Epilepsiebehandlung an der Uniklinik Ulm Eselsberg

Die Uniklinik Ulm Eselsberg bietet ein umfassendes Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von Epilepsie. Der epileptologische Schwerpunkt hat in Ulm eine lange Tradition, die bis ins Jahr 1994 zurückreicht, als das Epilepsiezentrum Ulm als Kooperation verschiedener klinischer und medizinisch-theoretischer Abteilungen der Universität Ulm gegründet wurde. Durch diesen Forschungsschwerpunkt steht in Ulm ein spezialisiertes Diagnostik- und Behandlungsangebot zur Verfügung.

Ansprechpartner und Ambulanzen

Die Neurologische Universitätsklinik Ulm bietet verschiedene Spezialsprechstunden und Ambulanzen an, die sich auf die Behandlung von Epilepsie spezialisiert haben. Zu den Ansprechpartnern gehören:

  • Prof. Dr. med. Rebecca Kassubek (Leiterin der Sprechstunde Neuropsychologie)
  • PD Dr. med. Makbule Senel (Oberärztin, Leiterin der Sprechstunde)
  • Prof. Dr. med. Hayrettin Tumani (Oberarzt, Leiter der Sprechstunde)
  • Frau Dr. med. Christina Lang (Fachärztin, Leiterin der Sprechstunde)
  • Dr. med. Panteha Fathinia-​Grafl (Oberärztin, Leiterin der Sprechstunde Spezielle Schmerztherapie, Palliativmedizin)
  • PD Dr. med. Mona Laible (Oberärztin, Leiterin der Sprechstunde)
  • Dr. med. Anette Wassner (Fachärztin)

Die Epilepsieambulanz der Uniklinik Ulm Eselsberg steht sowohl Pflichtversicherten (mit Überweisung vom Hausarzt oder Neurologen) als auch Privatversicherten zur Verfügung. In der Ambulanz werden folgende Fragen behandelt:

  • Einordnung des Epilepsiesyndroms
  • Einstellung der medikamentösen Epilepsietherapie
  • Diskussion weiterer Behandlungsmöglichkeiten (Epilepsiechirurgie, Stimulationsverfahren)
  • Nachbesprechung ausführlicher stationärer oder spezieller ambulanter Diagnostik
  • Schwangerschaftsberatung
  • Durchführung von Medikamentenstudien

Diagnostik

Die Uniklinik Ulm Eselsberg bietet ein breites Spektrum an diagnostischen Verfahren zur Abklärung von Epilepsie an. Dazu gehören:

  • Routine-EEG: Das Standard-EEG erfasst nur eine kurze Momentaufnahme des Wachzustandes und z.T. auch Phasen der Ermüdung.
  • MRT-Diagnostik: Eine spezielle Kernspinuntersuchung des Gehirns, die umfangreicher ist als die üblicherweise durchgeführte Standarduntersuchung und die sich an der Epilepsieform orientieren muss.
  • 24h-EEG-Ableitung ohne zusätzliche Video-Dokumentation (mobiles Langzeit-EEG):
  • Video-EEG-Monitoring: Eine Langzeituntersuchung, bei der über mehrere Tage (maximal bis zu 2 Wochen) eine kontinuierliche Videoaufzeichnung durchgeführt und gleichzeitig ein EEG abgeleitet wird. Es wird dann i.d.R. über mehrere Tage (max. bis zu 2 Wochen) eine kontinuierliche Videoaufzeichnung durchgeführt und gleichzeitig ein EEG abgeleitet. Dazu werden Elektroden mit einem speziellen Material (Kollodium) auf die Kopfhaut aufgeklebt. Diese Untersuchung ermöglicht es, die einzelnen Anfallssymptome im Video genau zu analysieren und zugleich die begleitenden EEG-Veränderungen aufzuzeichnen. Darüber hinaus kann das EEG zwischen den Anfällen im Wachzustand und im Schlaf analysiert werden.
  • Polygraphische Kipptischuntersuchung: Zur Abgrenzung kardiovaskulärer orthostatischer Dysregulationen.
  • Polysomnographie: In enger Kooperation mit dem Schlaflabor zur differentialdiagnostischen Abgrenzung von nächtlichen epileptischen Anfällen zu Schlafstörungen.
  • Positronenemissionstomographie (PET): Eine weitere Zusatzuntersuchung, die abhängig von den bei den Basisuntersuchungen gewonnenen Erkenntnissen notwendig werden kann, um zu einem Behandlungsvorschlag zu kommen.

Therapie

Die Therapie der Epilepsie an der Uniklinik Ulm Eselsberg umfasst verschiedene Ansätze:

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  • Medikamentöse Therapie: Im Schnitt werden knapp 70% der Patienten unter der Gabe antiepileptischer Medikamente anfallsfrei. Medikamentenumstellungen, die ambulant nicht durchgeführt werden können, können im Rahmen eines stationären Aufenthaltes vorgenommen werden (Epilepsie-Komplexbehandlung).
  • Epilepsiechirurgie: Bei etwa 20-30% der Epilepsiepatienten sind die Anfälle trotz der vielen verfügbaren Medikamente nicht ausreichend behandelbar. In diesem Fall sollte geprüft werden, ob es eine chirurgische Möglichkeit der Behandlung gibt, die in vielen Fällen eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Anfallsfreiheit bietet. Voraussetzung dafür ist, dass es sich um eine fokale Epilepsie handelt, bei der die Anfälle in einer umschriebenen Hirnregion entstehen, die operativ entfernt werden kann, ohne dass postoperativ neurologische Defizite entstehen. Sogenannte "generalisierte Epilepsien", bei denen schon zu Beginn des epileptischen Anfalles beide Großhirnhälften in das Anfallsgeschehen miteinbezogen sind, sind chirurgisch nicht kurativ behandelbar, d.h. Anfallsfreiheit kann durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff nicht erreicht werden. Ob im Einzelfall eine operative Behandlungsmöglichkeit besteht, kann in der Regel nur nach weiteren Voruntersuchungen entschieden werden. Die präoperative Diagnostik kann in der Neurologischen Klinik im RKU und eine Operation in der Neurochirurgischen Klinik des Bezirkskrankenhauses Günzburg durchgeführt werden. Beratungen zur Indikation einer präoperativen Diagnostik sind in der Epilepsieambulanz möglich.
  • Stimulationsverfahren: Wenn Medikamente die Anfälle nicht ausreichend verhindern können, kann auch eine neurochirurgische Behandlung infrage kommen. Dabei wird je nach Ursache entweder der Bereich im Gehirn, von dem die Anfälle ausgehen, gezielt behandelt oder durch moderne Verfahren wie die Vagusnerv-Stimulation (VNS) oder die tiefe Hirnstimulation (THS) beeinflusst. Diese Verfahren beeinflussen die Gehirnaktivität, um Anfälle zu reduzieren. Das Ziel besteht immer darin, die Anfälle zu verringern oder im besten Fall ganz zu beseitigen und die Lebensqualität des Kindes deutlich zu verbessern.

Klinische Studien

Die Uniklinik Ulm Eselsberg ist aktiv an klinischen Studien zur Erprobung neuer Medikamente und Therapieverfahren beteiligt. Für Patienten, bei denen mit zugelassenen Medikamenten keine Anfallsfreiheit erreicht werden konnte, kann die Teilnahme an einer solchen Studie eine Chance sein. Die Studien werden nach internationalen Richtlinien unter sorgfältiger Überwachung und nach strengen Grundsätzen durchgeführt.

Aktuelle Studien im Bereich Epilepsie:

  • ToSEE: Multizentrische, prospektive, kontrollierte, doppel-blinde, randomisierte Studie zum Phase-IV-Vergleich zweier Behandlungsarme. Ziel ist es die Wirksamkeit von intravenösem Valproat (VPA) oder Levetiracetam (LEV) bei einem etablierten Status Epilepticus zu vergleichen, sowie eine Evidenz zu schaffen für die Therapie des etablierten Status Epilepticus in der älteren Bevölkerung.
  • X-ACKT (XPF-010-303): Multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, Phase-3-Studie zur Beurteilung der Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von XEN1101 als begleitende Therapie bei primären generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfällen.
  • BHV-7000-206: Multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, Dosis-Wirkungsstudie der Phase 2b/3 zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von BHV-7000 als Zusatztherapie bei Erwachsenen mit fokalen Anfällen.

Pädiatrische Neurochirurgie

Die Neurochirurgische Klinik des Uniklinikums Ulm hat eine Sektion Pädiatrische Neurochirurgie unter der Leitung von Frau Professor Peraud eingerichtet. Am Uniklinikum Ulm mit den Standorten in der Kinderklinik am Michelsberg und im Chirurgischen Zentrum am Oberen Eselsberg werden Operationen bei kindlichen Gehirn- und Rückenmarkstumoren und Fehlbildungen (Spaltbildungen im Bereich des Schädels oder der Wirbelsäule), Traumen, Epilepsie, Hydrocephalus, Gefäßmißbildungen, Kraniosynostosen (vorzeitiger Nahtschluss einer oder mehrerer Schädelnähte) und Spastik durchgeführt.

Die Uniklinik Ulm bietet eine umfassende Versorgung von Kindern mit Epilepsie, die eine neurochirurgische Behandlung benötigen. Wenn möglich, wird der epileptische Fokus - also der Bereich im Gehirn, von dem die Anfälle ausgehen - operativ entfernt (reseziert). Alle Behandlungsentscheidungen werden individuell getroffen - immer mit dem Ziel, die bestmögliche Lebensqualität und Entwicklung für das betroffene Kind zu erreichen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Für komplexe Erkrankungen braucht es interdisziplinäre Expertise. In diesem Zusammenhang wurden unter anderem onkologische, epileptologische und Dysraphie-Konferenzen erstellt. Die Uniklinik Ulm pflegt eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Dazu gehören:

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  • Neurologie
  • Neurochirurgie
  • Neuroradiologie
  • Pädiatrie
  • Kinderneurologie
  • Kinderorthopädie
  • Kinderurologie
  • Kinderchirurgie
  • Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
  • Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
  • Augenheilkunde
  • Anästhesie
  • Intensivmedizin
  • Physiotherapie
  • Sozialpädiatrie

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