Trigeminusneuralgie: Diagnostik und Therapie an der Uniklinik Essen

Die Trigeminusneuralgie ist eine äußerst schmerzhafte Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. An der Universitätsklinik Essen werden Patienten mit Trigeminusneuralgie umfassend diagnostiziert und behandelt. Dabei kommen sowohl konservative als auch operative Verfahren zum Einsatz, um eine bestmögliche Schmerzlinderung zu erreichen.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Gefäßnervenkonflikte können zu Erkrankungen führen, die die Lebensqualität der Betroffenen extrem beeinträchtigen. Die bekannteste Erkrankung aus dieser Gruppe ist die Trigeminusneuralgie. Bei der Trigeminusneuralgie kommt es zu einschießenden, stechenden, kaum auszuhaltenden Schmerzen im Bereich des Gesichtes. Die Schmerzen treten üblicherweise plötzlich und in Attacken auf. Das Bild, das Betroffene am Häufigsten verwenden, ist ein Blitzeinschlag, ein elektrisierender Schmerz, der weit über die Grenzen des Erträglichen hinausgeht. Dabei ist das Ereignis meistens auf einen Teil einer Gesichtshälfte beschränkt. Zwischen den Schmerzphasen, die typischerweise nur Sekunden und selten länger als zwei Minuten andauern, sind die Patientinnen schmerzfrei - bis zur nächsten Attacke, die auch mehrmals täglich auftreten können. Außer den Schmerzen weisen die Betroffenen keine Symptome wie Taubheitsgefühle oder Bewegungsstörungen im Gesicht auf. Viele Patientinnen berichten, dass sich die Schmerzen durch Berührung im Gesicht, Essen oder Trinken, aber auch Zähneputzen auslösen lassen. Das kann im Extremfall dazu führen, dass Patient*innen nicht mehr normal essen können und die Mundhygiene eingeschränkt ist.

Die Symptomatik betrifft fast immer nur eine Gesichtshälfte und am häufigsten das Versorgungsgebiet des II. Astes des N. trigeminus. Glücklicherweise können sich die Symptome auch von alleine wieder zurückbilden, meistens ist aber wegen der hohen Schmerzintensität eine Behandlung erforderlich.

Ursachen und Diagnose

Die Ursache für die Schmerzattacken bleibt nicht selten unklar, allerdings findet sich bei vielen Betroffenen ein direkter Kontakt einer Arterie im Gehirn mit dem dort entspringenden Trigeminusnerven. Dadurch werden wahrscheinlich Kurzschlüsse im Nerven verursacht, die zu einer maximalen Schmerzwahrnehmung führen.

Die meisten Patientinnen werden zunächst von Neurologinnen behandelt. Diese schließen zuerst mögliche auslösende Erkrankungen wie eine Multiple Sklerose aus. Vor dem Beginn einer Therapie wird zudem empfohlen, dass durch eine Kernspintomographie oder eine Computertomographie abgeklärt wird, dass keine andere Erkrankung wie zum Beispiel ein Hirntumor Auslöser für die Schmerzen ist. Nach vorausgegangener MRT-Untersuchung wird nach Leitlinien und nach Besprechung mit Patienten und Neurochirurgen die Indikation zu einer Dekompressionsoperation besprochen. Oft ist der Grund eine Gefäßanomalie im Bereich des Trigeminusverlaufs, vor allem in Kontakt mit dem Ganglion Gasseri, einem Nervenknoten an der Schädelbasis.

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Therapieansätze an der Uniklinik Essen

Die Behandlung erfolgt zunächst mit Medikamenten, die einen Einfluss auf die Reizweitergabe im Nerven haben. Die gleichen Substanzen werden auch zur Epilepsietherapie eingesetzt. Wenn es trotz dieser Maßnahmen nicht zu einer wesentlichen Besserung kommt, bestehen auch neurochirurgische Behandlungsoptionen, die im Einzelfall zu prüfen sind. Dabei kann der Nerv nach einer kleinen Schädeleröffnung hinter dem Ohr freigelegt werden. Wenn dabei ein enger Kontakt zu einem bedrängenden Gefäß nachweisbar ist, kann dieser durch Einlage kleiner Polster getrennt werden. Dadurch können häufig verzweifelte Patientinnen vollständig schmerzfrei werden. Da dieser Eingriff, der nach seinem Erfinder „Janetta“ benannt ist, in geübten Händen sehr sicher ist, kann er auch älteren Patienten angeboten werden. Die Erfolgsrate liegt mit mehr als 80 Prozent schmerzfreier Patientinnen sehr hoch. Weitere Verfahren bestehen in einer Schmerzausschaltung durch direkte Wärmebehandlung des Nervens über die Punktion mit einer Nadelelektrode. Der Nachteil dieser Methode ist allerdings, dass der Nerv dabei beschädigt wird und daraus häufig Gefühlsstörungen im Gesicht resultieren. Ein in den vergangenen Jahren neu eingesetztes Therapiekonzept ist die Nervenstimulation, bei der durch spezielle Elektroden leicht Strom abgegeben wird, der die Schmerzimpulse des Trigeminusnerven übertönen kann.

Die Therapie wird bei jedem einzelnen Patienten an die persönlichen Bedürfnisse angepasst. Durch die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit mit allen schmerztherapeutisch relevanten Kliniken und Abteilungen wählen wir die wirksamsten Behandlungsmethoden für Sie aus. Folgende Therapieverfahren kommen hierbei zur Anwendung:

  • Medikamentöse Behandlung / komplexe Akutschmerztherapie
  • Infusionstherapie sowie moderne „Patienten-Kontrollierte-Analgesie“ (PCA-Pumpen)
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Rückenmarksnahe (neuroaxiale) Regionalanästhesieverfahren
  • Therapeutische Nervenblockaden (u.a. Ganglionäre Opioid-Analgesie (GLOA)) und Lokalanästhesieverfahren
  • Physikalische Maßnahmen (Physiotherapie, Wärme-/Kälteanwendungen, Manuelle Therapie, Lymphdrainage, Ergotherapie durch das Team der Physiotherapie am Universitätsklinikum Essen

Neurochirurgische Optionen im Detail

Wenn der Nerv nach einer kleinen Schädeleröffnung hinter dem Ohr freigelegt wird und ein enger Kontakt zu einem bedrängenden Gefäß nachweisbar ist, kann dieser durch Einlage kleiner Polster getrennt werden. Dadurch können häufig verzweifelte Patientinnen vollständig schmerzfrei werden. Dieser Eingriff, der nach seinem Erfinder „Janetta“ benannt ist, ist in geübten Händen sehr sicher und kann auch älteren Patienten angeboten werden. Die Erfolgsrate liegt mit mehr als 80 Prozent schmerzfreier Patientinnen sehr hoch.

Wenn eine Dekompressionsoperation nicht in Frage kommt, führen wir in unserer Klinik, vor allem bei älteren Patienten, eine sogenannte Thermokoagulation im Ganglion Gasseri durch. Dieses Prinzip beruht darauf, dass die schmerzleitenden Fasern durch exakt dosierte Hitzeeinwirkung von 60°-90° selektiv zerstört werden. Vorteile dieses Verfahrens sind die kurze Operationsdauer und ein kurzer Klinikaufenthalt von 2 Tagen, sowie eine geringe Morbidität und Mortalität, vor allem bei älteren Patienten mit begleitenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Möglichkeit den Eingriff bei Bedarf zu wiederholen. Die fraktionierte Thermokoagulation hat einen sehr guten Behandlungserfolg.

Indikationen für Fraktionierte Thermokoagulation bei Trigeminusneuralgie:

  • Versagen der medikamentösen Prophylaxe bzw.

Naturheilkundliche Schmerztherapie als Ergänzung

Ein Schwerpunkt der Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin ist die Behandlung von Schmerzzuständen. Unsere Abteilung ist eine von der Landesärztekammer anerkannte Ausbildungsstätte für Naturheilkunde und für spezielle Schmerztherapie. So können wir Ihnen das beste Fachwissen aus zwei medizinischen Ansätzen bieten.

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In den folgenden Texten erfahren Sie, was es mit Naturheilkundlicher Schmerzmedizin auf sich hat und wie wir Sie behandeln können. Ob ambulant oder stationär hängt von dem Wunsch unserer Patientinnen und Patienten, der Schwere der Erkrankung und der Dauer der Beschwerden ab. Im Einzelfall ist ein persönliches Gespräch nötig.

Beispiele für Schmerzerkrankungen, die sich gut naturheilkundlich behandeln lassen:

  • Kopfschmerz (Migräne, Spannungskopfschmerz, Medikamentenübergebrauch, CMD, Trigeminusneuralgie)
  • Nervenschmerz (Neuropathien)

Alle diese Schmerzformen können naturheilkundlich (mit-) behandelt werden. In einer naturheilkundlichen Schmerztherapie werden verschiedene medizinische Ansätze miteinander verbunden:

  • Konventionelle spezielle Schmerzmedizin
    • Diagnostik: Alle erforderlichen diagnostischen Maßnahmen, die ambulant noch nicht erfolgt sind, werden durchgeführt. So kann z.B. eine MRT-Untersuchung erforderlich sein.
    • Konventionelle Medikation: „Schulmedizinische“ Mittel werden je nach Notwendigkeit weiter verordnet oder auch neue Therapien eingeleitet. Bei vielen Krankheitsbildern kann jedoch überprüft werden, ob eine Reduktion möglich ist.
    • Kooperationen: Wenn erforderlich werden Ärztinnen und Ärzte anderer Fachrichtungen mit in die Behandlung einbezogen.
  • Naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten
    • Individuell wird überprüft, ob die vorhandenen Schmerzen naturheilkundlich behandelt werden können. Therapeutische Möglichkeiten sind u.a.:
      • Blutegel
      • Akupunktur
      • Neuraltherapie
      • Faszientherapien (Schröpfkopfmassage), Gua Sha, Flossing
      • Manuelle Behandlung
      • Physikalische Behandlungsmöglichkeiten
        • Moderate Ganzkörperhyperthermie (Überwärmung)
        • Hydrogalvanische Bäder (Bäder mit Gleichstromanwendung)
        • Bäder mit Zusatz von ätherischen Ölen
  • Selbstwirksamkeit
    • Um langfristige Besserung zu erreichen, vermitteln wir unseren Patientinnen und Patienten Ideen und Fähigkeiten, für sich selber besser zu sorgen und durch eigenes Handeln die Beschwerden zu beeinflussen.
      • Bewegung Schmerzen führen oft zu weniger Bewegung. Dabei ist die richtige Bewegung sehr wichtig für den Körper und kann Beschwerden kontrollieren. Während des Klinikaufenthaltes ist aktive Bewegung ein Teil der Behandlung.
        • Morgenbewegung
        • Yoga
        • Sensomotorisches Training
        • Qigong
        • Bewegungsbad
        • Bewegung mit dem Schwerpunkt Atmung und Körperaufrichtung
        • Walking
        • Ergometer Training
      • Ordnungstherapie
      • Naturheilkundliche Selbsthilfestrategien Was können Sie persönlich zuhause gutes für sich tun? Sie lernen während der Behandlung verschiedene auf Sie abgestimmte Maßnahmen kennen.
      • Der Körper-Stoffwechsel (Metabolismus)
        • Bei vielen Schmerzerkrankungen kann der Körper-Stoffwechsel durch Ernährung oder Heilfasten verbessert werden. Unter dem Fasten werden geplant ca. 500 kcal/Tag in Form von Suppen und Säften eingenommen. Es kommt zu verschiedenen hormonellen Anpassungsvorgängen des Körper-Stoffwechsels. Das therapeutische Fasten ist die Basis einer naturheilkundlichen Schmerztherapie. Insbesondere bei den Indikationen rheumatoide Arthritis, Arthrose, Fibromyalgie und Migräne wird es als Verfahren eingesetzt.
      • Pflanzenheilkunde
        • Auch Mittel aus der Pflanzenheilkunde können zum Einsatz kommen. Die heutige rationale Phytotherapie“ (Kräuterheilkunde), die eine lange Tradition in Europa hat wird mehr und mehr nach wissenschaftlichen Kriterien untersucht. Die verwendeten Arzneimittel bestehen aus Pflanzen, Pflanzenteilen oder pflanzlichen Bestandteilen in unbearbeitetem Zustand oder in Form von Zubereitungen. Ob und welche pflanzlichen Mittel für Sie in Frage kommen hängt davon ab, welche Erkrankung vorliegt und auch welche konventionellen Medikamente sie einnehmen.

Behandlungsarten im Überblick

  • Stationäre Behandlung: In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten einer stationären Behandlung. Damit dies erfolgen kann, müssen wir - den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend - vor der Aufnahme prüfen, ob eine medizinische Notwendigkeit vorliegt. Die Einweisung erfolgt durch die Hausärztin, bzw. den Hausarzt oder eine Fachärztin, bzw. einen Facharzt. Privat versicherte Patientinnen und Patienten müssen im Vorfeld eine Kostenübernahme der Versicherung schriftlich einholen.
  • Tagesklinik: Was kann ich selber machen? Das Programm der naturheilkundlichen Tagesklinik hilft die Behandlungserfolge zu verstetigen und eine selbstwirksame Zukunftsaussicht zu entwickeln - es fördert die Selbstheilungskräfte und einen gesunden Lebensstil. Wir begleiten Sie auf diesem Weg, wenn medizinisch notwendig, in der Tagesklinik. Diese findet über zehn Wochen jeweils einen Tag in der Woche statt und begleitet die nachhaltige Umsetzung im individuellen Lebensumfeld. Inhalte des Programms:
    • Hintergründe und Bedeutung der Krankheit verstehen
    • wichtige Informationen über die Rolle des Lebensstils erhalten
    • Umsetzung / Üben von praktischen Trainingseinheiten
    • Achtsamkeitsübungen
    • Gruppengespräche (Sinnhaftigkeit, Erfahrung und Reflexion im Fokus)
    • Stärkung der individuellen Ressourcen
    • Unabhängig von der Tagesklinik ist eine ambulante Weiterbehandlung jederzeit möglich.
  • Ambulante Behandlung: Im Rahmen der Integrierten Versorgung gibt es spezielle Behandlungsprogramme, bei denen einzelne gesetzliche Krankenkassen die Kosten einer definierten Anzahl von ambulanten Behandlungen übernehmen.

Interdisziplinäre Schmerzkonferenzen der Universitätsmedizin Essen

Die Universitätsmedizin Essen bietet regelmäßig Interdisziplinäre Schmerzkonferenzen an. Diese Live-Webinare bieten Updates zu Schmerztherapie, Aktuelles aus Studien und Leitlinien.

Studien zur Kopfschmerzbehandlung

Prof. Dr. med. PD Dr. med. Wir führen eine klinische Studie zur vorbeugenden Behandlung der episodischen Migräne durch. Im Rahmen der Studie soll die bessere Verträglichkeit und Wirksamkeit eines vor kurzem zugelassenen Wirkstoffs gegenüber einem Vergleichsmedikament erforscht werden. Dann könnten Sie für die Studie geeignet sein. Die Entscheidung, ob Sie für diese Studie geeignet sind, trifft der Prüfarzt. Wenn Sie an einer Teilnahme interessiert sind, dann melden Sie sich bei uns! Einer Therapie mit Antikörpern gegen das Protein CGRP wird ein möglicher Nutzen bei der Behandlung sowohl episodischer als auch chronischer Clusterkopfschmerzen nachgesagt. Dieses Protein zählt zu den stärksten blutgefäßerweiternden Substanzen und spielt eine wichtige Rolle bei Krankheitsprozessen von Kopfschmerzen. Dauer ca.

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Fazit

Die Trigeminusneuralgie ist eine komplexe Erkrankung, die einer individuellen und umfassenden Behandlung bedarf. An der Universitätsklinik Essen steht ein erfahrenes Team von Spezialisten bereit, um Patienten mit TrigeminusneuralgieDiagnostik und Therapie auf höchstem Niveau zu bieten. Durch die Kombination aus konventionellen und naturheilkundlichen Verfahren sowie die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche wird eine bestmögliche Schmerzlinderung und Verbesserung der Lebensqualität angestrebt.

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