Die Diagnose eines Hirntumors bei einem Kind stellt eine immense Belastung für die gesamte Familie dar. In solchen Momenten sind eine schnelle Diagnostik und eine umfassende, individuell angepasste Behandlung von entscheidender Bedeutung. Die Uniklinik Heidelberg hat sich auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren spezialisiert und bietet ein breites Spektrum an modernsten Diagnose- und Therapieverfahren.
Spezialisierung und Expertise in Heidelberg
Die Uniklinik Heidelberg, insbesondere das Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ), hat sich auf die Behandlung von Krebserkrankungen, Bluterkrankungen, Erkrankungen des Immunsystems und schweren Lungenerkrankungen bei Kindern spezialisiert. Das Zentrum verfolgt die Mission, Kinder und ihren Familien in einer "mutmachenden Umgebung" zu heilen und zu helfen. Die Klinik für Onkologie, Hämatologie, Immunologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg betreut jährlich rund 100 neu erkrankte Kinder und Jugendliche mit Krebs- und Bluterkrankungen. Mehr als 2.000 Kinder mit bösartigen Erkrankungen wurden bisher am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin behandelt, wobei 85 Prozent davon dauerhaft geheilt entlassen werden konnten.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachkliniken der Universitätsmedizin Heidelberg ermöglicht es, in jedem Behandlungsabschnitt eine kindgerechte und medizinisch individuell angepasste und optimierte Therapie anzubieten. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die intensive Kooperation mit dem benachbarten Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), die den Ärzten stets Zugriff auf die neuesten Ergebnisse der internationalen Krebsforschung ermöglicht. Unter Berücksichtigung dieses Wissens stimmen sich die Mediziner aller beteiligten Fachrichtungen in sogenannten Tumorkonferenzen über die optimale Behandlungsstrategie bei besonders komplizierten Fällen ab.
Was ist ein Hirntumor?
Ein Hirntumor ist eine Wucherung im Gehirn selbst, in den Nervenwasserräumen, den Hirnhäuten oder an den Hirnnerven. Es ist wichtig zu verstehen, dass sich hinter dem Begriff "Hirntumor" mehr als hundert verschiedene Arten verbergen. Je nach Lage, Größe und Art des Tumors kann dieser zu sehr unterschiedlichen Symptomen führen. Daher ist bei Verdacht auf einen Hirntumor, insbesondere bei einem Kind, eine schnelle und gründliche Diagnose unerlässlich.
Ein Hirntumor kann entweder primär entstehen, ausgehend von verschiedenen Zellen des zentralen Nervensystems (ZNS), oder sekundär als Hirnmetastase, also als Absiedelung von Tumoren außerhalb des ZNS. Zu den primären Hirntumoren zählen unter anderem:
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- Gliome (Astrozytome, Oligodendrogliome, Glioblastome, Ependymome)
- Meningeome
- Schwannome
Aufgrund ihrer Häufigkeit liegen insbesondere folgende Tumorarten im Fokus der Behandlung in Heidelberg:
- Pilozytische Astrozytome
- Medulloblastome
- Ependymome
- Kraniopharyngeome
- Tumore des 1. Lebensalters
- Hypophysenadenome (Tumor der Hirnanhangdrüse)
- Hirnstammgliome
- Keimzelltumore
Diagnostik in der Uniklinik Heidelberg
Viele Patienten kommen bereits mit einer Diagnosestellung nach Heidelberg und suchen Rat für die beste Behandlung. Selbstverständlich erstellen die Ärzte in der Neurochirurgischen Klinik Heidelberg eine eigene Anamnese, um den Krankheitsverlauf nachzuzeichnen. Trotz aller Fortschritte in der bildgebenden Diagnostik von Hirntumoren ist es nach wie vor erforderlich, Gewebeproben zu entnehmen, um die exakte Diagnose zu sichern und die molekularen Eigenschaften des Tumors näher zu charakterisieren. Diese Diagnose wiederum ist die Basis für die nicht-chirurgische Weiterbehandlung und die Prognose der Patienten. Hierzu kann eine Biopsie durchgeführt werden, die entweder mit Hilfe stereotaktischer Verfahren erfolgt.
Speziell ausgebildete Kinder-Radiologen der Sektion für Pädiatrische Radiologie betreuen die jungen Patienten von der präzisen Diagnostik bis zur Nachsorge. Ein besonderes Anliegen ist dabei der intensive Strahlenschutz bei gleichzeitig größtmöglichem Komfort für die Kinder. Die Pädiatrische Radiologie der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg ist als Nationales Referenzzentrum ausgewiesen.
Behandlungsmethoden in der Pädiatrischen Neurochirurgie
Für die operative Behandlung von Kindern mit Gehirn- oder Rückenmarkserkrankungen wurde in der Neurochirurgischen Klinik eine eigene Abteilung aufgebaut - die Pädiatrische Neurochirurgie. Hier können die Ärzte speziell auf die Bedürfnisse der kleinen Patienten und ihrer Familien eingehen. Fürsorge und Zuwendung stehen neben einer optimalen medizinischen Therapie an erster Stelle. In der pädiatrischen Neurochirurgie stehen die neuesten Eingriffstechniken und Apparaturen sowie ein hoch spezialisiertes und erfahrenes Ärzteteam zur Verfügung. Neben einer Operation sind eine präzise Diagnostik, kindgerechte Pflege und postoperative Nachsorge für eine optimale Versorgung der kleinen Patienten unverzichtbar. Je nach Schwere des Eingriffs werden die Kinder entweder auf der Kinderintensivstation oder den zugeteilten Kinderstationen weiter betreut.
Operative Verfahren
Die Hirntumorchirurgie steht am Anfang der Behandlung aller neuroonkologischen Patienten. Für die allermeisten Hirntumor-Entitäten konnte in zahlreichen Studien gezeigt werden, dass eine weitestgehende oder vollständige Entfernung des Tumors entweder zur Heilung oder zumindest zu einer Verlängerung der Lebenserwartung führt. Daneben führt eine Entfernung oder Verkleinerung des Hirntumors zur Verbesserung neurologischer Ausfallserscheinungen und Reduktion von epileptischen Anfällen.
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Für ein bestmögliches Operationsergebnis setzen die Operateure neben ihrer operativen Erfahrung ein umfangreiches Spektrum modernster OP-Techniken ein. Dabei ist die mikrochirurgische Operation unter Zuhilfenahme moderner OP-Mikroskope eine Selbstverständlichkeit. Eine besondere operative Herausforderung stellen Gliome dar, die als hirneigene Tumore ohne erkennbare Grenze zum gesunden Hirngewebe wachsen. Bei Kontrastmittel-aufnehmenden Gliomen kann das Tumorgewebe selektiv mit der fluoreszierenden Substanz 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) angefärbt und mit Hilfe spezieller Filter unter dem OP-Mikroskop sichtbar gemacht werden.
Darüber hinaus verfügt die Neurochirurgische Universitätsklinik Heidelberg über einen intraoperativen Hochfeld-Kernspintomographen (1.5 Tesla Feldstärke), mit dessen Hilfe ein Resttumor intraoperativ sichtbar gemacht und in der gleichen Operation entfernt werden kann. Im Vergleich zu konventionellen OP-Methoden kann das Ausmaß der Tumorentfernung dadurch deutlich erhöht werden. Zusätzlich nutzen die Ärzte intraoperativ modernste Technologien wie die Raman-Spektroskopie, die konfokale Lasermikroskopie oder auch die Nanopore-Technologie. So kann einerseits das Resektionsausmaß weiter optimiert sowie andererseits bereits intraoperativ eine Diagnose erhalten werden.
Bereits präoperativ können bei den Patienten funktionstragende Areale an der Hirnoberfläche (funktionelles MRT) sowie Faserbahnen in der Tiefe des Gehirns (Traktographie) dargestellt und für die OP-Planung berücksichtigt werden. Dies geschieht in wissenschaftlichen Forschungsprojekten der Klinik sowie in Kooperation mit den Kollegen der Abteilung für Neuroradiologie. Da die präoperative funktionelle Bildgebung zwar eine gute Näherung, aber keine millimetergenaue Identifikation funktionstragender Areale erlaubt, wird intraoperativ in solchen Fällen stets das elektrophysiologische Neuromonitoring zur Lokalisation und Überwachung der motorischen, sensiblen und Sprachfunktionen eingesetzt (direkte kortikale und subkortikale Stimulation, motorisch/ somatosensorisch evozierte Potentiale, Stimulationssauger). So können neben Gliomen auch Tumore, die in engem Kontakt zu Hirnnerven stehen, schonend entfernt werden.
Bei hirneigenen Tumoren, vor allem im Bereich der motorischen Zentren und der Sprachzentren, kann die Operation auch beim wachen, schmerzfreien Patienten erfolgen, um die entsprechenden Funktionen während der Tumorentfernung zu überwachen und zu erhalten (Wachkraniotomie). Bei diesen Eingriffen steht ein hochspezialisiertes und eingespieltes Team aus erfahrenen Operateuren, Anästhesisten und Pflegekräften zur Verfügung. Außerdem ist die kontinuierliche Kommunikation mit dem Patienten während der Operation von großer Bedeutung.
Weitere Behandlungsmethoden
Je nach Art des Hirntumors kann eine chirurgische Entfernung ausreichen, um die Tumorerkrankung lebenslang zu stabilisieren. Therapieentscheidungen werden interdisziplinär, auch in wöchentlich im NCT stattfindenden Tumorboards, getroffen und basieren auf aktuellsten Studienergebnissen. Je nach Krankheitsbild kommt auch eine Behandlung im Rahmen von Therapiestudien in Frage.
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Neben der Operation können weitere Behandlungen erforderlich sein, wie etwa eine Chemo- und Strahlentherapie, eine spezielle orthopädische oder neurologische Rehabilitation. So ist die Behandlung stets eng mit den Experten der benachbarten universitären Fachkliniken - etwa der Kinderklinik, der Orthopädie oder zuweisenden und weiterbetreuenden Kinderkliniken - abgestimmt.
Die Uniklinik Heidelberg bietet zudem innovative Therapieansätze im Rahmen von klinischen Studien an. Erwähnt seien hier z.B. die ATLAS /NOA-29-Studie, die CAR2BRAIN-Studie, die PerSurge /NOA-30-Studie sowie die RadCav-Studie.
Forschung und Innovation
Um die Heilungsraten bei Krebs und schweren Bluterkrankungen im Kindesalter zu verbessern und Nebenwirkungen und Spätfolgen zu reduzieren, sind neue diagnostische und therapeutische Ansätze erforderlich. Die Uniklinik Heidelberg arbeitet eng mit anderen Fachabteilungen sowie auch multizentrisch mit anderen neuroonkologischen Zentren zusammen und führt diverse klinische Studien durch, um die aktuelle Therapie weiter zu verbessern.
Ein besonderes Anliegen der Sektion Pädiatrische Hirntumore ist es, neueste Erkenntnisse zu den molekularen Ursachen von kindlichen Hirntumoren, deren Risikoabschätzung sowie neue Therapiemöglichkeiten in innovative, individualisierte und zielgerichtete Therapiekonzepte zu übersetzen. Dieses erfolgt durch eine enge Kooperation mit den Gruppen des translationalen und präklinischen Programmes des KiTZ und den Abteilungen Pädiatrische Neuroonkologie und KKE Pädiatrische Onkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg.
Wissenschaftler des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ), des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Universität Heidelberg und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg forschen intensiv an kindlichen Hirntumoren, um neue Therapiekonzepte zu entwickeln.
Psychoonkologische Betreuung und Unterstützung der Familie
Für die betroffenen Kinder und ihre Familien bedeutet die Diagnose Krebs unweigerlich einen tiefen Einschnitt. Neben der medizinischen Behandlung ist die psychologische Betreuung von großer Bedeutung. Die Uniklinik Heidelberg bietet eine umfassende psychoonkologische Betreuung für Kinder, Jugendliche und ihre Familien an. Auch die Familien der jungen Patienten werden in dieser schweren Situation nicht allein gelassen: Um die Eltern zu entlasten, werden verschiedene Unterstützungsangebote bereitgestellt. Wichtig für die Genesung der Kinder und Jugendlichen ist außerdem die pädagogische Betreuung während ihrer Zeit im Krankenhaus. Darüber hinaus bieten wir unseren Patienten neben einer psychosozialen und schulischen Betreuung ein umfangreiches Programm mit Musik- und Sporttherapie an. Ein besonderes Anliegen ist uns die individuelle Beratung inklusive neuropsychologischer Testung in der Nachsorge unserer Patienten mit Hirntumoren.
Internationale Patienten
Die Onkologische Neurochirurgie unter Prof. Dr. Sandro Krieg zählt zu den größten Zentren in Europa. Internationale Patienten werden auf Wunsch von Prof. Krieg oder einem seiner erfahrensten Stellvertreter, Spezialist für die jeweilige Erkrankung, operiert. Bei der persönlichen Vorstellung erhalten alle Patienten umfangreiche Informationen und können alle Fragen rund um die Therapie stellen.
Für internationale Patienten bietet die Uniklinik Heidelberg ein Telemedizinportal an, über das Anfragen gestellt werden können. Nach Erhalt der vollständigen Informationen leitet das International Office die Anfrage unmittelbar an einen erfahrenen neurochirurgischen Experten weiter.
Die Bedeutung des Teamgedankens
Der Teamgedanke wird in der Uniklinik Heidelberg großgeschrieben. Dieser Teamgedanke gilt aber auch über die Klinikpforte hinaus: Denn häufig benötigen die Kinder nach der Operation noch weitere Behandlungen, wie etwa eine Chemo- und Strahlentherapie, eine spezielle orthopädische oder neurologische Rehabilitation. So ist die Behandlung stets eng mit den Experten der benachbarten universitären Fachkliniken - etwa der Kinderklinik, der Orthopädie oder zuweisenden und weiterbetreuenden Kinderkliniken - abgestimmt.
Heilungschancen und Perspektiven
Für die betroffenen Kinder und ihre Familien bedeutet die Diagnose Krebs unweigerlich einen tiefen Einschnitt. Doch die Heilungschancen stehen in den meisten Fällen gut: Mehr als 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, die an Krebs erkrankt sind, können heute erfolgreich behandelt werden. Um die Heilungsraten bei Krebs und schweren Bluterkrankungen im Kindesalter zu verbessern und Nebenwirkungen und Spätfolgen zu reduzieren, sind neue diagnostische und therapeutische Ansätze erforderlich.
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