Hirntumoren sind seltene Erkrankungen des zentralen Nervensystems, die sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern auftreten können. Sie entstehen durch unkontrolliertes Wachstum von Zellen im Gehirn oder seinen unmittelbaren Umgebungen. Die Symptome, Diagnose und Behandlung von Hirntumoren sind vielfältig und hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art des Tumors, seine Größe und Lage, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten.
Arten von Hirntumoren
Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, die sich in ihrem Ursprung, ihrem Wachstumsmuster und ihrer Bösartigkeit unterscheiden. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Hirntumoren.
- Primäre Hirntumoren: Diese Tumoren entstehen direkt im Gehirngewebe oder in den Hirnhäuten. Sie können von verschiedenen Zelltypen ausgehen, am häufigsten von den Gliazellen (Gliome). Zu den häufigsten primären Hirntumoren gehören:
- Gliome: Astrozytome, Oligodendrogliome, Ependymome, Glioblastome
- Meningeome: Tumoren der Hirnhäute
- Neurinome/Schwannome: Tumoren der Nervenscheiden
- Medulloblastome: Tumoren des Kleinhirns, die vor allem bei Kindern auftreten
- Sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen): Diese Tumoren entstehen durch die Ausbreitung von Krebszellen aus anderen Körperregionen in das Gehirn. Hirnmetastasen sind im Erwachsenenalter häufiger als primäre Hirntumoren.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, die das Risiko für die Entwicklung eines Hirntumors erhöhen können:
- Erbliche Krankheitsbilder: Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom, Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose
- Strahlentherapie: Hirntumoren können viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich auftreten, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
- Familiäre Vorbelastung: Bei Patienten, die in jungen Jahren an einem Hirntumor erkranken, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades ebenfalls leicht erhöht.
- Computertomografie (CT) im Kindesalter: Eine solche Untersuchung kann das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
Symptome von Hirntumoren
Die Symptome eines Hirntumors hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Neu auftretende, zunehmend heftige Kopfschmerzen, die im Liegen zunehmen und sich nachts oder in den frühen Morgenstunden verschlimmern.
- Übelkeit und Erbrechen: Insbesondere morgendliche Übelkeit ohne erkennbaren Grund.
- Sehstörungen: Gesichtsfeldausfälle, Doppelbilder, verschwommenes Sehen.
- Neurologische Ausfälle: Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Sprachstörungen, Schluckstörungen, Schwindel, Schwerhörigkeit, Tinnitus.
- Krampfanfälle: Neu auftretende epileptische Anfälle.
- Hormonelle Störungen: Bei Tumoren der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) können Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, des Körperwachstums oder der Sexualität auftreten.
- Beeinträchtigung des Gedächtnisses und der Konzentration.
- Veränderungen der psychischen Gesundheit: Depressionen, Teilnahmslosigkeit, Angst.
- Persönlichkeitsveränderungen: Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, verändertes Verhalten.
- Vergrößerter Kopf (Hydrozephalus): Bei Babys und Kleinkindern kann ein Hirntumor zu einer Vergrößerung des Kopfes führen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die meisten dieser Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Wenn jedoch mehrere Symptome gleichzeitig auftreten oder sich im Laufe der Zeit verschlimmern, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
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Diagnose von Hirntumoren
Bei Verdacht auf einen Hirntumor führt der Arzt zunächst eine neurologische Untersuchung durch, um die Funktion des Nervensystems zu überprüfen. Anschließend werden bildgebende Verfahren eingesetzt, um den Tumor sichtbar zu machen und seine Größe, Lage und Ausdehnung zu bestimmen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist dasStandardverfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Sie liefert detaillierte Bilder des Gehirns und kann auch kleine Tumoren erkennen.
- Computertomographie (CT): Die CT ist eine weitere bildgebende Methode, die zur Diagnose von Hirntumoren eingesetzt werden kann. Sie ist insbesondere geeignet, um Knochenstrukturen und Blutungen darzustellen.
- Biopsie: Um die Art des Tumors zu bestimmen, wird in der Regel eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Die Biopsie kann während einer Operation oder durch eine minimal-invasive Punktion durchgeführt werden.
- Elektroenzephalogramm (EEG): Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann Anfallsgefährdung ermitteln.
- Liquoruntersuchung: Bei einigen Hirntumoren kann eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich sein, um Tumorzellen nachzuweisen.
Behandlung von Hirntumoren
Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art des Tumors, seine Größe und Lage, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Die wichtigsten Behandlungsoptionen sind:
- Operation: Ziel der Operation ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne wichtige Gehirnfunktionen zu beeinträchtigen. Bei gutartigen Tumoren kann eine Operation ausreichend sein.
- Strahlentherapie: Die Strahlentherapie wird eingesetzt, um verbleibende Tumorzellen nach einer Operation zu zerstören oder um Tumoren zu behandeln, die nicht operativ entfernt werden können. Es gibt verschiedene Arten der Strahlentherapie, darunter die externe Strahlentherapie und die stereotaktische Radiochirurgie.
- Chemotherapie: Die Chemotherapie wird eingesetzt, um Krebszellen im ganzen Körper zu zerstören. Sie wird häufig in Kombination mit einer Operation und/oder Strahlentherapie eingesetzt.
- Zielgerichtete Therapie: Bei einigen Hirntumoren können zielgerichtete Medikamente eingesetzt werden, die spezifische Eigenschaften der Tumorzellen angreifen.
- Tumortherapiefelder (TTF): Bei dieserBehandlung werden Elektroden auf die rasierte Kopfhaut geklebt, die ein elektrisches Feld erzeugen, welches das Wachstum der Tumorzellen hemmen soll.
- Supportive Therapie: Die supportive Therapie umfasst Maßnahmen zur Linderung von Symptomen und Nebenwirkungen der Behandlung, wie z.B. Schmerzmittel, Antiemetika und Kortikosteroide.
Die Behandlung von Hirntumoren erfordert ein interdisziplinäres Team von Spezialisten, darunter Neurochirurgen, Strahlentherapeuten, Onkologen, Neuropathologen und Rehabilitationsmediziner.
Behandlungsmethoden bei Meningeomen
Meningeome sind in der Regel gutartig und gut behandelbar. Die bevorzugte Behandlungsmethode ist die mikrochirurgische Resektion, bei der der Tumor möglichst vollständig entfernt wird. Wenn eine Operation nicht möglich ist oder der Tumor nicht vollständig entfernt werden kann, kommt eine Bestrahlung in Frage. In seltenen Fällen kann auch eine Chemotherapie eingesetzt werden.
Reha und Nachsorge
Nach der Behandlung eines Hirntumors ist eine Rehabilitation wichtig, um die körperlichen, geistigen und seelischen Funktionen wiederherzustellen. Die Nachsorge umfasst regelmäßigeKontrolluntersuchungen, um einen Rückfall der Erkrankung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
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Leben mit einem Hirntumor
Die Diagnose eines Hirntumors kann für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine große Belastung darstellen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und sich Unterstützung zu suchen. Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen, die Betroffenen und ihren Angehörigen helfen können, mit der Erkrankung umzugehen.
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