Migräne-Therapie im Test: Welche Tropfen und Medikamente wirklich helfen

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch starke, pochende Kopfschmerzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen gekennzeichnet ist. In Deutschland leiden fast 30 Prozent der Frauen und 12 Prozent der Männer unter Migräne. Die Symptome beeinträchtigen die Betroffenen in ihrer Lebensqualität und Produktivität erheblich. Viele Migränepatienten suchen lange nach einer wirksamen Behandlung, die ihre Symptome zuverlässig lindert. Eine aktuelle Studie gibt nun Aufschluss darüber, welche Medikamente bei Migräne am besten wirken und welche Alternativen es zu Ibuprofen gibt.

Die Suche nach der wirksamsten Migräne-Behandlung

Migränepatienten müssen mitunter lange suchen, bis sie eine wirksame und zuverlässige Behandlung für ihre Symptome gefunden haben. Bislang gibt es keinen Überblick, der die verfügbaren Medikamente miteinander vergleicht und Auskunft gewährt, wie sie im Vergleich zueinander wirken. Ein Forschungsteam hat die Daten von 300 000 Patienten erhoben, die während eines Untersuchungszeitraums von sechs Jahren eine Smartphone-App für die Auswahl und Dokumentation ihrer Medikamente gegen Migräne nutzten. Die Studie ergab, dass einige Migränemedikamente bei der Behandlung zwei- bis fünfmal so wirksam sein können wie Ibuprofen - insbesondere die Wirkstoffklassen Triptane, Ergotika und Antiemetika sollen hier positiv herausgestochen haben.

Triptane als Mittel der Wahl

Die Studie ergab, dass Triptane die wirksamste Medikamentenklasse im Vergleich zu Ibuprofen sind. Triptane waren laut Studie fünfmal wirksamer als Ibuprofen, Ergotika dreimal wirksamer und Antiemetika zweieinhalbmal wirksamer. Betrachtet man die einzelnen Medikamente, so ragten offenbar drei Schmerzmittel hinsichtlich ihrer Wirksamkeit heraus: Eletriptan, Zolmitriptan und Sumatriptan. Alle drei gehören, wie ihr Name verrät, zur Klasse der Triptane, die in der akuten Migränetherapie gegen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen eingesetzt wird.

Triptane imitieren die Eigenschaften des körpereigenen Botenstoffes Serotonin, mit dessen Hilfe die Weite der Blutgefäße reguliert wird. Sie besetzen die Bindungsstellen von Serotonin auf den Gefäßen, was eine Verengung der Blutgefäße in den Hirnhäuten bewirkt und den Migräneanfall unterbricht. Zudem hemmen sie die Freisetzung entzündlicher Eiweißstoffe im Gehirn und reduzieren die Fortleitung von Schmerzimpulsen. Triptane helfen auf Grund ihrer spezifischen Wirkungsweise nur bei Migräne und Cluster-Kopfschmerz.

In der vorliegenden Studie erwies sich das Kopfschmerzmittel Eletriptan als sechsmal wirksamer als Ibuprofen, Zolmitriptan war fünfeinhalbmal und Sumatriptan fünfmal so wirksam. Die Fachleute stellten fest, dass die Teilnehmer Eletriptan in 78 Prozent der Fälle als hilfreich empfanden - Zolmitriptan in 74 Prozent und Sumatriptan in 72 Prozent der Fälle. Ibuprofen nahmen die Patientinnen und Patienten hingegen nur in 42 Prozent der Fälle als wirksam wahr.

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Chia-Chun Chiang, Neurologe, erklärt: "Unsere Ergebnisse bestätigen, dass Triptane bei der Behandlung von Migräne früher in Betracht gezogen werden sollten, statt sie nur bei schweren Anfällen einzusetzen."

Rezeptfreie Triptane

Als rezeptfreie Medikamente sind derzeit drei Triptane (Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan) in Tablettenform erhältlich. Wichtig: Der Arzt muss zuvor auch für sie eine Migräne diagnostizieren. Sumatriptan als Spritze gilt Experten zufolge als das am schnellsten wirksame Triptan gegen akute Migräne. Schon nach zehn Minuten spüren Patienten eine Besserung. Wichtig: Achten Sie auf die Angaben auf dem Beipackzettel und sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die maximale Tagesdosis. So sollten innerhalb von 24 Stunden nicht mehr als zwei Tabletten Sumatriptan (50 mg) eingenommen werden.

Anwendungshinweise für Triptane

Am besten wirken Triptane, wenn sie möglichst früh, zu Beginn der Schmerzphase, eingenommen werden. Das gilt allerdings nur, wenn die Patienten maximal zehn Migräne-Tage pro Monat haben. Auch eine Einnahme an mehr als drei Tagen hintereinander sollten Sie vermeiden. Empfehlung der DMKG: Wenn die Beschwerden wiederkehren, darf die nächste Triptan-Dosis frühestens nach sechs Stunden gegeben werden. Grundsätzlich wird empfohlen, Triptane während Schwangerschaft bzw. Stillzeit nicht einzunehmen, wenn möglich. Sumatriptan gilt zwar als sicher, aber Migräne-Patientinnen sollten unbedingt mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie es einnehmen.

Nebenwirkungen von Triptanen

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie bei Migräne Triptane eingenommen haben und Nebenwirkungen spüren. Dazu gehören Übelkeit, Schwindelgefühle, Brennen in Nase oder Hals oder Nasenbluten. Wenn Ihnen nach der Einnahme von Triptanen übel wird, informieren Sie Ihren Arzt. Es gibt nämlich noch eine weitere Verabreichungsform: Als Zäpfchen sind Triptane verträglicher, weil der Wirkstoff nicht den Magen passieren muss. Sumatriptan zum Beispiel bekommen Sie auch in dieser Form.

Was tun, wenn Triptane nicht wirken?

Nicht immer ist das erste Triptan das richtige. Wenn Sie das Mittel bei drei aufeinanderfolgenden Attacken genommen, aber keine Wirkung gespürt haben, sollten Sie sich vom Arzt ein anderes Triptan verschreiben lassen. Solmitriptan zum Beispiel kann in Tablettenform, aber auch als Nasenspray eingenommen werden.

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Alternativen zu Ibuprofen

Das Forschungsteam untersuchte auch andere Medikamentengruppen wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), zu denen etwa Ibuprofen gehört, Paracetamol und Kombinationen verschiedener Präparate. Andere NSAR waren demzufolge zu 94 Prozent wirksamer als Ibuprofen, bei den Mitteln Ketorolac, Indomethacin und Diclofenac lagen die Angaben zur Wirksamkeit bei um die 60 Prozent (Ketorolac 62, Indomethacin 57, Diclofenac 56 Prozent wirksamer als Ibuprofen). Paracetamol hingegen empfanden die Untersuchten nur in 37 Prozent der Fälle als hilfreich, und es erwies sich in der Migränetherapie als 17 Prozent weniger wirksam als Ibuprofen.

Interessanterweise erwies sich eine gängige Kombination von Medikamenten zur Behandlung von Migräne, nämlich Aspirin, Paracetamol und Koffein, als um 69 Prozent wirksamer als Ibuprofen, was das Manko des für sich genommen weniger wirksamen Paracetamols wieder ausgleicht.

Paracetamol in der Schwangerschaft

Paracetamol sollte in der Schwangerschaft nicht verwendet werden. In einigen Studien ist der Verdacht aufgekommen, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft das Risiko für einen Hodenhochstand (Kryptorchismus) erhöhen kann. Ebenso gibt es Hinweise darauf, dass das Asthmarisiko in der Kindheit erhöht ist, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hat. Besser untersuchte Alternativen zu Paracetamol und alternativ Ibuprofen gibt es nicht.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Neben Medikamenten gibt es auch weitere Möglichkeiten, Migräne zu behandeln und vorzubeugen:

  • Reizabschirmung: Es gehört zu einer der ersten Maßnahmen in der Behandlung des Migräneanfalles, eine Reizabschirmung einzuleiten. Da die Lärm- und Lichtempfindlichkeit vielen Betroffenen gut bekannt ist, aber aufgrund der Alltagsbedingungen eine Reizabschirmung nicht immer möglich ist, versuchen sich viele Menschen durch schnelle und übermäßige Einnahme von Medikamenten arbeitsfähig zu erhalten.
  • Antiemetika: Die Gabe eines Medikaments gegen Übelkeit und Erbrechen hat sich in der Behandlung der Migräneattacke als sinnvoll erwiesen, da sie einerseits direkt und gezielt die Symptome Übelkeit und Erbrechen reduziert, andererseits die Magen- und Darmaktivität normalisieren kann. Dadurch kann die Aufnahme des Medikamentes gegen die Schmerzen verbessert und beschleunigt werden.
  • Kopfschmerz-Tagebuch: Indem Sie genau protokollieren, unter welchen Umständen die Kopfschmerzen auftreten, beobachten Sie Ihren Körper und Lebensstil kritisch. Das hilft Ihnen im Alltag, Auslöser zu meiden und Attacken zu verhindern.
  • Entspannungsverfahren: Jeder Migränekranke sollte eine Entspannungstechnik erlernen, etwa Yoga oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson.
  • Biofeedback: Mittels dieser Technik lernen Migränegeplagte ihre eigenen, meist unbewusst ablaufenden Körperfunktionen zu erkennen und zu steuern.
  • Kopfschmerzseminare: Schmerzkliniken haben spezielle Seminare entwickelt. In kleinen Gruppen lernen Betroffene viel über ihre Erkrankung.
  • Konkordanztherapie: Die Konkordanztherapie, ein für Menschen mit Migräne entwickeltes Verhaltenstraining, hilft Patienten, ihre Körpersignale in schwierigen Situationen besser wahrzunehmen.
  • Sport: Er schafft Ausgleich und Entspannung. Attacken treten dadurch nachweislich seltener auf. Am besten eignen sich Ausdauersportarten wie Laufen, Walken, Schwimmen oder Radfahren.
  • Akupunktur: Einigen Betroffenen hilft dieses Verfahren.
  • Sauna: Der Gang in das Schwitzbad entspannt und verbessert dadurch offenbar die Befindlichkeit.
  • Kneipptherapie: Wassertreten, Wechselbäder, Knie-, Schenkel-, Arm- und Gesichtsgüsse werden bei Kopfschmerzen empfohlen.

Die Rolle des Arztes

Bei Migräne und anderen primären Kopfschmerzarten sollten Sie sich so schnell wie möglich in fachärztliche Behandlung begeben. Die erste Diagnose stellt in der Regel der Hausarzt. Dieser sollte mit den Kriterien, nach denen die Erkrankung definiert ist, unbedingt vertraut sein. Es ist daher ratsam, wenn Sie den Arzt vorher nach seiner Kompetenz auf diesem Gebiet fragen. Ansonsten sollten Sie einen Neurologen konsultieren.

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Im Gespräch (Anamnese) ermittelt dieser die Vorgeschichte der Beschwerden, wobei er die typischen Kriterien der Migräne abfragt. Führt der Betroffene einen Kopfschmerz-Kalender, in welchem er die Schmerzmuster genau dokumentiert, kann der Arzt leichter herausfinden, woran sein Patient leidet. Fällt die Diagnose zweifelhaft aus, prüft der Arzt, ob das Leiden nicht auch andere Ursachen haben könnten.

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