Morbus Alzheimer: Pathologie, Diagnose und Therapie

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Abbau von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu einem allmählichen Verlust der kognitiven Fähigkeiten, einschließlich Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Orientierung. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz, betrifft aber nicht jeden alternden Menschen. Es ist wichtig, zwischen altersbedingter Vergesslichkeit und den deutlichen kognitiven Beeinträchtigungen der Alzheimer-Krankheit zu unterscheiden.

Charakteristika der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist durch spezifische Veränderungen im Gehirn gekennzeichnet, die sich in Form von Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen manifestieren. Diese Ablagerungen stören die normale Funktion der Nervenzellen und führen letztendlich zu deren Absterben.

  • Amyloid-Plaques: Extrazelluläre Ablagerungen von Beta-Amyloid-Proteinen, die sich zwischen den Nervenzellen ansammeln.

  • Tau-Fibrillen: Intrazelluläre Ablagerungen von veränderten Tau-Proteinen, die sich innerhalb der Nervenzellen bilden.

Diese Veränderungen beginnen oft Jahre oder sogar Jahrzehnte vor dem Auftreten der ersten klinischen Symptome.

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Symptome und Verlauf

Die Alzheimer-Krankheit verläuft in der Regel langsam und fortschreitend. Die Symptome können von Person zu Person variieren, aber typische Anzeichen sind:

  • Gedächtnisverlust: Insbesondere Schwierigkeiten, sich an kurz zurückliegende Ereignisse zu erinnern.
  • Orientierungsschwierigkeiten: Probleme, sich in vertrauten Umgebungen zurechtzufinden.
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden oder Gespräche zu verstehen.
  • Probleme mit dem Denkvermögen: Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, zu planen oder zu organisieren.
  • Verhaltensänderungen: Reizbarkeit, Aggression, Unruhe oder sozialer Rückzug.

Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung sind die Betroffenen auf umfassende Hilfe und Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben angewiesen.

Familiäre Alzheimer-Krankheit (FAD)

In einigen Fällen tritt die Alzheimer-Krankheit familiär gehäuft auf. Man spricht von einer familiären Alzheimer-Krankheit (FAD), wenn in einer Familie mehrere Personen, meist aus aufeinanderfolgenden Generationen, betroffen sind. Bei der Early-Onset FAD (EOFAD) zeigen die Betroffenen erste Symptome vor dem 60. bis 65. Lebensjahr. Der Anteil der FAD an allen Alzheimer-Demenzfällen wird auf etwa 5 % geschätzt.

Genetische Ursachen der FAD

Mutationen in bestimmten Genen können eine FAD verursachen. Zu den wichtigsten Genen gehören:

  • APP (Amyloid-Beta (A4) Precursor Protein): Gen auf Chromosom 21q21.2.
  • PSEN1 (Presenilin 1): Gen auf Chromosom 14q24.2.
  • PSEN2 (Presenilin 2): Gen auf Chromosom 1q31-q42.

Es gibt auch Familien mit autosomal-dominanter EOFAD ohne Mutationen in diesen Genen, was auf weitere, noch nicht identifizierte ursächliche Gene hindeutet.

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Risikofaktoren

Ein Genotyp des Gens APOE (Apolipoprotein E) gilt als Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Patienten mit Alzheimer-Demenz im höheren Lebensalter weisen häufiger den Genotyp E4 (entweder homozygot E4/E4 oder heterozygot E3/E4) auf.

Diagnose

Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit basiert auf einer Kombination von klinischen Untersuchungen, neuropsychologischen Tests und bildgebenden Verfahren.

  • Klinische Untersuchung: Beurteilung der kognitiven Funktionen und des Verhaltens des Patienten.
  • Neuropsychologische Tests: Standardisierte Tests zur Messung von Gedächtnis, Sprache, Aufmerksamkeit und anderen kognitiven Fähigkeiten.
  • Bildgebende Verfahren: MRT (Magnetresonanztomographie) und PET (Positronenemissionstomographie) können helfen, strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn zu erkennen.

Biomarker

Biomarker spielen eine zunehmend wichtige Rolle bei der Diagnose der Alzheimer-Krankheit. Sie ermöglichen die Zuordnung einer Demenz zur Alzheimer-Pathologie, was allein durch klinische Kriterien nicht möglich ist.

  • Liquoruntersuchung: Messung der Konzentration von Amyloid-Beta 42 (Aβ42), Tau-Protein und phosphoryliertem Tau-Protein (pTau) im Liquor. Bei der Alzheimer-Krankheit ist die Aβ42-Konzentration erniedrigt, während die Tau- und pTau-Konzentrationen erhöht sind.
  • Amyloid-PET: Bildgebung zurVisualisierung von Amyloid-Ablagerungen im Gehirn.
  • Tau-PET: Bildgebung zur Visualisierung von Tau-Ablagerungen im Gehirn (derzeit noch in Entwicklung).

Die Anwendung von Biomarkern in der Differentialdiagnostik und Prädiktion sollte von Experten durchgeführt werden.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, die Alzheimer-Krankheit von anderen Demenzformen und Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können. Zu den wichtigsten Differentialdiagnosen gehören:

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  • Vaskuläre Demenz: Demenz aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn.
  • Lewy-Körperchen-Demenz: Demenz, die durch Ablagerungen von Lewy-Körperchen im Gehirn verursacht wird.
  • Frontotemporale Demenz: Demenz, die vor allem die frontalen und temporalen Hirnregionen betrifft.
  • Demenz bei Parkinson: Demenz, die im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Krankheit auftreten kann.
  • Andere Ursachen: Hirnverletzungen, Depressionen, Vitaminmangel, Alkoholmissbrauch.

Therapie

Bislang gibt es keine Heilung für die Alzheimer-Krankheit. Die verfügbaren Therapien zielen darauf ab, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

Medikamentöse Therapie

  • Acetylcholinesterase-Hemmer: Donepezil, Galantamin und Rivastigmin können die kognitiven Funktionen verbessern, indem sie den Abbau von Acetylcholin im Gehirn hemmen.
  • NMDA-Rezeptor-Antagonisten: Memantin kann die kognitiven Funktionen verbessern, indem es die Wirkung von Glutamat im Gehirn moduliert.
  • Anti-Amyloid-Antikörper: Aducanumab, Lecanemab und Donanemab sind monoklonale Antikörper, die Amyloid-Plaques im Gehirn reduzieren sollen. Diese Medikamente sind jedoch mit potenziellen Nebenwirkungen verbunden und erfordern eine sorgfältige Überwachung.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Kognitives Training: Übungen zur Verbesserung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit und anderen kognitiven Fähigkeiten.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben.
  • Physiotherapie: Förderung der körperlichen Aktivität und Mobilität.
  • Musiktherapie: Einsatz von Musik zur Verbesserung von Stimmung, Kommunikation und kognitiven Funktionen.
  • Psychotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung von emotionalen Problemen und Verhaltensänderungen.
  • Anpassung des Wohnumfelds: Schaffung einer sicheren und unterstützenden Umgebung.
  • Beratung und Unterstützung für Angehörige: Informationen, Schulungen und emotionale Unterstützung für Familienmitglieder und Betreuer.

Zukünftige Therapieansätze

Die Forschung zur Alzheimer-Krankheit ist sehr aktiv, und es werden ständig neue Therapieansätze entwickelt. Zu den vielversprechendsten Bereichen gehören:

  • Beta-Sekretase-Hemmer: Medikamente zur Reduktion der Amyloidproduktion.
  • Anti-Tau-Therapien: Medikamente zur Verhinderung der Bildung von Tau-Fibrillen.
  • Immuntherapien: Impfstoffe zur Stimulierung des Immunsystems, um Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen zu beseitigen.
  • Gentherapie: Ansätze zur Korrektur genetischer Defekte, die zur Alzheimer-Krankheit beitragen.

Prävention

Obwohl es keine Garantie dafür gibt, dass man die Alzheimer-Krankheit verhindern kann, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko möglicherweise reduzieren können:

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Bewegung kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und die kognitiven Funktionen fördern.
  • Geistige Aktivität: Herausfordernde Aktivitäten wie Lesen, Rätsel lösen oder das Erlernen neuer Fähigkeiten können das Gehirn aktiv halten.
  • Soziale Kontakte: Regelmäßige Interaktion mit anderen Menschen kann die Stimmung verbessern und die kognitiven Funktionen fördern.
  • Kontrolle von Risikofaktoren: Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und anderen Erkrankungen, die das Risiko für Alzheimer erhöhen können.

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