Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson genannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem das motorische System betrifft. Eines der bekanntesten und auffälligsten Symptome ist der Tremor, insbesondere der Ruhetremor. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, verschiedenen Tremorarten, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit Parkinson, um ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Erkrankung zu ermöglichen.
Einführung in Morbus Parkinson
Morbus Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach Alzheimer. Schätzungen zufolge sind in Deutschland mindestens 200.000 Menschen betroffen, und die Tendenz ist steigend. Die Krankheit tritt meist im höheren Erwachsenenalter auf, wobei die Mehrzahl der Betroffenen über 60 Jahre alt ist. Allerdings können auch jüngere Menschen, in seltenen Fällen sogar schon im Alter von zwanzig Jahren, betroffen sein (juveniler Parkinson). Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Die Parkinson-Trias und weitere Symptome
Die Parkinson-Krankheit ist durch die sogenannte Parkinson-Trias gekennzeichnet:
- Tremor: Zittern, insbesondere der Ruhetremor.
- Rigor: Muskelsteifheit.
- Akinese: Bewegungsarmut.
Diese Kardinalsymptome können in unterschiedlicher Gewichtung auftreten. Zusätzlich zu diesen Hauptsymptomen können verschiedene Begleiterscheinungen auftreten, die aus den Symptomen resultieren können. Symptome und Begleiterscheinungen sind bei jedem Patienten unterschiedlich stark ausgeprägt, beginnen oft einseitig und können sich unterschiedlich schnell entwickeln. Es ist daher nicht garantiert, dass alle typischen Symptome von Parkinson bei jedem Betroffenen auftreten.
Weitere Symptome, die bereits zu Beginn oder im Verlauf der Erkrankung auftreten können, sind:
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- Schmerzen oder Missempfindungen im Rücken, Nacken, Armen oder Beinen.
- Störungen der Blasen- oder Darmfunktion (Harninkontinenz, Verstopfung).
- Veränderungen der Stimmung und des Gefühlslebens (Ängste, Reizbarkeit, Depressionen).
- Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit bis hin zur Demenz.
- Störungen des Sprechens und Schluckens (undeutliche, leise, monotone Sprache).
- Hautprobleme (fettige oder trockene Haut).
- Schlafprobleme (Unruhe, Albträume).
- Riechstörungen (oft ein unerkanntes Frühzeichen).
- Verkleinerte Handschrift.
- Gehemmte Sprechmuskeln (Monotone Flüsterstimme).
- Gehemmte Gesichtsmuskeln (Maskengesicht).
- Sialorrhoe (unkontrollierter Speichelfluss).
Der Tremor bei Parkinson
Der Tremor ist wohl das bekannteste Parkinson-Symptom und deshalb auch Teil der Parkinson-Trias. Fast jeder verbindet mit der Erkrankung das Zittern von Muskeln im Ruhezustand, zum Beispiel zitternde Hände oder Beine.
Was ist ein Tremor?
„Tremor“ ist zunächst einmal der allgemeine Fachbegriff für Muskelzittern. So können zum Beispiel der Hohlhandmuskel und Ellenbogenmuskel zum Zittern der Hände führen, während ein betroffener Deltamuskel, Armbeuger (Bizeps) und/oder Oberarmspeichenmuskel zum Zittern der Arme führen können. Eigentlich ist der Tremor in geringfügiger Ausprägung eine ganz normale Reaktion des Körpers, zum Beispiel auf Kälte. Durch die Muskelkontraktion wird nämlich Wärme erzeugt. Zusätzlich kann übrigens jeder Mensch bei sich einen Tremor beobachten. Wenn Sie Ihre Hand ausstrecken, stellen Sie schnell fest, dass die Finger eigentlich nie vollkommen ruhig sind. Dieses leichte Muskelzittern wird auch als physiologischer Tremor bezeichnet und ist vollkommen normal. Die Intensität variiert vor allem in Abhängigkeit zum allgemeinen Erregungszustand des Körpers. Auch Alkohol, Koffein und Drogen können die Intensität des physiologischen Tremors verstärken.
Wird das Zittern jedoch stärker, dann beeinträchtigt es mitunter Bewegungsabläufe. Auch das kann noch auf ganz normale Ursachen zurückzuführen sein, zum Beispiel wenn einem „die Knie zittern“, weil man aufgeregt ist, oder wenn die Muskeln aufgrund großer körperlicher Erschöpfung zittern. Jedoch können auch verschiedenste Erkrankungen ursächlich für zunehmendes Muskelzittern sein.
Typische Merkmale des Parkinson-Tremors
Der Tremor bei Parkinson weist einige typische Merkmale auf:
- Ruhetremor: Das Zittern tritt vor allem in Ruhe auf und bessert sich oder verschwindet bei Bewegung.
- Frequenz: Der Parkinson-Tremor hat typischerweise eine Frequenz von 4-7 Hz.
- Verstärkung: Der Tremor kann sich bei emotionaler Belastung oder Stress verstärken.
- Betroffene Körperteile: Häufig sind Hände und Füße betroffen, seltener der Kopf.
- Einseitiger Beginn: Oft beginnt der Tremor auf einer Körperseite und breitet sich später auf die andere Seite aus.
Abgrenzung zu anderen Tremorarten
Es ist wichtig, den Parkinson-Tremor von anderen Tremorarten zu unterscheiden, da die Ursachen und Behandlungen unterschiedlich sein können. Einige wichtige Differenzierungen sind:
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- Essentieller Tremor: Dieser Tremor tritt vor allem bei Halte- und Bewegungsaufgaben auf und kann durch Alkohol reduziert werden, was beim Parkinson-Tremor nicht der Fall ist.
- Verstärkt physiologischer Tremor: Dieser Tremor wird durch Faktoren wie Stress, Müdigkeit oder Koffein verstärkt und ist in der Regel hochfrequenter als der Parkinson-Tremor.
- Aktionstremor: Das Muskelzittern tritt bei willkürlich ausgeführten Bewegungen auf, zum Beispiel während Betroffene die Gabel zum Mund führen oder eine Buchseite umblättern.
- Haltetremor: Der Tremor tritt auf, wenn die betroffene Muskelgruppe aktiviert wird, um zum Beispiel den Arm gegen die Schwerkraft in einer bestimmten Position zu halten.
- Intentionstremor: Das Zittern beginnt, wenn eine Bewegung eines ganz bestimmten Ziels ausgeführt wird, zum Beispiel um einen Türgriff zu nutzen.
Ursachen des Parkinson-Tremors
Die Ursache für den Parkinson-Tremor liegt im Absterben von Nervenzellen in der Substantia nigra, einem Bereich im Mittelhirn, der für die Produktion des Botenstoffs Dopamin verantwortlich ist. Dopamin spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegungen. Ein Mangel an Dopamin führt zu einer Überaktivität in bestimmten Hirngebieten, was den Tremor und andere motorische Symptome verursacht.
Risikofaktoren
Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die die Entstehung von Parkinson begünstigen können:
- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
- Genetische Veranlagung: In etwa 10 % der Fälle ist Parkinson erblich bedingt.
- Umweltfaktoren: Pestizide, Lösungsmittel und polychlorierte Biphenyle (PCB) können das Risiko erhöhen.
- Kopfverletzungen: Häufige Kopftraumata können das Parkinson-Risiko erhöhen.
Genetische Ursachen
Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes NGFN haben eine mögliche Ursache für das Sterben der Neuronen gefunden. Bei Parkinson-Patienten enthalten eben diese Dopamin produzierenden Nervenzellen im Zellkern defekte Strukturen, die oxidativen Stress auslösen und so die Neurodegeneration in Gang setzen.
"Die Dopamin produzierenden Nervenzellen von Parkinson-Patienten enthalten größtenteils defekte Kernkörperchen", berichtet Professor Schütz. Kernkörperchen, auch Nukleoli oder kleine Kerne genannt, sind winzige Strukturen im Zellkern, die für die Proteinsynthese notwendig sind. "Die Kernkörperchen haben eine wichtige Funktion. In ihnen werden aus RNA-Molekülen und Proteinen die Ribosomen zusammengebaut, die eigentlichen Proteinfabriken der Zelle." Fehlerhafte Kernkörperchen wurden schon bei mehreren seltenen Erbkrankheiten beobachtet.
Die fehlerhaften Kernkörperchen verändern die molekularen Abläufe der Nervenzellen. So wird ein wichtiges Enzym, mTOR, in seiner Aktivität gedrosselt. "mTOR ist ein zentrales Schlüsselenzym für viele zelluläre Signalwege und reguliert sowohl Wachstum und Stoffwechsel als auch das Überleben von Zellen", sagt Professor Schütz. Als Konsequenz ist die Funktion der Zellkraftwerke, der Mitochondrien, gestört, und diese Funktionsstörung macht sich durch oxidativen Stress bemerkbar. Hierbei sammeln sich hochreaktive Sauerstoffverbindungen in der Zelle an. "Defekte Kernkörperchen bewirken also offenbar oxidativen Stress in der Nervenzelle. Dies wiederum kann die Zelle massiv schädigen und ist eine Voraussetzung für die typischen Nervenschäden bei Parkinson", so Professor Schütz. "Denn gerade Dopamin produzierende Nervenzellen reagieren besonders empfindlich auf oxidativen Stress."
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Allerdings wissen die Forscher bislang nicht, ob die fehlerhaften Kernkörperchen tatsächlich alleiniger Auslöser für die Neurodegeneration sind.
Diagnose des Parkinson-Tremors
Die Diagnose von Morbus Parkinson und des damit verbundenen Tremors basiert auf einer Kombination aus:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Symptome.
- Klinisch-neurologische Untersuchung: Beurteilung der motorischen Fähigkeiten, Reflexe und anderer neurologischer Funktionen.
- Ausschluss anderer Erkrankungen: Durch bildgebende Verfahren (MRT, CT) und Laboruntersuchungen.
- DAT-SPECT: Eine spezielle nuklearmedizinische Untersuchung, die die Dopamin-Aktivität in den Basalganglien sichtbar macht.
Behandlungsmöglichkeiten des Parkinson-Tremors
Die Behandlung des Parkinson-Tremors zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Da Morbus Parkinson bis heute nicht heilbar ist, konzentrieren sich die Therapieansätze auf die Kontrolle der Symptome und die Verlangsamung des Krankheitsfortschritts.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung ist ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Therapie. Einige häufig verwendete Medikamente sind:
- Levodopa: Eine Dopamin-Vorstufe, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird und den Dopaminmangel ausgleicht.
- Dopaminagonisten: Substanzen, die an Dopamin-Rezeptoren binden und diese aktivieren.
- MAO-B-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamen.
- COMT-Inhibitoren: Medikamente, die die Wirkung von Levodopa verlängern.
- Anticholinergika: Können bei Tremor eingesetzt werden, haben aber oft Nebenwirkungen.
Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Behandlung spielen auch nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle:
- Physiotherapie: Fördert die Beweglichkeit und beugt Gelenkversteifungen vor.
- Ergotherapie: Hilft bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und verbessert die Selbstständigkeit.
- Logopädie: Unterstützt bei Sprach- und Schluckstörungen.
- Psychotherapie: Kann bei Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Problemen helfen.
- Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Symptome lindern.
Tiefe Hirnstimulation
In besonders schweren Fällen, oder wenn eine ausreichende medikamentöse Therapie nicht möglich ist, kann eine tiefe Hirnstimulation in besonders dafür spezialisierten Zentren erfolgen. Die tiefe Hirnstimulation ist ein invasives Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert werden, um die überaktiven Nervenzellen zu stimulieren und den Tremor zu reduzieren.
Was kann man selbst tun?
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Betroffene selbst ergreifen können, um den Tremor zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern:
- Stressmanagement: Techniken zur Stressbewältigung wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können helfen, den Tremor zu reduzieren.
- Schlafhygiene: Ausreichend Schlaf ist wichtig, da Müdigkeit den Tremor verstärken kann.
- Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Nervensystem stärken.
- Vermeidung von Auslösern: Koffein und Alkohol können den Tremor verstärken und sollten vermieden werden.
- Ergonomische Hilfsmittel: Beschwertes Besteck oder speziell geformte Stifte können Tremor-Patient:innen im Alltag unterstützen.
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