Die Entfernung eines Vagusnervstimulators (VNS) ist ein Thema, das verschiedene Aspekte umfasst, von den Gründen für die Entfernung bis hin zu den potenziellen Risiken und alternativen Behandlungsmethoden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten der VNS-Entfernung, einschliesslich der zugrunde liegenden Erkrankungen, bei denen eine VNS in Betracht gezogen wird, die Gründe für eine Entfernung, die damit verbundenen Risiken und die verfügbaren Alternativen.
Einführung in die Vagusnervstimulation
Die Vagusnervstimulation (VNS) ist eine neuromodulative Therapie, die seit den 1990er Jahren in Europa eingesetzt wird. Hierbei wird eine Elektrode am Nervus vagus im Halsbereich platziert, um medikamentenresistente Epilepsie und refraktäre Depressionen zu behandeln. Studien haben gezeigt, dass die VNS bei etwa 55 % der Patienten mit medikamentenresistenter Epilepsie eine Anfallsreduktion von 50 bis über 70 % erzielen kann.
Gründe für die Entfernung eines Vagusnervstimulators
Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Vagusnervstimulator entfernt werden muss:
Infektionen: Eine der Hauptursachen für die Entfernung eines VNS ist eine Infektion an der Implantationsstelle. Im bereitgestellten Text wird ein Fall eines zehnjährigen Mädchens beschrieben, bei dem es aufgrund extremer Bewegungsunruhe und Kratzen an der Wunde zu einer Wundheilungsstörung und anschliessender Infektion kam, was zur Entfernung des Stimulators führte.
Ausbleibende Wirksamkeit: Obwohl die VNS bei vielen Patienten wirksam ist, kann es vorkommen, dass sie bei einigen keine signifikante Verbesserung der Symptome bewirkt. In solchen Fällen kann die Entfernung des Geräts in Betracht gezogen werden.
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Nebenwirkungen: Obwohl die VNS im Allgemeinen gut verträglich ist, können Nebenwirkungen wie Heiserkeit auftreten. Wenn diese Nebenwirkungen schwerwiegend oder unerträglich sind, kann die Entfernung des VNS eine Option sein.
Gerätedefekt: Wie bei jedem medizinischen Gerät kann es auch bei einem VNS zu Defekten kommen, die eine Entfernung erforderlich machen.
Schwangerschaft: Obwohl es keine absolute Kontraindikation ist, kann eine Schwangerschaft eine vorübergehende oder dauerhafte Entfernung des VNS erforderlich machen, insbesondere wenn Anpassungen der Stimulationseinstellungen erforderlich sind, die das ungeborene Kind beeinträchtigen könnten.
Wechselwirkungen mit anderen medizinischen Behandlungen: In seltenen Fällen kann es zu Wechselwirkungen zwischen dem VNS und anderen medizinischen Behandlungen kommen, die eine Entfernung des Geräts erforderlich machen.
Risiken beim Entfernen eines Vagusnervstimulators
Die Entfernung eines Vagusnervstimulators ist ein chirurgischer Eingriff, der mit bestimmten Risiken verbunden ist:
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Infektionen: Wie bei jeder Operation besteht das Risiko einer Infektion an der Operationsstelle.
Blutungen: Blutungen können während oder nach der Operation auftreten.
Nervenschäden: Es besteht ein geringes Risiko, dass der Nervus vagus oder andere umliegende Nerven während der Operation beschädigt werden.
Narbenbildung: An der Operationsstelle kann es zu Narbenbildung kommen.
Schmerzen: Nach der Operation können Schmerzen auftreten.
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Komplikationen im Zusammenhang mit der Anästhesie: Wie bei jeder Operation, die unter Anästhesie durchgeführt wird, bestehen Risiken im Zusammenhang mit der Anästhesie.
Alternativen zur Vagusnervstimulation
Wenn die Vagusnervstimulation nicht wirksam ist oder aufgrund von Komplikationen entfernt werden muss, gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten:
Medikamentöse Therapie: Bei Epilepsie können alternative Antiepileptika oder Kombinationen von Medikamenten eingesetzt werden, um die Anfallskontrolle zu verbessern. Bei Depressionen können andere Antidepressiva oder Kombinationen von Medikamenten ausprobiert werden.
Ketogene Diät: Die ketogene Diät ist eine fettreiche, kohlenhydratarme Diät, die bei einigen Patienten mit Epilepsie die Anfallshäufigkeit reduzieren kann.
Resektive Epilepsiechirurgie: Bei Patienten mit fokaler Epilepsie, bei denen die Anfälle von einem bestimmten Bereich des Gehirns ausgehen, kann eine resektive Epilepsiechirurgie in Betracht gezogen werden, um den epileptogenen Bereich zu entfernen.
Laserthermoablation: Die Laserthermoablation ist ein minimal-invasives Verfahren, bei dem Laser eingesetzt werden, um epileptogenes Gewebe zu zerstören.
Tiefe Hirnstimulation (DBS): Die tiefe Hirnstimulation ist eine weitere neuromodulative Therapie, bei der Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um die Anfallsaktivität zu reduzieren oder die Symptome von Depressionen zu lindern.
Transkranielle Magnetstimulation (TMS): Die transkranielle Magnetstimulation ist eine nicht-invasive Methode, bei der Magnetfelder eingesetzt werden, um die Aktivität von Nervenzellen im Gehirn zu stimulieren oder zu hemmen. Sie kann bei Depressionen eingesetzt werden.
Psychotherapie: Bei Depressionen kann eine Psychotherapie, wie z. B. eine kognitive Verhaltenstherapie, helfen, die Symptome zu lindern und die Bewältigungsstrategien zu verbessern.
Andere Neuromodulationsverfahren: Es gibt noch weitere Neuromodulationsverfahren, wie z. B. die transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS) und die Rückenmarksstimulation, die in bestimmten Fällen in Betracht gezogen werden können.
Vagusnervstimulation bei Menschen mit geistiger Behinderung
Bei Menschen mit geistiger Behinderung, die an Epilepsie leiden, gelten prinzipiell die gleichen Behandlungsgrundsätze wie bei nichtbehinderten Epilepsiekranken. Allerdings gibt es einige Besonderheiten zu beachten:
Diagnostik: Die Erhebung der Anamnese und Anfallsbeschreibung kann erschwert sein, da man auf Informationen von anderen Personen (z.B. Angehörige, Betreuer) angewiesen ist. Auch die Differenzialdiagnose zwischen epileptischen und nichtepileptischen Anfallsartigen Störungen kann schwierig sein.
Pharmakologische Therapie: Menschen mit Intelligenzminderung vertragen Antiepileptika anders, manchmal auch schlechter. So führt Levetiracetam in dieser Gruppe von Betroffenen deutlich häufiger zu Verhaltensauffälligkeiten. Bei der Substanzauswahl ist zu bedenken, dass einige Antiepileptika bei Patienten mit geistiger Behinderung erfahrungsgemäss ein erhöhtes Risiko insbesondere psychiatrischer Nebenwirkungen bergen.
Nichtmedikamentöse Massnahmen: Nichtmedikamentöse Massnahmen (z.B. Tagesstrukturierung, Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus) sowie Massnahmen, die anfallsbedingten Schaden verhüten sollen, spielen eine wichtige Rolle.
Epilepsiechirurgie: Behinderung und epilepsiechirurgischer Eingriff schliessen sich nicht aus, sofern die dazu notwendige aufwendige Diagnostik möglich ist.
Transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS)
Die transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS) ist eine nicht-invasive Methode zur Stimulation des Nervus vagus. Dabei wird eine Elektrode, ähnlich wie bei einem Hörgerät, ohne operativen Eingriff am Ohr platziert. Sie erzeugt einen schwachen Stromfluss, der ausreicht, um einen Ast des Vagusnervs zu stimulieren, der sich bis in den Hirnstamm erstreckt.
Die taVNS wird bereits erfolgreich bei Erwachsenen mit Depressionen eingesetzt. Ein Forschungsteam der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Köln hat nun die nach eigenen Angaben weltweit erste Behandlung einer Patientin mit taVNS durchgeführt und ihre Symptomatik damit verbessert.
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