Parkinson-Erkrankungen stellen Betroffene und ihre Angehörigen vor vielfältige Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, ein breites Spektrum an Therapie- und Übungsangeboten zu kennen, die den Alltag erleichtern und die Lebensqualität verbessern können. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über verschiedene Angebote in und um Greifswald, wobei sowohl medizinische als auch alltagsorientierte Aspekte berücksichtigt werden.
Einführung in die Parkinson-Erkrankung
Morbus Parkinson, umgangssprachlich auch als Schüttellähmung bekannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem Menschen ab dem 60. Lebensjahr betrifft, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Die Ursache liegt in fortschreitenden Schäden an Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Typische Symptome sind Muskelsteifigkeit, Zittern, Gangstörungen, Erschöpfung, Verstopfung und depressive Verstimmungen. Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, können die Symptome durch Medikamente, Operationen und verschiedene Therapien gelindert werden.
Bedeutung von Bewegung und Therapie bei Parkinson
Bewegung spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Studien haben gezeigt, dass gezielte körperliche Aktivitäten die Beweglichkeit und Lebensqualität verbessern können. Professorin Dr. Elke Kalbe, Neuropsychologin am Universitätsklinikum Köln, betont: „Mehr Bewegung ins Leben bringen tut allen Menschen gut. Dass dies ganz besonders für Menschen mit Parkinson gilt, zeigen viele Studien über die Wirkung unterschiedlichster Bewegungsangebote auf die Krankheitssymptome, und auch die individuellen Erfahrungen der Betroffenen selbst sprechen dafür.“
Eine systematische Auswertung von 154 Studien mit 7.837 Betroffenen ergab, dass verschiedene Bewegungsangebote wie Tanzen, Wassergymnastik, Gang-, Gleichgewichts- und Funktionstraining, Kraft- und Ausdauertraining sowie Körper-Geist-Training (Tai Chi, Yoga) positive Auswirkungen auf den Schweregrad der Bewegungssymptome und die Lebensqualität haben. Auch kognitive Fähigkeiten wie Sprache, Aufmerksamkeit und Gedächtnis können durch Sport verbessert werden.
Ergotherapie bei Parkinson
Die Ergotherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Vorrangiges Ziel ist die Verbesserung bzw. der Erhalt der Selbstversorgung des Patienten, sodass dieser seinen Alltag weitestgehend selbstständig und selbstbestimmt bewältigen kann. Dies umfasst sensorische und motorische Fertigkeiten, Kommunikation, interaktive Kompetenzen und kognitive Fähigkeiten wie Konzentration, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Orientierung, Gedächtnis sowie Handlungsplanung.
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Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung kann die Kompensation von verloren gegangenen Fähigkeiten sein, beispielsweise durch Hilfsmittelberatung. Auch die Verbesserung der sozioemotionalen Kompetenzen, wie die Förderung situationsgerechter Verhaltensweisen oder zwischenmenschlicher Beziehungen, kann Teil der Therapie sein.
Kognitives Alltagstraining und Hirnleistungstraining
Kognitives Alltagstraining und Hirnleistungstraining sind wichtige Elemente der Ergotherapie. Sie umfassen Gedächtnistraining und Entspannungstechniken, die darauf abzielen, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten und zu verbessern.
Logopädie bei Parkinson
Sprechstörungen, sogenannte Dysarthrien, treten bei etwa 90 Prozent der Parkinson-Patienten auf und beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Betroffene sprechen meist leise und undeutlich, haben eine monotone Sprechweise oder eine heisere Stimme. Medikamente und operative Eingriffe können die klassischen Symptome oft verbessern, helfen aber selten bei Sprechstörungen.
Die logopädische Behandlung ist derzeit der einzige erfolgversprechende Therapieansatz. Ein Forschungsprojekt der Kieler Universität arbeitet an der Entwicklung neuartiger Werkzeuge für die Sprechtherapie, indem Sprachaufnahmen maschinell analysiert werden, um die Sprechprobleme im Detail zu charakterisieren. Ziel ist es, individuelle Trainingspläne zu erstellen und spezielle Apps mit spielerischen Übungen für Smartphones oder Tablets zu entwickeln, um die logopädische Behandlung zu unterstützen.
Angebote in Greifswald und Umgebung
BDH-Therapiezentrum Greifswald
Das BDH-Therapiezentrum Greifswald bietet ein vollumfängliches physio- und ergotherapeutisches Angebot für verschiedene Krankheitsbilder, darunter auch Parkinson. Dank zahlreicher Therapeuten können vielfältige Behandlungsmethoden angeboten und optimal auf die individuellen Bedürfnisse eingegangen werden. Fachübergreifend wird ein individueller und ganzheitlicher Therapieplan erstellt.
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NIWo Neuro-Intensiv-Wochen
Ein besonderes Angebot des BDH-Therapiezentrums Greifswald sind die NIWo Neuro-Intensiv-Wochen. Diese umfassen 4 Stunden Training pro Tag und bieten eine ganzheitliche und individuell zugeschnittene Intensivtherapie über einen Zeitraum von drei Wochen. Studien belegen, dass die Häufigkeit und Intensität der Therapie entscheidend für substantielle Verbesserungen sind. Die NIWo ist eine ideale Alternative zu einer stationären Rehabilitationsmaßnahme und kann von jedem Arzt verschrieben werden.
Während der Neuro-Intensiv-Wochen können Patienten und ihre Angehörigen in einer Unterkunft ihrer Wahl in oder um Greifswald wohnen und die Universitäts- und Hansestadt an der Ostsee genießen.
Querschnittgelähmtenzentrum der BDH-Klinik Greifswald
Das Querschnittgelähmtenzentrum der BDH-Klinik Greifswald betreut Patienten mit angeborener und erworbener Schädigung des Rückenmarks. Neben stationären und teilstationären Behandlungsmöglichkeiten werden auch ambulante Spezialsprechstunden angeboten. Eine Beratungsstelle für Darmmanagement und Sexualität ist ebenfalls Teil des Zentrums.
Helios Hanseklinikum Stralsund
Das Helios Hanseklinikum Stralsund bietet neurologische Diagnostik und Therapie. Die neurologischen Stationen verfügen über eine hochmoderne medizinische Ausstattung.
Kursana Domizil
Das Kursana Domizil vereint verschiedene Pflegeformen unter einem Dach und ist auf die Bedürfnisse von Menschen mit intensivpflegerischem und beatmungspflichtigem Pflege- und Betreuungsbedarf ausgerichtet. Ein separater Wachkomabereich Phase F bietet behaglichen Wohnraum. Der Versorgungsumfang beinhaltet eine individuelle, therapeutisch-aktive Pflege unter fachärztlicher Betreuung und Überwachung.
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Weitere Therapieangebote und Unterstützung
Klinische Neuropsychologie
Die klinische Neuropsychologie untersucht die Folgen von neurologischen Erkrankungen und deren Behandlung für das individuelle Verhalten und Erleben. Sie liefert einen wichtigen Baustein zur Diagnosestellung und zur Anpassung individueller therapeutischer Maßnahmen.
Selbsthilfegruppen und Seniorenvereinigungen
Die Region Greifswald bietet ein gut ausgebautes Netzwerk an Selbsthilfegruppen und Seniorenvereinigungen, die eine wichtige Unterstützung für Betroffene und ihre Angehörigen darstellen. Diese Gruppen bieten die Möglichkeit zum Austausch von Erfahrungen und Informationen.
Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit
Eine erfolgreiche Behandlung von Parkinson erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Ärzte, Therapeuten, Pflegekräfte und Angehörige müssen Hand in Hand arbeiten, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.
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