Daith-Piercing gegen Migräne: Studien, Erfahrungen und Risiken

Biofeedback, Muskelentspannung und Akupunktur sind etablierte Methoden zur Reduktion von Migräneattacken. In den letzten Jahren hat sich ein neuer Ansatz verbreitet: das Daith-Piercing gegen Migräne. Doch was steckt dahinter?

Migräne: Eine erhebliche Belastung

Migräne kann den Alltag stark beeinträchtigen. Betroffene leiden unter starken Schmerzen, Begleiterscheinungen und Einschränkungen im Berufs- und Sozialleben. Daher suchen viele nach Wegen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.

Das Daith-Piercing: Hoffnung oder Hype?

Das Daith-Piercing wird in der Knorpelfalte über dem Gehörgang platziert und soll Migräne reduzieren. Die Idee basiert auf dem Prinzip der Akupunktur, bei der durch Stimulation bestimmter Punkte Schmerzen gelindert werden sollen. Im Gegensatz zur Akupunktur wird beim Daith-Piercing dauerhaft ein Ohrstecker gesetzt, um den Akupunkturpunkt kontinuierlich zu stimulieren.

Wie funktioniert das Migräne-Piercing?

Das Migräne-Piercing zielt darauf ab, durch die Stimulation eines Akupunkturpunktes im Ohr das Nervensystem, insbesondere den Vagusnerv, zu aktivieren. Dieser Nerv spielt eine Rolle bei der Schmerzweiterleitung. Es wird angenommen, dass die dauerhafte Stimulation dieses Punktes die Migränehäufigkeit reduzieren kann.

Erfahrungsberichte und Meinungen

Viele Migränepatienten sind versucht, alternative Methoden wie das Migräne-Piercing auszuprobieren, besonders angesichts zahlreicher positiver Erfahrungsberichte im Internet. Einige Betroffene berichten von einer deutlichen Verringerung der Schmerzattacken oder sogar dem vollständigen Verschwinden der Migräne nach dem Setzen des Piercings. Diese Entdeckung war oft zufällig, da viele sich das Piercing aus ästhetischen Gründen stechen ließen und erst später die positiven Auswirkungen bemerkten.

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Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Die Meinungen zum Daith-Piercing sind nicht uneingeschränkt positiv, und von wissenschaftlicher Seite wird es nicht als medizinisches Heilmittel anerkannt.

Wissenschaftliche Bewertung

Aktuell gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit des Daith-Piercings bei Migräne belegen. Viele Ärzte und Migräne-Experten stehen dem Daith-Piercing daher skeptisch gegenüber. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG) rät sogar dringend davon ab, ein Migräne-Piercing als Therapie zu nutzen, da die Wirkung nicht nachweisbar ist und Gesundheitsrisiken bestehen können.

Aktuelle Forschung

Um diese Forschungslücke zu schließen, sucht das ZI (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit) Menschen zwischen 18 und 65 Jahren, die unter Migräneattacken leiden und bereit sind, sich ein Daith-Piercing stechen zu lassen, für eine wissenschaftliche Studie. Ziel dieser Studie ist es, zu untersuchen, ob Ohrpiercings die Häufigkeit, Dauer und Stärke von Migräneattacken verringern und die Lebensqualität und Stimmung verbessern können.

Mögliche Risiken und Komplikationen

Das Daith-Piercing birgt ähnliche Risiken wie andere Piercings. Da der Ohrknorpel an dieser Stelle sehr fest und wenig durchblutet ist, kann die Heilung bis zu sechs Monate dauern. Eine schlechtere Durchblutung erhöht das Risiko von Wundheilungsstörungen und Infektionen. Es kann zu Entzündungen und Verformungen der Ohrmuschel kommen.

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) warnt vor Komplikationen am Knorpel, die nur schwer heilen. Körpermodifikationen wie Piercings sollten nur unter strengen, aseptischen Bedingungen erfolgen, um das Absterben von Knorpelgewebe zu vermeiden.

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Alternativen und Empfehlungen

Anstelle eines Daith-Piercings empfiehlt die DMKG konventionelle Behandlungsmethoden wie Triptane und Schmerzmittel. Es ist ratsam, mit einem Arzt zu sprechen, um die beste Behandlungsstrategie zu finden.

sinCephalea App

Eine weitere, nicht-medikamentöse Option ist die sinCephalea Migräneprophylaxe App, die auf Rezept erhältlich ist. Diese App zielt darauf ab, die Rolle des Blutzuckerspiegels bei Migräneattacken zu berücksichtigen und individuelle Ernährungsempfehlungen zu geben.

Das Tragus-Piercing

Neben dem Daith-Piercing wird auch das Tragus-Piercing diskutiert. Der Tragus ist ein kleiner, spitzer Knorpelteil vor dem Gehörgang. Es wird angenommen, dass das Tragus-Piercing durch die Stimulation von Nervenenden die Aktivität des Gehirns beeinflussen und somit Migräne und chronische Kopfschmerzen lindern kann. Zudem könnte es das Immunsystem positiv beeinflussen und die Schlafqualität verbessern.

Eine Studie aus dem Jahr 2017 im Journal of Neurology begleitete 186 Patienten mit chronischer Migräne, die sich einer Tragusperforation unterzogen.

Weitere Akupunkturpunkte und Piercings

Neben dem Migräne-Piercing (Nullpunkt-Piercing) gibt es noch weitere Piercings, die auf Akupunkturpunkten basieren und positive Auswirkungen haben sollen:

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  • Shen Men Piercing: Soll psychischen Ausgleich fördern, entzündungshemmend wirken und bei Schmerzzuständen helfen. Es kann gegen Depressionen, Panikattacken und Angstzustände wirken.
  • Point der Jerome: Kann bei Ein- und Durchschlafstörungen, Schmerzen durch Bandscheibenvorfälle und Muskelverspannungen helfen.
  • Schilddrüsenpunkt: Kann die Schilddrüse in ihrer Funktion stärken und sowohl bei Über- als auch Unterfunktion hilfreich sein.

Wichtige Hinweise und Überlegungen

  • Individuelle Unterschiede: Jeder Mensch und jedes Ohr ist einzigartig. Nicht jedes Ohr ist für jedes Piercing geeignet.
  • Keine Heilversprechen: Es gibt keine Garantie für die Wirksamkeit eines Piercings gegen Migräne, Übergewicht oder Depressionen.
  • Kompetenter Piercer: Ein ausführliches Gespräch mit einem erfahrenen Piercer ist unerlässlich. Der Piercer sollte mit alternativen Heilmethoden und Akupunkturpunkten vertraut sein und das Piercing exakt an der richtigen Stelle platzieren.
  • Alternative Heilmethoden: Viele Fachärzte der Schulmedizin lehnen alternative Heilmethoden ab.

Piercingpunktur

Die Piercingpunktur ist eine empirische Methode, die auf den Erfahrungen von „Gepiercten“ beruht. Wissenschaftliche Studien und Belege zur Wirkung gibt es bisher nicht. Sie beruht auf der Annahme, dass das Durchstechen des Ohres an bestimmten Punkten körperliche oder seelische Beschwerden positiv beeinflussen kann.

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