Die Körpertemperaturregulation ist ein komplexer Prozess, der durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden kann. Eine Störung dieser Regulation kann zu Untertemperatur (Hypothermie) oder Fieber führen. Im Zusammenhang mit Hirntumoren können solche Temperaturstörungen als Folge der Tumorerkrankung selbst, der Behandlung oder anderer Begleiterkrankungen auftreten.
Einführung
Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Untertemperatur im Zusammenhang mit Hirntumoren. Dabei werden sowohl direkte Auswirkungen des Tumors als auch indirekte Folgen von Operationen, Bestrahlungen und Medikamenten betrachtet. Zudem werden andere mögliche Ursachen für Temperaturstörungen, wie Infektionen und Autoimmunerkrankungen, diskutiert.
Grundlagen der Körpertemperaturregulation
Die normale Körpertemperatur des Menschen liegt bei etwa 36,5 bis 37,5 Grad Celsius. Diese Temperatur wird durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Mechanismen aufrechterhalten. Das Temperaturzentrum im Gehirn, der Hypothalamus, spielt dabei eine zentrale Rolle. Er empfängt Informationen von Temperaturfühlern im Körper und steuert die Wärmeproduktion und -abgabe.
Faktoren, die die Körpertemperatur beeinflussen können, sind unter anderem:
- Umgebungstemperatur: Bei Kälte wird die Wärmeproduktion gesteigert und die Wärmeabgabe reduziert, bei Hitze umgekehrt.
- Körperliche Aktivität: Muskelarbeit erzeugt Wärme und erhöht die Körpertemperatur.
- Hormone: Einige Hormone, wie Schilddrüsenhormone, beeinflussen den Stoffwechsel und die Wärmeproduktion.
- Infektionen: Bei einer Infektion werden vom Körper Pyrogene freigesetzt, die das Temperaturzentrum im Hypothalamus beeinflussen und Fieber verursachen.
Mögliche Ursachen für Untertemperatur bei Hirntumoren
Eine Untertemperatur kann verschiedene Ursachen haben. Hier sind einige mögliche Ursachen im Zusammenhang mit Hirntumoren:
Lesen Sie auch: Alles über Herpes-Meningitis
Direkte Auswirkungen des Tumors
- Schädigung des Hypothalamus: Tumoren, die in der Nähe des Hypothalamus liegen oder diesen direkt infiltrieren, können die Körpertemperaturregulation stören. Bereiche des Hirnstamms bzw. Hypothalamus haben wichtigen Einfluss auf die Körpertemperatur.
- Erhöhung des Schädelinnendrucks: Ein Hirntumor kann den Schädelinnendruck erhöhen und dadurch indirekt das Temperaturzentrum im Hypothalamus beeinträchtigen.
- Paraneoplastisches Syndrom: In seltenen Fällen kann ein Hirntumor ein paraneoplastisches Syndrom auslösen. Ursache eines paraneoplastischen Syndroms kann eine Abwehrreaktion des Körpers sein, provoziert durch eine Krebserkrankung. Das Cushing Syndrom ist eine typische Folge einer Paraneoplasie durch Hormone: Ein Tumor, z.B. in der Lunge oder Bauchspeicheldrüse, bildet zu viel Adrenokortikotropes Hormon (ACTH). Dieses Hormon regt wiederum die Kortisolproduktion in der Nebenniere an, der Kortisolspiegel im Blut steigt.
Folgen der Tumorbehandlung
- Operation: Eine Operation im Bereich des Gehirns, insbesondere im Bereich des Hypothalamus oder des Sinus cavernosus, kann die Körpertemperaturregulation beeinträchtigen. Es kann nun sein, dass durch die OP in diesem Bereich notwendigerweise manipuliert wurde und dieser Austausch nun nicht mehr richtig funktioniert. Der Sinus cavernosus, ein Venen und Arteriengeflecht im Schädel, ist sehr stark für die gleichbleibenden Temperaturverhältnisse im Gehirn zuständig. Da Arterien und Venen hier direkt nebeneinander verlaufen, wirkt dieser Bereich wie eine Art Wärmetauscher um den Ausgleich leichter zu bewältigen.
- Bestrahlung: Eine Strahlentherapie des Gehirns kann ebenfalls zu Schäden im Hypothalamus führen und die Temperaturregulation stören.
- Chemotherapie: Einige Chemotherapeutika können als Nebenwirkung Fieber verursachen.
Andere mögliche Ursachen
- Infektionen: Eine Infektion kann sowohl Ursache als auch Folge einer Untertemperatur sein. Insbesondere bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem können Infektionen zu atypischen Temperaturverläufen führen. Bei einer Hirnhautentzündung - in der Fachsprache Meningitis genannt - entwickelt sich aufgrund einer Infektion mit bestimmten Bakterien oder Viren eine Entzündung der Rückenmarkshäute und/oder der Hirnhäute. Zu den Auslösern zählen unter anderem Arboviren, Varizella-Zoster-Virus, Coxsackie-Viren, SARS-CoV-2 und Epstein-Barr-Virus. Durch einen Zeckenstich können sogenannte Borrelien übertragen werden. Diese Bakterien können wiederum das Nervensystem befallen und so nach mehreren Wochen oder Monaten eine Neuroborreliose auslösen, die sich oft in einer (leichten) Meningitis manifestiert.
- Autoimmunerkrankungen: Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Lupus können ebenfalls zu Temperaturstörungen führen. Die aseptische bzw. nicht infektiöse Meningitis wird nicht durch Infektionen verursacht. Zu den Ursachen gehören vielmehr Autoimmunerkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis, Lupus.
- Medikamente: Einige Medikamente, wie Beruhigungsmittel (Sedativa), können die Körpertemperatur senken.
- Schilddrüsenunterfunktion: Eine Schilddrüsenunterfunktion kann den Stoffwechsel verlangsamen und zu einer Untertemperatur führen.
- Mangelernährung: Eine Mangelernährung kann ebenfalls zu einer Untertemperatur führen, da dem Körper nicht genügend Energie zur Verfügung steht, um die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten.
- Weniger Bewegung: Weniger Bewegung machen eine Menge aus.
Fallbeispiele und Erfahrungsberichte
Einige Patienten berichten von ähnlichen Erfahrungen mit Temperaturstörungen nach Hirntumoroperationen. So schildert eine Patientin, dass ihr nach der Entfernung eines Meningeoms am Sinus sagitalis superior parietal postzentral, die "normale" Körpertemperatur bei nur 36° liegt.
Ein anderer Fall beschreibt eine Frau, die nach der Entfernung eines Meningeoms im Kleinhirnbereich unter ständigen Frieren und einer leicht gesenkten Normalkörpertemperatur leidet. Ihr wurde erklärt, dass der Sinus cavernosus, ein Venen und Arteriengeflecht im Schädel, sehr stark für die gleichbleibenden Temperaturverhältnisse im Gehirn zuständig ist und dass durch die OP in diesem Bereich notwendigerweise manipuliert wurde und dieser Austausch nun nicht mehr richtig funktioniert.
Diagnostik und Behandlung
Die Diagnostik von Temperaturstörungen bei Hirntumoren umfasst in der Regel eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und verschiedene Laboruntersuchungen. Wichtige Angaben sind beispielsweise: Schmerzen, Rötungen, Schwellungen, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust. Die Patienten sollten auch aktuelle Operationen, Impfungen und Medikamente angeben.
Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt werden, um den Hirntumor und seine Auswirkungen auf das Gehirn zu beurteilen. Bei Verdacht auf eine Infektion kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um das Hirnwasser auf Entzündungszeichen und Krankheitserreger zu untersuchen.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Temperaturstörung. Bei einer Infektion werden Antibiotika oder Virostatika eingesetzt. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion werden Schilddrüsenhormone verabreicht. In einigen Fällen kann auch eine Anpassung der Medikamente oder eine symptomatische Behandlung mit fiebersenkenden Mitteln oder wärmenden Maßnahmen erforderlich sein.
Lesen Sie auch: Seltene Fälle von Meningitis nach Impfung
Tipps und Empfehlungen für Betroffene
- Regelmäßige Temperaturmessung: Messen Sie regelmäßig Ihre Körpertemperatur, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
- Dokumentation der Symptome: Notieren Sie sich alle Symptome, die im Zusammenhang mit der Temperaturstörung auftreten, wie z. B. Schüttelfrost, Müdigkeit oder Kopfschmerzen.
- Ärztliche Beratung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden und lassen Sie sich beraten, welche Maßnahmen geeignet sind, um die Temperaturstörung zu behandeln.
- Wärmende Maßnahmen: Tragen Sie warme Kleidung, nehmen Sie warme Bäder oder verwenden Sie eine Wärmflasche, um Ihre Körpertemperatur zu erhöhen. Ich bekam den Tip, eine Infrarotmatte mit Amethyst für die Nacht zu gebrauchen, um die Körpertemperatur anzuheben. da ich schon sehr viele Jahre mit niedrigem Blutdruck zu tun habe, friere ich mir überwiegend Nachts "einen ab", weshalb ich mir angewöhnt habe mit einem Getreide-Körnerkissen (in der Microwelle vorab erwärmt), ins Bett zu gehen. Vorteil, ich werde nicht mehr wach, weil ich am zittern bin, denn das Körnerkissen hält meine Körpertemperatur auf Stand. Außerdem kostete mich dieses Getreidekörnerkissen gerade mal 4,99 €.
- Bewegung: Achten Sie auf ausreichend Bewegung, um Ihren Stoffwechsel anzukurbeln und die Wärmeproduktion zu steigern.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, um Ihrem Körper genügend Energie zuzuführen.
Lesen Sie auch: Alternativen zur Nasenspray-Abhängigkeit
tags: #untertemperatur #durch #hirntumor