Abdominelle Migräne und Zyklisches Erbrechen: Ein Überblick

Die Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 10 % der Bevölkerung betroffen sind. Sie manifestiert sich vielfältig und kann sich bei Kindern anders äußern als bei Erwachsenen. Dieser Artikel beleuchtet zwei spezielle Formen der Migräne, die vor allem im Kindesalter auftreten: die abdominelle Migräne und das zyklische Erbrechen.

Migräne: Eine vielschichtige Erkrankung

Die Migräne (französisch: migraine, über mittellateinisch hemigrania von altgriechisch hēmikrānía - „Kopfschmerz auf der einen Seite“) ist durch periodisch wiederkehrende, anfallartige, pulsierende und meist halbseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet. Diese können von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie) oder Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) begleitet sein. In einigen Fällen geht dem Migräneanfall eine sogenannte Aura voraus, die sich durch optische oder sensible Wahrnehmungsstörungen äußert.

Epidemiologie

In Deutschland leiden schätzungsweise acht Millionen Menschen an Migräne, wobei Frauen (Prävalenz 18 %) häufiger betroffen sind als Männer (Prävalenz 6 %). Die Erkrankung tritt vor allem im Alter zwischen 25 und 45 Jahren auf, kann aber auch schon im Kindesalter beginnen. Studien bringen Migräne mit kindlichen Koliken im Säuglingsalter in Verbindung. Im letzten Grundschuljahr klagen bis zu 80 % der Kinder über Kopfschmerzen, wobei etwa 12 % von ihnen Beschwerden haben, die mit einer Migräne vereinbar sind. Bis zur Pubertät gibt es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern bezüglich des Erkrankungsrisikos.

Symptome und Phasen

Ein Migräneanfall kann verschiedene Phasen durchlaufen:

  • Vorbotenphase (Prodromalphase): Bei etwa 30 % der Patienten kündigt sich ein Anfall durch Vorbotensymptome wie Müdigkeit, Geräuschempfindlichkeit, häufiges Gähnen oder Störungen im Magen-Darm-Trakt an. Auch Heißhunger auf bestimmte Nahrungsmittel kann auftreten.
  • Auraphase: Bei 15 bis 20 % der Migränepatienten tritt eine Aura auf, die sich meist durch visuelle Störungen wie Skotome, Fortifikationen, Verlust des räumlichen Sehens oder Sensibilitätsstörungen äußert. Auch Störungen des Geruchsempfindens, Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen oder andere neurologische Ausfälle sind möglich.
  • Kopfschmerzphase: Der Kopfschmerz ist meist halbseitig (ca. 70 % der Fälle), pulsierend und tritt insbesondere im Bereich von Stirn, Schläfe und Auge auf. Er verstärkt sich bei körperlicher Betätigung und wird von Übelkeit (80 %), Erbrechen (40-50 %), Lichtempfindlichkeit (60 %), Geräuschempfindlichkeit (50 %) und seltener Geruchsempfindlichkeit (< 10-30 %) begleitet.
  • Rückbildungsphase: In dieser Phase nehmen die Kopfschmerzen und Begleitsymptome langsam ab. Der Patient fühlt sich müde und angespannt.

Auslösende Faktoren (Trigger)

Migräne kann bei empfindlichen Personen durch bestimmte Situationen oder Substanzen ausgelöst werden. Zu den häufigsten Triggern zählen:

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  • Hormonelle Faktoren: Insbesondere bei Frauen spielen hormonelle Schwankungen im Menstruationszyklus eine Rolle.
  • Schlaf: Unregelmäßiger Biorhythmus, Schlafmangel oder zu viel Schlaf können Migräneattacken auslösen.
  • Stress: Sowohl Stress als auch die Entspannungsphase nach Stress können Trigger sein.
  • Lebensmittel: Alkohol, glutamat-, tyramin-, histamin- und serotoninhaltige Lebensmittel wie Rotwein, Schokolade und Käse werden häufig als Auslöser genannt.
  • Umweltfaktoren: Geruchsreize und Wetterschwankungen können ebenfalls Migräneattacken triggern.

Klassifikation

Die Migräne wird gemäß den Richtlinien der International Headache Society (IHS) primär anhand des Auftretens oder der Abwesenheit einer Aura klassifiziert:

  1. Migräne ohne Aura (Gewöhnliche Migräne)
  2. Migräne mit Aura (Klassische Migräne)
    • Typische Aura mit Migränekopfschmerz
    • Typische Aura mit Nicht-Migränekopfschmerz
    • Typische Aura ohne Kopfschmerz
    • Familiäre hemiplegische Migräne
    • Sporadische hemiplegische Migräne
  3. Periodische Syndrome in der Kindheit, die im Allgemeinen Vorläufer einer Migräne sind
    • Zyklisches Erbrechen
    • Abdominelle Migräne
    • Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit
  4. Retinale Migräne
  5. Migränekomplikationen
  6. Wahrscheinliche Migräne (migräneartige Störung)

Abdominelle Migräne: Bauchschmerzen als Hauptsymptom

Die abdominelle Migräne, auch Bauchmigräne genannt, ist eine Migräneform, die vor allem Kinder und Jugendliche betrifft. Sie zeichnet sich durch anfallsartig auftretende Bauchschmerzen aus, die in regelmäßigen Abständen wiederkehren. Zwischen den Attacken besteht völlige Beschwerdefreiheit.

Epidemiologie und Verlauf

Etwa ein bis vier Prozent der Kinder und Jugendlichen, meist im Grundschulalter, sind von einer Bauchmigräne betroffen. Häufig klingt die abdominelle Migräne mit der Pubertät ab und geht in eine Kopfmigräne über. Die Assoziation der Bauchmigräne zu Migränekopfschmerzen ist eng, sowohl bei den betroffenen Kindern selbst - sie entwickeln im Erwachsenenalter oft Migränekopfschmerzen - als auch in der Familie.

Symptome

Eine abdominelle Migräne geht typischerweise mit plötzlich auftretenden Bauchschmerzen einher. Weitere Symptome können sein:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Blässe (manchmal auch Gesichtsröte)
  • Dunkle Augenringe
  • Lichtscheue

Die Bauchschmerzen werden meist im Bereich des Bauchnabels sowie entlang der Mittellinie des Bauches lokalisiert.

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Diagnose

Um die Diagnose Bauchmigräne zu stellen, erfragt der Arzt zunächst die genauen Symptome und schließt andere Ursachen für die Bauchschmerzen aus. Es gibt Kriterien der International Headache Society für die abdominelle Migräne, ebenso Rom-IV-Kriterien.

Trigger

Psychischer Stress, Erschöpfung, Schlafmangel, Reisetätigkeit, grelles oder flackerndes Licht gelten als wichtige Trigger der abdominellen Migräne.

Therapie

Die Behandlung einer Bauchmigräne umfasst vor allem Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung oder autogenes Training und das Abschirmen von auslösenden Reizen. Um die tatsächlichen Triggerfaktoren herauszufinden, sollten Eltern mit ihren Kindern ein Bauchschmerztagebuch führen. Es gibt nur wenige Medikamente zur Therapie einer Bauchmigräne.

Zyklisches Erbrechen: Wiederkehrende Episoden von Übelkeit und Erbrechen

Das zyklische Erbrechen ist ein weiteres periodisches Syndrom, das als Vorläufer einer Migräne auftreten kann. Es ist gekennzeichnet durch wiederkehrende, stereotype Episoden von intensiver Übelkeit und Erbrechen, die von beschwerdefreien Intervallen unterbrochen werden.

Symptome

Die Episoden von zyklischem Erbrechen können Stunden bis Tage dauern und treten oft in den frühen Morgenstunden auf. Neben Übelkeit und Erbrechen können weitere Symptome wie Bauchschmerzen, Blässe, Lethargie und Speichelfluss auftreten.

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Diagnose

Die Diagnose des zyklischen Erbrechens basiert auf den klinischen Kriterien und dem Ausschluss anderer Ursachen für das Erbrechen.

Therapie

Die Behandlung des zyklischen Erbrechens zielt darauf ab, die Symptome während der Episoden zu lindern und die Häufigkeit der Episoden zu reduzieren. Dies kann durch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, Flüssigkeitszufuhr und Ruhe erreicht werden. In einigen Fällen können auch vorbeugende Medikamente eingesetzt werden.

Migräne bei Kindern: Besonderheiten und Herausforderungen

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche bei Kindern und Jugendlichen. Die Migräne stellt im Kindes- und Jugendalter die am besten untersuchte Kopfschmerzform dar, wobei vier bis fünf Prozent aller Kinder betroffen sind.

Symptome und Besonderheiten

Migräne äußert sich bei Kindern oft anders als bei Erwachsenen. Einige Besonderheiten sind:

  • Beidseitige Kopfschmerzen: Der Schmerz betrifft meistens beide Kopfseiten und die Stirn.
  • Kürzere Dauer: Eine Kindermigräne dauert häufig ein bis zwei Stunden.
  • Begleitsymptome: Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sind häufige Begleiterscheinungen, die auch ohne Kopfschmerzen auftreten können.
  • Alice-im-Wunderland-Syndrom: Eine Aura in Form von neurologischen Ausfällen, bei der Gegenstände oder Teile des eigenen Körpers größer oder kleiner erscheinen, ist möglich.

Diagnose und Behandlung

Ärzten fällt es oft schwer, eine Migräne bei Kindern zu erkennen, da sich die Symptome - abhängig vom Alter - deutlich unterscheiden können. Zur Migräne-Diagnose benötigt der Arzt viele Informationen über die Häufigkeit, Dauer und Begleitsymptome der Beschwerden. Eine Untersuchung der geistigen und motorischen Entwicklung sowie der Ausschluss von körperlichen Erkrankungen sind ebenfalls wichtig.

Eine komplette Heilung der Migräne ist nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, die Attacken zu reduzieren. Gerade bei Kindern sind die Auslöser der Migräne meist alltägliche Dinge wie ein unregelmäßiger Tagesablauf oder Bewegungsmangel. Um den Trigger der Kindermigräne herauszufinden, hat sich das Ausfüllen eines Migränetagebuchs als sinnvoll erwiesen.

Bei akuten Attacken können Schmerzmittel eingesetzt werden, wobei die Dosis und Darreichungsform entscheidend sind. Eine medikamentöse Migräneprophylaxe kommt bei Kindern und Jugendlichen nur sehr selten in Betracht. Hingegen hat eine nicht-medikamentöse Prophylaxe einen hohen Stellenwert, um einen Übergebrauch an Schmerzmitteln und damit einen Medikamenten-induzierten Kopfschmerz zu vermeiden. Neben Verhaltensregeln werden insbesondere Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie wie Entspannungsverfahren, Biofeedbackverfahren und kindgerechte kognitiv-verhaltensorientierte Therapieprogramme empfohlen.

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