Schmerzen sind ein integraler Bestandteil der protektiven Reaktionen des Körpers auf äußere und innere Einwirkungen. Es gilt, die Unversehrtheit des Gewebes zu erhalten und schädigende Noxen rechtzeitig vor Eintritt einer permanenten Schädigung zu erkennen. Das Phänomen Schmerz spielt eine sehr große Rolle in der ärztlichen Praxis. Als Symptom bedürfen Schmerzen zum einen einer ursachenbezogenen fachspezifischen Identifizierung und zum anderen einer speziellen Schmerztherapie, die laut WHO in der Lage sein sollte, alle Schmerzformen wirkungsvoll und effektiv zu behandeln. Wenn konservative Therapiemaßnahmen wie Pharmakotherapie, physikalische Medizin oder Verhaltenstherapie versagen, geraten Therapeuten und Patienten in große Not. Dieser Artikel, der erste Teil einer Arbeit über invasive Verfahren in der Therapie von Gesichts- und Kopfschmerzen, informiert über einige zentrale neurochirurgische Behandlungsmöglichkeiten und beleuchtet insbesondere die Rolle der Magnetresonanztomographie (MRT) mit Kontrastmittel bei der Diagnose und Behandlungsplanung der Trigeminusneuralgie. Er richtet sich an Neurologen, Schmerztherapeuten, Psychologen und Neurochirurgen.
Invasive Verfahren in der Schmerztherapie: Ein Überblick
Invasive Verfahren in der Schmerztherapie existieren seit Menschengedenken, wie Zahnextraktionen oder Amputationen von schmerzhaften Gliedmaßen belegen. Neuropathische Schmerzen, aber auch spezielle Formen nozizeptiver Schmerzen, werden nach Versagen aller vorhergehenden Therapiestufen des WHO-Schemas häufig mit Neuromodulation behandelt. Die neurochirurgische Schmerztherapie stellt aufgrund ihrer Invasivität die letzte Stufe jeglicher Schmerztherapie dar. Es ist wichtig zu betonen, dass sich immer mehr nichtchirurgische Fächer invasiver Verfahren bedienen, wie z.B. Anästhesie, Radiologie, Orthopädie, Urologie und Gynäkologie.
Neuromodulation: Eine reversible Beeinflussung neuraler Strukturen
Die Neuromodulation ist eine reversible elektrische Beeinflussung neuraler Strukturen. Bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. verwendete der römische Arzt Scribonius Largus den Torpedofisch, Zitterrochen und Zitteraal in der Therapie arthritischer Gelenkschmerzen und von Kopfschmerzen. Nach der Entwicklung und Implantation des ersten Herzschrittmachers in Stockholm im Jahr 1958 wurde an implantierbaren Neurostimulationssystemen gearbeitet. Die chronische Stimulation des Rückenmarks und des Gehirns kristallisierte sich in den letzten 60 Jahren als eine sehr effektive Therapieoption neuropathischer Schmerzen heraus. Shealy und Mortimer publizierten die erste, damals noch subdurale, chronische Rückenmarkstimulation zur Therapie neuropathischer Schmerzen in den Beinen im Jahr 1967.
In den 1960er Jahren wurde bereits die tiefe Gehirnstimulation beim Menschen in Experimenten und in therapeutischen Ansätzen zur Schmerztherapie eingesetzt. In Ermangelung von vollständig implantierbaren Stimulationssystemen wurden weltweit Läsionen/Verödungen in Schaltstellen des Gehirns, sog. Ausschaltungsoperationen, durchgeführt. 1974 kam die erste vollimplantierbare monopolare Stimulationselektrode auf den Markt. 1981 wurde der erste Prototyp eines vollimplantierbaren Stimulators vorgestellt. Seitdem sind vollimplantierbare Stimulationssysteme mit Batterielaufzeiten im Dauereinsatz bis zu 6 Jahren erhältlich (geringeres Infektionsrisiko). Die neuen, seit 2009 erhältlichen, wiederaufladbaren Systeme haben eine Lebensdauer von 15 und mehr Jahren oder, je nach Hersteller, sogar unbegrenzt. Diese Apparate stellen die erste Hochtechnologie der modernen Medizin dar, entwickelt zwischen 1880 und 1960.
Stereotaxie: Präzise Navigation im Gehirn
Das Prinzip der Stereotaxie beruht darauf, dass ein Rahmen am Patientenkopf befestigt wird, dessen Isozentrum die Raumkoordinaten x = 0, y = 0 und z = 0 darstellt. An diesem Rahmen werden geometrische Lokalizerplatten angebracht, die sich in der Bildgebung (CCT, MRT) darstellen. Mit einem Computer wird der Bilddatensatz in einen dreidimensionalen stereotaktischen Raum umgewandelt, der sich auf den Rahmen am Patientenkopf bezieht. Damit können jedem Punkt im Gehirn die Raumkoordinaten x, y und z zugeordnet werden. An diesem Rahmen am Patientenkopf kann ein Zielbügel angebracht werden, auf dem die Zielpunktkoordinaten eingestellt werden können. Über eine kleine Schädeleröffnung von ungefähr 5-15 mm werden die Gehirnoperationen vorgenommen.
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Vor der Verödung von Gehirnstrukturen wurden diese Strukturen elektrisch mit verschiedenen Stromstärken und Frequenzen stimuliert. Durch die Verwendung ansteigender Stromstärken konnte die Eindringtiefe der Teststimulation in das Hirngewebe verändert werden. Damit konnten benachbarte Strukturen, welche Funktionen darstellen können, erkannt und später bei der endgültigen Verödung geschont werden. Durch die Stimulation wollte man erkennen, welche Strukturen und Funktionen letztendlich durch die zugehörigen Symptome durch eine Verödung verändert oder gefährdet werden.
Der Einfluss der Stromstärke ist ebenso wichtig wie die Frequenz der elektrischen Reizung neuronaler Strukturen. Mit der Anzahl der Stromimpulse pro Sekunde kann festgelegt werden, welchen Effekt der Strom haben wird. Niederfrequente Stimulationen mit 1-80 Hz verursachen eine Aktivierung/Reizung, hochfrequente Stimulationen mit über 100 Hz führen zu blockierenden und inhibierenden Effekten.
Periphere und zentrale Eingriffe
Seit mehr als 2000 Jahren werden läsionelle Verfahren wie Neurotomien und Amputationen am Menschen zur Schmerztherapie durchgeführt. Seit knapp 60 Jahren steht der schmerzleidenden Gesellschaft die Neuromodulation zur Verfügung. Diese chirurgischen Verfahren lassen sich in periphere und zentrale Eingriffe unterteilen. Die periphere Nervenstimulation und die „spinal cord stimulation“ (SCS) können von verschiedenen Fachdisziplinen durchgeführt werden, darunter Neurochirurgie, Anästhesie, Allgemeinmedizin, plastische Chirurgie, Gefäßchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie. Eingriffe im und am Gehirn sind hingegen nur speziell dafür ausgebildeten Neurochirurg*innen vorbehalten, die große Erfahrung in der Methode der tiefen Gehirnstimulation aufweisen müssen.
Seit Anfang der 1990er Jahre werden neuromodulatorische Eingriffe und Eingriffe zur tiefen Gehirnstimulation in Innsbruck und München durchgeführt. Die Methode ist sicher und weit von experimentellen Therapieformen entfernt. Die Komplexität der Therapie spiegelt sich in der Anzahl der neurochirurgischen Therapeut*innen im Land und international wider.
Trigeminusneuralgie: Ein besonderer Gesichtsschmerz
Die Trigeminusneuralgie ist durch einschießende, blitzartige, lanzinierende Schmerzen gekennzeichnet, die plötzlich auftreten. In der Regel liegt kein sensibles Defizit vor. Ursächlich wird ein pathologischer Gefäß-Nerven-Kontakt in der „root entry zone“ (kurzes Stück vor dem Eintritt des N. trigeminus in den Hirnstamm) des N. trigeminus diskutiert. Hier sind die Nervenfasern nicht vom Myelin ummantelt, sondern mit einer vulnerableren, empfindlicheren Oligodendroglia.
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Therapieansätze bei Trigeminusneuralgie
Die Therapie der typischen Trigeminusneuralgie besteht aus der medikamentösen Therapie mit Carbamazepin. Bei konservativem Therapieversagen stehen chirurgische Optionen zur Verfügung:
- Mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta
- Thermokoagulation
- Glycerolrhizotomie
- Ballonkompression des Ganglion Gasseri
- Gamma-Knife-Therapie des N. trigeminus zwischen Hirnstamm und Felsenbeinkante
Es ist wichtig zu betonen, dass Tumoren oder Raumforderungen am Trigeminus in der Regel keine typische Trigeminusneuralgie auslösen. Ein Tumor verursacht eher eine Hypästhesie im Gesicht, je nach Lokalisation der Raumforderung zum Nerv. Wenn es dennoch zu einschießenden lanzinierenden Schmerzen kommt, kann der Tumor einen pathologischen Gefäß-Nerven-Kontakt in der „root entry zone“ verursachen. Der Tumor verlagert also eine Gefäßschlinge an die „root entry zone“ des N. trigeminus. Der Tumor an sich macht primär eine Gefühlsstörung im Gesicht oder, falls doch Schmerzen auftreten, wäre eine Neuropathie mit brennenden Dauerschmerzen sehr viel wahrscheinlicher als eine Neuralgie mit einschießenden, lanzinierenden Schmerzen ohne sensorisches Defizit.
Als Komplikation einer chirurgischen Therapie kann es zu einer Schädigung des N. trigeminus kommen, mit einem Wechsel zu einer Gefühlsstörung und einem brennenden Dauerschmerz im Gesicht. Entgegen Aussagen, wonach eine Thermokoagulation zu einer Gefühlsstörung im Gesicht, der Wange, im Mund und am seitlichen Zungenrand führen kann, ist anzuführen, dass die Gefühlsstörung bei einer Thermokoagulation des Ganglion Gasseri aus physiologischer Sicht obligat ist, denn es fallen zuerst die dicken myelinisierten Nervenfasern aus und zuletzt die dünnen Nervenfasern. Die sensorischen Fasern für Berührung sind die dicksten Fasern im N. trigeminus, gefolgt von den dünneren schmerzleitenden Fasern und zu guter Letzt den dünnen motorischen Fasern. Die Forderung an eine suffiziente Behandlung ist Attackenfreiheit. Das gelingt nur mit einer Gefühlsstörung im Gesicht je nach Verteilung im 2. und/oder 3. Ast. Eine Thermokoagulation im 1. Ast des N. trigeminus (im N. ophthalmicus) sollte nicht durchgeführt werden, denn das würde zu einer sensorischen Störung der Kornea im Auge führen.
Für die Ausschaltung des ersten Trigeminusastes verwendet man am besten die Ballonkompression des Ganglion Gasseri mit einem 4‑French-Fogerty-Katheter und 0,75-1,0 ml Kontrastmittel, welches für 1-2 min zur Kompression des Ganglion Gasseri eingesetzt wird.
Weitere Behandlungsmethoden
Es können auch lokale Thermokoagulationen, wie zum Beispiel des N. supraorbitalis, durchgeführt werden. Abschließend noch eine kurze Bemerkung zu der Behandlungsmethode Glycerolrhizotomie des Ganglion Gasseri: Der toxische Alkohol Glycerol wird ebenfalls über eine Punktion des Ganglion Gasseri durch das Foramen ovale über eine Wangenpunktion ausgeführt.
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Glossopharyngeusneuralgie
Die Betroffenen haben attackenartige, einschießende Schmerzen im Bereich der Ohrregion, der Zunge, des Rachens und der Tonsillen. Eine Reizung des N. glossopharyngeus durch Kauen, Schlucken, Sprechen, Husten, Trinken, Gähnen führt zu einer Reizung des Zungen-Rachen-Nervs mit Schmerzen in den vorbeschriebenen Bereichen im Mund und am Kopf. Pathophysiologisch wird der gleiche Mechanismus wie bei der Trigeminusneuralgie mit pathologischen Cross-Talk zwischen den afferenten somatosensorischen Fasern und den Schmerzfasern in Folge eines neurovaskulären Konfliktes zu Grunde gelegt.
Trigeminusneurinom: Eine seltene Ursache von Gesichtsschmerzen
Als Trigeminusneurinom bezeichnet man einen gutartigen Tumor, der aus den Schwann’schen Zellen des sensiblen Gesichtsnerven (N. trigeminus) entspringt. Da der Trigeminus in der Nähe der Gleichgewichtsnerven, des Hörnervs (N. cochlearis) und des motorischen Gesichtsnervs liegt, können auch diese betroffen sein. Am häufigsten verursacht der Tumor ein Taubheitsgefühl im Gesicht oder Gesichtsschmerzen (Trigeminusneuralgie). Bei größeren Tumoren, die die Gleichgewichts-Hörnerv-Gruppe erreichen, können auch eine langsam fortschreitende Hörmindernung und Drehschwindel auftreten. Eine Gesichtslähmung manifestiert sich erst sehr spät. Selten führen monströse Tumoren zu einer Blockade der Nervenwasserwege mit der Folge des Nervenwasseraufstaus und der Entwicklung eines Hydrozephalus (Wasserkopf). Die typischen Symptome sind dann Übelkeit, Erbrechen und später Bewusstseinsstörungen.
Diagnostik des Trigeminusneurinoms
Die Kernspintomographie (MRT) mit Kontrastmittelgabe ist die Untersuchung der Wahl. Diese Technik erlaubt die Darstellung auch sehr kleiner Tumoren. Mit der CISS-Sequenz (constructive interference in steady-state) kann man die einzelnen Hirnnerven im Kleinhirnbrückenwinkel und Gehörgang darstellen und erkennt sehr genau die Beziehung des Tumors zu den anderen Nerven.
Therapieoptionen beim Trigeminusneurinom
Die Therapieoptionen umfassen:
- Die Verlaufskontrolle mit regelmäßiger MRT-Untersuchung.
- Die operative Entfernung des Tumors.
- Die Strahlentherapie.
Bei älteren Patienten und kleinen Tumoren, die kaum Beschwerden machen, ist eine Beobachtung des Tumors mit MRT-Kontrollen in halbjährlichen bis jährlichen Abständen durchaus eine sinnvolle Option. Bei jüngeren Patienten wird man eher die Indikation zur Operation stellen. Insbesondere bei kleineren Tumoren besteht eine sehr gute Chance, den Tumor ohne bleibende neurologische Störungen zu entfernen. Bei großen Tumoren (> 3 cm) sollte auf jeden Fall operiert werden, da die Bestrahlung ein weiteres Wachstum häufig nicht verhindern kann und die dann erforderliche Operation aufgrund von ausgeprägten Verwachsungen deutlich schwieriger ist. Wir empfehlen eine endoskopisch-assistierte mikrochirurgische Tumorentfernung unter Gehör- und Facialismonitoring. Mit dem Monitoring wird der Funktionszustand des Hör- und Gesichtsnerven (Facialis) überwacht.
Die Rolle der MRT mit Kontrastmittel in der Diagnostik der Trigeminusneuralgie
Die Ursachen von Gesichtsschmerzen sind vielfältig. Um die genaue Ursache dieser Schmerzen festzustellen, sind präzise diagnostische Methoden unerlässlich. Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt hierbei eine zentrale Rolle.
MRT: Einblicke in die Strukturen des Gesichts
Die MRT ist ein Verfahren, bei dem Magnetfelder in elektronische Signale umgewandelt werden. Die Schnittbilder haben eine hohe Auflösung und können so eine sehr detaillierte Auskunft geben. Manchmal wird eine MRT-Untersuchung mit einer Kontrastmittelgabe durchgeführt, um Gefäße besser sichtbar zu machen. Die MRT wird durchgeführt, um bestimmte Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder einen Tumor als Ursache der Trigeminusneuralgie auszuschließen. Hierfür gilt sie als Verfahren der ersten Wahl.
Ablauf der MRT-Untersuchung
Für die Untersuchung wird der Patient in den Magnetresonanztomografen, umgangssprachlich „Röhre“ genannt, geschoben. Hier werden mithilfe der starken elektromagnetischen Felder detaillierte Schichtbilder des Gehirns erzeugt.
Vorteile der MRT
- Hohe Auflösung: Ermöglicht die detaillierte Darstellung von Nerven, Gefäßen und anderen Strukturen im Gesichtsbereich.
- Keine Strahlenbelastung: Im Gegensatz zur Computertomographie (CT) ist die MRT nicht mit einer Strahlenbelastung verbunden.
- Differenzierung von Weichteilgewebe: Die MRT ist besonders gut geeignet, um Weichteilgewebe wie Nerven und Tumoren darzustellen.
Nachteile der MRT
- Kontrastmittel: Das in die Vene verabreichte Kontrastmittel kann in seltenen Fällen Unverträglichkeiten auslösen.
- Metallische Gegenstände: Patienten dürfen keine metallischen Gegenstände oder metallischen Schmuck bei sich haben, da bei einer MRT-Untersuchung starke elektromagnetische Felder genutzt werden.
- Dauer der Untersuchung: Eine MRT-Untersuchung kann länger dauern als eine CT-Untersuchung.
Spezielle MRT-Sequenzen zur Darstellung der Hirnnerven
Verfeinerte Aufnahmetechniken und Spulen erlauben eine gute Beurteilbarkeit der Hirnnerven im MRT. Die modernen MR-Techniken haben entscheidend zur besseren Darstellung beigetragen. Die CISS-Sequenz wurde früher aufgrund ihres hohen Liquor-Gewebe-Kontrasts eingesetzt und sorgte für eine verbesserte Darstellung, zumindest bei 1,5 Tesla. Bei 3 und erst recht bei 7 Tesla wird diese Sequenz allerdings sehr störanfällig, da hierbei der Liquor zu stark betont wird und zu Artefakten führt. Eine Alternative stellt die MP2RAGE dar, eine T2-gewichtete Sequenz, die auch 3D schafft, bei gleichzeitig geringer Störanfälligkeit. Der Einsatz von parallelen Akquisitionstechniken (PAT) erzielt ein noch besseres Bildergebnis. Eine weitere Steigerung lässt sich mit den modernen Mehrkanalspulen erzielen.
Indikationen für eine MRT-Untersuchung der Hirnnerven
Zur Untersuchung der Hirnnerven werden Patienten mit Schmerz und Schwindel überwiesen. Wenn es zu Gefäßnervenkontakten kommt, die Gefäße mit kleinen Gefäßschlingen also in den Porus acusticus internus ragen, kann das die Ursache für massive Schwindelsymptome sein. Aber auch onkologische Patienten werden untersucht: Bei einer Meningeosis carcinomatosa findet eine diffuse Tumorzellaussaat im Liquorraum statt, oft unter Beteiligung der Hirnnerven. Bei Patienten mit einer Retrobulbärneuritis oder mit Sehstörungen unklarer Genese wird der Nervus opticus untersucht.
Kontrastmittelgabe bei MRT-Untersuchungen der Hirnnerven
In Abhängigkeit von der jeweiligen Problematik wird entweder mit oder ohne Kontrastmittel gearbeitet. Zur Darstellung der Anreicherung an den Hirnnerven bei beginnender Meningeose oder des häufigeren Tumors am Nervus vestibulocochlearis (Akustikusschwannom) wird auf jeden Fall Kontrastmittel verabreicht. Im Kontext mit Pathologien des Sehnervs können im Kontrast Tumoren an der Nervenscheide ausgeschlossen werden.
Die neue S1-Leitlinie zur Trigeminusneuralgie
In den vergangenen Jahren haben neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie der Trigeminusneuralgie zur Änderung der Klassifizierung geführt. Daraufhin wurde die S1-Leitlinie „Trigeminusneuralgie“ nach mehr als zehn Jahren grundsätzlich überarbeitet. Die neue Klassifikation basiert auch auf neuen diagnostischen Möglichkeiten.
Klassifikation der Trigeminusneuralgie
Unterschieden wird die klassische Trigeminusneuralgie in der überarbeiteten S1-Leitlinie von der sekundären und der idiopathischen Trigeminusneuralgie. Gemeinsam ist den drei Formen die klinische Präsentation: Dazu zählen paroxysmale einseitige Gesichtsschmerzattacken. Ein Teil der Patienten weise zudem einen anhaltenden Hintergrundschmerz auf.
Diagnostische Kriterien
„Diagnostiziert wird die Trigeminusneuralgie primär klinisch. Eine MRT (Magnetresonanztomografie) ist erforderlich, dabei bleibt das 3-Tesla-MRT weiterhin Goldstandard“, so Goßrau. Ganz essenziell sei das kraniale MRT mit Kontrastmitteln und insbesondere eine Feinschichtung des Hirnstammes.
Während bei der klassischen Trigeminusneuralgie eine neurovaskuläre Kompression mit morphologischen Veränderungen der Wurzel des Trigeminusnervs nachgewiesen werden kann, steht bei der sekundären Trigeminusneuralgie der Nachweis einer Grunderkrankung im Fokus. Das können unter anderem Multiple Sklerose oder eine raumfordernde Läsion im Gehirn sein. Bei der idiopathischen Trigeminusneuralgie sind keine Auffälligkeiten in elektrophysiologischen Tests oder im MRT sichtbar.
Therapieempfehlungen der Leitlinie
Die Trigeminusneuralgie wird zunächst medikamentös behandelt, Carbamazepin ist weiterhin das Mittel der Wahl. Bei unzureichender Wirkung der medikamentösen Prophylaxe oder bei intolerablen Nebenwirkungen empfiehlt die Leitlinie operative oder ablative Therapieverfahren. Dabei entscheidet auch die Ursache der Trigeminusneuralgie über einsetzbare Verfahren. Die mikrovaskuläre Dekompression schützt den Nerv vor weiterer Zerstörung, was sich auch klinisch zeigt: „Patienten zeigen insbesondere in den ersten sechs Monaten nach der Operation eine gute Schmerzreduktion“, sagte die Fachärztin für Neurologie - Spezielle Schmerztherapie vom Universitätsklinikum Dresden. Auch zum Langzeitverlauf liegen zunehmend Daten vor, die eine Schmerzreduktion durch die kausale Therapie zeigen würden. Eine Reihe anderer invasiver Therapien können laut Leitlinie in Spezialsituationen oder bei sekundären Trigeminusneuralgien diskutiert werden. Dazu zählen perkutane Verfahren im oder am Ganglion Gasseri. Hier ist die temperaturgesteuerte Koagulation durch Radiofrequenz laut Goßrau das präferierte Verfahren. Sensible Ausfälle im Trigeminusbereich können als Nebenwirkungen auftreten. Eine andere Möglichkeit ist die Radiochirurgie mit Gamma-Knife, Cyber-Knife oder Linearbeschleuniger.
Differentialdiagnose von Gesichtsschmerzen
Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen sind weit verbreitet. Häufig entstehen sie durch Fehlhaltungen oder Muskelverspannungen. Unzureichende Bewegung oder mangelnde Flüssigkeitszufuhr können ebenfalls zu Unbehagen führen. Doch was, wenn plötzlich unbekannte Schmerzen entstehen? Besonders beunruhigend sind Schmerzen im Gesicht, die oft unerwartet und ohne klar erkennbare Ursache auftreten.
Arten von Gesichtsschmerzen
- Stechender Schmerz: Wird oft mit dem Gefühl verglichen, als würde jemand mit einer Nadel oder einem spitzen Gegenstand in die Haut pieken. Dieser Schmerz kommt meist plötzlich und ist hochintensiv.
- Elektrisierender Schmerz: Fühlt sich wie ein Stromschlag an. Viele beschreiben es als ein „Zucken“, „Schnappen“ oder wie einen „Einschuss“ in bzw. an einer bestimmten Region des Gesichts (z. B. Wange, Kiefer oder Stirn).
- Ziehender Schmerz: Erinnert an ein gleichmäßiges Ziehen oder Spannungsgefühl. Betroffene vergleichen es oft mit einem inneren Druck oder einer schweren Last im Gesicht.
- Brennender Schmerz: Fühlt sich wie ein starker Sonnenbrand oder heißes unangenehmes Kribbeln unter der Haut an. Dieser wird oft begleitet von einem Gefühl der Überempfindlichkeit.
- Pochender Schmerz: Betroffene empfinden diese Form der Schmerzen im Gesicht meist als rhythmisch und schlagend - fast so, als würde der Herzschlag im Gesicht spürbar werden.
- Berührungsempfindlicher Schmerz: Bestimmte Bereiche des Gesichts reagieren schon bei sanfter Berührung oder minimalem Druck schmerzhaft.
Weitere Ursachen von Gesichtsschmerzen
- CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion): Führt oft zu Funktionsstörungen des Kiefergelenks, wodurch Schmerzen, Knacken und Reibegeräusche entstehen. Zusätzlich können Betroffene unter Ohrenschmerzen, Tinnitus und nächtlichem Zähneknirschen (Bruxismus) leiden.
- Zahnerkrankungen: Zahnerkrankungen können Schmerzen verursachen, die sich nicht nur auf den betroffenen Zahn beschränken, sondern auch ins Gesicht ausstrahlen. Beispielsweise kann eine unbehandelte Karies tief in den Zahn eindringen und den Zahnnerv infizieren. Weisheitszähne, die nicht richtig durchbrechen oder entzündet sind, können ebenfalls starke Beschwerden verursachen. Ein weiterer häufiger Auslöser ist der Zahnabszess.
- Clusterkopfschmerzen: Sind zwar selten, aber extrem schmerzhaft und betreffen ebenfalls meist eine Gesichtshälfte. Sie sind von kurzer Dauer, treten jedoch in wiederkehrenden Episoden, sog.
- Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung): Eine Entzündung der Nasennebenhöhlen kann Gesichtsschmerzen hervorrufen. Die entzündeten Schleimhäute bedingen dort eine Ansammlung von Schleim und Flüssigkeit, was den Druck in den Nebenhöhlen erhöhen und Schmerzen verursachen kann.
- Tumoren im Kopfbereich: Schmerzen im Gesicht können auch durch einen Tumor im Kopfbereich verursacht werden - so beispielsweise durch das Akustikusneurinom (Vestibularisschwannom). Dieser gutartige Tumor entsteht aus den Schwann-Zellen des Gleichgewichtsnervs und kann durch seine Lage und Größe Druck auf umliegende Nerven und Strukturen ausüben.
- Verletzungen im Gesichtsbereich: Direkte Gewebeschäden wie Brüche, Schnitte oder Prellungen im Gesicht und Kiefer verursachen sofort Schmerzen, da diese Verletzungen Schmerzsignale an das Gehirn senden. Verletzungen in diesem Bereich können auch Nerven schädigen oder komprimieren, was mit intensiven, oft stechenden Schmerzen einhergehen kann. Darüber hinaus können Verletzungen Muskelverspannungen hervorrufen. Des Weiteren können offene Verletzungen oder Frakturen zu Infektionen führen, die das Gewebe weiter schädigen und Entzündungen verursachen. Schließlich können auch verschobene Knochenfragmente bei Brüchen zusätzlichen Druck auf Nerven und Weichteile ausüben.
Weitere diagnostische Verfahren
Neben der MRT stehen weitere diagnostische Verfahren zur Verfügung, um die Ursache von Gesichtsschmerzen zu ermitteln:
- Digitales Röntgen: Diese Technik bietet eine deutlich reduzierte Strahlenbelastung sowie eine sofortige Bildverfügbarkeit. Mit Röntgenaufnahmen können u. a. Karies, Entzündungen und Verletzungen erkannt werden.
- Computertomographie (CT): Die CT ermöglicht eine hochauflösende Darstellung der knöchernen Strukturen im Kopf- und Gesichtsbereich in detaillierten Querschnittsbildern. Mit CT können u. a. Frakturen, Entzündungen der Nasennebenhöhlen und Tumoren erkannt werden.
- Neurologische Untersuchung: Zur neurologischen Untersuchung gehören vor allem das Berühren und Abtasten des Gesichts sowie Reflextests an den sogenannten Triggerpunkten („Nervenaustrittspunkte“). Beides hilft dem Arzt, die betroffenen Gesichtsbereiche beziehungsweise den betroffenen Nervenast des Nervus trigeminus genauer zu bestimmen.
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