Multiple Sklerose, Burnout und ME/CFS: Eine vergleichende Betrachtung von Erschöpfungszuständen

Erschöpfung ist ein weit verbreitetes Gefühl, das viele Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren. Es gibt Tage oder auch Phasen im Leben, in denen man einfach mehr Zeit zur eigenen Regeneration benötigt. Hält die Müdigkeit oder Erschöpfung nach einer erholsamen Nacht nicht an, können verschiedene Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS), Burnout oder Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS) die Ursache sein. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser drei Zustände.

Multiple Sklerose und Fatigue

Fatigue ist eines der häufigsten Symptome bei MS. Etwa 60 % der MS-Patienten sind davon betroffen. Fatigue bei MS unterscheidet sich deutlich von normaler Müdigkeit. Im Verlauf einer MS können Betroffene durch Fatigue auch arbeitsunfähig werden. Achten Sie auf Veränderungen und sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie dies bemerken. Im Laufe der Erkrankung können sich Ihre Symptome verändern, sowohl in ihrer Ausprägung als auch in der Häufigkeit. Zu Beginn einer MS zeigen sich unterschiedlichste Symptome.

MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheiden angreift, die die Nervenfasern umhüllen. Dies führt zu einer Vielzahl von Symptomen, darunter Fatigue, Seh- und Gleichgewichtsstörungen, Sprech- und Schluckstörungen, Sensibilitätsstörungen, spastische Lähmungen, Muskelschwächen, kognitive Störungen, Blasen- und Darmstörungen sowie Schmerzen. Der Verlauf von MS ist sehr individuell und unvorhersehbar.

Die Ursache von Multipler Sklerose wurde bisher noch nicht komplett erforscht. Jedoch wird vermutet, dass das Zusammenspiel vieler Faktoren für das Ausbrechen von MS verantwortlich ist. So kommen zum Beispiel genetische Veranlagungen, Umwelteinflüsse, Infektionen, Viren oder sogar ein Vitamin-D-Mangel ins Gespräch. MS tritt dabei meist im frühen Erwachsenenalter von 20-40 Jahren auf.

Fatigue bei MS ist keine Faulheit! Eine gezielte Behandlung gegen Fatigue bei MS gibt es leider bisher nicht. Vermeiden Sie Hitze, vor allem, wenn Sie hitzeempfindlich sind. Ein Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen oder Laufen kann Ihnen dabei helfen, Ihr Leistungspensum zu halten oder sogar zu steigern. Ausdauersportneulinge sollten langsam anfangen. Zu einer langsam fortschreitenden Krankheitsverschlechterung kann es beispielsweise kommen, wenn eine schubförmige MS (RRMS) in eine sekundär progrediente MS (SPMS) übergeht.

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Burnout: Erschöpfung durch Überlastung

Burnout, oder auch Ausgebrannt-Sein, wird nach dem Klassifizierungssystem ICD 10 dem Unterpunkt Z73: „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ zugeordnet. Eine andere Definition könnte darüber hinaus beinhalten, dass Burnout der „Oberbegriff für bestimmte Typen psychischer [und persönlicher] Krisen“ ist. Burnout äußert sich meist in den gleichen, typischen Symptomen. Diese sind zum Beispiel "Verdauungsbeschwerden, Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen, Schwindel, übermäßiges Schwitzen, Geräuscheüberempfindlichkeit [oder] Schlafstörungen".

Als Ursachen für Burnout werden viele Faktoren in Augenschein genommen. Wird eine Tätigkeit zum Beispiel mit zu hohen Selbsterwartungen, starken Zweifeln an der Zielerreichung oder gegen innere Widerstände ausgeführt, so müssen von der Person zusätzliche Anstrengungen geleistet werden, um die stressauslösende Situation zu meistern. Diese Anstrengungen umfassen meist das Auslassen von Schlaf, Erholung, Sport, Ernährung, Hobbies oder sozialen Aktivitäten - also gesundheitsförderlichen Aktivitäten - welche in diesem Falle mehr als notwendig wären, um die stressbelastete Situation in ein Gleichgewicht zu bringen.

Burnout sieht man heute als mögliche Ursache vieler (chronischer) Krankheiten, da diese Krankheit mit emotionalen, psychischen und physischen Krisen einhergeht, welche den ganzen Organismus betreffen.

Die Verhinderung des Burnouts wird in der heutigen Zeit immer mehr ins Auge gefasst, da es in der modernen Zeit immer häufiger auftritt. Gründe für Burnout können in einer Kombination aus beruflichem und privaten Umfeld gefunden werden. Ein erster Ansatzpunkt wäre es, eine Work-Life-Balance zu schaffen. Hier geht es um ein Gleichgewicht verschiedener relevanter Lebensbereiche wie zum Beispiel Arbeit, Familie, Hobbies, soziale Kontakte und viele mehr. Zudem gibt es viele Präventionsmaßnahmen, welche ergriffen werden und flexibel in den Alltag eingebunden werden können. Dazu gehören unter anderem Trainings zur Stressbewältigung und zum Erlernen von Coping-Strategien. Da viele Personen den Großteil ihres Tages auf der Arbeit verbringen und dort in vielen Bereichen eingebunden sind, gibt es besonders viele gesundheitsfördernde, stressabbauende Maßnahmen, welche während der Arbeitszeit umgesetzt werden können. Einige dieser Maßnahmen wären zum Beispiel Kurse zu gesunder Ernährung, Entspannung, Suchtberatung oder Stressmanagement. Zudem können vom Arbeitgeber gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen (Arbeitsplatz, Mitarbeiterführung, transparente Kommunikation) zur Verfügung gestellt werden.

ME/CFS: Chronische Erschöpfung mit Post-Exertioneller Malaise

Die Myalgische Enzephalomyelitis (ME) ist ein nur unzureichend beschriebenes Krankheitsbild, das unter dem Sammelbegriff CFS/ME subsummiert wird und nach wie vor viele Rätsel aufgibt. So wissen wir weder genau, wie häufig es ist, noch wie es entsteht. Es gibt keine Leitlinien zur Diagnose, keine spezifischen Tests und keine anerkannte Therapie.

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Verantwortlich für die bisherige Zusammenfassung von ME und Chronic Fatigue Syndrom (CFS) dürften ihre vielen Gemeinsamkeiten sein - insbesondere die starke Müdigkeit und Erschöpfung, die den Patienten das Leben schwer macht. Hinzugesellen können sich folgende Begleitsymptome, die je nach Patient sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können:

  • wechselnde Gelenk- und Muskelschmerzen, wobei gängige Schmerzmittel kaum helfen
  • ausgesprochen starke Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Wortfindungs-, Konzentrationsstörungen
  • Probleme mit dem Gleichgewicht
  • gestörte Temperaturregelung
  • erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Lärm und Licht
  • Verdauungsstörungen, ähnlich denen eines Reizdarm-Syndroms mit Übelkeit, mangelndem Appetit, Blähungen, Krämpfen, Durchfall und/oder Verstopfung

Bei näherer Betrachtung fallen jedoch einige Unterschiede auf. So steht bei der ME v.a. die Erschöpfung, beim CFS eher Müdigkeit im Vordergrund. Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Jede noch so geringe Anstrengung führt bei ME-Patienten zu einer massiven, Tage oder Wochen anhaltenden Erschöpfung mit schwerem Krankheitsgefühl (PENE = Post-Exertional Neuroimmune Exhaustion). Das kann bis zur Bettlägerigkeit führen. In dieser Phase bringen auch Ruhe und Schlaf keine kurzfristige Besserung.

Wie man inzwischen weiß, ist der Begriff „Myalgische Enzephalomyelitis“, der auf eine Entzündung von Gehirn und Rückenmark hinweist, eher irreführend. Zwar leiden ME-Patienten unter Muskelschmerzen, eine Entzündung des Gehirns scheint aber nicht vorzuliegen. Ein Mangel an Immunglobulinen und die Häufung schwer verlaufender Infektionen deuten auf eine Beteiligung des Immunsystems hin. Auffällig ist zudem, dass viele CFS/ME-Patienten einen sehr hohen Titer eines Parameters zeigen, der auf eine Spätreaktion mit dem Ebstein-Barr-Virus (Erreger des Pfeiffer-Drüsenfiebers) hinweist. Möglicherweise spielen dieser und andere Viren als Krankheitsursache und/oder -auslöser eine Rolle.

Leider ist die ME nach wie vor viel zu wenig bekannt, so dass Patienten oft sehr lange auf die richtige Diagnose warten müssen. Da die Patienten meist deutlich weniger krank wirken und nicht mit auffälligen Laborwerten aufwarten können, wird die Schwere ihrer Krankheit selbst von Ärzten und Therapeuten oft nicht erkannt. Bis eindeutige Labortests, Leitlinien zur Diagnose und eine adäquate Therapie vorliegen, scheint noch einige Forschungsarbeit nötig zu sein. Nur wenn diese vorliegen, ist zu erwarten, dass die ME als eigenständige Krankheit anerkannt wird.

Für die Patienten ist die Diagnose erfahrungsgemäß ein großer Fortschritt. Abgegrenzt werden muss eine ME insbesondere gegenüber dem CFS, dem Chronic-Fatigue-Syndrom, Depressionen und einem Burnout.

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Differenzialdiagnose: ME/CFS, Burnout, Depression und Fatigue

Anders als bei der ME entsteht das Fatigue-Syndrom (Müdigkeit) immer auf Basis einer Grunderkrankung (z.B. Krebs, Herzinsuffizienz, MS) oder belastenden Therapie (z.B. Chemotherapie). Fatigue-Patienten fühlen sich eher müde als erschöpft.

Im Gegensatz zur ME entsteht ein Burnout langsam auf Basis lange anhaltender Überlastung. Die für die ME typische massive und anhaltende Erschöpfung nach kleinsten Anstrengungen tritt so beim Burnout nicht auf.

Typisch für Depressionen sind die gedrückte Stimmung und Antriebslosigkeit. Der ME-Patient möchte zwar aktiv werden, kann aber nicht, weil sein Körper streikt. Während sich eine Depression meist schleichend entwickelt, kann eine ME plötzlich (z.B. nach Infekt) auftreten.

Anders als bei der CFS, treten die Beschwerden bei der ME plötzlich nach noch so kleinen Anstrengungen auf. Die Begleitsymptome sind bei der ME meist stärker ausgeprägt als bei der CFS. In Ruhe fühlt sich der CFS-Patient - anders als bei der ME - bald wieder besser.

Grundsätzlich kann jeder an einer ME erkranken. Sowohl Kinder als auch Erwachsene sind betroffen, Frauen deutlich häufiger als Männer, ebenso Menschen zwischen 20 und 40 Jahren.

Therapieansätze

Da bislang keine anerkannte ursächliche Therapie zur Verfügung steht ist, zielt die Behandlung vor allem auf die Linderung der Symptome.

  • Immunsystem stärken: Aktuelle Forschungen haben vor allem das Immunsystem im Fokus. So weiß man z.B., dass ME-Patienten gehäuft einen Mangel an bestimmten Nährstoffen (Vitamin B1, B6, B12, Vitamin D, Eisen, Zink) aufweisen, die zum Teil für ein intaktes Immunsystem wichtig sind (Folsäure, Vitamin B6, B12, Vitamin D, Eisen, Zink). Bei Bedarf erhalten ME-Patienten zusätzlich Nährstoffe, die im Energiehaushalt eine Rolle spielen, wie z.B. Vitamin B1 (Thiamin), B6, B12, Vitamin C und Eisen.
  • Schmerztherapie: Für die meisten ME-Patienten stellen die Schmerzen eine besondere Herausforderung dar, die ihnen nicht selten den Schlaf raubt. Erschwerend kommt hinzu, dass herkömmliche Schmerzmittel bei vielen ME-Patienten nicht die erhoffte Wirkung zeigen. Ziel der Akupunktur ist es, über die Reizung von Akupunkturpunkten regulierend auf den Körper einzuwirken. Je nachdem, wo der Schuh im Einzelfall drückt, verwende ich gerne homöopathische Komplexmittel, um z.B. Entzündungen zu reduzieren, die Entgiftungs- und Ausscheidungsorgane anzuregen, Schmerzen zu lindern, die Abwehr zu stärken, Verdauungsbeschwerden zu lindern, Erschöpfungszustände auszugleichen oder den Schlaf zu fördern.
  • Ruhe und Entspannung: Das Wichtigste für den ME-Patienten ist Ruhe! Beim Umgang mit Stress und bei Schlafstörungen können Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Atemtherapie oder Achtsamkeitstraining hilfreich sein. Für Patienten, denen der Umgang mit ihrer Erkrankung zu schaffen macht, kann eine psychologische Unterstützung sinnvoll sein.
  • Ernährung: Ein wichtiger Aspekt bei allen chronischen Erkrankungen ist die Ernährung. Sie sollte viele Vitalstoffe enthalten und basenreich sein.

ME-Patienten sind chronisch krank und benötigen daher langfristige Unterstützung. Auch bei der Therapie ist Geduld gefragt - zumal die Krankheit bislang als unheilbar gilt. Ziel ist es zunächst einmal den Allgemeinzustand der ME-Patienten durch eine geeignete Therapie nach und nach zu stabilisieren und so die Lebensqualität zu verbessern.

Multiple Sklerose und Burnout: Ein möglicher Zusammenhang?

Es wird davon ausgegangen, dass Multiple Sklerose mittels Neigungen vererbt wird. So entscheidet im Endeffekt das Einwirken vieler Faktoren, ob die Krankheit bei einer vorliegenden Neigung ausbricht oder nicht. So könnten Faktoren, wie man sie zum Beispiel beim Burnout wiederfindet (Stress, extreme Belastung, Zeitdruck, Depressionen sowie eine ungesunde Lebensweise) eine Schüsselrolle spielen! Besonders Stress aktiviert „verschiedene Hormon-und Transmittersysteme, die nachhaltige Schädigungen des Organismus ([…] durch ein geschwächtes Immunsystem) nach sich ziehen können“. Beim Burnout wird der Körper also durch die extreme, dauerhafte Belastung stark angegriffen. Der Körper ist dauerhaft erschöpft und ausgebrannt - das Immunsystem daher auch nicht mehr voll funktionsfähig. Ein Zustand, welcher für eine Person mit einer vererbten Neigung für Multiple Sklerose von entscheidender Bedeutung sein könnte!

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