Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, können verschiedene Übungen und Therapien helfen, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und möglicherweise sogar den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. In diesem Artikel werden wir die Bedeutung von Bewegung bei Parkinson untersuchen, verschiedene Übungsansätze vorstellen und praktische Tipps für die Umsetzung im Alltag geben.
Neuroprotektion durch Bewegung: Wie Sport das Gehirn schützt
Bewegung spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz von Nerven- und Gehirnzellen vor Schädigungen. Dr. Mareike Schwed, Sportwissenschaftlerin und Gründerin der neurowerkstatt, hat das "Neuroprotective Exercise Protokoll" (NEP) für Menschen mit neurologischen Erkrankungen entwickelt. Dieses Protokoll basiert auf der Erkenntnis, dass sportliches Training die Ausschüttung von neurotrophen Faktoren fördert.
Neurotrophe Faktoren sind Signalproteine, die das Überleben, die Entwicklung und die Funktion von Neuronen unterstützen. Sie verhindern den programmierten Zelltod von Neuronen und fördern die Differenzierung von Vorläuferzellen zur Bildung neuer Neuronen. Sportliches Training kann somit dazu beitragen, Schädigungen zu verhindern, zu verringern oder sogar zu einer Funktionsverbesserung durch Anpassungen des Nervennetzwerkes zu verhelfen.
Darüber hinaus wirkt Sport entzündungshemmend und kann entzündliche Prozesse im Immunsystem positiv beeinflussen. Indem entzündungsfördernde Stoffe verringert und vermehrt anti-entzündliche Stoffe gebildet werden, kann Sport der chronisch entzündlichen Neurodegeneration entgegenwirken.
Das Paradigma "use it or lose it" verdeutlicht die Bedeutung von Bewegung bei Parkinson. Wer Sport und Bewegungsprogramme selbstbestimmt in seinen Alltag integriert, löst eine Kaskade von positiven Anpassungen aus - und das nicht nur im Nervensystem. Umgekehrt kann die Entscheidung, Sport als Ressource nicht zu nutzen, zu einer möglichen gesteigerten Verschlechterung auf verschiedenen körperlichen, psycho-emotionalen und sozialen Ebenen führen.
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
Individuelle Trainingsansätze: Wo stehen Sie?
Bei der Auswahl geeigneter Übungen ist es wichtig, die individuellen Einschränkungen und Bedürfnisse des Einzelnen zu berücksichtigen. Faktoren wie Paresen, Spastiken, Fatigue oder das Uhthoff-Syndrom spielen eine Rolle. Auch der Zeitpunkt der Diagnose und das Vorhandensein von Einschränkungen sind entscheidend.
Die neurowerkstatt hat ein Forschungsprojekt zum therapeutischen Einsatz von Parkour durchgeführt. Parkour kann Menschen mit MS helfen, ihren Körper wieder ganzheitlich zu spüren und sich freier zu bewegen. Selbst bei stärkeren Paresen, Spastiken oder Ataxien kann durch die Anpassung der Aufgaben Freude am Bewegen und eine spürbare Verbesserung erreicht werden.
Gangkoordinationstraining und Ausdauertraining: Die Basis für mehr Mobilität
Ein geeigneter Beginn für Menschen mit Parkinson ist das Gangkoordinationstraining. Es verbessert spürbar die Mobilität und reduziert die Fatigue. Der nächste Schritt ist das Ausdauertraining, idealerweise in Form von Intervallen, um der Überwärmung entgegenzuwirken.
Verhaltensänderung und Emotionsbewältigung: Den inneren Schweinehund überwinden
Um die vielfältige Wirkung von Sport auf allen Ebenen zu nutzen, ist eine Verhaltensänderung erforderlich. Es gilt, sich mit den eigenen Erfahrungen mit Sport und Training auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie Bewegung in den Alltag integriert werden kann. Auch die Regeneration sollte dabei nicht zu kurz kommen.
Im Laufe der Jahre wurden spezielle Tools entwickelt, um Emotionen zu bewältigen, die im Zusammenhang mit der Krankheitsbewältigung entstehen. Es ist wichtig, eine Bewegungsform zu finden, die Spaß macht und nicht in einen Durchbeißen-Modus führt. Ein sehr individueller Prozess, der gut begleitet werden will - und es lohnt sich.
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
Neuroprotektives Trainingsprogramm (NEP): Die Grundlage für individuelle Kurse
Das von Dr. Schwed entwickelte NEP dient als Grundlage für alle Trainings, Schulungen und Coachings der neurowerkstatt. Es umfasst Inhalte von Koordination über Ausdauer- und Krafttraining bis hin zur Trainingsplanung, Methoden der Verhaltensänderung und Coaching.
Rhythmus als Therapie: Metronom und Musik bei Parkinson
Ein weiteres vielversprechendes Übungskonzept bei Parkinson ist die rhythmisch-akustische Stimulation (RAS). Hierbei wird die Bewegung durch akustische Signale wie Musik oder das Klicken eines Metronoms unterstützt.
Die RAS-Therapie basiert auf der spontanen Ankopplung von Bewegung an das akustische Cueing. Durch den Rhythmus können Patienten den Ablauf einer Bewegung besser steuern. Die Ankopplung von Bewegung an einen Rhythmus findet sich auch bei Patienten mit Morbus Parkinson.
Anwendung der RAS-Therapie
Die RAS-Therapie kann auf verschiedene Weise angewendet werden:
- Metronom: Das Klicken eines Metronoms kann helfen, den Gang zu stabilisieren und Freezing-Episoden zu überwinden.
- Musik: Das Hören von Musik mit einem klaren Rhythmus kann ebenfalls die Bewegung verbessern.
- Mentales Singen: Das innere Vorsingen eines Liedes kann den Rhythmus vorgeben und zu einem flüssigeren Gang verhelfen.
Individuelle Anpassung der RAS-Therapie
Es ist wichtig, das optimale Stimulationstempo für jeden Patienten individuell zu finden. Dabei kann es hilfreich sein, die Schrittfrequenz zu variieren und zu beobachten, bei welchem Tempo der Patient am besten geht.
Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson
Auswahl geeigneter Musik
Für die RAS-Therapie eignen sich Musikstücke mit einem klaren Rhythmus und möglichst ohne ablenkenden Liedtext. Hilfreich sind beispielsweise Märsche im 2/4-, 4/4- oder 6/8-Takt.
Weitere Aspekte der Parkinson-Behandlung
Neben Bewegung und rhythmischer Stimulation gibt es weitere wichtige Aspekte der Parkinson-Behandlung:
- Medikamentöse Therapie: Medikamente, insbesondere dopaminhaltige Präparate, können die Beweglichkeit verbessern und das Zittern reduzieren.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Getreide kann das Wohlbefinden verbessern.
- Psychologische Unterstützung: Eine psychotherapeutische Behandlung kann helfen, mit den psychologischen Aspekten der Erkrankung umzugehen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann wertvolle Unterstützung bieten.
Prävention von Parkinson: Was Sie selbst tun können
Obwohl Parkinson nicht vollständig verhindert werden kann, gibt es einige Faktoren, die das Risiko einer Erkrankung beeinflussen können:
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung kann das Risiko, an Parkinson zu erkranken, senken.
- Ernährung: Eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Getreide kann das Risiko verringern.
- Vermeidung von Umweltgiften: Der Kontakt mit Pestiziden, Lösungsmitteln und Luftverschmutzung sollte möglichst vermieden werden.
- Rauchen: Rauchen ist zwar mit einem geringeren Parkinson-Risiko verbunden, aber aufgrund der vielen anderen gesundheitlichen Risiken nicht empfehlenswert.
- Kaffee- und Teetrinken: Insbesondere bei Männern wird Kaffee- und Teetrinken mit einem geringeren Parkinson-Risiko in Verbindung gebracht.
- Milchprodukte: Ein vermehrter Konsum von Milchprodukten wird mit einem höheren Risiko für die Parkinson-Krankheit bewertet.
- Entzündungshemmung: Die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten wird mit einem geringeren Risiko für die Entwicklung einer Parkinson-Krankheit in Verbindung gebracht.