Jung und Parkinson: Aktuelle Erkenntnisse und Therapiekonzepte in Deutschland

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. In Deutschland und weltweit engagieren sich zahlreiche Organisationen und Experten, um die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern und neue Therapieansätze zu erforschen. Symposien und Fachtagungen spielen dabei eine wichtige Rolle, um aktuelle Forschungsergebnisse zu präsentieren, Wissen auszutauschen und Betroffene sowie Angehörige zu informieren.

Parkinson-Symposien in Deutschland: Eine Übersicht

In Deutschland finden regelmäßig Symposien und Veranstaltungen zum Thema Parkinson statt, die sich an Betroffene, Angehörige und Fachleute richten. Diese Veranstaltungen bieten eine Plattform für den Austausch über aktuelle Forschungsergebnisse, Therapiekonzepte und den Umgang mit der Erkrankung im Alltag.

Einige Beispiele für solche Veranstaltungen sind:

  • Das Parkinson-Symposium der Klinik für Neurologie des Krankenhauses Rummelsberg: Dieses Symposium hat Tradition und fand in der Reichwaldhalle in Feucht statt. Neben aktuellen Studien und Forschungsergebnissen standen aktuelle Therapiekonzepte auf der Agenda - aber auch Gesprächskreise zu unterschiedlichen Themen rund um die Krankheit.
  • Symposium für jung erkrankte Parkinson-Patientinnen und Patienten des Asklepios-Fachklinikums Stadtroda: Diese Veranstaltung richtet sich speziell an Betroffene unter 60 Jahren und deren Angehörige. Neben Vorträgen zu erblichen Parkinson und neuen Behandlungsansätzen gibt es Raum für Diskussionen und Fragen.
  • Symposien von "Jung und Parkinson" e.V.: Diese Selbsthilfegruppe organisiert regelmäßig Symposien und Kompetenztreffen zum Thema Parkinson, oft in Zusammenarbeit mit Kliniken und anderen Organisationen. Im Mittelpunkt stehen das Miteinander, das Vernetzen und Austauschen.

Schwerpunkte aktueller Parkinson-Symposien

Die Themen und Schwerpunkte von Parkinson-Symposien sind vielfältig und spiegeln die aktuellen Herausforderungen und Fortschritte in der Forschung und Behandlung wider. Einige wichtige Aspekte sind:

Aktuelle Therapiekonzepte

Ein zentrales Thema ist die Vorstellung und Diskussion aktueller Therapiekonzepte. Dabei geht es sowohl um medikamentöse als auch um nicht-medikamentöse Behandlungsansätze.

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  • Medikamentöse Therapie: Bei sicherer Diagnosestellung wird direkt mit einer medikamentösen Therapie begonnen. Ziel ist es, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern. Allerdings wirken Medikamente oft unterschiedlich, weshalb für jeden Patienten ein individueller Therapieplan erstellt werden sollte. Es ist wichtig, dass Patienten die Medikamente nicht meiden, da sie vor allem am Anfang der Erkrankung ein beschwerdefreies Leben ermöglichen können.
  • Nicht-medikamentöse Therapie: Neben der medikamentösen Behandlung spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.
    • Physiotherapie behandelt Einschränkungen der Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des Körpers und kann durch den Arzt verordnet werden. Sie stellt eine sinnvolle Ergänzung und manchmal auch Alternative zu Operationen oder Medikamenten dar.
    • Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen, die aufgrund unterschiedlicher Ursachen in der eigenen Handlungsplanung eingeschränkt sind. Ursachen können sein: Erkrankungen wie z.B. Schlaganfall, Morbus Parkinson, Unfälle, das Alter und ggf. psychische Erkrankungen.
    • Logopädie behandelt Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen. Insbesondere die Behandlung von Dysphagie (Schluckstörung) ist wichtig, da Betroffene oft nicht bemerken, dass sie ein Schluckproblem haben.

Forschungsergebnisse

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Präsentation aktueller Forschungsergebnisse. Dabei geht es um neue Erkenntnisse über die Ursachen und Mechanismen der Parkinson-Krankheit sowie um die Entwicklung neuer Therapieansätze.

  • Antikörper-Therapie: Auf dem Weltkongress in Madrid wurden aktuelle Erkenntnisse zur Antikörper-Therapie vorgestellt. Mit Medikamenten will man Ablagerungen im Gehirn verhindern und beseitigen. Zwar würden die Studien beweisen, dass die Eiweißablagerungen im Gehirn, welche die Erkrankung durch das Absterben von Nervenzellen und dem dadurch entstehenden Mangel an Dopamin auslösen, deutlich weniger würden - allerdings mache das beim Betroffenen keinen Unterschied bezüglich der Symptome. Ziel muss es sein, die Nervenzellschädigung im Vorfeld zu verhindern.
  • Genspezifische Therapie: Fortschritte gibt es bei der genspezifischen Therapie, die jedoch nur maximal 3 Prozent der an Parkinson Erkrankten betrifft.

Leben mit Parkinson

Neben den medizinischen Aspekten spielen auch Themen rund um das Leben mit Parkinson eine wichtige Rolle. Dazu gehören der Umgang mit den Symptomen im Alltag, die soziale Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen sowie die Bedeutung von Bewegung und Aktivität.

  • Bewegung und Sport: Bewegung und Aktivität sind nach wie vor das A und O bei Parkinson. Koffein kann die Wirkung von Levodopa verbessern. Kaffee und Grüner Tee sind grundsätzlich förderlich. Hirntraining am Computer ist für den Alltag mit Parkinson nicht hilfreich.
  • Schlaf: Wer mit Parkinson schlecht schläft, hat einen ungünstigeren Verlauf. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Betroffene in der Sprechstunde erzählen, wie es um ihren Schlaf steht.

Jung und Parkinson

Ein besonderer Fokus liegt auf den Bedürfnissen und Herausforderungen von jungen Menschen mit Parkinson. Die Diagnose in jungen Jahren kann einschneidende Auswirkungen auf die Lebensplanung und die berufliche Karriere haben. Daher ist es wichtig, dass es spezielle Angebote und Unterstützung für diese Zielgruppe gibt.

  • Selbsthilfegruppen: Die Selbsthilfegruppe "Jung und Parkinson" hebt sich vom herkömmlichen Image einer Selbsthilfegruppe ab und bringt "frischen und zeitgenössischen Wind" in die Selbsthilfelandschaft. Sie engagiert sich für die Interessen junger Parkinson-Patienten und bietet eine Plattform für den Austausch und die gegenseitige Unterstützung.
  • Virtuelle Klinik: Die Selbsthilfegruppe plant die Erstellung einer virtuellen Klinik zum Thema Parkinson, um jungen Menschen, die die Diagnose Parkinson erhalten haben, zu helfen, die Krankheit zu verstehen und Behandlungswege aufzuzeigen.

Therapieansätze im Detail

Einige Therapieansätze werden im Folgenden detaillierter beschrieben:

LSVT® BIG und LSVT® LOUD

LSVT® BIG ist ein umfassendes Therapiekonzept, welches NUR extra ausgebildete Physiotherapeuten und/oder Ergotherapeuten durchführen dürfen. Das Behandlungskonzept sieht ein vierwöchiges Intensivprogramm vor, bei dem 4x wöchentlich 60 Min. Therapie zzgl. Hausaufgaben stattfinden.

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Das LSVT® loud (Lee Silverman Voice Treatment) ist eine spezielle Stimm- und Sprechtherapie entwickelt für Patienten mit Morbus Parkinson, welche in einem 4-wöchigen Intensivprogramm verläuft und nur von zertifizierten Therapeuten/innen durchgeführt werden darf. Hier ist das Motto „Think Loud“.

Weitere Therapieansätze

  • Transferübungen: z.B. vom Sitzen zum Stehen.
  • Übungen zur Verbesserung der Feinmotorik: wie z.B. Schreiben oder Knöpfe schließen.

Die Bedeutung der Selbsthilfe

Selbsthilfegruppen spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Menschen mit Parkinson und ihren Angehörigen. Sie bieten eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen, Informationen und Tipps zum Umgang mit der Erkrankung im Alltag.

  • Jung und Parkinson e.V.-Berlin: Diese Organisation bietet neben Fachvorträgen auch Mitmachangebote aus der Physiotherapie, Taiji-Training und ein leckeres Catering an. Eine Fragerunde zum Thema Parkinson rundet den Tag ab.

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