Neuromuskuläre Sprechstunde am Universitätsklinikum Marburg: Diagnostik, Therapie und Betreuung von Nerven- und Muskelerkrankungen

Das Universitätsklinikum Marburg bietet eine spezialisierte neuromuskuläre Sprechstunde an, die sich der Diagnostik, Therapie und Betreuung von Patienten mit Erkrankungen von Nerven und Muskeln widmet. Diese Spezialambulanz führt die langjährige Arbeit der entsprechenden Ambulanzen der Abteilung Klinische Neurophysiologie und der Neurologischen Klinik fort. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der umfassenden Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit neuromuskulären Erkrankungen.

Diagnostik neuromuskulärer Erkrankungen

Die Diagnostik von Nerven- und Muskelerkrankungen, insbesondere im Kindes- und Jugendalter, ist oft komplex und erfordert die Einbeziehung verschiedener Fachdisziplinen. Am Universitätsklinikum Marburg werden alle diagnostischen Methoden auf höchstem fachlichen Niveau angeboten, häufig in enger Kooperation mit anderen Abteilungen des Klinikums. Dabei werden die Besonderheiten einzelner Methoden im Säuglings- und Kindesalter berücksichtigt.

Folgende Schwerpunkte liegen in der Diagnostik:

  • Ultraschall: Mittels Ultraschall werden periphere Nerven sowie die Muskulatur morphologisch dargestellt. Hierdurch können Engpasssyndrome direkt bildgebend dargestellt werden. Auch die Untersuchung bei Verdacht auf Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) kann mit dieser Methode unterstützt werden.
  • Quantitative sensorische Testung und Mikroneurographie: Diese speziellen Methoden stehen in Kooperation mit der Schmerztherapieambulanz der Klinik für Anästhesiologie zur Verfügung, insbesondere zur Diagnostik neuropathischer Schmerzen. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist die Darstellung des Zusammenhangs zwischen Schmerz und dem autonomen (vegetativen) Nervensystem.

Schwerpunkte der Spezialsprechstunde

In der Spezialsprechstunde werden Patienten mit verschiedensten neuromuskulären Erkrankungen betreut, darunter:

  • Vorderhornzellerkrankungen (z. B. spinale Muskelatrophie)
  • Erkrankungen des peripheren Nerven (z. B. hereditäre motorisch-sensorische Neuropathien)
  • Erkrankungen der neuromuskulären Endplatte (z. B. kongenitale und autoimmun-vermittelte Myasthenie)
  • Erkrankungen des Muskels selbst (z. B. Muskeldystrophien)

Therapie neuromuskulärer Erkrankungen

Die adäquate Betreuung von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen und ihren Familien ist ein besonderes Anliegen des Universitätsklinikums Marburg. Diese Betreuung erfolgt im Rahmen der Spezialsprechstunde für neuromuskuläre Erkrankungen und beinhaltet ein interdisziplinäres Betreuungs- und Therapiekonzept. Je nach individuellem Bedarf werden weitere therapeutische Möglichkeiten besprochen, geplant und durchgeführt.

Spezialambulanz für epilepsiekranke Kinder

Innerhalb der Abteilung Neuropädiatrie und Sozialpädiatrie ist eine Spezialambulanz zur Betreuung epilepsiekranker Kinder angesiedelt. Aufgabe dieser Ambulanz ist die kontinuierliche Begleitung der Patienten und ihrer Familien in unterschiedlichen Krankheitsphasen.

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Leistungen der Epilepsieambulanz:

  • Aufklärung und Beratung: Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung erfolgt eine intensive Aufklärung über die Epilepsie und deren Auswirkungen auf die weitere Lebensgestaltung.
  • Medikamentöse Therapie: Bei Notwendigkeit einer Einstellung auf eine medikamentöse Therapie erfolgen regelmäßige ambulante Vorstellungen zur Anfallskontrolle, mit Bestimmung der Medikamentenspiegel und zu EEG-Kontrollen. Gemeinsam mit den Familien wird so eine optimale medikamentöse Einstellung angestrebt, mit dem Ziel der Anfallsfreiheit.
  • Akute Hilfe: Bei akut auftretenden Problemen, wie zum Beispiel Rezidivanfällen oder einer Anfallshäufung, wird prompte Hilfestellung angeboten.
  • Therapeutische Maßnahmen bei schwer behandelbaren Epilepsien:
    • Ketogene Diät: Diese beinhaltet eine besonders fettreiche Nahrungszufuhr, die über eine veränderte Stoffwechsellage (Ketose) zu einer Anfallskontrolle führen kann.
    • Vagusnervstimulation: Hierbei wird durch eine Operation ein Schrittmacher an einem Halsnerv (Vagusnerv) implantiert. Dieser gibt regelmäßige elektrische Impulse ab, die in das Gehirn weitergeleitet werden und bei etwa 40% der Patienten eine verbesserte Anfallskontrolle erzielen können.
  • Sozialpädiatrische Betreuung: Da Epilepsie eine chronische Erkrankung ist, erfordert sie eine kontinuierliche Betreuung nicht nur im medizinischen, sondern auch im sozialen Bereich. Hierfür steht das Sozialpädiatrische Zentrum zur Verfügung.
  • Neuropsychologische, logopädische oder krankengymnastische Untersuchungen: Bei einigen Patienten werden diese durchgeführt und - falls erforderlich - spezifische Förderungen empfohlen und eingeleitet.

Die Epilepsieambulanz wird von mehreren ärztlichen Mitarbeitern mit speziellen Qualifikationen in diesem Bereich (Zertifikat Epileptologie plus der Deutschen Sektion der Internationalen Liga gegen Epilepsie) durchgeführt. In der EEG-Abteilung werden an vier digitalen Ableiteplätzen im Jahr etwa 3.000 Ableitungen von speziell geschulten technischen Assistentinnen durchgeführt.

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