Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn stellen eine erhebliche Belastung für Betroffene dar. Diese Erkrankungen, die durch eine anhaltende Entzündung des Verdauungstraktes gekennzeichnet sind, können zu einer Vielzahl von Symptomen führen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Einführung in chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) umfassen hauptsächlich Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die gemeinsame Symptomatik umfasst Durchfälle, Blutabgänge aus dem Darm sowie Bauchschmerzen. Meist lassen sich die beiden Erkrankungen aber differenzieren. Die Krankheitsbilder verlaufen schubweise. Ursache ist eine „Dysregulation“ des mukosalen Immunsystems. Inzwischen wird dies als adäquate Reaktion auf eine bakterielle Invasion bei defekter chemischer Mukosabarriere angesehen.
Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kommen gehäuft in den Industrieländern mit hohem Lebensstandard vor. Es gibt eine familiäre Häufung. Rauchen spielt eine Rolle (insbesondere beim M. Crohn. Das Altersprofil ist bei der erstmaligen Diagnose der Colitis ulcerosa recht breit und hat seinen Gipfel im dritten bis vierten Lebensjahrzehnt. Das erstmalige Auftreten des M. Crohn findet man bevorzugt bei 15 bis 34jährigen Personen. Frauen und Männern sind etwa zu gleichen Teilen betroffen.
Colitis Ulcerosa: Eine chronische Entzündung des Dickdarms
Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung der Schleimhaut des Kolons (Dickdarm), die sich immer kontinuierlich vom Rektum unterschiedlich weit im Dickdarm nach oben ausbreitet. Je nach Ausdehnung spricht man dann von Proktitis, Proktosigmoiditis (25 bis 55% bei Diagnosestellung), Linksseitencolitis (20 bis 40%) oder Pancolitis (d.h. hier ist der gesamte Dickdarm betroffen). Es kann auch der letzte Teil des Dünndarmes (terminales Ileum) im Sinne einer „back wash-Ileitis“ betroffen sein. Vor allem bei jüngeren Menschen gibt es Manifestationen außerhalb des Darmes wie Entzündungen großer Gelenke, Augen- oder Hautbeteiligung. Fieber, Gewichtsverlust oder schweres Krankheitsgefühl (dann auch mit Dehydrierung, Elektrolytentgleisung und Zeichen des Eiweißmangels) finden sich nur bei ausgedehntem Befall.
Ein schubweiser Verlauf ist typisch, dabei können die Schübe von Monaten bis Jahren der Remission unterbrochen sein, aber auch unmittelbar ineinander übergehen. Leitsymptom ist der blutige, auch blutig-schleimige Durchfall, dabei ist bei Proktosigmoiditis der Abgang relativ frischen Blutes recht häufig. Hier besteht die Verwechslungsmöglichkeit mit einer Hämorrhoidalblutung. Häufig sind ein imperativer Stuhldrang sowie auch eine Verstopfung durch Stuhlverhalt und durch Krämpfe in nicht entzündeten Darmabschnitten möglich. Typischerweise bestehen Bauchbeschwerden, sogenannte Tenesmen. Der Bauch ist während des Schubes häufig gebläht und druckempfindlich.
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Mögliche Komplikationen der Colitis Ulcerosa
Mögliche Komplikationen der Colitis ulcerosa sind vielfältig und teilweise lebensbedrohend. Es kann zu schweren bis massiven Blutungen kommen, dies tritt bei zunehmender Ausbreitung der Colitis ulcerosa in Erscheinung. Eine weitere Komplikation bei einem schweren Schub ist ein toxisches Megakolon (das heißt, das Colon transversum ist auf mehr als 5-6 cm aufgeweitet), häufig von einem Ileus begleitet. Das Abdomen ist dann aufgetrieben, eine Perforation kann folgen. Letztere kann aber auch unabhängig von einem toxischen Megakolon auftreten. Narbige Engstellungen (Strikturen) treten bei der Colitis ulcerosa im Gegensatz zum M. Crohn selten auf. Patienten mit einer lange bestehenden und ausgedehnten Colitis ulcerosa haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Dickdarmkrebses, diese Tumore können sich auch in den genannten Strikturen verbergen.
Folgende Verlaufsformen werden unterschieden: rezidivierende, chronisch-aktive und fulminante Verlaufsform.
Symptome von Colitis Ulcerosa
Colitis ulcerosa kann eine zutiefst leidvolle Erkrankung sein: Immer wieder kommt es zu blutig-schleimigen Durchfällen, die oft einhergehen mit einem stark schmerzhaften Stuhldrang. Das sind die typischen Symptome:
- In einer Akutphase können die Durchfälle bis zu mehr als 20 Mal täglich auftreten.
- Dazu kann es zu Krämpfen, anhaltenden Bauschmerzen und Fieber kommen.
- Die Symptome der Erkrankungen müssen dabei nicht schlagartig auftreten, sondern können sich auch schleichend entwickeln.
- Darüber hinaus verliert der Körper durch die ständigen Durchfälle nicht nur Blut und Wasser, sondern auch Vitamine und Mineralstoffe.
- So kann es bei Betroffenen zu einem Mangel an Nährstoffen, insbesondere Eiweißen, Kalzium, Eisen, Folsäure oder den Vitaminen D und B12 kommen.
- Damit gehen wiederum entsprechende weitere Symptome wie Gewichtsabnahme, und Infektanfälligkeit einher.
- Auch das Fatigue-Syndrom ist eine häufige Begleiterscheinung bei Colitis ulcerosa.
- Im Blut finden sich bei Betroffenen oft vermehrt weiße Blutkörperchen, ein erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) und auch die sogenannte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) kann erhöht sein.
- Alle drei Werte sind Zeichen einer Entzündung. Bei circa 60 bis 70 Prozent der Betroffenen sind bestimmte Antikörper, die sogenannten pANCA, erhöht.
- Ist im Blutbild bereits eine Blutarmut (Anämie) zu erkennen, ist das ein Hinweis für eine hohe Krankheitsaktivität.
Ursachen von Colitis Ulcerosa
Bisher sind die Ursachen der Krankheit ungeklärt. Eine familiäre Vorbelastung gilt als wichtigster unabhängiger Risikofaktor. Ein anderer Risikofaktor ist eine Veränderung oder ungünstige Zusammensetzung des Mikrobioms, also der Bakterien, die unseren Darm natürlicherweise besiedeln. Die Ernährung und übertriebene Hygiene könnten Studien zufolge dabei eine Rolle spielen. Auch Infektionen könnten eine Rolle bei der Entstehung der chronisch entzündlichen Darmentzündungen spielen. Vermutet wird, dass es sich bei Colitis Ulcerosa wie bei Morbus Crohn um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift.
Diagnose von Colitis Ulcerosa
Eine anschließende Darmspiegelung ist zur Diagnosestellung unumgänglich: Dabei führt der Arzt einen schmalen Schlauch mit einer Mini-Kamera rektal in den Dickdarm ein. So lassen sich durch die Entzündung gerötete und geschwollene Schleimhautareale sowie bereits entstandene Defekte der Darmschleimhaut mit typischen weißen Belägen oder auch Wucherungen erkennen. Trotz aller diagnostischen Möglichkeiten kann die Unterscheidung zwischen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn Schwierigkeiten bereiten. Ist nur die Dickdarmschleimhaut entzündet und das Untersuchungsergebnis nicht eindeutig, spricht man von einer Colitis indeterminata, also von einer (noch) nicht festlegbaren Entzündung der Dickdarmschleimhaut. Dies betrifft knapp unter zehn Prozent der CED, bei Kindern und Jugendlichen sogar fast jeden fünften Fall. Manchmal klärt sich die Diagnose im weiteren Verlauf.
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Blut- und Stuhluntersuchungen, ein rektales Abtasten des Enddarms und Ultraschall liefern Hinweise auf die Erkrankung. Eine Darmspiegelung bringt die endgültige Diagnose auf Colitis Ulcerosa. Dabei können auch Gewebeproben entnommen und unter dem Mikroskop betrachtet werden.
Um zu erkennen, welche Segmente des Darms in welchem Ausmaß entzündet sind, führen wir eine Darmspiegelung durch: Ein Kunststoffschlauch, der an seiner Spitze Licht und eine hochleistungsfähige Kamera trägt, wird über den After eingeführt. Bei der Koloskopie können wir die Darmschleimhäute genau betrachten, aber auch mittels einer ebenfalls durch den Schlauch eingeführten kleinen Zange aus den entzündeten Bereichen Gewebeproben entnehmen.
Therapie von Colitis Ulcerosa
Die Therapie der Colitis ulcerosa richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Sie kann sowohl medikamentös behandelt werden, indem das Immunsystem mit Medikamenten unterdrückt wird, als auch chirurgisch, indem der betroffene Darmabschnitt in einer OP gänzlich entfernt wird. Bei der Colitis ulcerosa unterscheidet man zwischen der medikamentösen Therapie während eines akuten Schubs und der langfristigen sogenannten Erhaltungstherapie.
Die Therapie eines akuten Schubs kann mit Mesalazin, lokalen oder systemischen Steroiden wie Budesonid oder Prednisolon, Ciclosporin A oder auch modernen monoklonalen Antikörpern, den sogenannten Biologicals (zum Beispiel Adalimumab, Infliximab, Golimumab), erfolgen. Dieser Eingriff in das Immunsystem geht auch mit einer Reihe von Nebenwirkungen einher. Sie sind je nach Medikament unterschiedlich und reichen von grippeähnlichen Symptomen, über Veränderungen der Blutzellen bis zu Nierenschäden. Insbesondere die Steroide können bei langzeitigem Gebrauch noch weitere vielfältige Schäden verursachen. Deshalb eignen sie sich nicht zur Dauertherapie. Für die dann folgende Erhaltungstherapie eignen sich das entzündungshemmende Arzneimittel Mesalazin, sowie Biologicals und auch das Immunsuppressivum Azathioprin.
Cortison, Antibiotika und eine Reihe anderer Medikamente können helfen, Schübe zu verhindern bzw. deren Schweregrad mildern. Als letzte Therapie Möglichkeit kann Colitis Ulcerosa durch die chirurgische Entfernung des Mast - und Dickdarm geheilt werden.
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Bei gering- bis mäßiggradiger Colitis, die den Enddarm bzw. die linksseitigen Anteile des Dickdarmes betrifft, stellen lokale 5-ASA-Präparate das Mittel der ersten Wahl dar (als Klysmen oder Schaum). Alternativ können lokale Kortkosteroide appliziert werden. Bei ausgedehnter Entzündung mit gering- bis mittelgradiger Aktivität werden 5-Aminosalizylate als Präparat zum Einnehmen verabreicht, diese gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen. Bei schweren Verläufen erfolgt die Gabe oraler oder intravenöser Kortikosteroide. Bei fulminanter Form mit steroidrefraktärem Verlauf kann Ciclosporin als Dauerinfusion zum Einsatz kommen. Bei weniger gravierenden Symptomen sollte bei steroidrefraktärem Verlauf eine Immunsuppression mit Azathioprin erfolgen. Für die Erhaltung der Remission ist bei unkompliziertem Verlauf die Gabe von 5-Aminosalizylaten am geeignetsten.
Ernährung bei Colitis Ulcerosa
Bei Menschen mit Colitis ulcerosa besteht ein erhöhtes Risiko für einen Nährstoffmangel. Sie sollten sich daher ausgewogen ernähren. Dafür eignet sich eine leichte Vollkost, die kalorien-, vitamin- und mineralstoffreich ist. Es wird empfohlen, das Blut regelmäßig auf einen Mangel an Eisen, Vitamin D, Zink, Selen und Folsäure untersuchen zu lassen. Eine individuelle Ernährungsberatung ist sinnvoll. Eine spezielle allgemeingültige Diät bei Colitis ulcerosa gibt es allerdings nicht. Die Chance der Ernährungstherapie bei Colitis ulcerosa liegt darin, die beschwerdefreie Zeit so lange wie möglich zu erhalten. Grundsätzlich aber sollten CED Patienten auf möglichst keimarme Kost achten, also gekühlte Lebensmittel sollten nicht lange offen stehen, da die Keimzahlerhöhung gerade in heißen Monaten schnell zu Problemen führen kann. Ziel der Ernährung sollte immer eine Vermeidung von Mangelerscheinungen sein, eine therapeutische Diät, die Entzündungsschübe behandeln existiert nicht.
Morbus Crohn: Eine transmurale Entzündung des Gastrointestinaltraktes
Der Morbus Crohn ist ein chronisch-entzündlicher Prozess, der durch eine sog. transmurale Entzündung mit möglichem Befall des gesamten Gastrointestinaltraktes gekennzeichnet ist. Dieser Befall ist fast immer diskontinuierlich. Ein schubweiser Verlauf ist typisch. Der Beginn liegt oft in der Jugend bzw. im jungen Erwachsenenalter mit lebenslangem Verlauf. Die Krankheitsaktivität lässt typischerweise mit zunehmendem Alter des Patienten langsam nach.
Symptome bei der Erstmanifestation sind Bauchschmerzen (70-80%), Diarrhoe (70-90%), Darmblutungen (20%) oder eine Analfistel (10-40%). Der Morbus Crohn kann den gesamten Gastrointestinaltrakt befallen, typischerweise aber den Bereich terminales Ileum und Dickdarm. Bei der Diagnosestellung haben 27% einen Befall nur im Ileum, 28% nur im Colon, 45% im Ileum und im Colon. Symptome außerhalb des Darmes umfassen Gewichtsverlust, Fieber, Anämie (Blutarmut), Arthralgien (Gelenkbeteiligung), Augen- und Hautbefall. Im langfristigen Verlauf stehen einige Komplikationen im Vordergrund. Unterschieden werden dabei der penetrierend/ fistelnde, der inflammatorische sowie der stenosierende Typ des M. Crohn, es gibt aber Überlappungen.
Komplikationen bei Morbus Crohn
Komplikationen sind:
- Blutungen (seltener als bei der Colitis ulcerosa)
- Fissuren
- Fisteln (überwiegend in der Perianalregion, >54%). Die Fisteln können im Verlauf Verbindungen in umgebende Organe bilden, z.B. andere Abschnitte von Dünndarm und Dickdarm, in die Blase, aber auch zur Haut. In den betroffenen Regionen können dann auch Abszesse (Eiteransammlungen) entstehen.
- Strikturen und Obstruktionen, am häufigsten in der Ileozökalregion lokalisiert, d.h. am Übergang vom Dünn- zum Dickdarm.
- seltener auch toxisches Megakolon, Perforationen, Dickdarmkrebs und andere tumoröse Neubildungen.
Der Verlauf des Morbus Crohn ist sehr individuell und nicht vorhersehbar. Auch hier werden die rezidivierende (oder intermittierende) bei etwa 40% der Patienten, die chronisch-aktive und die fulminante Verlaufsform unterschieden. Bei der chronisch aktiven Verlaufsform wird noch nach steroidrefraktärem Verlauf bei etwa 20 % und dem steroidabhängigen Verlauf (35%) unterteilt. Steroidrefraktärer Verlauf bedeutet, dass es trotz intensiver Steroidtherapie über mindestens ein halbes Jahr nicht zu einer klinischen Remission kommt. Von einem steroidabhängigen Verlauf wird gesprochen, wenn es nach initialem Ansprechen unter Dosisreduktion der Steroide zu einem prompten Rezidiv kommt.
Therapie von Morbus Crohn
Die klassische Therapie des gering- bis mäßiggradigen Schubes beruht auf der oralen Gabe von topisch oder systemisch wirksamen Kortikosteroiden. Vorwiegend topisch wirkt Budesonid, d.h. die Freisetzung erfolgt erst im letzten Bereich des Dünndarmes bzw. im ersten Teil des Dickdarmes. Die Anwendung erfolgt also bei hier lokalisierter Erkrankung. Im akuten Schub können auch bei M. Crohn hochdosiert 5-Aminosalizylate eingesetzt werden. Im schweren Schub wird mit intravenösen Steroiden behandelt, hier ist auch eine parenterale Ernährung (d.h. über die Vene erforderlich). Bei steroidrefraktärem Verlauf kommt Azathioprin zum Einsatz, hier ist allerdings eine Latenzzeit von etwa 3 Monaten zu beachten. Zur Überbrückung müssen daher zusätzlich andere Wirkstoffe eingesetzt werden wie Infliximab oder Adalimumab. Bei Fistelbildungen hat sich Metronidazol bewährt, ebenfalls in jüngerer Zeit die Gabe von Infliximab. Im chronisch-aktiven Verlauf soll bei steroidabhängigem oder -refraktärem Verlauf ein Medikament zur Immunsuppression eingesetzt werden, zunächst Azathioprin, alternativ Methotrexat. Diese Wirkstoffe sind auch zur Remissionserhaltung geeignet. Bei intermittierendem Verlauf ist eine medikamentöse Remissionserhaltung nur nach einer Operation erforderlich, dann mit 5-ASA.
Bei allen genannten Medikamenten sind die Kontraindikationen und teils gravierenden Nebenwirkungen zu beachten.
Chirurgische Therapie bei M.Crohn
Die primäre Therapie des Morbus Crohn ist konservativ. Eine medikamentöse Therapie, die verhindert, dass nach initialer Remission Rezidive auftreten, gibt es jedoch nach wie vor nicht. Fast alle Patienten müssen sich im Lauf ihres Lebens einem operativen Eingriff unterziehen. Das Festlegen des richtigen Operationszeitpunktes ist dabei wichtig. In diesem Zusammenhang lassen sich verschiedene Indikationen für Operationen festlegen. Absolute Indikationen sind unter anderem Perforationen mit Bauchfellentzündung oder das toxische Megakolon. Eine dringliche Indikation stellen Fisteln dar. Das Versagen der medikamentösen Therapie stellt eine elektive Operationsindikation dar. Insbesondere beim Dickdarmbefall des M. Crohn sollte eine OP nicht zu lange hinausgezögert werden. Das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich aber durch eine Operation nicht verhindern, Rezidive sind häufig. Eine großzügige Resektion im Gesunden muss aber vermieden werden, um eine ausreichende Darmlänge zu erhalten und ein sogenanntes Kurzdarm-Syndrom zu vermeiden. Es gilt der Grundsatz, so viel Darm wie nötig und so wenig Darm wie möglich zu entfernen.
Diagnostische Verfahren bei CED
Am Anfang stehen Erhebung der Vorgeschichte sowie die klinische Untersuchung, um die Differentialdiagnose bereits einschränken zu können.
Labordiagnostik
Spezifische Laborwerte für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen gibt es nicht, auch kann nicht zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa unterschieden werden. Laborwerte können nur auf einen Entzündungsprozess hinweisen. In der klinischen Praxis hat sich hier das C-reaktive Protein durchgesetzt. Eine Leukozytose (Erhöhung der weißen Blutkörperchen) kann auf Komplikationen wie Abszesse hindeuten. In komplexe Indices zur Krankheitsaktivität gehen auch weitere Laborwerte ein, wie z.B. die BSG. Zur Steuerung der Therapie ist aber die Klinik führend.
Mikrobiologische Untersuchungen sind erforderlich zum Ausschluss einer infektiösen Ursache des Durchfalls. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Clostridium difficile Toxin zu, das bei einem Schub stets ausgeschlossen werden sollte.
Bei länger bestehendem Dünndarmbefall oder nach operativer Entfernung des Ileums kann es zu einer gestörten Vitamin B12-Absorption kommen, ebenso kann ein Gallensäureverlust auftreten, die mittels bestimmter Tests nachgewiesen werden können, Mangelzustände werden meist aber nach Bedarf ausgeglichen, auf die Funktionstests kann im klinischen Alltag meist verzichtet werden.
Eine Blutuntersuchung zeigt uns, ob und welche Nährstoffe zu wenig vorhanden sind. Damit gibt uns die Blutuntersuchung indirekt Anhaltspunkte, welche Darmareale betroffen sein könnten. Stuhluntersuchungen geben uns Aufschluss darüber, wie stark die Entzündungen ausgeprägt sind. Zudem können wir zusätzlich Infektionen des Darms ausschließen. Infektionen könnten ausgelöst werden durch bakterielle Erreger wie Salmonellen, Campylobacter, Clostridien oder virale Erreger wie etwa Rota- oder Norovirus.
Endoskopie und Histologie
Eine endoskopische Untersuchung im oberen (bis zum Zwölffingerdarm) und unteren Verdauungstrakt (Colon und terminales Ileum) stellt die unverzichtbare Basisdiagnostik bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen dar. Das Befallsmuster und der Schweregrad sowie auch der Verlauf bzw. ein Ansprechen auf die bisherige Therapie können beurteilt werden. Im Rahmen dieser endoskopischen Untersuchungen können Proben für die feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop entnommen werden. Zusätzlich kann der Dünndarm mittels Kapselendoskopie eingesehen werden.
Es gibt endoskopische Kriterien zur Unterscheidung zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Beispielsweise ist bei der Colitis ulcerosa das Rektum immer betroffen, das Befallsmuster ist kontinuierlich, die Schleimhaut ist verletzlich und blutet leicht. Dagegen finden sich beim Morbus Crohn ein diskontinuierliches Befallsmuster, Fissuren, Geschwüre und eine Beteiligung des Rektums nur in 20%.
Etwas vereinfacht lässt sich sagen, dass bei Colitis ulcerosa die klinische Symptomatik und der endoskopische Befund gut korrelieren, so dass zur Verlaufskontrolle bei klinischer Remission eine erneute Spiegelung nicht unbedingt erforderlich ist. Bei Rezidiv sollte allerdings gespiegelt werden, um eine Ausdehnung des Befalls feststellen zu können. In diesem Zusammenhang sei noch einmal das bei Colitis ulcerosa deutlich erhöhte Risiko der Entwicklung eines Dickdarmkrebses erwähnt. Gegenüber der Normalbevölkerung ist das Risiko etwa 8fach erhöht. Risikofaktoren sind eine Erkrankungsdauer über etwa 10 Jahre und eine größere Ausdehnung des Dickdarmbefalls. Aus diesem Grund gibt es ein endoskopisches Überwachungsprogramm, um aus verdächtigen Schleimhautarealen gezielt Proben entnehmen zu können.
Lassen die Symptome eher darauf schließen, dass Regionen des Dünndarms betroffen sind, führen wir eine Spiegelung des Magens durch, bei der wir Erkenntnisse und Gewebeproben im oberen Teil des Dünndarms, dem Zwölffingerdarm, gewinnen können. Die Gewebeproben untersuchen die Pathologen unserer Klinik, so dass wir die Erkrankung eindeutig diagnostizieren können. Gleichzeitig können wir häufig begleitende Zuckerunverträglichkeiten durch die Magenspiegelung diagnostizieren. Bei der Koloskopie können wir Gewebeproben von den entzündeten Bereichen entnehmen.
Der Dünndarm ist ein schwer zugänglicher Abschnitt des Darmes, gegebenenfalls können diese Darmabschnitte mittels einer Fotokapsel untersucht werden (Kapsel-Endoskopie) oder mit einem Spezial-Endoskop kann der gesamte Dünndarm gespiegelt werden (Doppelballon-Enteroskopie).
Röntgenuntersuchungen und Ultraschall
Mittels CT und MRT können die Darmwanddicke, die Weite des Darms sowie die Entzündungsaktivität sehr gut beurteilt werden. Daneben lassen sich Informationen zu Veränderungen außerhalb des Darmtrakts gewinnen wie Fisteln und Abszesse. Die Ultraschalluntersuchung des Bauches erlaubt ebenfalls den Nachweis von Verdickungen der Darmwand, Einengungen bzw. Erweiterungen des Darmes sowie von Abszessen oder Ansammlungen freier Flüssigkeit in der Bauchhöhle. Sehr gut kann hier auch eine Störung der Motilität des Darmes beurteilt werden.
Ultraschall-Untersuchungen des Bauchraums, möglicherweise auch nach Kontrastmittelgabe, und ein MRT des Beckens können sich ebenfalls als sinnvoll erweisen, um ein umfassendes Bild von der Ausbreitung und den Komplikationen der chronisch entzündlichen Darmerkrankung zu erhalten. Fisteln im Bereich des Enddarms lassen sich auch sehr gut durch eine Ultraschalluntersuchung von innen, also durch die Wand des Enddarms, beurteilen.
Mögliche Engstellen (Stenosen), unnatürlich gewachsene Gänge zwischen verschiedenen Darmschlingen oder anderen Organen (Fisteln) und mögliche Eiterherde (Abszesse) können wir mittels einer Magnetresonanztomographie (MRT) und gleichzeitiger Kontrastmittelgabe entdecken. MRT-Enteroklysma hießt diese Untersuchungsmethode unter medizinischen Experten. Unsere modern ausgestattete Radiologie ermöglicht uns diese und eine Reihe weiterer hochspezialisierter Untersuchungen, um Komplikationen, die vor allem beim Morbus Crohn auftreten, auf die Spur zu kommen.
Psychosoziale Faktoren bei CED
CED werden traditionell als „psychosomatische“ Erkrankungen angesehen. Dies begründet sowohl die Vermutung einer ätiopathogenetischen Rolle psychischer Faktoren, sondern auch therapeutische Ansätze. In diesem Zusammenhang sollte festgehalten werden:
Es gibt keine prämorbiden Persönlichkeiten, die zu Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn disponieren. Vermutlich beeinflussen Stress oder andere belastende Faktoren den Verlauf der Erkrankung, dies ist aber nicht bewiesen. Sekundäre psychische Veränderungen sind häufig, es werden dabei unter anderem Depressionen, Anorexie und reaktive Neurosen beobachtet. Von zentraler Bedeutung ist die Berücksichtigung der sozialen und beruflichen Situation der Patienten bei Planung von Diagnostik und Therapie. Ein vertrauensvolles Patienten-Arzt-Verhältnis ist wichtig.
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