Über die Hälfte aller Menschen in Deutschland erleidet irgendwann im Leben einen Migräneanfall, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Der Leidensdruck ist besonders hoch, wenn Migräne chronisch wird. Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz; medizinisch zählt sie zu den neurologischen Erkrankungen. Die Häufigkeit der Anfälle variiert stark, wobei einige Menschen regelmäßig und andere nur gelegentlich darunter leiden. Die medizinische Forschung zu Migräne hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und sogenannte Triggerfaktoren identifiziert, die Migräneanfälle auslösen können.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die Ursachen für Migräne sind vielfältig, was es oft erschwert, einzelne Maßnahmen zur Verhinderung zu finden. Ein Migräne-Anfall kommt oft scheinbar aus heiterem Himmel: Plötzlich beginnt der Kopf heftig zu schmerzen, Geräusche oder Licht fühlen sich unerträglich an, und Übelkeit tritt auf. Zu den identifizierten Triggerfaktoren zählen Stress, Schlafmangel, Hormonschwankungen, laute Geräusche, Wetteränderungen oder grelles Licht. Es ist empfehlenswert, dass Migränepatienten ihren Lebensstil überprüfen, um Migräne vorzubeugen. Regelmäßiger Schlaf, feste Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und Stressvermeidung können sich positiv auswirken. Gute Mittel gegen Stress sind Entspannungsübungen wie Biofeedback und Progressive Muskelentspannung, leichtes Ausdauertraining (Laufen, Radfahren an der frischen Luft) und Yoga.
Symptome und Diagnose
Plötzliche, meist einseitige heftige Kopfschmerzen, Übelkeit und Empfindlichkeit gegen Geräusche und Licht sind typische Symptome einer Migräneattacke. Für Betroffene ist dies eine Qual, die Stunden oder sogar Tage dauern kann. Bei Verdacht auf Migräne ist es wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und andere Ursachen von Kopfschmerzen auszuschließen, da Kopfschmerzen unterschiedliche Ursachen haben können. Wenn Ihre Migräne mit Lichtblitzen, Flimmern, einem kurzzeitigen Verlust des Sehvermögens, Schwindel, Taubheitsgefühl oder Sprechstörungen verbunden ist, die vor Beginn des Kopfschmerzes auftreten, dann leiden Sie unter einer Migräne mit Aura. Sobald Aura-Symptome auftreten, sollten Sie sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurückziehen, sich hinlegen und die Augen schließen. Wichtig: Falls Sie bisher keine Migräne mit Aura hatten und plötzlich auch noch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite spüren bzw. Schwierigkeiten beim Sprechen haben, sollten Sie sofort zum Arzt gehen. Vorübergehende Sehstörungen auf beiden Augen (seltener auf einem) können auch Anzeichen einer Augen-Migräne sein. Patienten sehen dann Flimmern oder Lichtblitze oder sie haben ein eingeschränktes Sichtfeld. Die Symptome kommen ganz plötzlich und verschwinden meistens nach einer halben Stunde wieder. Auslöser können zu wenig Schlaf, Stress oder unterschiedliche Nahrungsmittel sein.
Akutbehandlung von Migräne
Aber Sie können bei einem Migräneanfall frühzeitig was tun und die Beschwerden damit stark abmildern. Wenn Sie erste Anzeichen einer Migräne spüren, ziehen Sie sich am besten gleich in einen dunklen, ruhigen Raum zurück. Versuchen Sie, sich zu entspannen. Vielleicht können Sie sogar schlafen? Manchmal wird es auch ohne Medikamente besser. Eine kalte Kompresse auf die Stirn gelegt, kann den Schmerz etwas betäuben. Ähnlich ist es mit ein paar Tropfen Pfefferminzöl, die Sie auf Stirn und Schläfen einmassieren. Eine klinische Studie von 2012 mit Lavendelöl zeigte ebenfalls positive Wirkung. Auch eine Tasse Kaffee, am Anfang der Migräne-Attacke getrunken, kann die Schmerzen lindern. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) gibt zur Selbstmedikation akuter Migräne-Attacken eine hervorgehobene Empfehlung für zwei Tabletten der fixen Kombination ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg). Die Kombination der Wirkstoffe sorgt dafür, dass das Schmerzmittel 15 Minuten schneller und außerdem stärker wirkt.
Medikamentöse Behandlung
Die Behandlung von Migräne kann sowohl medikamentös als auch nicht-medikamentös erfolgen. Bei manchen Patienten zeigen klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol Wirkung, während andere auf spezielle Migränemittel wie Triptane zurückgreifen. Die Forschung ist hier fortlaufend, und es kommen immer wieder Neuerungen wie die Migräne-Spritze auf den Markt, besonders im Bereich der Migräneprävention. In jedem Fall sollte eine medikamentöse Behandlung mit einer Neurologin oder einem Neurologen besprochen werden. Patienten, die starke Migräne haben, können sich von ihrem Arzt Triptane verschreiben lassen. Diese Wirkstoffe besetzen die Serotonin-Rezeptoren und sorgen so für eine Verengung der Blutgefäße. Außerdem verhindern sie das Freisetzen von Neuropeptiden (das sind entzündliche Eiweißstoffe) im Gehirn. Es gibt sieben Triptane (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan). Drei davon (Almo-, Nara- und Sumatriptan) gibt es rezeptfrei als Tabletten, die anderen muss der Arzt verschreiben. Bei vielen Patienten tritt Migräne in Verbindung mit Übelkeit und Erbrechen auf. Für sie können Schmerzmittel in Zäpfchenform eine verträglichere Alternative sein, weil die Mittel so nicht durch den Magen hindurchmüssen. Die Patienten können die Schmerzmittel aber auch in Verbindung mit einem Antiemetikum, also einem Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (zum Beispiel Metoclopramid), einnehmen. Nehmen Sie am besten zuerst das Antiemetikum und danach das Schmerzmittel ein. Sprechen Sie aber wegen möglicher Wechselwirkungen vorab mit Ihrem Arzt. Fragen Sie ihn auch, ob er Ihnen ein Triptan als Nasenspray oder Fertigspritze verschreibt. Normalerweise nehmen Patienten Schmerzmittel, wenn sie eine Migräneattacke haben.
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Hausmittel und alternative Behandlungen
Hausmittel gegen Migräne haben den Vorteil, dass sie den Organismus in der Regel nicht durch ausgeprägte Nebenwirkungen belasten. Andererseits ist die Wirkung der Hausmittel meist nicht wissenschaftlich bestätigt. Mediziner und Psychologen vermuten, dass in vielen Fällen auch der Placebo-Effekt - also der Glaube an die Wirksamkeit eines bestimmten Hausmittels - bei Betroffenen zu einer tatsächlichen Besserung führt. Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer ärztlichen Rat einholen.
Nicht-medikamentöse Ansätze umfassen Entspannungstechniken, Akupunktur und ergotherapeutische Maßnahmen. Organisationen wie die Johanniter bieten hier Unterstützung. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (GMKG) empfiehlt zur Selbstmedikation akuter Migräne-Attacken eine Kombination aus ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg).
Tee gegen Kopfschmerzen und andere Migräne-Beschwerden
Was hilft gegen Migräne und Kopfschmerzen? Viel trinken, also circa zwei Liter pro Tag, gilt nicht nur für Migräne-Patienten, sondern auch insgesamt als positiv, denn dadurch verbessert sich die Durchblutung im Gehirn. Dabei kommt Tee eine besondere Bedeutung zu. Die darin enthaltenden Heilpflanzen entfalten wohltuende Effekte. Geeignet als Tee gegen Kopfschmerzen sind:
- Gewürznelke: Verfeinere eine Kanne grünen Tee mit zwei Gewürznelken, etwas Zimt und Zitronensaft. Das Öl der Gewürznelke hat einen schmerzstillenden Effekt, während Grüntee das Immunsystem stärkt und entgiftend wirkt. Trinke über den Tag verteilt vier bis fünf Tassen. Achtung: Grüner Tee kann wach machen. Wenn du darauf reagierst, solltest du ihn nicht abends zu dir nehmen.
- Ingwer: Manche Menschen schwören auf Ingwer und Chrysantheme als Hausmittel zur Soforthilfe bei Migräne. Gib für einen Tee einen Teil kleingeschnittenen Ingwer und einen Teil Chrysantheme (aus der Apotheke) in eine Tasse (250 Milliliter) mit kochendem Wasser und lass den Tee 15 Minuten lang ziehen.
- Kamillenblüten: Kamillentee ist ein altbewährtes Migräne-Hausmittel, zudem lindert er Magenbeschwerden, die als Begleitsymptome auftreten können. Nimm zwei Teelöffel getrocknete Kamillenblüten für eine Tasse Tee und lass diese Mischung zehn Minuten ziehen. Anschließend kipp den Sud durch ein Sieb und genieße das Getränk.
- Mutterkraut (auch Fieberkraut genannt): Schon vielen Menschen konnte Mutterkraut helfen, einer Migräne vorzubeugen. Auch Untersuchungen haben dies bestätigt. Trink für eine Kur über mehrere Monate zwei bis dreimal täglich vor dem Essen einen Tee.
- Weidenrinde: Ein Tee aus Weidenrinde enthält unter anderem Salicylsäure, die schmerzlindernd wirkt. Damit eignet sie sich als Hausmittel gegen Kopfschmerzen. Versetze einen Teelöffel der feingeschnittenen Rinde (aus der Apotheke) mit 250 Millilitern Wasser. Anschließend koche die Mischung für fünf Minuten auf, und gib sie durch ein Teesieb.
- Waldmeister: Neben seiner beruhigenden Wirkung zeigt Waldmeister auch einen schmerzlindernden Effekt. Für einen Tee gib einen Teelöffel Waldmeister in eine Tasse mit 250 Millilitern kochendem Wasser. Lass das Getränk fünf Minuten ziehen, dann seih die Waldmeisterblüten ab. Trinke mehrere Tassen Tee täglich.
- Mädesüß: Mädesüß kann als Hausmittel gegen Migräne unterstützend zum Einsatz kommen. Der Tee sollte etwa zehn Minuten ziehen und mehrmals am Tag getrunken werden.
- Ginkgo: Die Blätter des Ginkgo-Baums enthalten gefäßerweiternde und durchblutungsfördernde Inhaltsstoffe und sind daher geeignet für einen Tee gegen Kopfschmerzen. Allerdings reagieren manche Personen auch auf Ginkgo mit Kopfschmerzen. Daher solltest du den Tee zunächst in einer Phase ohne Migräne testen.
- Weitere Tees, die gegen Migräne helfen sollen, sind Oregano, Zitronenmelisse, Lindenblüten und Rosmarin. Frage in deiner Apotheke nach deiner Wunschsorte.
Weitere Hausmittel
- Kaffee mit Zitrone: Koffein hat einen erweiternden Effekt auf die Blutgefäße.
- Cayennepfeffer: Löse einen halben Teelöffel Cayennepfeffer in einem Glas Wasser auf. Zusätzlich kannst du etwas Zitrone oder Honig beigeben.
- Basilikum: Basilikum enthält wertvolle ätherische Öle, die sich am besten beim Kauen der frischen Blätter entfalten.
- Johanniskraut: Die Arzneipflanze ist vor allem für ihre antidepressive Wirkung bekannt, kann aber auch gegen Migräne genutzt werden. Bereite dir dafür einen Tee zu.
- Vanille: Löse einen Teelöffel echte, geriebene Vanille in einem Glas Wasser auf.
Aromatherapie
Auch mit der Aromatherapie werden gute Erfolge erzielt. Zur sanften Behandlung von Migräne-Kopfschmerzen eignet sich beispielsweise zehnprozentiges Pfefferminzöl. Das ätherische Öl wird auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen und wirkt schmerzlindernd. Daneben gibt es weitere Essenzen, die du gegen Migräne nutzen kannst: Grüner Apfel, Lavendel, Eukalyptus, Rosmarin, Kamille und Majoran. Die ätherischen Öle tragen zu deinem Wohlbefinden bei und können Körper und Geist entspannen.
Kälte und Wärme
Gute Hausmittel als Soforthilfe gegen Migräne sind beispielsweise Salz-Eis-Packungen. Fülle bei einer akuten Migräne-Attacke einen Stoffbeutel mit einem Teil Salz und vier Teilen Eiswürfeln. Drücke diesen auf die pochenden, schmerzenden Schläfen oder leg ihn auf die Stirn. Das Salz stabilisiert das Eis und die Kälte betäubt den Schmerz. Bemerkst du Anzeichen einer Migräne-Attacke, kann es sich überdies lohnen, ein ansteigendes Fußbad auszuprobieren. Stelle deine Füße in eine kleine Wanne und bitte jemanden, diese mit etwa 32 Grad warmem Wasser aufzufüllen. Nimm hierzu ein Thermometer zur Hilfe. Im Laufe der nächsten 20 Minuten sollte die Wanne schubweise mit heißem Wasser aufgefüllt werden, bis die Temperatur auf 42 Grad ansteigt. Das warme Wasser wirkt beruhigend und erweitert die Blutgefäße, sodass es gut als Hausmittel gegen Migräne eingesetzt werden kann.
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Mit diesen weiteren Anwendungen kannst du etwas gegen deine Migräne tun:
- Armgüsse: Lasse kühles Wasser über deine Unterarme laufen. Das kurbelt den Kreislauf an.
- Wechselduschen: Der Wechsel zwischen warm und kalt wirkt ebenfalls belebend und kann Kopfschmerzen vertreiben.
Auch progressive Muskelentspannung, Homöopathie oder Akupunktur können eingesetzt werden, um die Beschwerden von Migräne sanft zu lindern. Wenn die Kopfschmerzen allerdings schon zu heftig sind, tut dir Ruhe und Dunkelheit gut. Eine entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule beugen einer Migräne-Attacke vor. Familie, Beruf und Alltag zu organisieren, ist keine leichte Aufgabe.
Migräne in der Schwangerschaft
Normalerweise nehmen Patienten Schmerzmittel, wenn sie eine Migräneattacke haben - aber wie ist es in der Schwangerschaft? Eine gute Nachricht: 50 bis 80 Prozent der Schwangeren haben während der Schwangerschaft deutlich weniger und zudem weniger intensive Migräneanfälle, bei einigen hört die Migräne für diese Zeit sogar ganz auf. Woran liegt das? Ein häufiger Migräne-Auslöser für Frauen ist der durch den monatlichen Zyklus schwankende Östrogenspiegel. Wenn sich dann die Blutgefäße im Gehirn ausdehnen, um den zusätzlichen Blutfluss aufzunehmen, können sie gegen die Nervenenden drücken, was Schmerzen verursachen kann. Im Verlauf der Schwangerschaft stabilisiert sich der Hormonspiegel. Aber wie ist es, wenn Sie während der Schwangerschaft trotzdem Migräne bekommen? Was hilft schnell und ist ungefährlich für das ungeborene Kind? Die beste Strategie ist die Vorbeugung. Viele Migräne-Patientinnen kennen ihre Trigger (Migräneauslöser) und können sie vermeiden. Schmerzmittel sollten Schwangere grundsätzlich nur nach Absprache mit dem Arzt und in der niedrigstmöglichen Dauer und Dosis einnehmen. Und nicht alle Medikamente sind geeignet. Ibuprofen, ASS, Diclofenac und Naproxen sind, so die Experten der DMKG, im zweiten Trimester zulässig, im ersten sollten sie nur gelegentlich genommen werden, falls Paracetamol nicht wirkt. Im dritten Trimester empfiehlt die DMKG, auf NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und ASS) zu verzichten.
Chronische Migräne und Vorbeugung
Etwa zehn Prozent der Migränepatienten leiden unter einem chronischen Verlauf der Krankheit. Um das zu vermeiden, kann der Arzt eine medikamentöse Migräne-Vorbeugung verschreiben. Hier werden andere Medikamente eingesetzt, etwa Betablocker wie Metoprolol bzw. Propranolol, Antiepileptika wie Topiramat und Kalziumkanalblocker wie Flunarizin.
Nicht-medikamentöse Vorbeugung
Es gibt auch Behandlungsmethoden ohne Medikamente, die vorbeugend unterstützen können, etwa das Vermeiden von Triggern. Da die Auslöser sehr unterschiedlich sein können, ist es empfehlenswert, ein Migräne-Tagebuch zu führen, um individuelle Trigger zu identifizieren. Regelmäßiger Schlaf, feste Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und Stressvermeidung können sich positiv auswirken. Entspannungsübungen wie Biofeedback und Progressive Muskelentspannung, leichtes Ausdauertraining (Laufen, Radfahren an der frischen Luft) und Yoga sind ebenfalls hilfreich.
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Medikamentöse Vorbeugung
Eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe kommt in Betracht, wenn die Betroffenen sehr unter der Migräne leiden, in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind und wenn die Gefahr eines übermäßigen Medikamentengebrauchs (ASS, Triptane etc.) besteht. Arzt und Patient entscheiden in einem gemeinsamen Gespräch im Vorfeld, welches Medikament zur Migräne-Vorbeugung am sinnvollsten ist. Kriterien sind dabei unter anderem die Wirksamkeit verschiedener Arzneistoffe, die Nebenwirkungen sowie individuelle Faktoren wie Häufigkeit der Migräne-Anfälle, Begleiterkrankungen und persönliche Lebensumstände (z. B. Arbeit im Schichtdienst).
Zur Vorbeugung stehen verschiedene Wirkstoffe zur Auswahl. Sie wurden ursprünglich für andere Anwendungsgebiete entwickelt, später zum Teil aber auch für die Migräne-Prophylaxe zugelassen. Bei den folgenden Medikamenten ist die Wirksamkeit sehr gut belegt:
- Propranolol, Metoprolol, Bisoprolol: Sie zählen zur Gruppe der Betablocker und senken den Blutdruck.
- Flunarizin: Dieser sogenannte Kalzium-Antagonist (Kalziumkanal-Antagonist) wird nicht nur als vorbeugendes Mittel gegen Migräne, sondern auch gegen Schwindel eingesetzt.
- Valproinsäure, Topiramat: Beides sind Mittel gegen Krampfanfälle (Antikonvulsiva). Topiramat ist zudem für die Vorbeugung von Migräne-Anfällen zugelassen, während Valproinsäure „off-label“ (also ohne Zulassung für die Indikation der Migräne-Prophylaxe) verwendet wird. (Frauen im gebärfähigen Alter müssen bei der Anwendung sicher verhüten, weil das Mittel Fehlbildungen beim Ungeborenen verursachen kann.)
- Amitriptylin: Dabei handelt es sich um ein trizyklisches Antidepressivum. Neben Depressionen und Nervenschmerzen zählt auch Migräne zu seinen Anwendungsgebieten.
- Onabotulinumtoxin A: Manche Menschen leiden nahezu ständig unter Migränebeschwerden. Injektionen mit Onabotulinumtoxin A (OnaBTX-A) helfen in diesen Fällen oft. Diese Form von Botox kann bei chronischer Migräne vorbeugend wirken.
Wenn die normalerweise gut wirksamen Mittel zur Vorbeugung nicht helfen, nicht vertragen werden oder aus bestimmten Gründen nicht angewendet werden dürfen, kann man seit einiger Zeit auf monoklonale Antikörper zur Vorbeugung von Migräne zurückgreifen. Weil sie nur als Injektionslösung zur Verfügung stehen, spricht man auch von „Anti-Migräne-Spritzen“.
Ablauf und Dauer der medikamentösen Migräne-Prophylaxe: Die meisten Migräneprophylaktika wie Propranolol oder Flunarizin werden einschleichend dosiert. Das heißt: Der Patient oder die Patientin beginnt mit einer niedrigen Dosis und steigert diese dann langsam nach ärztlicher Anweisung. Ist die gewünschte Enddosis erreicht, wird die Einnahme in den Folgewochen kontinuierlich fortgesetzt. Bessert sich innerhalb von zwei Monaten die Migräne aber nicht ausreichend, können Arzt und Patient über einen Abbruch der Prophylaxe oder einen Wechsel des Medikaments entscheiden. Ist die medikamentöse Prophylaxe wirksam, sollte nach sechs bis zwölf Monaten überprüft werden, ob eine Weiterführung notwendig ist.
Tipps für den Akutfall
Sie kennen die Auslöser der Migräne - was tun Sie am besten im Akutfall? Ziehen Sie sich möglichst schon zu Beginn der Attacke in einen ruhigen, dunklen Raum zurück und legen Sie sich hin. Ein kalter Waschlappen auf der Stirn kann die Schmerzen lindern. Schnell wirksam sind Schmerztabletten aus der Apotheke - vor allem solche, die mit Koffein kombiniert sind. Wenn Sie mehrmals im Monat Migräne-Attacken haben, sollten Sie mit Ihrem Arzt über eine Migräne-Prophylaxe sprechen. Ein Kopfschmerztagebuch kann Ihnen dabei helfen, Ihre Migräne-Trigger herauszufinden, um sie künftig zu vermeiden. Achten Sie auf einen geregelten Alltag mit festen Schlafenszeiten, regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit. Außerdem können Sie sich eine Entspannungsmethode suchen, um mit Stress besser fertig zu werden.