Bis zu 80 Prozent aller Radfahrer klagen über Probleme mit den Händen, Armen und dem Schulterbereich. Eine häufige Ursache dafür ist die Einklemmung des Ulnarisnervs, insbesondere beim Radfahren. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankung.
Einführung
Der Ulnarisnerv ist einer der drei Hauptnerven des Arms und der Hand. Er versorgt den kleinen Finger und einen Teil des Ringfingers mit Gefühl und steuert einige Muskeln in Hand und Unterarm. Eine Kompression oder Einklemmung dieses Nervs kann zu verschiedenen Beschwerden führen, die als Ulnarisnerv-Syndrom bekannt sind. Beim Radfahren kann es durch die Haltung und Belastung der Hände zu einer besonderen Belastung des Nervs kommen.
Ursachen der Ulnarisnerv-Einklemmung beim Radfahren
Die Einklemmung des Ulnarisnervs kann verschiedene Ursachen haben, die oft in Kombination auftreten:
- Druck auf den Nerv: Beim Radfahren wird ein Teil des Fahrergewichts am Lenker abgestützt. Dieser Druck kann den Ulnarisnerv, der an der Handaußenseite liegt, komprimieren. Insbesondere der Bereich des Handgelenks, wo der Nerv durch die sogenannte Loge de Guyon verläuft, ist anfällig für Druck.
- Falsche Handhaltung: Eine ungünstige Handhaltung, bei der das Handgelenk stark abknickt, kann zu einer Überlastung und Einklemmung des Nervs führen. Dies kann durch einen zu tief eingestellten Lenker oder eine falsche Griffposition verstärkt werden.
- Vibrationen: Das Arbeiten mit vibrierenden Werkzeugen, aber auch die Vibrationen, die beim Radfahren auf unebenen Strecken entstehen, können den Nerv reizen und eine Entzündung hervorrufen.
- Anatomische Faktoren: Manche Menschen haben von Natur aus einen engeren Verlauf des Nervs in der Loge de Guyon oder zusätzliche Bindegewebsstrukturen, die den Nerv irritieren können.
- Weitere Ursachen: Auch interne Faktoren wie Ganglien (Zysten), Tumore, Brüche oder Verletzungen können zu einer Verengung des Nervenkanals führen und den Ulnarisnerv einklemmen.
- Chronischer Druck auf die Handwurzel: Typisch ist auch das Auftreten durch chronischen Druck auf die Handwurzel, z. B. bei Radfahrer*innen.
Symptome einer Ulnarisnerv-Einklemmung
Die Symptome einer Ulnarisnerv-Einklemmung können vielfältig sein und hängen davon ab, wo der Nerv eingeklemmt wird und wie stark die Kompression ist. Typische Symptome sind:
- Kribbeln und Taubheitsgefühl: Diese Empfindungen treten häufig im kleinen Finger und im Ringfinger auf, insbesondere auf der Handflächenseite.
- Schmerzen: Schmerzen können im Ellbogen oder im Handgelenk auftreten und in den Unterarm oder die Finger ausstrahlen.
- Schwächegefühl: Betroffene können ein Schwächegefühl in der Hand verspüren, insbesondere beim Spreizen der Finger oder beim Zugreifen.
- Ungeschicklichkeit: Viele Patienten klagen über eine Ungeschicklichkeit der Hand, z. B. beim Schreiben oder Umdrehen eines Schlüssels.
- Muskelrückbildung: In fortgeschrittenen Fällen kann es zu einer sichtbaren Muskelrückbildung auf der Handinnenseite kommen, vor allem zwischen den Mittelhandknochen.
- Lähmungserscheinungen: In schweren Fällen kann es zu Lähmungserscheinungen in der Hand und den Fingern kommen.
Diagnose
Die Diagnose einer Ulnarisnerv-Einklemmung basiert auf einer Kombination verschiedener Faktoren:
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- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach seinen Beschwerden, der Art der Tätigkeit (z.B. Radfahren), Vorerkrankungen und möglichen Auslösern.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Hand und den Arm auf Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche und Schmerzen. Er kann auch spezielle Tests durchführen, um den Ulnarisnerv zu lokalisieren. Auffällig ist, dass das Handgelenk stark abknickt, auch mal zur Seite wegknickt. Dadurch kann eine Überlastung im Handgelenk entstehen.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (Neurografie): Diese Untersuchung misst die Geschwindigkeit, mit der Nervenimpulse entlang des Ulnarisnervs geleitet werden. Eine Verlangsamung der Leitgeschwindigkeit kann auf eine Nervenkompression hinweisen.
- Elektromyografie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln. Sie kann helfen, Schäden an den Muskeln festzustellen, die vom Ulnarisnerv versorgt werden.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können Röntgenaufnahmen, Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen oder den Nervenverlauf genauer darzustellen. Periphere Nerven lassen sich mit einem modernen Ultraschallgerät gut darstellen. Dabei wird der Nervus ulnaris mit einem feinen Ultraschallkopf direkt in der Guyon-Loge dargestellt. Der Untersucher kann beurteilen:ob der Nerv verdickt oder verschmälert ist, ob sich Raumforderungen (z. B. Zysten) oder Gewebeveränderungen zeigen, ob der Nerv bei Bewegung gegen umliegende Strukturen gedrückt wird.
Behandlung
Die Behandlung einer Ulnarisnerv-Einklemmung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden. In vielen Fällen können konservative Maßnahmen helfen:
- Entlastung: Vermeiden Sie Tätigkeiten, die den Nerv belasten, wie z.B. längeres Radfahren oder Abstützen auf dem Ellbogen.
- Ergonomische Anpassung: Passen Sie Ihre Sitzposition auf dem Fahrrad an, um den Druck auf die Handgelenke zu verringern. Ein höher eingestellter Lenker und eine ergonomische Griffposition können helfen.
- Handschuhe: Tragen Sie gepolsterte Radhandschuhe, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren.
- Kältetherapie: Kühlen Sie die betroffene Stelle mit Eispackungen oder Kältesprays, um Entzündungen zu reduzieren.
- Dehnübungen: Führen Sie Dehnübungen für Handgelenk und Unterarm durch, um die Beweglichkeit zu verbessern und den Nerv zu entlasten.
- Vitamin B: Die Einnahme von Vitamin B kann die Nervenregeneration unterstützen.
- Medikamente: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente können zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden.
- Krankengymnastik: Krankengymnastik kann helfen, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
Operative Behandlung
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder die Beschwerden stark ausgeprägt sind, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ziel der Operation ist es, den Druck auf den Nerv zu verringern. Dies kann durch die Spaltung des Karpalbandes (bei Karpaltunnelsyndrom) oder die Freilegung des Nervs im Bereich des Ellbogens oder Handgelenks erfolgen.
- Freilegung des Nervs: Bei der Operation wird das Gewebe, das auf den Nerv drückt, entfernt, um den Nerv zu entlasten.
- Transposition des Nervs: In manchen Fällen wird der Nerv an eine andere Stelle verlegt, um ihn vor weiterem Druck zu schützen.
- Entfernung von Raumforderungen: Wenn eine Zyste oder ein Tumor die Ursache der Nervenkompression ist, wird diese operativ entfernt.
Die Operationen erfolgen ambulant und dauern je nach Nerv 5-15 Minuten.
Prävention
Um einer Ulnarisnerv-Einklemmung beim Radfahren vorzubeugen, können folgende Maßnahmen helfen:
- Ergonomische Anpassung des Fahrrads: Lassen Sie Ihr Fahrrad von einem Experten anpassen, um eine optimale Sitzposition zu gewährleisten. Achten Sie auf die richtige Lenkerhöhe, Sattelposition und Griffposition.
- Regelmäßige Pausen: Machen Sie regelmäßige Pausen während längerer Radtouren, um Ihre Hände und Arme zu entlasten.
- Dynamisches Fahren: Wechseln Sie regelmäßig Ihre Handposition am Lenker, um den Druck auf den Nerv zu verteilen.
- Geeignete Ausrüstung: Verwenden Sie gepolsterte Radhandschuhe und ergonomische Griffe, um den Druck auf die Handgelenke zu reduzieren. Sogenannte Flossengriffe bieten der Hand eine große Ablagefläche, was den Druck auf die Nerven verringert und zudem die Möglichkeit bietet, das Handgelenk im Winkel besser abzustützen.
- Kräftigungsübungen: Stärken Sie Ihre Hand- und Armmuskulatur durch gezielte Übungen, um die Belastung des Nervs zu reduzieren.
- Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie übermäßige Belastung der Hände und Arme, insbesondere bei ungewohnten Tätigkeiten.
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