Behandlungen erfordern.

Schlaganfall im Gehirn

Ein Schlaganfall im Gehirn (Apoplex) wird durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns verursacht. Dies kann entweder durch ein Blutgerinnsel (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. Ein Schlaganfall im Gehirn kann zu einer Vielzahl neurologischer Störungen und Ausfälle führen, je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist.

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Symptome eines Schlaganfalls im Gehirn:

Die Symptome eines Schlaganfalls im Gehirn treten plötzlich auf und können sein:

  • Lähmung oder Taubheitsgefühl: Ein häufiges Anzeichen ist ein akut auftretendes Schwäche-, Lähmungs- oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite.
  • Sehstörungen: Geplatzte Adern und Blutungen im Auge, Doppelbilder, verschwommenes Sehen und vorübergehender Sehverlust auf einem Auge, Blitze oder Flimmern im Auge können Anzeichen sein. Oft kommt es auch zu einem jähen halbseitigen Gesichtsfeld-Ausfall.
  • Sprach- und Sprachverständnisstörungen: Plötzliche Sprachstörungen, stockende Sprache, Verdrehen von Silben, Verwendung falscher Buchstaben oder verwaschene Sprache können auftreten. Auch eine plötzlich auftretende Sprachverständnisstörung ist ein Hinweis auf einen Schlaganfall.
  • Schwindel: Plötzlicher Schwindel mit Gangunsicherheit, Dreh- oder Schwankschwindel kann auftreten.
  • Sehr starke Kopfschmerzen: Wenn sich plötzlich sehr starke Kopfschmerzen einstellen, deren Heftigkeit für den Betroffenen völlig neu und unbekannt ist, kann dies ein Anzeichen für einen Schlaganfall sein.
  • Mentale Störungen: Betroffene können unter Störungen des Bewusstseins oder Desorientierung leiden. Sie nehmen beispielsweise den Raum um sich herum, die Zeit, andere Personen, Geräusche oder Sachverhalte nicht richtig wahr oder haben Schwierigkeiten, Zusammenhänge zu verstehen.

Schlaganfall im Auge (Augeninfarkt)

Ein "Schlaganfall im Auge" ist ein umgangssprachlicher Begriff für eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Auge. Dadurch wird die Netzhaut und der Sehnerv nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Es gibt zwei Hauptformen des Augeninfarktes:

  • Arterieller Gefäßverschluss (Augeninfarkt): Meist durch ein Blutgerinnsel kommt es zu einer schlagartig einsetzenden Minderdurchblutung (Ischämie) im Auge. Ursache für die arteriellen Gefäßverschlüsse (Embolien) ist häufig eine Herz-Kreislauferkrankung, wie Bluthochdruck oder Vorhofflimmern, oder auch Diabetes mellitus.
  • Venöser Gefäßverschluss (Augenvenenthrombose): Hier kann das Blut durch den Verschluss der Zentralvene nicht mehr richtig abfließen und staut sich im Auge. Es entstehen Blutgerinnsel (Thromben), die dann die Venen verstopfen.

Symptome eines Schlaganfalls im Auge:

  • Plötzliche Sehstörungen: Meist leidet nur ein Auge an der akuten Durchblutungsstörung. Der Sehverlust kann plötzlich und schmerzlos auftreten.
  • Schleier vor dem Auge: Manche Betroffene berichten von einem Schleier über dem Auge.
  • Gesichtsfeldausfälle: Einzelne Bereiche im Sichtfeld können schwarz sein oder gar nichts mehr gesehen werden.

Unterschiede in der Behandlung

Die Behandlung eines Schlaganfalls im Gehirn und eines Schlaganfalls im Auge unterscheidet sich erheblich.

  • Schlaganfall im Gehirn: Bei einem Schlaganfall im Gehirn ist schnelles Handeln entscheidend. Je nach Art des Schlaganfalls kommen verschiedene Therapien zum Einsatz, wie z.B. die Lyse-Therapie (Auflösung des Blutgerinnsels) bei einem ischämischen Schlaganfall oder die Behandlung der Blutung bei einem hämorrhagischen Schlaganfall.
  • Schlaganfall im Auge: Bei einem Schlaganfall im Auge ist ebenfalls eine schnelle Behandlung wichtig, um irreversible Schäden an der Netzhaut zu verhindern. Die Behandlung zielt darauf ab, die Durchblutung des Auges zu verbessern und Komplikationen zu vermeiden. Zu den wichtigsten Therapieoptionen gehören intravitreale Injektionen mit VEGF-Hemmern, Laserkoagulation und die Behandlung der Grunderkrankungen.

Was tun bei Verdacht auf einen Schlaganfall im Auge?

Ein Augeninfarkt ist ein Notfall. Bei plötzlichen Sehstörungen, einem Schleier vor dem Auge oder Gesichtsfeldausfällen sollte man sofort einen Augenarzt aufsuchen oder sich in eine Augenklinik begeben. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto besser sind die Chancen, das Sehvermögen zu erhalten.

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