Migräne und Halluzinationen sind zwei unterschiedliche neurologische Phänomene, die jedoch in bestimmten Situationen ähnliche Symptome aufweisen können. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Migräne mit Aura und Halluzinationen, um ein besseres Verständnis dieser komplexen Zustände zu ermöglichen.
Einführung in Migräne mit Aura
Einige Menschen, die an Migräne leiden, erleben eine sogenannte Aura. Der Begriff „Aura“ leitet sich von Aurora, der römischen Göttin der Morgenröte, ab, da die Wahrnehmungsstörungen den Beginn der Kopfschmerzphase ankündigen. Diese Aura manifestiert sich als anfallsartige neurologische Störung, die vor allem durch Sehbeschwerden gekennzeichnet ist und in der Regel zwischen 5 und 60 Minuten andauert. Bei einer Migräne mit Aura können die Symptome visuelle, sensible und sprachliche (aphasische) Störungen umfassen.
Ursachen der Migräne mit Aura
Die genauen Ursachen der Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird jedoch vermutet, dass eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde eine Rolle spielt. Während einer Attacke kommt es zu einer verstärkten Erregung von Nervenzellen, insbesondere des Trigeminusnervs, der für die Schmerzwahrnehmung im Gesicht verantwortlich ist. Im Vergleich zur Migräne ohne Aura wurde bei Patienten mit Aura eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt, was zu einem Sauerstoffmangel führen könnte. Ein genetischer Defekt wird als Grundlage dieser Störung vermutet. Bestimmte Auslöser, sogenannte Trigger, wie Stress, Wetterumschwünge und bestimmte Gerüche, können Migräneattacken mit Aura hervorrufen.
Symptome der Migräne mit Aura
Die Symptome einer Migräne mit Aura können vielfältig sein. Bei fast allen Patienten (99 Prozent) treten Sehstörungen auf. Dazu gehören:
- Skotom (Sehkraft lässt innerhalb eines Gesichtsfeldes nach oder fällt komplett aus)
- Blendende Kreise oder Vierecke (die sich immer weiter ausbreiten)
- Zickzacklinien
- Blitzlichter
- Sternschnuppen
Die Sehstörungen treten unabhängig davon auf, ob die Augen offen oder geschlossen sind und bilden sich in der Regel innerhalb einer Stunde zurück. Bei 30 bis 54 Prozent der Betroffenen treten außerdem Gefühlsstörungen wie Kribbel- oder Taubheitsgefühle in Händen, Armen oder Wangen auf. Seltener (in 9 bis 31 Prozent der Fälle) sind Sprachstörungen möglich, die sich beispielsweise durch eine beeinträchtigte Aussprache oder die falsche Verwendung von Worten äußern.
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Atypische Migräne-Aura
Neben der typischen Migräne-Aura gibt es auch atypische Formen. Dazu gehört die Migräne mit Hirnstammaura, bei der Betroffene an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen leiden. Eine hemiplegische Migräne liegt vor, wenn die Aura mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einhergeht. Diese Symptome können länger andauern als andere Aura-Symptome, bilden sich aber innerhalb von 72 Stunden vollständig zurück. Eine weitere atypische Form ist die retinale Migräne, bei der vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle oder eine Erblindung auftreten.
Differenzialdiagnose
Bei der Diagnose von Migräne mit Aura müssen Ärzte andere mögliche Ursachen ausschließen, da Sehstörungen auch ein Indiz für eine Durchblutungsstörung oder Augenerkrankung sein können. Besonders problematisch ist die Abgrenzung zum Schlaganfall, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch für einen Schlaganfall sprechen können.
Halluzinationen: Eine Einführung
Halluzinationen sind Sinnestäuschungen, bei denen die Betroffenen etwas sehen, hören, fühlen oder riechen, das nicht real ist. Sie selbst sind jedoch überzeugt, dass ihre Sinneswahrnehmung real ist. Halluzinationen können alle Sinne betreffen und in unterschiedlicher Intensität auftreten.
Formen von Halluzinationen
Es gibt verschiedene Formen von Halluzinationen, die sich nach dem betroffenen Sinnesorgan unterscheiden:
- Akustische Halluzinationen: Die Betroffenen hören imaginäre Laute, wie Zischen, Knacken oder Musik. Eine Sonderform sind teleologische Halluzinationen, bei denen Stimmen Befehle erteilen oder vor Gefahren warnen.
- Optische Halluzinationen: Die Betroffenen sehen Lichtblitze, Funken, Menschen, Tiere oder Gegenstände, die nicht real sind.
- Geruchshalluzinationen (olfaktorische Halluzinationen): Die Betroffenen nehmen meist unangenehme Düfte wahr, wie Gas, Benzin, Fäulnis oder Verwesung.
- Geschmackshalluzinationen (gustatorische Halluzinationen): Diese treten oft zusammen mit Geruchshalluzinationen auf und äußern sich in unangenehmen Geschmäckern wie salzig, seifenartig, schwefelig oder fäkalisch.
- Tast- und Berührungshalluzinationen (taktile oder haptische Halluzinationen): Die Betroffenen glauben, berührt, gewürgt oder festgehalten zu werden. Manche spüren heißes Wasser oder Ameisen über ihren Körper krabbeln.
- Körperhalluzinationen (Zönästhesien): Das Körperempfinden ist gestört, beispielsweise die Überzeugung, innere Organe seien verändert.
- Leibhalluzinationen: Die Betroffenen haben das Gefühl, ihr Körper werde von außen manipuliert (z.B. bestrahlt oder elektrisiert).
- Kinästhetische Halluzinationen: Täuschungen des Bewegungsgefühls, beispielsweise das Gefühl, der Körper oder ein Teil davon werde von außen bewegt.
- Vestibuläre Halluzinationen: Die Betroffenen haben das Gefühl, zu schweben oder zu fallen.
- Hypnagoge und hypnopompe Halluzinationen: Diese treten im Halbschlaf beim Einschlafen (hypnagoge) oder beim Aufwachen (hypnopompe) auf und sind meist optischer oder akustischer Natur.
Abgrenzung zu anderen Phänomenen
Es ist wichtig, Halluzinationen von anderen Phänomenen zu unterscheiden:
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- Halluzinose: Wiederkehrende Halluzinationen, bei denen das Bewusstsein der Betroffenen nicht beeinträchtigt ist. Ein Beispiel ist die alkoholische Halluzinose.
- Pseudohalluzinationen: Die Betroffenen wissen, dass ihre Wahrnehmung nicht real ist.
- Wahnvorstellungen: Falsche Denkinhalte und Überzeugungen, die nicht aufgegeben werden können, auch wenn Gegenbeweise vorliegen.
Ursachen von Halluzinationen
Halluzinationen können verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Psychische Erkrankungen wie Schizophrenie
- Neurologische Erkrankungen wie Demenz, Parkinson-Krankheit oder Epilepsie
- Substanzmissbrauch (Alkohol, Drogen)
- Entzugssyndrome
- Fieber
- Schlafmangel
- Hirnschäden
- Bestimmte Medikamente
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Obwohl Migräne mit Aura und Halluzinationen unterschiedliche Ursachen haben, können sie in bestimmten Fällen ähnliche Symptome aufweisen:
- Visuelle Wahrnehmungsstörungen: Sowohl bei Migräne mit Aura als auch bei Halluzinationen können visuelle Störungen wie Lichtblitze, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldausfälle auftreten.
- Veränderte Körperwahrnehmung: Bei beiden Zuständen kann es zu veränderten Körperwahrnehmungen kommen, wie z.B. Kribbeln, Taubheitsgefühle oder das Gefühl, dass sich der Körper verändert.
- Sprachstörungen: In seltenen Fällen können sowohl bei Migräne mit Aura als auch bei Halluzinationen Sprachstörungen auftreten.
Die Hauptunterschiede liegen jedoch in den Ursachen, der Dauer und dem Bewusstsein der Betroffenen:
- Ursachen: Migräne mit Aura wird durch neurologische Prozesse im Gehirn ausgelöst, während Halluzinationen verschiedene Ursachen haben können, darunter psychische Erkrankungen, neurologische Erkrankungen oder Substanzmissbrauch.
- Dauer: Die Symptome einer Migräne mit Aura dauern in der Regel zwischen 5 und 60 Minuten, während Halluzinationen Stunden, Tage oder sogar chronisch andauern können.
- Bewusstsein: Bei Migräne mit Aura sind die Betroffenen sich in der Regel bewusst, dass ihre Wahrnehmung verändert ist, während Halluzinationen als real empfunden werden.
Das Alice-im-Wunderland-Syndrom
Das Alice-im-Wunderland-Syndrom ist ein seltenes neurologisches Syndrom, das mit Migräne mit Aura in Verbindung gebracht werden kann. Es ist durch eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umgebung gekennzeichnet. Betroffene können beispielsweise das Gefühl haben, dass ihr Körper oder einzelne Körperteile größer oder kleiner sind als in Wirklichkeit (Makropsie oder Mikropsie). Auch eine veränderte akustische Wahrnehmung, veränderte Tastwahrnehmungen und verändertes Zeitempfinden können auftreten. Es wird vermutet, dass organische oder funktionelle Veränderungen im Temporallappen des Gehirns eine Rolle spielen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist wichtig, bei unklaren Symptomen wie Sehstörungen, Taubheitsgefühlen, Sprachstörungen oder Halluzinationen einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abklären zu lassen. Dies gilt insbesondere, wenn die Symptome plötzlich auftreten, häufig wiederkehren oder mit anderen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Bewusstseinsstörungen einhergehen. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte umgehend der Notarzt gerufen werden.
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Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Migräne mit Aura und Halluzinationen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei Migräne mit Aura können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Triptane helfen, die Kopfschmerzen zu lindern. Während der Aura-Phase sollten Triptane jedoch vermieden werden, da sie gefäßverengend wirken und die Aura verstärken können. Vorbeugend können Entspannungsübungen, regelmäßiger Sport und eine blutzuckerstabilisierende Ernährung helfen. Bei Halluzinationen ist eine Behandlung der Grunderkrankung erforderlich, beispielsweise mit Medikamenten oder Psychotherapie.
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