Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem etwa 40 % der Bevölkerung in Deutschland betroffen sind. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Lendenwirbelsäule (LWS) ist ein modernes, nicht-invasives Bildgebungsverfahren, das detaillierte Querschnittbilder der unteren Wirbelsäule erstellt. Die MRT liefert in der Regel entscheidende Einblicke und ermöglicht es, selbst kleinste Veränderungen im Gewebe sichtbar zu machen.
Anatomische Grundlagen der Wirbelsäule
Um die Ursachen unklarer MRT-Bilder des Rückenmarks besser zu verstehen, ist es hilfreich, die anatomischen Grundlagen der Wirbelsäule zu kennen. Der Wirbelbogen umschließt den Wirbelkörper hufeisenförmig, sodass zusammen mit den Bögen anderer Wirbel der Wirbelkanal (Spinalkanal) entsteht. In diesem Kanal liegen das Rückenmark und die Nervenwurzeln geschützt.
Ursachen für unklare MRT-Bilder des Rückenmarks
Unklare MRT-Bilder des Rückenmarks können verschiedene Ursachen haben. Einige der häufigsten Ursachen sind:
Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule
Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, wie z. B. Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen und Facettengelenksarthrose, können zu unklaren MRT-Bildern des Rückenmarks führen.
Bandscheibenvorfälle
Im normalen Alterungsprozess kann die Elastizität der Bandscheiben abnehmen. Sie verlieren Flüssigkeit, werden spröde und rissig. Wenn vorgewölbtes oder ausgetretenes Bandscheibengewebe gegen eine Nervenwurzel oder gegen die Bänder drückt und diese reizt, kann es zu Schmerzen kommen, die auf den Rücken beschränkt sind oder in die Arme (Halswirbelsäule) oder in die Beine ausstrahlen (Lendenwirbelsäule).
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Spinalkanalstenose
Durch degenerative Veränderungen der Bandscheiben kommt es zum Höhenverlust der Bandscheiben und konsekutiver Instabilität der Wirbelsäule. Der Körper versucht, diese Instabilität durch Abstützungsreaktionen zu kompensieren. Dabei kann es zu Verdickungen der Gelenke (Spondylarthrose), des gelben Bandes (Ligamentum Flavum) und zur Bildung von Randanbauten der Wirbelkörper (Spondylophyten) kommen. Im Bereich der Lendenwirbelsäule kann eine Spinalkanalstenose zu Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in beide Beine, mit oder ohne neurologische Ausfälle, führen.
Facettengelenksarthrose
Das Facettengelenksyndrom oder die Wirbelgelenkarthrose gehört zu den degenerativen, verschleißbedingten Erkrankungen der Wirbelsäule. Durch den Verschleiß der Bandscheiben mit Höhenverlust kommt es zu segmentaler Instabilität. Kompensatorisch werden die Facettengelenke ineinander gedrückt und dadurch zusätzlich belastet. Ein typisches Symptom beim Facettengelenksyndrom ist durch Belastung zu beobachten. Hierbei treten Belastungsschmerzen, vor allem bei langem Stehen und Gehen, auf.
Zysten
Wurzeltaschen-Zysten (Tarlov-Zysten) sind mit Hirnwasser gefüllte Aussackungen der dorsalen Nervenwurzeln am Übergang ins Spinalganglion (Nervenknoten). Sie sind relativ häufig und treten typischerweise (meistens multipel) am Kreuzbein, in Höhe S2 und S3 auf. Eine Synovialzyste ist eine Blase, die am Wirbelgelenk durch Überdehnung der Gelenkkapsel, durch Abnutzung und Arthrose der Gelenke entsteht. Synovialzysten sind gutartig, aber sie können auf die umliegenden Nerven drücken und einen Bandscheibenvorfall vortäuschen.
Nervenkompressionssyndrome
Periphere Nerven verlaufen typischerweise durch natürliche Engstellen. Schon geringe Einengungen an diesen Stellen können die Funktion der Nerven beeinträchtigen und entsprechende Symptome herbeiführen.
Karpaltunnelsyndrom
Das Karpaltunnelsyndrom ist das häufigste Kompressionssyndrom. Es handelt sich um eine Erkrankung, die durch eine Einengung des Mittelarmnerves (N. medianus) im Karpaltunnel verursacht wird.
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Sulcus-ulnaris-Syndrom
Beim Sulcus-ulnaris-Syndrom (auch als Kubitaltunnelsyndrom oder Ulnarisrinnensyndrom genannt) wird der Ellenborgennerv (N. ulnaris) im Ellenbogenkanal (Kubitaltunnel) unter dem Halteband des N. ulnaris im Bereich des Ellenbogens und/oder im Verlauf des Nervs unter einem Muskel (M. flexor carpi ulnaris) übermäßig eingeengt.
Tarsaltunnelsyndrom
Hierbei handelt es sich um ein Nervenengpasssyndrom am Fuß, bei welchem der Nervus tibialis in seinem Verlauf hinter dem Innenknöchel mechanisch eingeengt wird.
Entzündliche Erkrankungen
Entzündliche Erkrankungen, wie z. B. die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew), können Entzündungen und Veränderungen in der Lendenwirbelsäule verursachen, die im MRT deutlich sichtbar werden.
Tumoren
Die MRT kann auch verwendet werden, um gutartige und bösartige Tumoren im Bereich der Lendenwirbelsäule zu identifizieren. Bei der Untersuchung von Tumoren in der MRT ist häufig Kontrastmittel notwendig.
Ependymom
Das Ependymom ist ein Tumor, der sich sowohl im Gehirn als auch im Rückenmark bildet. Meistens sind Kinder in den ersten zehn Lebensjahren davon betroffen, aber auch Erwachsene können daran erkranken. Ein Ependymom bildet sich aus Ependymzellen, die zu den Stützzellen (Gliazellen) des zentralen Nervensystems gehören.
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Postdiscektomiesyndrom
Der Begriff Postdiscektomiesyndrom beschreibt ein Schmerzsyndrom nach operativer Behandlung eines Bandscheibenvorfalles. Dabei können die Probleme und Beschwerden im Rücken und im Bein bzw. Fuß erneut auftreten.
Anschlußdegeneration
Im späteren Verlauf, nach häufig unvermeidlich vorausgegangener Versteifungsoperation (Stabilisierung), treten entsprechende Beschwerden im Bereich des Nackens bzw. Rückens auf. Diese degenerativen Veränderungen sind durch Anschlußdegenerationen erklärbar, welche in einer Etage oberhalb oder unterhalb der versteiften Region auftreten können.
Hirntumoren
Es gibt Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen. Und es gibt solche, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns abstammen - Fachleute sprechen von Hirnmetastasen.
Abklärung unklarer MRT-Bilder des Rückenmarks
Zur Abklärung unklarer MRT-Bilder des Rückenmarks stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Die Erhebung der Krankengeschichte und eine gründliche körperliche Untersuchung sind wichtige Schritte, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln.
- MRT mit Kontrastmittel: Die Gabe von Kontrastmittel kann helfen, Entzündungen, Tumoren und andere Veränderungen im Rückenmark besser sichtbar zu machen.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Mittels elektrophysiologischer Untersuchungen, wie z. B. der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), können Nervenkompressionssyndrome diagnostiziert werden.
- Lumbalpunktion (Liquorpunktion): Bei Verdacht auf entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um das Hirnwasser (Liquor) zu untersuchen.
- Biopsie: In seltenen Fällen kann eine Biopsie erforderlich sein, um die Diagnose zu sichern.
Behandlung von Rückenmarkserkrankungen
Die Behandlung von Rückenmarkserkrankungen richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Konservative Therapien, wie z. B. Schmerzmedikamente, Physiotherapie und Injektionen, können bei vielen Erkrankungen zur Linderung der Beschwerden beitragen. In einigen Fällen kann jedoch eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Beschwerden zu beseitigen.
Bedeutung der Forschung am Rückenmark
Um Schmerz zu verstehen, muss man das Rückenmark verstehen. Dieser Teil des zentralen Nervensystems gilt als die erste Schaltstelle auf dem Weg ins Gehirn. Auf der Suche nach möglichen Schmerztherapien rückt es damit immer mehr in den Fokus. Bislang nutzte man dazu vor allem Tests, die etwa prüften, wie beweglich oder berührungsempfindlich die Betroffenen sind. Das Problem: Sie sind recht ungenau. Sogenannte Biomarker könnten Abhilfe schaffen.
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