Ursachen der Alzheimer-Demenz: Ein umfassender Überblick

Die Alzheimer-Krankheit, auch Morbus Alzheimer genannt, ist die häufigste Form der Demenz und betrifft Millionen von Menschen weltweit. Sie ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns, die durch den Abbau von Nervenzellen und deren Verbindungen gekennzeichnet ist. Dies führt zu einem allmählichen Verlust kognitiver Fähigkeiten wie Gedächtnis, Denken, Orientierung und Sprache. Obwohl die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz noch nicht vollständig geklärt sind, deuten Forschungsergebnisse auf eine Kombination aus genetischen, umweltbedingten und Lebensstilfaktoren hin.

Was ist Alzheimer-Demenz?

Die Alzheimer-Demenz, benannt nach ihrem Entdecker Alois Alzheimer, ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen langsam absterben und die Kontakte zwischen den Nervenzellen gestört werden. Weltweit leiden mehr als 26 Millionen Menschen an Alzheimer, in der Regel Menschen ab dem 65. Lebensjahr. Die Krankheit ist durch Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie Beeinträchtigungen des Denk- und Urteilsvermögens gekennzeichnet. Die Alzheimer-Krankheit macht etwa zwei Drittel aller Demenzfälle aus und ist damit die häufigste Demenzform.

Der Begriff Demenz leitet sich vom Lateinischen „Dementia“ ab, was so viel wie „Torheit“ oder „Wahnsinn“ bedeutet. Es handelt sich um einen Sammelbegriff für eine Vielzahl von neurologischen und neurophysiologischen Erkrankungen, die mit einer Minderung der kognitiven Fähigkeiten einhergehen. Hier einige Demenzformen im Überblick:

  • Morbus Alzheimer
  • Vaskuläre Demenz
  • Frontotemporale Demenz
  • Lewy-Körperchen-Demenz
  • Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
  • Chronische traumatische Enzephalopathie (CTE)

Nicht immer lässt sich genau abgrenzen, welche Demenzform konkret vorliegt. Dazu kommt, dass auch Mischformen unterschiedlicher Demenzen möglich sind - insbesondere die Alzheimer-Demenz und die vaskuläre Demenz treten häufig gemeinsam auf.

Typische Veränderungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten

Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer-Demenz finden sich charakteristische Veränderungen, die zum Absterben von Nervenzellen und dem Verlust kognitiver Fähigkeiten führen. Zu diesen Veränderungen gehören:

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  • Amyloid-Plaques: Ablagerungen des Proteins Beta-Amyloid zwischen den Nervenzellen. Diese Plaques entstehen, wenn das Amyloid-beta-Protein, das natürlicherweise im Gehirn vorkommt, sich übermäßig ansammelt und Klumpen bildet.
  • Tau-Fibrillen: Verdrehte Fasern des Tau-Proteins im Inneren der Nervenzellen. Bei der Alzheimer-Krankheit ist das Tau-Protein chemisch so verändert, dass es seine Funktion nicht mehr erfüllen kann und fadenförmige Strukturen bildet.
  • Abnahme von Nervenzellen und Verbindungen: Im Gehirn von Alzheimer-Patienten sterben Nervenzellen und ihre Verbindungen (Synapsen) ab, was zu einem fortschreitenden Verlust der Gehirnmasse führt.
  • Mangel an Neurotransmittern: Ein Mangel an bestimmten Botenstoffen (Neurotransmittern) wie Acetylcholin, die für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen wichtig sind.
  • Entzündungsprozesse: Chronische Entzündungen im Gehirn, die möglicherweise zur Schädigung von Nervenzellen beitragen.
  • Störung des Lipidstoffwechsels: Wissenschaftler haben möglicherweise einen neuen Auslöser für diese charakteristischen Veränderungen im Gehirn gefunden: eine Störung im Lipidstoffwechsel. Denn zu viele Lipide in der Zellmembran von Neuronen können die Bildung von Alzheimer-Peptiden begünstigen.

Risikofaktoren für die Alzheimer-Demenz

Obwohl die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz noch nicht vollständig verstanden sind, wurden mehrere Risikofaktoren identifiziert, die die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu erkranken, erhöhen können. Zu diesen Risikofaktoren gehören:

  • Alter: Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Die meisten Betroffenen sind älter als 65 Jahre. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, deutlich an.
  • Genetische Faktoren: Obwohl die Mehrzahl der Alzheimer-Erkrankungen nicht direkt vererbt wird, spielen genetische Faktoren eine Rolle. Es gibt bestimmte Genvarianten, wie z.B. Varianten im Gen für das Apo-Lipoprotein E (ApoE), die das Risiko erhöhen können. Allerdings sind erbliche Formen der Alzheimer-Krankheit sehr selten (weniger als drei Prozent aller Fälle).
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Faktoren, die das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen, wie Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel, Arteriosklerose und Diabetes, erhöhen ebenfalls das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung.
  • Kopfverletzungen: Schwere oder wiederholte Kopfverletzungen können das Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer und die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) erhöhen.
  • Lebensstilfaktoren: Bestimmte Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und soziale Isolation können das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung erhöhen.
  • Weitere Faktoren: Übergewicht, unbehandelte Sehschwächen, Hörverlust, Depressionen, chronischer Stress und Luftverschmutzung werden ebenfalls als mögliche Risikofaktoren diskutiert.

Die Rolle von Amyloid und Tau bei der Alzheimer-Entstehung

Zwei Proteine, Amyloid-beta und Tau, spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit.

  • Amyloid-beta: Dieses Proteinfragment lagert sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten zwischen den Nervenzellen ab und bildet Plaques. Diese Plaques können die Kommunikation zwischen den Nervenzellen stören und Entzündungen verursachen.
  • Tau: Dieses Protein kommt normalerweise im Inneren der Nervenzellen vor und stabilisiert die Zelle. Bei der Alzheimer-Krankheit verändert sich das Tau-Protein und bildet verdrehte Fasern, sogenannte Fibrillen. Diese Fibrillen stören die Funktion der Nervenzellen und führen zu ihrem Absterben.

Obwohl die genaue Rolle von Amyloid und Tau bei der Alzheimer-Entstehung noch nicht vollständig geklärt ist, gehen viele Forscher davon aus, dass die Ablagerung von Amyloid-Plaques und die Bildung von Tau-Fibrillen eine Kaskade von Ereignissen auslösen, die letztendlich zum Verlust von Nervenzellen und den kognitiven Beeinträchtigungen führen.

Stadien der Alzheimer-Erkrankung

Die Alzheimer-Krankheit entwickelt sich schleichend und durchläuft verschiedene Stadien:

  • Frühstadium: Im Frühstadium stehen Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnisses im Vordergrund. Betroffene können sich neue Informationen nicht mehr einprägen oder finden abgelegte Gegenstände nicht wieder. Hinzu kommen Wortfindungsstörungen und Orientierungslosigkeit.
  • Mittleres Stadium: Im mittleren Stadium nehmen die Einschränkungen von Gedächtnis, Denkvermögen und Orientierung zu. Betroffene brauchen zunehmend Hilfe bei alltäglichen Aufgaben wie Einkaufen, Kochen oder der Körperpflege. Auch die Wahrnehmung der eigenen Krankheit geht weitgehend verloren. Weiterhin können ausgeprägte Veränderungen des Verhaltens hinzukommen.
  • Spätstadium: Im Spätstadium besteht ein hochgradiger geistiger Abbau. Die Sprache beschränkt sich auf wenige Worte oder versiegt ganz. Die Erkrankten sind bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen.

Diagnose der Alzheimer-Demenz

Eine frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Demenz ist entscheidend, da Behandlungen am wirksamsten sind, wenn sie rechtzeitig beginnen. Die Diagnostik umfasst heute neben der klinischen Untersuchung und neuropsychologischen Tests auch moderne Biomarker-Verfahren.

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  • Klinische Untersuchung und Anamnese: Der Arzt erhebt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine körperliche und neurologische Untersuchung durch.
  • Neuropsychologische Tests: Standardisierte Tests helfen dabei, die geistigen Leistungen und Fähigkeiten eines Menschen einzuschätzen. Dabei ist es wichtig, zu prüfen, wie gut Betroffene noch ihren Alltag bewältigen können. Besonders bekannt sind dabei Kurztests wie der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der Montreal Cognitive Assessment Test (MoCA) oder der DemTect, der speziell zur Demenz-Erkennung entwickelt wurde.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) können typische Schrumpfungen bestimmter Gehirnbereiche sichtbar machen, während spezielle PET-Scans Amyloid-Ablagerungen bereits früh erkennen können.
  • Liquoruntersuchung: Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor) können charakteristische Eiweißveränderungen nachweisen.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen helfen, andere Ursachen der Symptome wie zum Beispiel Infektionen, Vitaminmangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion auszuschließen. Bluttests zur Alzheimer-Diagnostik sind noch nicht als alleinige Diagnosemethode geeignet.

Behandlung der Alzheimer-Demenz

Obwohl die Alzheimer-Demenz derzeit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsansätze, die dazu beitragen können, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

  • Medikamentöse Therapie:
    • Cholinesterase-Hemmer: Diese Medikamente beeinflussen die Botenstoffe im Gehirn, die für die Gedächtnisfunktion eine zentrale Rolle spielen, und können den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit leicht verzögern.
    • Memantin: Dieser Wirkstoff kann bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz eingesetzt werden und wirkt, indem er die Übererregung von Nervenzellen reduziert.
    • Monoklonale Antikörper: Seit kurzem stehen monoklonale Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Ein Wirkstoff wurde in diesem Jahr in der EU zugelassen. Er richtet sich gezielt gegen Amyloid-beta-Ablagerungen im Gehirn - eine der vermuteten Ursachen der Alzheimer-Krankheit. Damit steht nun eine Alzheimer-Therapie zur Verfügung, die nicht nur symptomatisch wirkt, sondern ursächlich in den Krankheitsprozess eingreift. Lecanemab ist ein Antikörper, der die schädlichen Plaques im Gehirn erkennt und zur Beseitigung markiert. In Studien konnte der kognitive Abbau binnen 18 Monaten um 27 % verlangsamt werden. Zwar ist dies noch kein Heilmittel, aber ein wichtiger Durchbruch in der Alzheimer-Therapie. Allerdings eignet sich Lecanemab nur für Menschen im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit und erfordert eine medizinisch aufmerksame Begleitung, weil auch starke Nebenwirkungen möglich sind.
  • Nicht-medikamentöse Therapie: Neben der medikamentösen Behandlung spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle. Dazu gehören:
    • Geistige und körperliche Aktivierung: Gedächtnistraining, Ergotherapie, Musiktherapie und Gehirntraining können dazu beitragen, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten und zu verbessern.
    • Ergotherapie: Ergotherapeuten helfen Betroffenen, ihre Alltagskompetenzen zu erhalten und zu verbessern.
    • Musiktherapie: Musik kann positive Auswirkungen auf die Stimmung und das Verhalten von Menschen mit Demenz haben.
    • Psychotherapie: Psychotherapie kann eine Option sein, schließlich stellt die Diagnose Demenz auch eine große emotionale Belastung dar. Das Ziel besteht in jedem Fall darin, Betroffenen den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern und ihnen so lange wie möglich ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.
    • Anpassung des Wohnumfelds: Die richtige Art des Umgangs und eine bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung können das Leben mit der Erkrankung erleichtern.
    • Unterstützung für Angehörige: Für pflegende Angehörige ist Beratung und Unterstützung besonders wichtig, da sie oft über Jahre hinweg eine enorme Belastung tragen. Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bieten wertvolle Hilfe.

Prävention der Alzheimer-Demenz

Obwohl Alzheimer bisher nicht bei allen Menschen verhindert werden kann, deuten Studien darauf hin, dass bestimmte Faktoren das Erkrankungsrisiko senken können. Zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen gehören:

  • Regelmäßige körperliche Bewegung: Körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und kann das Risiko für Alzheimer reduzieren. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, insbesondere eine mediterrane Kost, kann das Gehirn schützen und das Risiko für Alzheimer senken.
  • Geistige Aktivität: Geistige Aktivität wie Lesen, Kreuzworträtsel lösen oder das Erlernen neuer Fähigkeiten kann das Gehirn fit halten und die kognitive Reserve stärken.
  • Soziale Kontakte: Die Pflege sozialer Kontakte und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben können das Gehirn anregen und das Risiko für Alzheimer reduzieren.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Die Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum, Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten und Diabetes kann das Risiko für Alzheimer senken.
  • Behandlung von Hör- und Sehschwächen: Die rechtzeitige Behandlung von Hör- und Sehschwächen kann das Gehirn vor Reizentzug schützen und das Risiko für Alzheimer reduzieren.

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