Die tibetische Mönchstradition birgt tiefgründige Praktiken, die Körper und Geist in Einklang bringen sollen. Eine dieser faszinierenden Techniken ist die Solarplexus-Feuer-Meditation, auch bekannt als Tummo-Atmung. Diese uralte Praxis, die von Shaolin-Mönchen, Zen-Kriegern und sogar von Wim Hof adaptiert wurde, ermöglicht es, innere Wärme zu erzeugen und das eigene Bewusstsein zu vertiefen.
Der Ursprung: Innere Wärme in eisiger Umgebung
Die Tummo-Technik ("Inneres Feuer") entstammt der alten Vajrayana-Buddhismus-Tradition. Tibetische Mönche nutzten diese Technik über Jahrhunderte hinweg, um sich in eisigen Temperaturen warmzuhalten - allein durch die Kraft der Atmung. Wissenschaftliche Tests haben gezeigt, dass tibetische Mönche nasskalte Tücher durch reines Atmen trocknen konnten, während sie nackt im Schnee meditierten.
Diese bemerkenswerte Fähigkeit beruht auf der Visualisierung von flammenden Flüssen, die durch den Körper strömen und die innere Wärme verstärken.
Die Bedeutung des roten Fadens im Buddhismus
Bevor wir uns tiefer in die Solarplexus-Feuer-Meditation begeben, ist es wichtig, einen Blick auf ein verbreitetes Symbol im östlichen Buddhismus zu werfen: den roten Faden. Dieser Faden, der um das linke Handgelenk oder um den Hals getragen wird, wird von einem Lama als geweihter Faden im Rahmen einer buddhistischen Zeremonie übergeben.
Der rote Faden erinnert an das Dharma - die buddhistische Lehre - und wird als Symbol zur Aufnahme positiver Energie und als Talisman gegen Unglück getragen. Die tibetischen Buddhisten sind von mythischen Geschichten geprägt und wenden sich gerne ihren zahlreichen Schutzgöttern zu. Rot steht hierbei für die Kraft des Lebens.
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Der Faden wird in der Regel aus drei zusammengeflochtenen Woll- oder Baumwollfäden mit Knoten angefertigt. Man trägt ihn so lange, bis er abfällt, da sich nach der buddhistischen Lehre Materie wieder transformieren soll. Heutzutage gibt es auch bunte Armbänder, die alle ihren Ursprung im roten buddhistischen Faden haben. Neben dem roten werden auch grüne, weiße, gelbe und blaue Fäden in der buddhistischen Zeremonie verwendet.
Die Bedeutung der fünf Farben im Buddhismus
Gebetsfahnen, Decken- und Wandbehänge werden in den buddhistischen Farben Rot, Blau, Grün, Weiß und Gelb gefertigt. Die fünf Farben stehen für bestimmte Zusammenhänge:
- Blau: Akshobhya, Vajrapani, Osten, Wasser, Dorje
- Weiß: Vairocana, Samantabhadra, Zentrum, Raum, Chakra
- Rot: Amitabha, Avalokiteshvara, Westen, Feuer, Padma
- Grün: Amogasiddhi, Visvapani, Norden, Luft, Visvavajra
- Gelb: Ratnasambhava, Ratnapani, Süden, Erde, Ratna
Die rote Schnur in anderen Kulturen
Nicht nur im Buddhismus werden Armbänder aus roter Schnur getragen. Auch im Hinduismus, China und Judentum hat die rote Schnur eine besondere Bedeutung:
- Hinduismus: Hindus tragen ihren roten Faden - Kautuka - am Handgelenk zum Ausdruck der hinduistischen Lebensweise. Während einer Puja (religiöse Zeremonie) des Brahmanen-Priesters trägt sowohl er selbst das rote Band, wie er auch anlässlich der Zeremonie unter den Anwesenden rote Fäden verteilt zur Erinnerung an diese Zeremonie. Es werden auch verheiratete / unverheiratete Menschen in Indien durch den Faden am entsprechenden Handgelenk gekennzeichnet, Männer und unverheiratete Frauen am rechten Handgelenk, verheiratete Frauen am linken.
- China: In China gilt das rote Armband als Schicksalskette - Seelenverwandte bleiben für lange Zeit verbunden durch das rote Band am Armgelenk. Rot gilt auch hier als starke Kraft und als Heilmittel gegen das Böse und dem Wunsch nach Erfüllung für Reichtum und Glück.
- Judentum: In der Kabbala wird nach den hebräischen Traditionen die rote Schnur mit mystischen Kräften in Verbindung gebracht. Das siebenmalige Binden roter Fäden soll Schutz vor dem Bösen gewähren.
Verstärkung des Schutzes durch Symbole
Um den Schutz zu spezifizieren oder zu verstärken, werden buddhistische Symbole wie Mantras, ein Buddhakopf oder Halbedelsteine eingeflochten. Beim Anlegen oder Flechten soll mittels einer Zeremonie mit dem Zitieren von Mantras das Armband geweiht werden.
Chakra-Armbänder
Glücksarmbänder, die mit Halbedelsteinen in den Farben der sieben Chakren versehen sind, sollen spezielle körperliche oder geistige Zentren in uns ansprechen.
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Die sieben Haupt-Chakras im Überblick
Um die Wirkung der Solarplexus-Feuer-Meditation besser zu verstehen, ist es hilfreich, die sieben Haupt-Chakras zu betrachten:
- Muladhara Chakra (Wurzelchakra):
- Thema: Lebenskraft, Urvertrauen, Erdverbundenheit
- Farbe: Rot
- Sitz: Steißbein, Beckenboden
- Element: Erde
- Sinneswahrnehmung: Geruch
- Svadhishthana Chakra (Sakralchakra):
- Thema: Heilende Energie, weibliche Energie, Zeugungskraft
- Farbe: Orange
- Sitz: Steißbein
- Element: Wasser
- Sinneswahrnehmung: Geschmack
- Manipura Chakra (Solarplexus-Chakra):
- Thema: Empathie, Ichgefühl, Emotionalität
- Farbe: Gelb, Goldgelb
- Sitz: Lendenwirbelsäule, oberhalb des Nabels
- Element: Feuer
- Sinneswahrnehmung: Sehen
- Anahata Chakra (Herzchakra):
- Thema: Liebe, Toleranz, Vergebung
- Farbe: Grün
- Sitz: Mitte der Brustwirbelsäule
- Element: Luft
- Sinneswahrnehmung: Tastsinn, Haut, Hände
- Vishuddhi Chakra (Kehlkopfchakra):
- Thema: Konzentration, Kommunikation, rationales Denken
- Farbe: Hellblau
- Sitz: Halswirbelsäule
- Element: Äther/Raum
- Sinneswahrnehmung: Hören
- Ajna Chakra (Stirnchakra):
- Thema: Schöpferische Energie, Intuition, geistige Erkenntnis
- Farbe: Dunkelblau
- Sitz: Oberhalb der Nasenwurzel - Mittig der Stirn
- Element: Avyakta (Geist)
- Sinneswahrnehmung: Hören
- Sahasrara Chakra (Kronenchakra):
- Thema: Geistige Kraft, Wissen, Innenschau
- Farbe: Violett, Weiß und Gold
- Sitz: Scheitel (Fontanelle)
- Element: Atmosphäre
- Sinneswahrnehmung: Verbundenheit mit dem Universum
Die Solarplexus-Feuer-Meditation im Detail
Die Solarplexus-Feuer-Meditation (Tummo) ist eine kraftvolle Technik, die darauf abzielt, das innere Feuer zu entfachen und die Energie im Körper zu lenken. Sie verbindet Atemtechniken mit Visualisierung, um Körper und Geist zu harmonisieren.
Die Tummo-Atmung
Die Tummo-Atmung ist eine tibetische Atemtechnik, die ursprünglich von Mönchen in Tibet praktiziert wurde. Sie ist nicht nur eine Atemtechnik, sondern auch eine Visualisierungstechnik. Die Durchführung der Visualisierungen schafft nicht nur geistiges, sondern auch körperliches Bewusstsein.
Die Tummo-Atmung wärmt den Körper, sodass Mönche in Tibet in einem kalten Klima auf einem Berg meditieren können, ohne Kleidung zu tragen. Im Kern dieser Methode hat das Aufwärmen des Körpers eher einen spirituellen Zweck, nämlich die Energie im Körper zu kanalisieren, um sich selbst zu heilen und so zum Kern des eigenen Wesens zu gelangen. Das schafft ein Gefühl der Verbundenheit mit sich selbst, den Mitmenschen und der Erde. Im Yoga ist dies kein unbekanntes Thema, sich mit dem Göttlichen und dem wahren Selbst zu verbinden.
Der Grund, warum der Körper bei dieser Methode warm wird, ist, dass der Fluss des Chi, auch bekannt als "Energie", im Körper angeregt wird. Die Wirkung der Tummo-Atmung besteht darin, dass sie eine innere Wärme erzeugt, die im Körper eine Kettenreaktion positiver Heilungseffekte auslöst. Die innere Flamme entsteht instinktiv auf der Ebene des Nabels, wo sich auch das Solarplexus-Chakra befindet.
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Die Praxis der Tummo-Atmung
- Vorbereitung: Finde einen ruhigen Ort, an dem du ungestört bist. Setze dich bequem hin, entweder auf einem Kissen oder auf einem Stuhl, mit geradem Rücken. Schließe deine Augen und entspanne dich.
- Atemrhythmus: Beginne mit tiefen, bewussten Atemzügen durch die Nase. Atme langsam ein und aus, und spüre, wie sich dein Bauchraum hebt und senkt.
- Visualisierung: Stelle dir eine Flamme vor, die in deinem Bauch sitzt, immer heller brennt und in deinem Körper aufsteigt. Konzentriere dich auf diese Flamme und spüre, wie sie Wärme und Energie in deinem Körper verbreitet.
- Atemübung: Atme tief durch die Nase ein. Halte den Atem kurz an und atme dann kraftvoll durch die Nase aus. Spüre, wie sich das Zwerchfell und der Bauchraum beim Ausatmen aktiv zusammenziehen und dann - ganz passiv - wie von selbst wieder entspannen, um einzuatmen.
- Wiederholung: Wiederhole diese Atemübung für einige Minuten. Wenn du dich unwohl fühlst, pausiere und atme normal weiter.
- Abschluss: Beende die Übung, indem du tief einatmest und langsam ausatmest. Spüre, wie die Wärme und Energie in deinem Körper nachwirken.
Kapalabhati: Der "Schädelleuchtende Atem"
Kapalabhati ("Schädelleuchtender Atem") ist eine weitere aktivierende Atemübung, die den Fokus schärft und die Motivation entfacht. Sie kann als Ergänzung zur Tummo-Atmung praktiziert werden.
Beginne die Kapalabhati-Atmung, indem du voll durch die Nase einatmest und deine Lungen sanft füllst, gefolgt von einem kraftvollen Ausatmen, ebenfalls durch die Nase. Spüre, wie sich das Zwerchfell und der Bauchraum beim Ausatmen aktiv zusammenziehen und dann - ganz passiv - wie von selbst wieder entspannen, um einzuatmen.
Kühlende Atemtechniken
Wenn du während der Übung eine körperliche Hitzewelle verspürst oder es gerade Sommerhitze herrscht, kannst du Sitali oder Sitkari praktizieren - diese Atemtechniken kühlen und balancieren.
Die Verbindung zum Manipura-Chakra
Die Solarplexus-Feuer-Meditation aktiviert das Manipura-Chakra, das Zentrum für Vitalität und Willenskraft. Durch die Konzentration auf den Atemrhythmus und die Visualisierung der inneren Flamme kommst du mit deinem Bewusstsein in Kontakt und kannst Stress und Ängste besser regulieren.
Weitere Methoden zur Harmonisierung der Chakren
Neben der Solarplexus-Feuer-Meditation gibt es weitere Methoden, um die Chakren zu harmonisieren und das Wohlbefinden zu steigern:
- Yoga: Yoga setzt gute Konzentration und regelmäßige Übung voraus. Es gibt verschiedene Yogastellungen (Asanas), die mit der Öffnung bestimmter Chakren verbunden sind. Hatha-Yoga ist besonders gut geeignet, da es viele Übungen bietet, um die Chakren auszugleichen.
- Meditation: Meditation ist nützlich, um an deinen Chakren zu arbeiten und um deinen Geist zu öffnen.
- Atemübungen (Pranayama): Mit Atemübungen kannst du dich entspannen und Verspannungen lösen.
- Klang-Yoga: Klang-Yoga konzentriert sich auf die Stimmbänder, die Atmung und die Linderung von Verspannungen.
- Steine, Reiki, Qigong, Diät, Akupunktur, ätherische Öle, Bachblüten, Shiatsu, Akupressur, Hypnose: Auch diese Methoden können zur Harmonisierung der Chakren beitragen.
Yoga-Übungen für die einzelnen Chakren
- Wurzelchakra (Muladhara): Stuhl-Pose, sitzende Vorbeuge, Baum-Pose, Kinder-Pose
- Sakralchakra (Svadhishthana): Thron-Pose, Kobra-Pose, Boot-Pose, Kuhgesichtpose
- Solarplexus-Chakra (Manipura): Posen des Kriegers 1 und 2, Heuschrecken-Pose, Sonnengruß, Stuhl-Pose
- Herzchakra (Anahata): Brückenhaltung, Kamelhaltung, Fischhaltung, Kobrahaltung
- Kehlkopfchakra (Vishuddha): Löwen-Pose, Schulterstand, Halbbrücken-Pose
- Stirnchakra (Ajna): Kinder-Pose, Katzen-Pose, Schulterstand, Tänzer-Pose, sitzende Vorbeuge
- Kronenchakra (Sahasrara): Totenstellung, Kopfstand
Ayurveda: Die Wissenschaft vom langen Leben
Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Harmonisierung von Körper und Geist ist Ayurveda, die Kunst, gesund zu leben und sanft zu heilen. Ayurveda ist das Wissen, die Wissenschaft vom langen Leben, schlichtweg von der Gesundheit. Leben und Gesundheit sind die Kombination von Körper, Sinnesorganen, Geist und Seele.
Die Doshas: Vata, Pitta, Kapha
Im Ayurveda spielen die drei Doshas - Vata, Pitta und Kapha - eine zentrale Rolle. Sie sind die Grundbausteine des Körpers und beeinflussen unsere körperliche und geistige Gesundheit.
- Vata: Hängt zusammen mit Luft und Raum (leicht, beweglich). Vata trägt die Sinneseindrücke ins Gehirn und wieder zurück zu den Organen und entsorgt unsere Abfallprodukte.
- Pitta: Hängt zusammen mit Feuer und Wasser. Pitta fördert die Verdauung und metabolische Prozesse, entfaltet die Sehkraft, unterstützt den Intellekt und ist verantwortlich für die Körpertemperatur.
- Kapha: Hängt zusammen mit Erde und Wasser. Kapha-Typen sind eher stabil gebaut und beständig.
Gesundheit ist die Harmonie der drei Grundfaktoren. Jeder Mensch bringt eine bestimmte Konstitution (oder Misch-Konstitution) mit ins Leben.
Agni und Ama: Verdauungsfeuer und Schlacken
Agni ist das Verdauungsfeuer. Es spaltet die Nahrung in ihre einfachsten Komponenten auf, die vom Körper aufgenommen werden können. Das unverdaute Material des Körpers nennt man Ama. Krankheiten entstehen hauptsächlich aus falscher Ernährungsweise, wobei Störungen des Agni ebenso Störungen der Tridoshas und das Entstehen von Ama verursachen.
Die Ayurveda-Diagnostik
Die Ayurveda-Diagnostik umfasst eine ausführliche Anamnese des Patienten und seiner Familie, eine klinische Untersuchung mit Puls-, Zungen-, Augen-, Gesichts- und Händediagnose, Auskultation und Palpitation, ferner Labor für Urin, Stuhl und evtl. Blut. Die Diagnose lässt schließlich Rückschluss auf die Grundkonstitition zu (also: Vata, Pitta, Kapha oder Mischkonstitution), die gestörten Doshas, den daraus resultierenden Krankheiten und einer Prognose.
Pancha Karma: Die Reinigungskur
Pancha Karma ist eine aufwendige Reinigungskur, die darauf abzielt, die Wurzel der Krankheit zu beseitigen (Ursachen- nicht Symptombehandlung). Den Beginn der Kur bilden Maßnahmen zur Förderung der Verdauungskraft (Agni), um z.B. Blähungen zu beseitigen, welche die perfekte Eliminierung der toxischen Substanzen und überschüssigen Doshas aus dem Körper behindern könnten.
Schon während der Anamnese wird festgestellt, welches der therapeutischen Öle für die äußere Anwendung infrage kommt. Die Ölbehandlungen sind sehr entspannend, haben einen starken Einfluss vorwiegend auf das Vata, sie wirken reduzierend; denn sie sind warm und schwer. Sie machen den Körper warm, geschmeidig und leicht, geben guten Stuhlgang, reinigen die Doshas und treiben Ama an, also die Ausscheidung der Giftstoffe und Schlacken.
Abhyanga ist die vorwiegend benutzte externe Ölbehandlung, es bedeutet: Einsalbung. Hierbei werden ölige Substanzen auf den Körper gesalbt, dort für einige Zeit belassen und anschließend abgewaschen. Eine äußerst angenehme Zuwendung ist die Synchronmassage, wobei mediziniertes, warmes Öl von zwei Therapeuten synchron aufgetragen und einmassiert wird.
Zu Abhyanga gehören ferner vier Behandlungen des Kopfes: Kopfeinsalbung, Kopfgießen, Kopfwickel und Kopfeinlauf. Vorwiegend wird der Kopfguss = Shirodhara benutzt. Shirodhara hat eine tiefgreifende Wirkung, regt alle fünf Sinne an, wirkt bei Migräne, Halswirbelsäulen-Beschwerden, Augenleiden und kann im Mentalen Veränderungen bis zur Öffnung des Dritten Auges bewirken.
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