Diabetische Neuropathie und Hautveränderungen: Ursachen, Behandlung und Prävention

Diabetes mellitus, eine Stoffwechselerkrankung, die durch chronisch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet ist, kann eine Vielzahl von Komplikationen verursachen. Zwei häufige und oft miteinander verbundene Folgen sind die diabetische Neuropathie und Hautveränderungen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Prävention dieser Komplikationen, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis und Handlungsoptionen zu bieten.

Diabetische Neuropathie: Nervenschäden durch Diabetes

Was ist eine diabetische Neuropathie?

Die diabetische Neuropathie ist eine Nervenschädigung, die durch langfristig erhöhte Blutzuckerwerte bei Diabetes verursacht wird. Sie ist eine der häufigsten Folgen von Diabetes, von der fast die Hälfte aller Diabetespatienten über 60 Jahre betroffen sind. Sowohl Menschen mit Typ-1- als auch mit Typ-2-Diabetes können betroffen sein.

Bei der diabetischen Neuropathie sind die Nerven des peripheren Nervensystems geschädigt. Das periphere Nervensystem umfasst alle Nerven außerhalb des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Da Nerven verschiedener Körperregionen geschädigt sein können, können unterschiedliche Krankheitsbilder entstehen.

Man unterscheidet hauptsächlich zwischen zwei Formen:

  • Sensomotorische Polyneuropathie: Schädigung der Nerven, die für Empfindungen und Berührungen zuständig sind. Dies führt zu Störungen des Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindens.
  • Autonome Neuropathie: Betrifft Nerven des vegetativen Nervensystems, die Organfunktionen steuern. Eine Schädigung kann sich beispielsweise auf das Herz-Kreislauf-System oder den Magen-Darm-Trakt auswirken.

Weniger häufige atypische Formen der Neuropathie betreffen bestimmte Nervenwurzeln oder einzelne Nerven.

Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Hautnervenentzündungen

Ursachen der diabetischen Neuropathie

Mehrere Faktoren spielen bei der Entstehung von Nervenschäden eine Rolle. Die Hauptursache ist jedoch ein über lange Zeit erhöhter Blutzuckerspiegel. Eine langjährige Diabeteserkrankung und hohe Blutzuckerwerte begünstigen daher eine Neuropathie. Bei Diabetes Typ 2 ist auch eine Störung des Fettstoffwechsels beteiligt.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Bluthochdruck
  • Gefäßerkrankungen
  • Diabetische Retino- oder Nephropathie
  • Erhöhte Blutfette
  • Alkohol
  • Nikotin
  • Übergewicht
  • Wenig Bewegung
  • Falsche Ernährung

Diabetes erhöht außerdem das Risiko für einen Mangel an Vitamin B1 und Vitamin B12, was ebenfalls zu Neuropathien beitragen kann. Durch den erhöhten Blutzucker wird mehr Vitamin B1 im Stoffwechsel verbraucht, während es gleichzeitig verstärkt über die Nieren ausgeschieden wird. Auch werden bei Diabetes vermehrt aggressive Moleküle, so genannte freie Radikale, gebildet. Experten sprechen von oxidativem Stress.

Symptome der diabetischen Neuropathie

Am häufigsten äußert sich eine diabetische Neuropathie als eine Empfindungsstörung in den Gliedmaßen. Meistens sind die Füße betroffen, aber auch in Händen, Unterschenkeln und Unterarmen können Symptome auftreten. Typische Beschwerden sind:

  • Schmerzen
  • Kribbeln
  • Brennen
  • Taubheit

Manche Patienten reagieren überempfindlich auf Berührungen. Schon leichte Berührungen - zum Beispiel mit der Bettdecke oder Socken - empfinden sie als unerträglich. Häufig sind die Missempfindungen nachts schlimmer als tagsüber. Auch Schmerzen treten meistens in der Nacht auf und werden als blitzartig und stechend beschrieben.

Lesen Sie auch: Behandlungen für gereizte Haut und Nerven

Außer Schmerzen können auch Taubheitsgefühle entstehen. Der Empfindungsverlust fühlt sich für die Patienten an, als würden die Füße nicht zu Ihnen gehören oder wären in Watte gepackt. Auch das Temperatur- und Schmerzempfinden ist beeinträchtigt.

Sind die Nerven der Organe geschädigt, können viele unterschiedliche Symptome entstehen, je nachdem welche Nerven und Organsysteme betroffen sind:

  • Magen-Darm-Trakt: Schluckstörungen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall
  • Herz-Kreislauf-System: Niedriger Blutdruck, schneller Herzschlag in Ruhe und Herzrhythmusstörungen (erhöhtes Risiko für Herzstillstand)
  • Harn- oder Geschlechtsapparat: Schwierigkeiten, die Blase zu entleeren, Blasenschwäche oder Erektionsstörungen
  • Weitere: Extremes Schwitzen oder Schwitzen im Gesicht und Hals beim Essen

Symptome atypischer Formen der diabetischen Neuropathie können einseitige Schmerzen (beispielsweise im Brustbereich), Gewichtsverlust oder Schwäche sein.

Etwa die Hälfte der Menschen mit einer diabetischen Neuropathie hat jedoch keine Beschwerden. Bei ihnen können trotzdem das Empfindungsvermögen und Muskelreflexe vermindert sein oder fehlen. Auch haben sie oft einen unsicheren Gang und stürzen leichter. Ebenso bleiben Fußverletzungen häufig unbemerkt, weil sie nicht schmerzen.

Diagnose der diabetischen Neuropathie

Menschen mit Diabetes sollten sich regelmäßig auf Anzeichen einer diabetischen Neuropathie untersuchen lassen. Hierfür gibt es Screeninguntersuchungen, die bei Typ-2-Diabetikern ab der Diagnose und bei Typ-1-Diabetikern spätestens fünf Jahre nach Diabetesbeginn einmal jährlich durchgeführt werden sollten.

Lesen Sie auch: MS und unerträglicher Juckreiz?

Bei diesen Untersuchungen erkundigt sich der Arzt nach Beschwerden und schaut sich Hände und Füße an. Er testet, ob die Patienten sehr leichte Berührungen oder Vibrationen fühlen, und überprüft die Muskelreflexe. Wenn sie diese Berührungen und Vibrationen nicht wahrnehmen oder die Muskelreflexe schwächer sind, ist das ein Hinweis auf eine beginnende diabetische Neuropathie.

Gibt es bei diesen Tests Auffälligkeiten, überprüft der Arzt außerdem das Schmerz- und Kälteempfinden. Er beurteilt den Gang und untersucht die Füße auf Verletzungen.

Der Arzt fragt auch nach Symptomen einer autonomen Neuropathie. Viele dieser Beschwerden, zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden oder Herz-Kreislauf-Probleme, können auch eine andere Ursache haben. Um andere Erkrankungen auszuschließen oder bei untypischen Symptomen sind manchmal weitere Untersuchungen notwendig, etwa eine Laboruntersuchung oder eine Echokardiografie (EKG).

Zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit wird Strom durch die Nervenbahnen geschickt. Mit einer Stimmgabel prüft der Neurologe das Vibrationsempfinden. Bei der standardisierten Quantitativen Sensorischen Testung werden durch sieben verschiedene Gefühlstests an der Haut 13 Werte ermittelt. Sie helfen zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist. Um das Temperaturempfinden exakt zu messen, kommen bei der sogenannten Thermode computergesteuerte Temperaturreize zum Einsatz. Die Untersuchung einer Gewebeprobe kann helfen, die Ursache einer Polyneuropathie zu finden. Dazu wird eine sogenannte Nerv-Muskel-Biopsie aus dem Schienbein entnommen und feingeweblich untersucht.

Verlauf der diabetischen Neuropathie

Der Verlauf einer diabetischen Neuropathie ist unterschiedlich.

  • Subklinische diabetische Neuropathie: Keine Beschwerden, aber Nervenschädigungen sind in neurologischen Tests erkennbar.
  • Chronisch schmerzhafte Neuropathie: Schmerzen und Taubheitsgefühle. Wenn nach Monaten oder Jahren schmerzleitende Nervenfasern absterben, können die Schmerzen abnehmen.
  • Akute schmerzhafte Neuropathie: Eher selten, mit symmetrischen Schmerzen in den Füßen und Beinen.
  • Schmerzlose Neuropathie: Keine Beschwerden oder Taubheitsgefühle und Missempfindungen. Empfindungsverlust und fehlende Muskeleigenreflexe bereiten den Patienten Schwierigkeiten zu gehen. Verletzungen und Druckstellen an den Füßen werden oft nicht oder zu spät wahrgenommen.

Außerdem neigen Menschen mit diabetischer Neuropathie zu Infektion und Geschwüren an den Füßen. Auch Schäden an Knochen und Gelenken kommen vor. Das kann schlimmstenfalls dazu führen, dass der Fuß amputiert werden muss.

Therapie der diabetischen Neuropathie

Eine diabetische Neuropathie ist nicht heilbar, denn die Nervenschäden lassen sich meist nicht rückgängig machen, aber man kann den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. Vor allem durch eine gute Blutzuckereinstellung und gesunde Lebensweise kann die Erkrankung aufgehalten werden.

  • Blutzuckereinstellung: Eine gute Blutzuckereinstellung kann den Verlauf der Erkrankung bei Typ-1-Diabetes verlangsamen. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist sind gute Blutzuckerwerte allein weniger gut wirksam, um die diabetische Neuropathie aufzuhalten. Hier spielen auch Blutfette, Blutdruck und Körpergewicht eine Rolle.
  • Gesunde Lebensweise: Bei Typ-2-Diabetes sind daher eine gesunde Ernährung und Lebensweise wichtig, um einem Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken.
  • Medikamentöse Schmerztherapie: Bei Schmerzen können die Patienten Medikamente nehmen. Allerdings wirken gängige Schmerzmittel wie Aspirin oder Ibuprofen nicht gut bei diabetischer Neuropathie. Zur Schmerztherapie werden Medikamente eingesetzt, die üblicherweise zur Behandlung von Depressionen und Epilepsie verwendet werden, zum Beispiel Pregabalin oder Duloxetin. Diese verändern auch die Schmerzwahrnehmung: Sie hemmen die Weiterleitung von Schmerzreizen an das Gehirn und helfen besser gegen die Schmerzen bei diabetischer Neuropathie.
  • Alternative Behandlungsansätze: Außerdem sollen Alpha-Liponsäure und Benfotiamin, eine Vorstufe von Vitamin B1, einen günstigen Einfluss auf die Nerven haben. Neben der medikamentösen Schmerztherapie gibt es alternative Behandlungsansätze, zum Beispiel die elektrische Nervenstimulation (TENS) oder Akupunktur. Bisher konnten Studien die Wirksamkeit bei diabetischer Neuropathie jedoch nicht eindeutig belegen.
  • Vorbeugung von Fußkomplikationen: Ein weiterer wichtiger Aspekt der Behandlung ist die Vorbeugung von Fußkomplikationen. Menschen mit diabetischer Neuropathie haben oft rissige und trockene Haut und kleine Verletzungen werden häufig nicht bemerkt. Daher sollten sie täglich die Füße untersuchen, um Verletzungen, Geschwüre und Hautinfektionen rechtzeitig zu bemerken.
  • Weitere Maßnahmen: Für Patienten mit einer fortgeschrittenen Neuropathie ist wichtig zu lernen, mit den körperlichen Einschränkungen umzugehen und im Alltag selbstständig zu bleiben - zum Beispiel durch eine Ergotherapie und Physiotherapie.

Prognose der diabetischen Neuropathie

Hat sich eine Neuropathie manifestiert, können die Schmerzen durch eine Behandlung gelindert werden, aber der Empfindungsverlust bleibt. Vor allem durch eine gute Blutzuckereinstellung und gesunde Lebensweise kann die Erkrankung aufgehalten werden.

Prävention der diabetischen Neuropathie

  • Typ-1-Diabetes: Vor allem durch einen gut eingestellten Blutzuckerwert lässt sich einer diabetischen Neuropathie vorbeugen.
  • Typ-2-Diabetes: Eine gesunde Lebensweise ist die beste Maßnahme zur Vorbeugung. Dazu gehört eine gesunde Ernährung, viel Bewegung, Gewichtsreduktion bei Übergewicht und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin.

Trockene Haut und andere Hautveränderungen bei Diabetes

Zusammenhang zwischen Diabetes und Hautveränderungen

Ein hoher Blutzuckerspiegel kann im Laufe der Zeit auch die Haut in Mitleidenschaft ziehen. Viele Diabetiker leiden unter typisch diabetischen Hautveränderungen, oft ohne diese zunächst mit dem Diabetes in Zusammenhang zu bringen. Neben einer Vielzahl von Hautveränderungen zählen extreme Trockenheit der Haut und Juckreiz zu den häufigsten Anzeichen diabetischer Haut.

Rund 80 % der Menschen mit Diabetes sind von Hautveränderungen betroffen, besonders häufig bei Menschen mit langfristig erhöhten Blutzuckerwerten.

Ursachen für Hautprobleme bei Diabetes

Die Hautveränderungen, mit denen Diabeteskranke konfrontiert sind, können verschiedene Ursachen haben:

  • Hohe Blutzuckerwerte: Der erhöhte Blutzucker kann verschiedene Stoffwechselprozesse auslösen, die wiederum zu komplexen Störungen in den Hautzellen und im Bindegewebe der Haut führen können. Hohe Blutfett- und Harnsäurewerte erhöhen das Risiko für Hautveränderungen weiter, dies betrifft vor allem Menschen mit Typ-2-Diabetes.
  • Medikamente: Medikamente zur Behandlung des Diabetes können, wie alle anderen Medikamente, allergische Reaktionen auslösen. Die Bandbreite der möglichen Veränderungen ist hier groß, von lokaler Rötung über Quaddeln (der sogenannten Nesselsucht oder Urtikaria) und Juckreiz bis zum anaphylaktischen Schock.
  • Infektionen: Bei Menschen mit Diabetes kommen häufig Infektionen der Haut vor, da durch eine hohe Glukosekonzentration in der Haut sowie das gestörte Immunsystem die Haut ihre Barrierefunktion verliert. Dies erleichert die Ausbreitung von Bakterien und Pilzen.
  • Gefäßbedingte Probleme: Diabetes hat häufig Einfluss auf die Blutgefäße und damit die Versorgung unserer Organe - auch der Haut. Einige Hautprobleme resultieren nicht direkt aus dem Diabetes, sondern werden durch solche Gefäßveränderungen ausgelöst.
  • Klebstoffe: Die Klebstoffe, die bei Nutzung von moderner Diabetes-Technologie eingesetzt werden, können Hautveränderungen auslösen. Die Klebstoffe sind zwar im Laufe der Jahre immer hautfreundlicher geworden, doch es gibt immer noch zahlreiche Menschen mit Diabetes, die Probleme mit Hautirritationen (irritative Kontaktdermatitis) oder allergischen Reaktionen haben.

Typische Hauterkrankungen im Zusammenhang mit Diabetes

Es gibt einige Hauterkrankungen, die zwar nicht durch den Diabetes ausgelöst werden, dennoch aber bei Menschen mit Diabetes häufig auftreten:

  • Trockene Haut und Juckreiz: Etwa ein Drittel aller Menschen mit Diabetes leiden unter trockener und juckender Haut, da ihre Hautbarriere durch verminderte Produktion von Schweiß und Talg gestört ist. Durch Kratzen verursachte Wunden können zudem leicht mit weiteren Erregern infiziert werden.
  • Pseudoacanthosis nigricans: Bei dieser Erkrankung treten unscharf begrenzte, grau-bräunliche und samtartige Stellen auf der Haut auf, häufig am Nacken, in den Achselhöhlen, Gelenkbeugen oder in die Leistenregion. Die Ursachen sind unklar, allerdings besteht bei den Betroffenen häufig eine Insulinresistenz.
  • Diabetisches Sklerödem: Hierbei handelt es sich um Veränderungen des Bindegewebes, die durch „Verzuckerung“ von Eiweißen (sogenannte Bildung von AGE-Produkten) in der Haut und den darunterliegenden Strukturen entstehen. Dadurch verändern sich die Kollagenfasern der Haut, was wiederum zu einer Verminderung der Elastizität von Haut und Gelenken führt.
  • Gelbknoten (Xanthome): Diese orange-gelblichen, knotenartigen Fettablagerungen werden durch eine Fettstoffwechselstörung bei hohen Cholesterinwerten ausgelöst. Sie gehen oft mit dem Diabetes einher, sind aber weitgehend harmlos.
  • Pigmentstörungen oder Diabetische Dermopathie: Vor allem an den Unterschenkeln können rotbraune scharf abgegrenzte Flecken auftreten, die in der Regel schmerzlos sind. Die genaue Ursache dafür ist unklar, es gibt aber Vermutungen, dass Veränderungen an den kleinsten Blutgefäßen eine Rolle spielen.
  • Weißfleckenkrankheit (Vitiligo): Hierbei kommt es durch zu scharf begrenzten, weißen Flecken auf der Haut, die meist zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr auftreten. Diese Hautveränderungen finden sich häufig bei Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel Typ-1-Diabetes.

Behandlung von Hautveränderungen bei Diabetes

Aufgrund der Vielzahl und Bandbreite der diabetischen Hauterkrankungen gibt es keine allgemein gültige Therapie: Manche Erkrankungen sind harmlos, anderen bedürfen der ärztlichen Behandlung.

Wichtig ist zunächst, Hautveränderungen zu erkennen. Daher sollte die Haut regelmäßig untersucht werden, um frühzeitig eine Therapie einzuleiten zu können. Da viele Hautveränderungen durch hohe Blutzuckerwerte ausgelöst werden, sollte langfristig eine stabile Stoffwechseleinstellung mit HbA1c-Werten zwischen 6,5 und 7,5 % angestrebt werden. Weiterhin ist eine konsequente Wundbehandlung wichtig. Bei durch Medikamente verursachten Hauterkrankungen ist eine Therapieumstellung notwendig.

Zudem kommt es bei Diabetes oft zu Hauttrockenheit. Diese kann durch angepasste Hautpflege verbessert werden, z.B. durch Ölbäder, harnstoffhaltige Cremes oder eine Lichttherapie. Häufiges Waschen und v.a. lange Wannenbäder sollten vermieden werden.

Bei schwerwiegenderen Erkrankungen, wie beispielsweise einer Infektion durch Pilze oder Bakterien, können Ärzt*innen geeignete Medikamente wie Antipilzmittel oder Antibiotika verschreiben. Bei Pilzinfektionen ist außerdem wichtig, betroffenen Bereiche gut zu reinigen und zu pflegen sowie Kleidung bei 60 Grad Celsius zu waschen.

Tipps zur Hautpflege bei Diabetes

  • Regelmäßige Hautkontrolle: Die Haut sollte täglich auf Veränderungen oder Auffälligkeiten kontrolliert werden.
  • Hautpflegeprodukte für Diabetiker: Für die Basispflege von trockener Haut ist es wichtig, die richtigen Pflegemittel für Diabetikerinnen zu wählen. Diese sollten unparfümiert sein, zusätzlich ist ein neutraler pH-Wert gerade bei Seifen wichtig. Mindestens einmal pro Tag wird das Pflegen mit einer feuchtigkeitsspendenden Hautcreme für Diabetikerinnen empfohlen. Inhaltsstoffe wie Urea und Glycerin wirken rückfettend und helfen, die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen und die Hautbarriere zu stabilisieren.
  • Haus oder Wohnung feucht halten: Trockene Luft ist der natürliche Feind trockener Haut. Es ist deshalb ratsam, darauf zu achten, dass die Luftfeuchtigkeit im eigenen Zuhause hoch genug ist.
  • Nicht kratzen: Auch, wenn es bei ausgeprägtem Juckreiz schwerfällt - bitte nicht kratzen. Schon kleinste Verletzungen, die dabei entstehen, können zur Eintrittspforte für Bakterien oder andere Krankheitserreger werden und in der Folge zu schlimmeren (Haut-) Problemen führen.
  • Richtiges Duschen: Menschen mit Diabetes sollten es nicht übertreiben und sich nicht zu häufig duschen. Denn das trocknet die Haut aus. Auch lange oder besonders heiße Bäder sollten besser vermieden werden.

Diabetisches Fußsyndrom (DFS)

Was ist das diabetische Fußsyndrom?

Beim „Diabetischen Fuß“ handelt es sich nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um ein komplexes Krankheitsbild, das in der Medizin auch als diabetisches Fußsyndrom (DFS) bezeichnet wird. Charakteristisch dafür sind u.a. schlecht heilende Wunden, Druckstellen oder Geschwüre an den Füßen, die durch Nervenschäden und Durchblutungsstörungen entstehen. Bleiben die Symptome unbehandelt, kann eine Amputation notwendig sein.

Das DFS kann potenziell alle Patienten mit Diabetes mellitus betreffen. In Deutschland sollen bereits etwa vier bis zehn Prozent aller Patienten mit Diabetes unter einem DFS leiden.

Ursachen des diabetischen Fußsyndroms

Im Rahmen eines nicht oder unzureichend kontrollierten Diabetes mellitus mit dauerhaft oder wiederkehrend zu hohem Zuckerspiegel (Hyperglykämie) kommt es durch die Zuckerablagerungen zu chronischen Schädigungen vieler Organsysteme, wobei für den diabetischen Fuß zwei Schädigungen entscheidend sind:

  • Diabetische Neuropathie: Schädigung der Nerven des Fußes, die zu einer Polyneuropathie führt, welche mit schmerzlosen Druckgeschwüren einhergeht. Patienten spüren dadurch Druck, Schmerzen oder Verletzungen an den Füßen nicht mehr, wodurch selbst kleine Wunden unbemerkt bleiben.
  • Diabetische Angiopathie (pAVK): Schädigung der Blutgefäße des Fußes, die zu Durchblutungsstörungen führt.

In vielen Fällen sind beide Formen miteinander kombiniert.

Symptome und Verlauf des diabetischen Fußsyndroms

Die Beschwerden im Zusammenhang mit einem diabetischen Fuß beginnen meist schleichend. Anfangs bemerken Patienten ein Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühl in den Füßen. Auch trockene Haut oder Schwielen können frühe Hinweise sein. In späteren Stadien treten offene Wunden, Rötungen oder Schwellungen auf - häufig an der Fußsohle, an den Zehen oder der Ferse.

Durchblutungsstörungen:

  • Wadenschmerzen oder -krämpfe beim Gehen (Claudicatio intermittens, "Schaufensterkrankheit")
  • Ruheschmerzen, besonders nachts in horizontaler Lage
  • Nekrosen (Absterben von Gewebe), beispielsweise der Zehen oder des gesamten Fußes

Polyneuropathie:

  • Sensible Neuropathie: Missempfindungen, Verlust des Schmerzempfindens, gestörtes Temperatur-, Berührungs- und Vibrationsempfinden
  • Motorische Neuropathie: Schwund der Muskeln (Atrophie), insbesondere an den kleinen Fußmuskeln, was zu Fehlstellungen wie Hammer- oder Krallenzehen führen kann.
  • Autonome Neuropathie: Hautveränderungen in Form von trockener Haut und Einrissen (Fissuren)

Eine Wunde, die sich entzündet und trotz Pflege nicht abheilt, sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Besonders problematisch wird es, wenn Bakterien in das Gewebe eindringen.

Diagnose des diabetischen Fußsyndroms

Neben der regelmäßigen Messung der Blutzuckerwerte sollten bei allen Diabetikern Füße und Schuhwerk regelmäßig kontrolliert werden.

Nach dem Erstgespräch untersuchen Ärzt:innen die Füße genauer:

  • Palpation: Das Abtasten des Fußes gibt Hinweise, ob eine Durchblutungsstörung und/oder Nervenschädigung vorliegt.
  • Stimmgabeltest: Hierbei wird untersucht, ob die Betroffenen die Vibrationen spüren.
  • Kalt-Warm-Test: Mit dieser Methode wird das Temperaturempfinden der Patient:innen überprüft.
  • Monofilament: Mit dieser Untersuchung wird die Hautempfindlichkeit überprüft.
  • Knöchel-Arm-Index: Der „ankle brachial index“ (ABI) oder auch Knöchel-Arm-Index wird genutzt, um eine Durchblutungsstörung der Beine festzustellen.
  • Duplex-Ultraschall: Der Ultraschall kann eventuelle Durchblutungsstörungen aufzeigen.
  • Wund-Dokumentation: Bei einer vorhandenen Wunde wird die Größe, Tiefe und die Lage der Wunde beurteilt und dokumentiert.

Zur Kontrolle der Durchblutung ist es wichtig, immer wieder den Fußpuls zu prüfen. Wenn man den Fußpuls nicht tasten kann, sollte eine entsprechende Durchblutungskontrolle, zum Beispiel mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Farbkodierte Duplexsonographie - FKDS), durchgeführt werden. Aber selbst ein tastbarer Puls schließt bei einem nicht heilenden DFS eine Durchblutungsstörung nicht aus.

Therapie und Nachsorge des diabetischen Fußsyndroms

Wichtig für eine erfolgreiche Therapie des DFS ist neben der Behandlung der internistischen Grunderkrankung, also des Diabetes mellitus, und der Diabetesoptimierung eine regelmäßige Infektionskontrolle und die Therapie von begleitenden Gefäßerkrankungen. Zudem sollten Patienten und ihr soziales Umfeld geschult werden, entsprechend auf die Füße zu achten.

Die Behandlung hängt stark vom jeweiligen Wundstadium und der Beeinträchtigung des Fußes ab. Leitlinien in der Diabetologie legen fest, wie das DFS behandelt wird.

  • Blutzucker einstellen: Bei der Behandlung ist wichtig, dass auch der Blutzucker gut eingestellt wird, damit die Gefäß- oder Nervenschädigung nicht weiter fortschreiten kann.
  • Druckentlastung: Die betroffene Stelle muss dringend vom Druck entlastet werden. Eine zusätzliche Entlastung wird durch die Lochtechnik mithilfe von Filzen geschaffen. Manchmal werden auch Orthesen (Schienen) eingesetzt, um den Druck (noch mehr) zu verringern.
  • Wundversorgung: Akute Wunden werden immer gereinigt und von totem Gewebe (Nekrosen) befreit. Operative Eingriffe können nötig sein, um die Ausbreitung einer Infektion zu verhindern.
  • Schuhwerk: Tragen von adäquatem Schuhwerk, hierbei geht es in erster Linie um eine Druckentlastung. Als erster Schritt sollten dafür Schwielen podologisch entfernt werden. Anschließend können konfektionierte Diabetesschutzschuhe mit diabetes-adaptierter Fußbettung individuell gefertigt werden. Auch knöchelübergreifende orthopädische Maßschuhe mit diabetes-adaptiertem Fußbett oder Verbandschuhe können sinnvoll sein. Daneben können die Füße auch durch Gehstützen, Rollstuhl, Cast, Orthesen oder Interims-Schuhe entlastet werden.

Bei nicht rechtzeitiger oder nicht adäquater Versorgung kann die Amputation unterer Extremitäten notwendig werden. Je nach Ausmaß wird dann ein Zeh oder auch der komplette Fuß amputiert. Wichtig: Die Empfehlung zu einer Amputation sprechen Ärzt:innen nie leichtfertig aus. Die Anzahl der Fußamputationen in Deutschland sinkt.

Was kann der Patient selbst tun?

Patienten mit DFS sollten besonders gründlich auf ihre Füße achten und dabei die folgenden Punkte beherzigen:

  • Feste, angepasste Schuhe ohne Innennähte tragen
  • Ferse sollte kein Spiel haben
  • Schuhkappen müssen weich und breit genug sein
  • Innensohle muss glatt sein
  • Keine Massagesohlen tragen
  • Atmungsaktives Fußbett
  • Kontrolle der Schuhe auf Fremdkörper
  • Niemals barfuß laufen, auch nicht nur auf Strümpfen
  • Keine Hornhaut- und Hühneraugenpflaster verwenden; keinen Hornhauthobel einsetzen
  • Keine Wärmflaschen und Heizdecken verwenden
  • Füße nicht in zu heißem Wasser waschen (nicht über 37°C, besser 32-35°C) und nicht länger als drei bis fünf Minuten
  • Füße jeden Tag auf Verletzungen und Entzündungen überprüfen
  • Füße gut abtrocknen, auch zwischen den Zehen
  • Weiße Strümpfe tragen, so werden Blut oder Sekrete sichtbar

Um einem diabetischen Fußsyndrom vorzubeugen, wird die Teilnahme am Disease Management Programm (DMP) bei den Hausärzt:innen empfohlen. Die Fußpflege ist bei Menschen mit Diabetes besonders wichtig und sollte am besten jeden Tag erfolgen.

tags: #trockenen #haut #diabetes #neuropathie