Umfragen zur Alzheimer-Forschung: Ein Überblick über aktuelle Initiativen

Die Alzheimer-Forschung ist ein dynamisches Feld, in dem kontinuierlich neue Erkenntnisse gewonnen werden. Um diese Erkenntnisse zu erweitern und die Versorgung von Patienten zu verbessern, spielen Umfragen eine wichtige Rolle. Sie helfen, die Meinungen und Bedürfnisse von Ärzten, Forschern und der Bevölkerung zu erfassen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über aktuelle Umfrageinitiativen im Bereich der Alzheimer-Forschung.

Bedeutung von Umfragen in der Alzheimer-Forschung

Umfragen sind ein wichtiges Instrument, um ein umfassendes Bild der aktuellen Situation in der Alzheimer-Forschung und -Versorgung zu erhalten. Sie ermöglichen es, die Perspektiven verschiedener Akteure zu berücksichtigen und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung zu entwickeln.

Aktuelle Umfrageinitiativen

PREPARE-Konsortium: Umfrage zum Einsatz blutbasierter Biomarker in der Hausarztpraxis

Das Konsortium PREPARE lädt Hausärztinnen und Hausärzte zur Teilnahme an einer Umfrage über den zukünftigen Einsatz blutbasierter Biomarker bei Alzheimer-Demenz in der hausärztlichen Praxis ein. Ziel ist es, zu verstehen, wie diese Entwicklungen in der Praxis wahrgenommen werden und welche Unterstützung bei der Implementierung benötigt wird.

Hintergrund und Ziele:

  • In Zusammenarbeit mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität Bochum wurden Interviews mit Hausärztinnen und Hausärzten geführt, um eine Online-Umfrage zu entwickeln (Dauer ca. 20 Minuten).
  • Erste Ergebnisse aus den Interviews wurden auf dem Symposium „Früherkennung von Demenz in der hausärztlichen Praxis“ vorgestellt.
  • Die Umfrage erfasst Einstellungen, Erwartungen und Bedenken zu blutbasierten Biomarkern und zur neuen Amyloid-Antikörpertherapie.
  • Es werden Chancen für die Früherkennung und Beratung sowie Herausforderungen im Praxisalltag untersucht.
  • Die Fragen umfassen die aktuelle Praxis, die Haltung zu Biomarkern sowie Einschätzungen zu Beratung und Therapie.
  • Allgemeinere Fragen zu Alter und Demenz runden die Umfrage ab.
  • Das Forschungsprojekt PREPARE wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.

Ergebnisse bisheriger Interviews:

  • Es besteht sowohl Interesse als auch erhebliche Bedenken hinsichtlich Nutzen, Machbarkeit und Kommunikation von Befunden.

Alzheimer's Disease International (ADI): Globale Umfrage "Attitudes Towards Dementia 2024"

Alzheimer's Disease International (ADI) hat die globale Umfrage „Attitudes Towards Dementia 2024“ gestartet. Ziel ist es, die weltweit größte internationale Umfrage zu Einstellungen und Stigmatisierung gegenüber Demenz zu erstellen.

Ziele und Verfügbarkeit:

  • Die Umfrage soll eine globale Perspektive auf die Einstellung zu Demenz gewinnen.
  • Sie ist in verschiedenen Sprachen verfügbar, darunter Deutsch, Englisch, Arabisch, Chinesisch (vereinfacht und traditionell), Niederländisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Spanisch und Schwedisch.

DZNE und Lilly Deutschland GmbH: Online-Befragung zur Biomarker-basierten Alzheimer-Diagnostik

Ein Forschungsteam aus Rostock führt in Zusammenarbeit mit Lilly Deutschland GmbH eine bundesweite Online-Befragung unter Gedächtnisambulanzen sowie neurologischen und psychiatrischen Arztpraxen durch. Ziel ist es, zu ermitteln, ob und wie in Deutschland eine Biomarker-basierte Alzheimer-Diagnostik bisher erfolgt.

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Hintergrund und Ziele:

  • Die Früherkennung anhand von Biomarkern ist eine Voraussetzung für den Einsatz neuer Wirkstoffe gegen Alzheimer, die sich im Zulassungsverfahren in der EU befinden.
  • Nicht-medikamentöse Behandlungen können den Verlauf der Alzheimer-Erkrankung positiv beeinflussen, wenn sie frühzeitig diagnostiziert wird.
  • Das Projekt hat eine Laufzeit von anderthalb Jahren und wird von Lilly mit rund 150.000 Euro finanziert.
  • Die Biomarker-basierte frühe Diagnostik wird seit Ende 2023 in der „S3-Leitlinie Demenzen“ empfohlen.
  • Die Umfrage soll ein detailliertes Bild der Anwendung von Biomarkern in der Alzheimer-Diagnostik verschaffen.
  • Es soll herausgefunden werden, inwieweit das Gesundheitssystem in Deutschland auf eine mögliche Einführung von Anti-Amyloid-Therapien vorbereitet ist.
  • Erfasst wird, ob und unter welchen Bedingungen die Biomarker-gestützte Frühdiagnostik im ärztlichen Alltag bereits zum Einsatz kommt.
  • Hindernisse und Chancen für die Anwendung von Biomarker-gestützter Diagnostik und Antikörpertherapien in der Versorgungspraxis sollen identifiziert werden.

Bedeutung von Biomarkern:

  • Amyloid, ein Eiweißstoff, der sich im Gehirn ablagert, gilt als möglicher Ansatzpunkt für die Behandlung und Diagnostik der Alzheimer-Krankheit.
  • Biomarker ermöglichen eine hohe Diagnosesicherheit und einen frühen Zugang zu Beratung, nicht-medikamentöser und medikamentöser Therapie.

Amyloid-Antikörper:

  • Amyloid-Antikörper versprechen neue Behandlungsmöglichkeiten der Alzheimer-Erkrankung.
  • Sie befinden sich derzeit im Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittelbehörde.
  • Biomarker werden eine wichtige Rolle in der Therapieentscheidung spielen, da die Antikörpertherapie relevante Nebenwirkungen hat und nur für einen Teil der Patienten geeignet ist.

Ergebnisse einer Umfrage der Alzheimer Forschung Initiative (AFI)

Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) führte eine Online-Umfrage unter europäischen Alzheimer-Forschern durch.

Ergebnisse:

  • 43 Prozent der Befragten halten eine Heilung frühestens in zehn Jahren für möglich, 46 Prozent gaben keine Prognose ab.
  • Viele Forschungsansätze scheitern an fehlenden finanziellen Mitteln (92 Prozent der Befragten).
  • Vier von fünf Befragten sehen die Politik in der Verantwortung und wünschen sich eine größere Unterstützung von Bund und Ländern.

Umfrage unter Spendern und Interessierten der AFI

Die AFI führte auch eine Umfrage unter Spendern und Interessierten durch, um ihre Bedürfnisse besser kennenzulernen.

Ergebnisse:

  • Die meisten Teilnehmer verbinden mit der Alzheimer-Krankheit Angst, Hilflosigkeit, Verzweiflung und den Verlust von Gedächtnis und Persönlichkeit.
  • Frauen sorgen sich etwas mehr als Männer, ob sie selbst erkranken und wer sie pflegt, Männer sorgen sich mehr, dass nahestehende Menschen erkranken könnten.
  • Viele wünschen sich mehr Informationen zum Thema Vorbeugen, Umgang mit Alzheimer-Patienten, Behandlungsmethoden und rechtliche Fragen.
  • Viele sind zufrieden mit der Aufklärungsarbeit der AFI und finden die Materialien gut verständlich.

Weitere Aspekte der Alzheimer-Forschung in Deutschland

Häufigkeit von Demenzerkrankungen

Nach neuesten Berechnungen leben in Deutschland derzeit rund 1,84 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Im Laufe eines Jahres erkranken viele Menschen neu an einer Demenz. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung nimmt die Zahl der Demenzerkrankten in den kommenden Jahrzehnten kontinuierlich zu.

Zahlen und Fakten:

  • Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) aktualisiert alle zwei Jahre ihr Informationsblatt zur Häufigkeit von Demenzerkrankungen in Deutschland.
  • Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl der Menschen mit Demenz über 65 Jahren auf 2,3 bis 2,7 Millionen erhöhen.
  • Fast 6 Prozent der Betroffenen in Deutschland - rund 106.000 Menschen - sind jünger als 65 Jahre.
  • Der Anteil von Menschen mit Demenz an der Bevölkerung unterscheidet sich zwischen den Bundesländern deutlich.

Risikofaktoren und Prävention

Derzeit sind 14 beeinflussbare Risikofaktoren für Demenzerkrankungen bekannt.

Herausforderungen und Perspektiven

Die Zahl der Demenzerkrankten wird in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen. Ein großer Teil der Betreuung und Pflege wird von den Angehörigen übernommen, die dabei Unterstützung benötigen. Das Pflegesystem gelangt zunehmend an seine Grenzen.

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Die Rolle der Forschung

Die Forschung steht unter Druck, neue Therapieansätze zu entwickeln. Viele Forschungsansätze stehen auf dem Prüfstand, darunter Tiermodelle, Hypothesen zur Krankheitsentstehung und Therapieansätze. Die Pharmabranche investiert Milliarden in die Forschung, bisher jedoch ohne greifbares Ergebnis.

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