Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Hormonelle Schwankungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und Ausprägung von Migräneattacken. Dieser Artikel beleuchtet die spezifischen Therapieoptionen mit Triptanen bei hormonell bedingter Migräne, insbesondere der menstruellen Migräne, und berücksichtigt dabei aktuelle Forschungsergebnisse und Empfehlungen.
Hormonelle Einflüsse auf Migräne
Hormonelle Veränderungen im weiblichen Zyklus können Migräneattacken auslösen oder verstärken. Insbesondere der Abfall des Östrogenspiegels kurz vor der Menstruation wird als ein wichtiger Triggerfaktor angesehen. Studien haben gezeigt, dass Frauen mit Migräne während der Menstruation höhere Konzentrationen des Neuropeptids CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) aufweisen als Frauen ohne Migräne. CGRP ist ein körpereigener Entzündungsbotenstoff, der die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert und dadurch Kopfschmerzen verursachen kann.
Menstruelle Migräne: Definition und Formen
Die menstruelle Migräne wird definiert als Migräneattacken, die vorwiegend in einem bestimmten Zeitfenster auftreten: zwei Tage vor bis drei Tage nach Beginn der Periode. Dabei unterscheidet man zwei Formen:
- Rein menstruelle Migräne: Attacken treten ausschließlich während der Periode auf.
- Menstruationsassoziierte Migräne: Attacken treten ebenfalls im genannten Zeitfenster auf, jedoch zusätzlich auch zu anderen Zeiten des Zyklus.
Unterschiede zu anderen Migräneformen
Hormonell bedingte Migräne kann sich von anderen Migräneformen unterscheiden. Sie dauert oft länger, ist schmerzhafter und geht mit stärker ausgeprägten Begleitsymptomen wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen einher.
Akuttherapie mit Triptanen
Triptane sind Medikamente, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße in den Hirnhäuten verengen und die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen reduzieren. Triptane können nicht nur die Schmerzen lindern, sondern auch Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit reduzieren.
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Wirkungsweise und Anwendungsformen
Triptane sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, wie Tabletten, Zäpfchen, Nasensprays und Injektionen. Die Wahl der Darreichungsform hängt von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben des Patienten ab. Bei Übelkeit oder Erbrechen kann beispielsweise ein Zäpfchen oder Nasenspray vorteilhaft sein.
Auswahl des geeigneten Triptans
Es gibt verschiedene Triptane, die sich in ihrer Wirkungsweise und Verträglichkeit unterscheiden. Zu den gängigen Triptanen gehören:
- Sumatriptan
- Naratriptan
- Eletriptan
- Frovatriptan
- Almotriptan
- Rizatriptan
Die Auswahl des geeigneten Triptans sollte in Absprache mit einem Arzt erfolgen, der die individuellen Bedürfnisse und Begleiterkrankungen des Patienten berücksichtigt.
Einnahmezeitpunkt und Dosierung
Triptane sind am wirksamsten, wenn sie so früh wie möglich nach Beginn der Migräneattacke eingenommen werden. Die empfohlene Dosierung variiert je nach Triptan und Darreichungsform. Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen und die empfohlene Höchstdosis nicht zu überschreiten.
Was tun bei ausbleibender Wirkung?
Wenn ein Triptan in einer Migräneattacke nicht wirkt, sollte die Einnahme nicht wiederholt werden, sofern die Startdosis gleichzeitig die empfohlene Höchstdosis der Einmalgabe war. Beginnt der Patient jedoch mit einer niedrigen Dosis, kann eine Wiederholung der Einnahme nach ca. 2 Stunden in der Praxis durchaus noch eine Linderung bringen. Ist ein Triptan auch bei wiederholter Anwendung nicht effektiv, bedeutet dies bei einem Patienten nicht eine grundsätzliche Unwirksamkeit von Triptanen. In diesem Fall sollte ein Triptan aus einer Gruppe mit höherer Wirksamkeit gewählt werden.
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Wiederkehrkopfschmerzen
Bei Auftreten von Wiederkehrkopfschmerzen ist eine nächste Dosis eines Triptans in der Regel wieder genauso effektiv, wie die vorherige. Die Einnahme sollte aber nicht häufiger als zweimal in 24 Stunden erfolgen. Berichten Patienten regelmäßig über Wiederkehrkopfschmerzen, sollte zunächst ein langwirksames Triptan wie z.B. Naratriptan oder Frovatriptan erprobt werden. Alternativ bewährt hat sich in diesen Fällen auch die Kombination von Triptanen mit einem langwirksamen nichtsteroidalen Antiphlogistikum.
Häufigkeit der Einnahme
Kopfschmerzakutmedikation und damit auch Triptane sollten insgesamt nicht häufiger als an 10 Tagen im Monat eingesetzt werden, um einer Häufung der Migräneattacken und in letzter Konsequenz der Entstehung von MÜK (Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz) entgegenzutreten. Für Patienten mit häufigen Attacken bedeutet dies, eventuell auch einmal Migräneattacken unbehandelt durchstehen zu müssen.
Spezifische Therapieoptionen bei menstrueller Migräne
Neben der Akuttherapie mit Triptanen gibt es bei menstrueller Migräne einige spezifische Therapieoptionen, die in Betracht gezogen werden können.
Kurzzeitprophylaxe
Eine Möglichkeit ist die Kurzzeitprophylaxe, bei der ein Medikament vorbeugend während der prämenstruellen Phase eingenommen wird. Hierfür eignen sich beispielsweise langwirksame Triptane wie Naratriptan oder Frovatriptan, die zwei Tage vor der erwarteten Menstruation bis zum dritten Blutungstag eingenommen werden. Alternativ kann auch ein langwirksames Schmerzmittel wie Naproxen eingesetzt werden. Die Einnahme von täglich 500 bis 1000 mg sollte zwei Tage vor der erwarteten Menstruation beginnen und bis zum dritten Blutungstag dauern. Zum Schutz vor möglichen Magenproblemen ist die Kombination mit einem Protonenpumpenhemmer angebracht.
Hormonelle Langzeitprophylaxe
Für Frauen mit schwer beeinträchtigenden und lang andauernden Migräneattacken im Zusammenhang mit der Menstruation kann eine hormonelle Langzeitprophylaxe erwogen werden. Ziel ist, Fluktuationen oder das Absinken des Östrogenspiegels zu verhindern. Dazu eignet sich etwa eine monophasische Kombinationspille mit mittlerer Östrogendosis. Gute Erfahrungen haben Frauen in Studien mit der kontinuierlichen Einnahme einer Östrogen-Gestagen-Kombi über 84 oder sogar 168 Tage mit einer anschließenden siebentägigen Pillenpause gemacht. Die Migräneattacken traten erst bei der Abbruchblutung nach Absetzen der Pille auf, nicht wie vorher üblich monatlich. Aus medizinischer Sicht spreche nichts dagegen, die Menstruation über einen so langen Zeitraum zu unterdrücken.
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Hormonelle Kontrazeptiva
Als Migräne-Vorbeugung kann bei menstrueller Migräne auch die Einnahme eines oralen Kontrazeptivums, also einer Pille, in Betracht gezogen werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Zyklus-, also Hormonschwankungen, die eine Migräne auslösen können, zu verhindern. Das funktioniert zum Beispiel mit einer Gestagenmonotherapie, also einer östrogenfreien Pille. Auch ein Kombinationspräparat aus Östrogen und Progesteron kann helfen - allerdings nur, wenn es ohne Pillenpause eingenommen wird.
Vorsicht bei Migräne mit Aura
Bei Patientinnen mit Migräne mit Aura ist allerdings Vorsicht geboten, da diese ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall haben. Östrogenhaltige Präparate würden dieses Risiko noch steigern. Daher sollten bei Migräne mit Aura gar keine kombinierten Präparate verwendet werden. Das Gleiche gilt bei Migräne ohne Aura und gleichzeitig vorliegenden weiteren Risikofaktoren. Zur Verhütung ist es für diese Frauen ratsam, auf nicht-hormonelle Methoden auszuweichen.
Transdermale Östrogengabe
Sofern keine Kontrazeption erwünscht ist, könnte man Östrogen in der kritischen Phase mittels transdermaler Pflaster, Gelen oder subkutaner Implantate zuführen. Treten bei oraler Östrogensubstitution täglich migräneartige Kopfschmerzen auf, ist das ein Hinweis darauf, dass die Hormone in der Leber schnell verstoffwechselt werden (fast metabolizer). Dann sind transdermale oder vaginale Darreichungsformen sinnvoll.
Weitere Therapieansätze und Verhaltensmaßnahmen
Neben der medikamentösen Therapie können auch weitere Therapieansätze und Verhaltensmaßnahmen helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder sie abzuschwächen.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
- Stress vermeiden: Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
- Ausdauersport: Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
- Kopfschmerzkalender: Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.
- Ernährung: Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten.
Verhalten während einer Attacke
Während einer akuten Migräneattacke kann es helfen, sich zurückzuziehen. Im besten Fall in einen ruhigen Raum, der sich abdunkeln lässt.
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