Unsicherer Gang bei Demenz: Ursachen und Behandlung

Ein unsicherer Gang ist ein häufiges und oft übersehenes Symptom bei Demenz, das die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Gangstörungen bei Demenz, insbesondere bei vaskulärer Demenz, und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor, um die Mobilität und Selbstständigkeit der Betroffenen zu fördern.

Einführung

Gehen ist eine komplexe Ganzkörperleistung, die das Zusammenspiel von Gelenken, Knochen, Muskeln, Nerven, Sinnessystemen und Gehirn erfordert. Bei Demenz fallen im Laufe der Zeit immer mehr Gehirnfunktionen aus, was sich auch auf die Motorik und den Gang auswirken kann. Ein unsicherer Gang und Stürze sind Hauptfaktoren für eine reduzierte Lebensqualität im Alter.

Ursachen für Gangstörungen bei Demenz

Gangstörungen bei Demenz können verschiedene Ursachen haben, die oft in Kombination auftreten:

  • Neurologische Erkrankungen: Demenz selbst, insbesondere fortgeschrittene Stadien, kann die neurologische Steuerung der Muskeln beeinträchtigen, die am Schluckvorgang beteiligt sind.
  • Vaskuläre Veränderungen: Probleme mit der Durchblutung des Gehirns, wie sie bei vaskulärer Demenz auftreten, können die Nervenzellen schädigen und zu Gangstörungen führen.
  • Muskel- und Skeletterkrankungen: Sarkopenie (Verlust von Muskelmasse und Kraft im Alter), Arthrose und andere muskuloskelettale Probleme können die Stabilität und Beweglichkeit beeinträchtigen.
  • Sensorische Defizite: Eingeschränkte Sinneswahrnehmungen, wie Seh- oder Gleichgewichtsstörungen, können zu Unsicherheit beim Gehen führen.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Demenzbedingte Gedächtnis- und Orientierungsprobleme können die Fähigkeit beeinträchtigen, sich sicher im Raum zu bewegen.
  • Psychische Faktoren: Angst vor Stürzen kann zu Vermeidungsverhalten und weiterem Abbau der Mobilität führen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Gangstörungen verursachen.

Vaskuläre Demenz und Gangstörungen

Vaskuläre Demenz ist die zweithäufigste Form der Demenz und entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn. Diese Störungen können durch Schlaganfälle, Arteriosklerose oder andere Gefäßerkrankungen verursacht werden. Die verminderte Sauerstoffversorgung schädigt Hirnzellen und beeinträchtigt kognitive Funktionen sowie die Motorik.

Bei vaskulärer Demenz können Gangstörungen frühzeitig auftreten und sich durch folgende Merkmale äußern:

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  • Verlangsamtes Gehen
  • Kleinschrittiger Gang (Trippelschritte)
  • Breitbeiniger Gang
  • Erhöhte Sturzneigung
  • Schwierigkeiten beim Gehen und gleichzeitigen Sprechen ("stops walking when talking")

Weitere Ursachen von Gangstörungen

Neben den demenzspezifischen Ursachen können auch andere Faktoren zu Gangstörungen beitragen:

  • Polyneuropathie: Schädigung der peripheren Nerven, die zu Missempfindungen und Muskelschwäche in den Beinen führt.
  • Spinalkanalstenose: Verengung des Wirbelkanals, die Druck auf das Rückenmark ausübt und Gangstörungen verursachen kann.
  • Morbus Parkinson: Neurologische Erkrankung, die zu Muskelsteifheit, Zittern und einem charakteristischen Gangbild mit kleinen, trippelnden Schritten führt.
  • Ataxie: Störung der Koordination von Bewegungen, die zu einem unsicheren, schwankenden Gang führt.

Symptome von Gangstörungen

Die Symptome von Gangstörungen sind vielfältig und hängen von der Art und Ursache der Störung ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Unsicherer, schwankender Gang
  • Verlangsamte Ganggeschwindigkeit
  • Veränderte Schrittlänge (ungleichmäßig oder verkürzt)
  • Erhöhte Muskelsteifheit
  • Fehlende oder reduzierte Armschwingung
  • Schwierigkeiten beim Halten des Gleichgewichts
  • Erhöhte Sturzneigung

Diagnose von Gangstörungen

Um die Ursache einer Gangstörung zu ermitteln, ist eine umfassendeDiagnostik erforderlich. Diese umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und aktueller Beschwerden
  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung von Muskelkraft, Reflexen, Koordination undSensibilität
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Hirnfunktionen und Nervenleitgeschwindigkeit
  • Ganganalyse: Beobachtung des Gangbildes unter verschiedenen Bedingungen
  • Apparative Diagnostik:
    • Bildgebende Verfahren: MRT oder CT des Gehirns und der Wirbelsäule, um strukturelle Veränderungen auszuschließen
    • Elektrophysiologische Untersuchungen: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit bei Verdacht auf Polyneuropathie
    • Vestibuläre Tests: Überprüfung der Gleichgewichtsfunktion
  • Kognitive Tests: Beurteilung der geistigen Leistungsfähigkeit, um eine Demenz zu erkennen oder auszuschließen

Behandlung von Gangstörungen bei Demenz

Die Behandlung von Gangstörungen bei Demenz zielt darauf ab, die Mobilität, Sicherheit und Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Da die Ursachen oft multifaktoriell sind, ist ein interdisziplinärer Ansatz erforderlich, der verschiedene Therapieformen kombiniert:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei vaskulärer Demenz werden Durchblutungsstörungen im Gehirn behandelt, um weiteren Schäden vorzubeugen. Dies kann die Gabe von blutverdünnenden Medikamenten und die Einstellung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes umfassen.
  • Physiotherapie: Gezieltes Training zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Koordination und des Gleichgewichts.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags und Anpassung der Wohnumgebung, um die Selbstständigkeit zu erhalten.
  • Logopädie: Behandlung von Schluckstörungen (Dysphagien), die im fortgeschrittenen Stadium der Demenz auftreten können.
  • Gleichgewichtstraining: Übungen zur Verbesserung der vestibulookulären und vestibulospinalen Reflexe, die für die Haltungsregulation wichtig sind.
  • Kognitives Training: Förderung der geistigen Leistungsfähigkeit, um die Aufmerksamkeit und Orientierung zu verbessern.
  • Psychologische Unterstützung: Hilfe bei der Bewältigung von Ängsten und Depressionen, die mit Gangstörungen einhergehen können.
  • Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen können Medikamente zur Linderung von Symptomen wie Muskelsteifheit oder Schmerzen eingesetzt werden.
  • Hilfsmittel und Gehhilfen:
    • Gehstöcke: Bieten zusätzliche Stabilität und Unterstützung beim Gehen.
    • Vierfußgehgestelle: Bieten noch mehr Stabilität als Gehstöcke.
    • Rollatoren: Gehhilfen auf Rädern mit Bremsen, die zusätzliche Sicherheit bieten.
  • Anpassung der Wohnumgebung: Entfernung von Stolperfallen, Anbringen von Handläufen und gute Beleuchtung, um das Sturzrisiko zu reduzieren.

Sturzprophylaxe

Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Gangstörungen bei Demenz ist die Sturzprophylaxe. Dazu gehören:

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  • Regelmäßige Bewegung: Fördert die Muskelkraft und Koordination.
  • Gleichgewichtstraining: Verbessert die Stabilität und reduziert das Sturzrisiko.
  • Überprüfung der Medikation: Vermeidung von Medikamenten, die Schwindel oder Benommenheit verursachen können.
  • Sehhilfen: Korrektur von Sehproblemen, um die visuelle Wahrnehmung zu verbessern.
  • Sichere Schuhe: Tragen von Schuhen mit guter Passform und rutschfesten Sohlen.
  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Früherkennung und Behandlung von Risikofaktoren für Stürze.

Unterstützung und Betreuung

Patienten mit Gangstörungen benötigen oft Unterstützung und Betreuung, um ihre Lebensqualität zu verbessern und ihre Mobilität zu fördern. Dies kann die Hilfe von Angehörigen, professionellen Pflegekräften oder Selbsthilfegruppen umfassen.

Kirstin Puchner, eine erfahrene pflegende Angehörige, teilt ihre Erfahrungen im Umgang mit ihrem an vaskulärer Demenz erkrankten Ehemann. Sie betont die Bedeutung einer festen Tagesstruktur, die Einbeziehung des Betroffenen in alltägliche Aufgaben und die Aufrechterhaltung von Vertrautheit und Wertschätzung.

Prognose von Gangstörungen

Die Prognose von Gangstörungen bei Demenz hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung ab. In einigen Fällen können die Symptome durch Behandlung verbessert werden, während in anderen Fällen eineProgression der Erkrankung unvermeidlich ist. Eine frühzeitige Diagnose und eine umfassende Behandlung können jedoch dazu beitragen, die Mobilität und Lebensqualität der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten.

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