Neurologische Expertise am Universitätsklinikum Essen: Behandlungsspektrum von Epilepsie bis zu seltenen Erkrankungen

Das Universitätsklinikum Essen (UK Essen) bietet ein breites Spektrum an neurologischen Behandlungen an, die von häufigen Erkrankungen wie Epilepsie bis hin zu seltenen neurologischen Leiden reichen. Die Klinik für Neurologie zeichnet sich durch moderne Führungsstrukturen, einen starken Teamansatz und eine thematisch breite Ausrichtung aus. Dies ermöglicht eine umfassende und spezialisierte Versorgung von Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichsten neurologischen Beschwerden. Im Folgenden werden die verschiedenen Schwerpunkte und Behandlungsmöglichkeiten der Klinik detailliert dargestellt.

Epilepsiezentrum Essen (EZE): Umfassende Diagnostik und Therapie von Epilepsien

Das Epilepsiezentrum Essen (EZE) ist Teil der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. Ziel des EZE ist die optimale Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Epilepsie und anderen anfallsartigen Störungen. Die klinische Forschung sowie die Aus- und Weiterbildung von Studierenden, medizinischem Personal und Ärzten gehören ebenfalls zu seinem Aufgabenspektrum. Die Gründung des Schwerpunktes Epilepsie am Universitätsklinikum Essen im Jahr 2018 und die Zertifizierung der Epilepsie-Ambulanz durch die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie setzte den Grundstein für das Epilepsie-Zentrum. Durch die Eröffnung der neuen Epilepsie-Station Anfang 2020 mit mehreren Video-EEG-Ableitplätzen kann eine optimale Diagnostik und Therapie von komplexeren Epilepsiepatienten ermöglicht werden.

Diagnostik und Therapie von Epilepsie

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Etwa jeder zehnte Mensch hat das Risiko, einen epileptischen Anfall zu erleiden. In der Regel müssen mehrere Anfälle auftreten, um von einer Epilepsie zu sprechen. Während eines epileptischen Anfalles kommt es zu rhythmischen, synchronen Entladungen von Nervenzellverbänden im Gehirn, welche sich als generalisierter oder fokaler Anfall präsentieren. Bei fokalen Anfällen ist die Symptomatik meist begrenzt auf eine Körperregion oder eine bestimmte Funktion.

Die Diagnostik besteht aus einer ausführlichen Anamnese, der Bestimmung differenzierter Laborwerte, der Aufzeichnung eines EEGs und der Bewertung sowie Empfehlung zur Bildgebung. Therapeutisch werden Antiepileptika in Einzel- und Kombinationsmedikation angewendet. In der Sprechstunde wird die Neueinstellung und Beratung zu bestehenden Medikationen angeboten. Die Epilepsie-Ambulanz befindet sich im 1. Obergeschoss. Eine Überweisung des behandelnden Neurologen ist erforderlich.

Epilepsiechirurgie bei therapieresistenter Epilepsie

Bei Patienten, bei denen eine therapieresistente Epilepsie besteht, ist unter Umständen eine Behandlung mittels einer Operation möglich. Grundsätzliche Voraussetzung für eine solche epilepsiechirurgische Operation ist ein sogenanntes prächirurgisches Monitoring in der Klinik für Neurologie (Bereichsleiter: Dr. Quesada). Bei diesem Monitoring wird unter stationären Bedingungen mittels Langzeit-Video-EEG ein möglicher Bereich innerhalb des Gehirns, der die Epilepsie auslöst, diagnostiziert und dann gegebenenfalls operativ entfernt. Auch bei tieferliegenden Prozessen innerhalb des Gehirns bzw. bei Epilepsien, bei der man in keiner Bildgebung eine Ursache erkennen kann, kann auch eine sogenannte invasive Epilepsiediagnostik dazu führen, dass entsprechende Areale, die die Epilepsie auslösen, diagnostiziert werden können. Hierzu können z. B. EEG-Elektroden als sogenannte Tiefenelektroden in das Gehirn eines Patienten eingebracht werden oder aber auch auf die Gehirnoberfläche (sogenannte subdurale Elektroden) aufgebracht werden.

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Zentrum für Neuromuskuläre Erkrankungen

Das Zentrum für Neuromuskuläre Erkrankungen bietet das volle Spektrum der Diagnostik und erforderlichen Therapien an. Neuromuskuläre Erkrankungen im Kinder- und Jugendalter werden in der Neuropädiatrie der Klinik für Kinderheilkunde I unter Leitung von Prof. Dr. med. Thomas Lücke behandelt.

Diese reichen von Erkrankungen des Rückenmarks über die peripheren Nerven, den Übergang zwischen Nerven und Muskeln sowie letztlich den Muskeln selbst. Die Ursachen können Gendefekte, Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder degenerative Prozesse sein. Die Vielzahl der einzelnen Erkrankungen, die zum Teil sehr selten auftreten, machen eine ausführliche Diagnostik unter Zuhilfenahme technischer Verfahren, wie z.B. der Elektrophysiologie erforderlich. Viele dieser Erkrankungen sind als Multisystemerkrankung zu verstehen, sodass ebenso eine enge Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Disziplinen erforderlich ist.

Behandlung von Bewegungsstörungen

Zu den Bewegungsstörungen zählen verschiedene Erkrankungen, die die Körperhaltung und die präzise Ausführung von willkürlichen, aber auch von automatischen, unbewussten Bewegungen beeinträchtigen. Sie sind nicht durch Lähmungen oder Erkrankungen des Skelettsystems bedingt. Die Ursachen der meisten Störungen liegen in den sogenannten Basalganglien. Das sind Zentren, die im Inneren des Gehirns unterhalb der Hirnrinde lokalisiert sind. Auch Erkrankungen des Kleinhirns oder des Rückenmarks führen zu Bewegungsstörungen. Die Möglichkeiten der Behandlung vieler Bewegungsstörungen haben sich in den letzten Jahren durch die Entwicklung wirksamer Medikamente und auch operativer Verfahren deutlich verbessert. In der Ambulanz für Bewegungsstörungen werden u.a. folgende Erkrankungen behandelt:

  • Parkinson-Syndrom
  • Dystonie
  • Tremor
  • Chorea
  • Myoklonus
  • Ataxie

Botulinumtoxin-Injektion bei Dystonie und Spastik

Durch die Botulinumtoxin-Injektion können die Symptome von Dystonie und Spastik wie Verkrampfungen, Schmerzen und Fehlstellungen gebessert werden. Unter den typischen Krankheitsbildern, die behandelt werden, finden sich fokale Dystonien wie zum Beispiel Lidkrämpfe (Blepharospasmus), der Schiefhals (Torticollis spasmodicus) oder die Funktionseinschränkungen beim Schreibkrampf (Graphospasmus). Zudem segmentale und sekundäre Dystonien wie bei einem Spasmus hemifacialis.

Vaskuläre Spezialsprechstunde

In der Vaskulären Spezialsprechstunde wird eine umfängliche Beratung und Diagnostik bei allen neurovaskulären Erkrankungen angeboten. Die Sprechstunde wird vom stellvertretenden Direktor Prof. Dr. med. Martin Köhrmann geleitet. Leider sind Termine aufgrund der sehr hohen Anfrage nur begrenzt verfügbar. Patienten ab 16 Jahren können ihren Termin auch über das ONLINE Terminbuchungsportal buchen.

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Zentrum für Gehirngesundheit und Prävention (ZGP-E)

Im Zentrum für Gehirngesundheit und Prävention (ZGP-E) können Menschen, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Demenz haben, präventiv untersucht werden, um dann Betroffenen frühzeitig neue Therapien anbieten zu können. Demenz ist ein Überbegriff für Erkrankungen, die zu einem allmählichen Verlust geistiger Fähigkeiten (sogenannter kognitiver Funktionen) wie beispielsweise Erinnerungsvermögen, Erlernen neuer Inhalte, Orientierung und/oder Persönlichkeitsveränderungen führen, die die Alltagsaktivitäten zunehmend erschweren. Abhängig von der Ursache können auch andere Symptome (wie z.B. Störungen der Sprache oder Beweglichkeit) auftreten. Die Ursachen einer Demenz können vielfältig sein. Die häufigste Form der Demenz stellt die Alzheimer-Erkrankung dar. Weitere Ursachen sind die sogenannte vaskuläre (d.h. durchblutungsbedingte) Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz und die frontotemporale Demenz.

Wenn auch in der Regel eine Erkrankung des alternden Menschen, so können auch jüngere Menschen, d.h. oft deutlich vor dem 65. Lebensjahr von einer Demenz betroffen sein. Doch Probleme mit der Merkfähigkeit, Störungen des Verhaltens oder der Stimmung können auch Ausdruck des normalen Alterungsprozesses oder Folge von psychischen oder körperlichen Erkrankungen (z.B. Depression, Stoffwechselstörung, entzündlichen Krankheiten) sein. Daher ist eine fachärztliche Abklärung wichtig. In der Sprechstunde (Leitung Fr. Dr. Iris Trender-Gerhard) erhalten Patienten und Risikopersonen eine umfassende Diagnostik zur Abklärung bzw. Früherkennung von Demenzerkrankungen. Gemeinsam mit den Patienten und ihren Angehörigen wird ein Konzept zur (medikamentösen) Therapie entsprechend dem neuesten wissenschaftlichen Stand und adäquaten Unterstützung im Alltag erarbeitet. Menschen, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Demenz haben, z.B. aufgrund von familiärer Vorbelastung oder bestimmten genetischen Faktoren, können sich hier beraten lassen.

Multiple Sklerose (MS)

Bei der MS handelt es sich um eine autoimmunvermittelte entzündliche Erkrankung, welche die Hülle der Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark betrifft. Dies führt zu einer lokalen Schädigung der Nervenfaser mit entsprechenden neurologischen Funktionsausfällen. Diese können in unterschiedlichen Verlaufsformen auftreten, von denen die schubförmige Symptomausbildung mit vollständigem Rückgang die häufigste ist. Ein Übergang mit stetiger Verstärkung der Symptome ist möglich (Sekundär chronisch progrediente MS). Daneben tritt eine Form auf, bei der sich von Beginn an eine kontinuierliche Verschlechterung einstellt, ohne Auftreten von Schüben (primär chronisch progrediente MS). Die Klinik bietet Behandlung mit Immuntherapeutika für den milden/moderaten Verlauf und den hoch-aktiven Verlauf (u.a. Beratung und Behandlung von begleitenden Beschwerden (z.B. Fatigue, Spastik, Blasenstörung, Depression) an.

Funktionelle Neurologische Störungen

Als funktionell bezeichnet man neurologische Symptome, denen keine Schädigung des Nervensystems zugrunde liegt, sondern eine Fehlschaltung zwischen Bewegungskontrolle und Gedankenwelt. Zu den Krankheitsformen gehören funktionelle Bewegungsstörungen, dissoziative Anfälle, der phobische Schwankschwindel, Sensibilitätsstörungen und diverse weitere Symptome. Ausgelöst werden funktionelle neurologische Störungen häufig durch akute Krankheitszustände oder chronische Belastungen, es können jedoch eine Vielzahl von körperlichen und psychischen Einflussfaktoren mitwirken. Für die ambulante Vorstellung wird ein Überweisungsschein von einem niedergelassenen Neurologen benötigt. Alle vorhandenen Arztbriefe sowie CT-/ MRT-Bilder o.Ä. sind mitzubringen.

Geriatrie

Die Geriatrie bietet eine modernste Struktur zur Vorbeugung, Erkennung, konservative und interventionelle Behandlung körperlicher und seelischer Erkrankungen im biologisch fortgeschrittenen Lebensalter. Apparative Zusatzdiagnostik mit spezifischen geriatrischen Aspekten (z.B. Sturzdiagnostik) kommen zum Einsatz.

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Klinische Neuroonkologie

Im Schwerpunkt Klinische Neuroonkologie der Klinik für Neurologie werden Patientinnen/ Patienten mit gutartigen und bösartigen Tumoren des Gehirns, des Rückenmarks und ihrer Hüllen, mit Hirnmetastasen anderer Krebserkrankungen und mit Tumoren, die durch lokale Ausbreitung in das Schädelinnere eingedrungen sind, behandelt. Der Schwerpunkt ist assoziiert mit dem Westdeutschen Tumorzentrum, eines der größten Tumorzentren in Deutschland, und Teil eines interdisziplinären Behandlerteams. Es werden die neuesten medikamentösen Therapieentwicklungen und Studien mit vielversprechenden Medikamenten angeboten.

Universitäre Schmerzmedizin und Rückenschmerzzentrum

Die Universitäre Schmerzmedizin bündelt und koordiniert die Expertise aller Kliniken, Institute und Fachzentren, die sich der Behandlung akuter und chronischer Schmerzen widmen. Es wird ein ganzheitliches Konzept angeboten: Diagnostik und Therapie erfolgen interdisziplinär mit mehreren Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen im Team. In den angegliederten Fachzentren wird gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten, Physio- und Psychotherapeutinnen und -therapeuten eine genau auf Sie abgestimmte Therapiestrategie erarbeitet.

Patienten mit Rückenschmerzen haben nicht selten eine Vielzahl von verschiedenen Arztbesuchen und sogar Operationen hinter sich, ohne dass sich die Beschwerden wesentlich bessern. Das Team des Rückenschmerzzentrums bietet in enger Kooperation mit den Kliniken für Neurochirurgie, Orthopädie, Anästhesiologie, Psychosomatik sowie Psychiatrie eine interdisziplinäre Behandlung an, in der alle für die Diagnose und Therapie von Rückenschmerzen relevanten Fachrichtungen einer universitären Einrichtung eng zusammenarbeiten. Für die Vorstellung in diesem Zentrum wird ein Überweisungsschein von einem niedergelassenen Neurologen oder Hausarzt. Alle vorhandenen Arztbriefe sowie CT-/ MRT-Bilder sind mitzubringen. Auf der Station Neuro3 erfolgt zudem die Multimodale Schmerztherapie.

Ataxie-Erkrankungen

Bei den Ataxien handelt es sich um Erkrankungen, die bevorzugt das Kleinhirn betreffen. Im Vordergrund steht eine gestörte Koordination von Bewegungen, z.B. des Stehens und Gehens, von Armbewegungen oder dem Sprechen. Es gibt ganz unterschiedliche Erkrankungen, die zu Ataxien führen können. Neben Erberkrankungen [z.B. der Friedreich Ataxie oder den spinozerebellären Ataxien (SCA)] können das seltene Entzündungen oder Stoffwechselerkrankungen sein. In anderen Fällen [z.B. der sporadischen Ataxie des Erwachsenenalters (SAOA)] ist die Ursache noch nicht bekannt. Für die meisten Formen der Ataxien gibt es bisher keine wirksame medikamentöse Therapie. Nähere Informationen zu den verschiedenen Formen der Ataxie finden Sie unter www.ataxie.de, der Webseite der Deutschen Heredo-Ataxie Gesellschaft. Die Sprechstunde wird seit vielen Jahren von Frau Prof. Dr. Dagmar Timmann-Braun geleitet. Frau Timmann-Braun ist seit 1997 Mitglied des Ärztlichen Beirates der Deutschen Heredo-Ataxie Gesellschaft (DHAG).

Poliklinik

Das Wort Poliklinik stammt aus dem Griechischen „polis“ und bedeutet Staat, Öffentlichkeit. Die Poliklinik stellt demnach die Schnittstelle zwischen der Klinik und den Bürgern dar. Für die Vorstellung in der Poliklinik wird ein Überweisungsschein von einem niedergelassenen Neurologen oder Hausarzt benötigt. Vorhandene Arztbriefe sowie CT-/ MRT-Bilder o.Ä. sind mitzubringen. Als Privatpatient hat man die Möglichkeit direkt bei einem der Oberärzte einen Termin zu vereinbaren. Vorhandene Arztbriefe sowie CT-/ MRT-Bilder o.Ä. sind mitzubringen oder vorab über das Kontaktformular zuzusenden.

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