Valproat, Epilepsie und Cannabis: Wechselwirkungen und therapeutische Überlegungen

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. Viele Betroffene erfahren trotz moderner Antiepileptika keine ausreichende Anfallskontrolle, was den Einsatz von medizinischem Cannabis in den Fokus rückt. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Wechselwirkungen zwischen Valproat, einem gängigen Antiepileptikum, und Cannabis, insbesondere Cannabidiol (CBD), sowie die therapeutischen Implikationen dieser Kombination.

Epilepsie: Eine komplexe neurologische Erkrankung

Epilepsie ist keine einheitliche Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen des zentralen Nervensystems, die durch wiederkehrende epileptische Anfälle gekennzeichnet sind. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, unkontrollierte elektrische Impulse im Gehirn. Die Ursachen sind vielfältig und können genetische Faktoren, Hirnverletzungen, Tumore, Entzündungen oder Stoffwechselstörungen umfassen.

Die Symptome eines Anfalls können unterschiedlich sein, von vorübergehender Verwirrung und starrem Blick bis hin zu plötzlichen, unkontrollierbaren Bewegungen und Bewusstlosigkeit. Die Diagnose basiert auf der Anamnese, Berichten von Angehörigen und verschiedenen Tests wie EEG, CT oder MRT.

Klassische Behandlungsmethoden der Epilepsie

Die meisten Patient*innen (etwa 70 %) mit Epilepsie können Krämpfe durch die Einnahme von Antiepileptika (Phenobarbital, Levetiracetam, Valproat, Phenytoin) vermeiden. In einigen Fällen kann das Medikament jedoch nur die Häufigkeit oder Intensität der Anfälle verringern. Es ist sehr leicht auf den Punkt gebracht, aber in der Praxis ist das natürlich sehr schwierig, und es kann sein, dass Sie auch selbst diese Erfahrungen gemacht haben, dass es manche Medikamente gibt, die keine Hilfe sind, sondern vielleicht sogar eine Verschlechterung. Das ist Gott sei Dank selten der Fall.

Bei der medikamentösen Therapie gibt es natürlich etliche Dinge, auf die man achten muss. Das ist einerseits die richtige Dosis, die richtige Wahl des Medikaments für den richtigen Patienten oder die richtige Patientin.

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Medizinisches Cannabis in der Epilepsiebehandlung: Ein Überblick

Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein Netzwerk aus Rezeptoren, Botenstoffen und Enzymen im menschlichen Körper, das unter anderem das zentrale Nervensystem reguliert. Es wird vermutet, dass ein gestörtes ECS zur Entstehung epileptischer Anfälle beitragen kann.

Cannabidiol (CBD) ist ein nicht-psychoaktiver Bestandteil der Cannabispflanze, der in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus der Epilepsieforschung gerückt ist. Studien haben gezeigt, dass CBD antikonvulsive (krampflösende) Eigenschaften besitzt und die Häufigkeit epileptischer Anfälle signifikant reduzieren kann, insbesondere bei schweren Formen wie dem Dravet-Syndrom oder Lennox-Gastaut-Syndrom.

Seit März 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland legal und verschreibungsfähig - auch bei Epilepsie, sofern eine ärztlich dokumentierte Therapieresistenz vorliegt. Die Cannabis-Therapie hat eine neuroprotektive und entzündungshemmende Wirkung. Die Möglichkeit, die Therapie für jeden Patienten und jede Patientin individuell anzupassen, macht dieses Medikament sehr praktisch und sicher. Die verschiedenen Möglichkeiten der Einnahme gewähren eine praktische Handhabe. Die Verträglichkeit von Cannabis für Patient*innen ist immer sehr hoch.

Ein zugelassenes CBD-Öl bei Epilepsie, Epidyolex, wird in Form einer oralen Lösung verabreicht. Die Dosierung beginnt niedrig und wird individuell angepasst, abhängig von Gewicht und Verträglichkeit. Konkrete Dosierungs-Pläne erstellt Ihr Arzt, da eine enge Überwachung erforderlich ist.

Valproat: Ein etabliertes Antiepileptikum

Valproinsäure ist ein Standardmedikament, das eine gute Wirkung hat. Die Wahl des Medikamentes erfolgt nach einem gewissen Schema: Man fängt mit dem Medikament an, frühzeitig, das eine gute Wirkung hat.

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Valproinsäure ist zum Beispiel so ein typisches Medikament, wo man zunimmt. Auch unter Cannabidiol kann man zunehmen. Und worauf man achten muss, ist natürlich die Funktion der Leber, die wieder versucht, diese Medikamente aus dem Körper herauszubringen, verstoffwechselt. Es können die Leberwerte ansteigen.

Wechselwirkungen zwischen CBD und Valproat

Eine der wichtigsten Wechselwirkungen im Zusammenhang mit medizinischem Cannabis und Epilepsie betrifft die Kombination von CBD und Valproat. Studien haben gezeigt, dass die gleichzeitige Anwendung von CBD und Valproat das Auftreten erhöhter Transaminasewerte (Leberwerte) verstärken kann. Dies deutet darauf hin, dass die Kombination dieser beiden Substanzen das Risiko für Leberschäden erhöhen kann.

Auffällig war auch eine erhöhte Leberenzymaktivität (Aspartat-Aminotransferase, Alanin-Aminotransferase), die insbesondere bei Patient:innen auftrat, die gleichzeitig Valproat einnahmen. Da bereits die alleinige Anwendung von Valproat ein erhöhtes Risiko von Leberschäden birgt, ist dessen Einnahme mit regelmäßigen Check-ups verbunden. In der Kombination mit CBD sollte auf diesen Punkt jedoch zusätzlich Acht gegeben werden. Regelmäßige Kontrollen von Leberwerten und Medikamentenspiegeln sind unerlässlich.

Der Grund für diese Wechselwirkung liegt darin, dass sowohl CBD als auch Valproat von der Leber verstoffwechselt werden. CBD kann die Aktivität von Enzymen hemmen, die für den Abbau von Valproat verantwortlich sind, was zu erhöhten Valproat-Spiegeln im Blut führen kann. Dies kann die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen erhöhen, einschließlich Leberschäden.

Weitere potenzielle Wechselwirkungen von CBD mit Antiepileptika

Neben Valproat gibt es Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen zwischen CBD und anderen Antiepileptika wie Rufinamid, Zonisamid, Topiramat und Eslicarbazepin. Es ist wichtig, dass Ärzte und Patienten sich dieser potenziellen Wechselwirkungen bewusst sind und die Therapie entsprechend anpassen.

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Die Plasmakonzentrationen von CBD und dessen Wirksamkeit können durch starke CYP3A4-Induktoren wie Carbamazepin, Enzalutamid, Mitotan, Johanniskraut und/oder starke CYP2C19-Induktoren wie Rifampicin verringert werden. CBD ist ein Substrat für UGT1A7, UGT1A9 und UGT2B7. Es wurden keine formellen Arzneimittelwechselwirkungsstudien mit CBD in Kombination mit UGT-Inhibitoren durchgeführt. Bei gleichzeitiger Anwendung ist deshalb Vorsicht geboten.

Eine gleichzeitige Einnahme von anderen Antiepileptika kann außerdem zu Wechselwirkungen mit CBD führen. Wenn Clobazam zusammen mit CBD angewendet wird, sollte bei Auftreten von Somnolenz oder Sedierung eine Verringerung der Clobazam-Dosis in Erwägung gezogen werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von CBD mit Stiripentol kam es zu einem geringfügigen Anstieg der Stiripentolwerte. Die klinische Relevanz hierfür ist zwar unbekannt, doch sollten Patienten engmaschig auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen hin überwacht werden. Die Exposition von Phenytoin kann bei gleichzeitiger Anwendung mit CBD erhöht sein, da Phenytoin weitgehend über CYP2C9 metabolisiert wird, das in vitro durch CBD gehemmt wird.

Bei gleichzeitiger Anwendung von CBD mit Lamotrigin, kann der Lamotriginspiegel erhöht sein, da Lamotrigin ein Substrat für UGT-Enzyme ist, einschließlich UGT2B7, das in vitro durch CBD gehemmt wird.

In-vitro-Daten prognostizieren zudem Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Anwendung mit CYP1A2-Substraten (z.B. Theophyllin, Coffein), CYP2B6-Substraten (z.B. Bupropion, Efavirenz), UGT1A9 (z.B. Diflunisal, Propofol, Fenofibrat) und UGT2B7 (z.B. Gemfibrozil, Morphin, Lorazepam) bei gleichzeitiger Anwendung von CBD. Auch klinisch signifikante Wechselwirkungen mit CYP2C8- (Repaglinid) und CYP2C9-Substraten (z.B. Warfarin) sind denkbar. CBD ist nach in-vitro-Daten außerdem in der Lage CYP2C19 zu hemmen, was zu erhöhten Plasmakonzentrationen von Arzneimitteln führen kann, die von diesem Isoenzym metabolisiert werden (z.B. Clobazam oder Omeprazol).

Mögliche Nebenwirkungen von CBD

CBD gilt im Allgemeinen als gut verträglich, aber es können Nebenwirkungen auftreten. Die häufigsten Nebenwirkungen von Cannabidiol ist die Sedierung. Das heißt, dass die Kinder sehr müde werden. Die häufigsten unerwünschten Effekte: Benommenheit (25 %), Appetitverlust (19 %), Durchfall (19 %), Müdigkeit (13 %) und - paradoxerweise - Krampfanfälle (11 %). Andere häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Appetitverlust und Durchfall.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Nebenwirkungen von CBD dosisabhängig sein können. Das bedeutet, dass höhere Dosen eher zu Nebenwirkungen führen können als niedrigere Dosen.

THC: Vorsicht bei Epilepsie

Während CBD in Studien als gut verträglich und krampflösend gilt, ist die Wirkung von THC weniger klar: Einige Untersuchungen deuten auf krampflösende Effekte hin, andere zeigen eine mögliche Zunahme von Anfällen.

THC oder auch Tetrahydrocannabinol ist das wohl bekannteste Cannabinoid der Hanfpflanze und zugleich für deren psychoaktive Wirkung verantwortlich. Während es Untersuchungen gibt, die THC einen krampflösenden Effekt zuschreiben, konnten andere Studien diese Wirkung nicht beobachten - oder kamen gar zu dem Schluss, dass THC Krampfanfälle begünstigen könnte. Vor diesem Hintergrund kann eine Verwendung von THC bei Epilepsie aktuell nicht empfohlen werden.

"Kiffen" - also das Rauchen von THC-haltigem Cannabis - ist bei Epilepsie nicht empfehlenswert. Zwar gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Cannabinoide wie CBD epileptische Anfälle lindern können, doch THC, der psychoaktive Bestandteil beim Kiffen, kann die Krampfanfälligkeit unter Umständen sogar erhöhen.

Praktische Aspekte der Cannabis-Therapie bei Epilepsie

Die Cannabis Verschreibung bei Epilepsie setzt eine genaue medizinische Indikation voraus, etwa für zugelassene Präparate wie Epidyolex bei seltenen Epilepsieformen. In Deutschland ist eine Cannabis Kostenübernahme durch Krankenkassen möglich, erfordert aber einen Antrag mit ärztlicher Begründung.

Die Kosten für Epidyolex oder andere Cannabis-Medikamente können 2000-3000 Euro monatlich betragen. Die Patientenvereinigung Cannabis Social Club - Bolzano/Bozen gibt Informationen und Beratung.

Es ist wichtig, sich von einem erfahrenen Arzt oder Ärztin beraten zu lassen, um die richtige Cannabis-Therapie bei Epilepsie sicherzustellen. Selbstmedikation über den Schwarzmarkt birgt hohe Risiken: Ungeprüfte Produkte können Verunreinigungen wie Pestizide oder Schwermetalle enthalten und unklare Wirkstoffgehalte aufweisen, was die Anfallskontrolle gefährden kann.

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