Das Vibrieren im Rückenmark und den Beinen kann auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzuführen sein, von harmlosen Muskelzuckungen bis hin zu schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen. Um die richtige Diagnose zu stellen und eine angemessene Behandlung einzuleiten, ist eine gründliche Untersuchung durch einen Arzt unerlässlich.
Mögliche Ursachen für Vibrieren in Rückenmark und Beinen
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine seltene, fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Untergang von Motoneuronen gekennzeichnet ist. Diese Nervenzellen steuern die Muskelbewegungen.
Fallbeispiel: Herr Franz, 58 Jahre alt, leidet seit einem Jahr unter zunehmender Muskelschwäche. Anfangs bemerkte seine Frau eine verwaschene Sprache. Er verschluckte sich häufig beim Essen und musste husten. Er hatte Muskelzuckungen in Ruhe an Armen und Beinen, die sich wie ein "Sack voller Würmer" anfühlten.
Symptome:
- Muskelschwäche, beginnend in Händen und Armen
- Muskelzucken (Faszikulationen)
- Muskelabbau (Atrophie)
- Kloßige Sprache (Dysarthrie)
- Schluckbeschwerden (Dysphagie)
- Erhöhte Muskelspannung und verstärkte Muskelreflexe (Spastik)
- Schlaffe Lähmungen
- Schmerzhafte Muskelkrämpfe
Ursachen: Die genaue Ursache der ALS ist unbekannt. Es werden verschiedene Krankheitsmechanismen diskutiert, bei denen der Nervenbotenstoff Glutamat und Kalzium eine Rolle spielen. In etwa 10 % der Fälle liegt eine familiäre Veranlagung vor.
Diagnostik: Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte, der klinisch-neurologischen Untersuchung und zusätzlichen Tests wie Blutuntersuchungen, Nervenwasseruntersuchung, MRT von Gehirn und Rückenmark sowie elektrophysiologischen Untersuchungen (Neurographie und Elektromyographie).
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Therapie: Es gibt keine Heilung für ALS. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität. Medikamente wie Riluzol können den Krankheitsverlauf verlangsamen. Ein multidisziplinäres Team aus Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und medizinischem Personal kann den Patienten unterstützen. Technische Hilfsmittel können den Alltag erleichtern. Bei Schluck- und Atemstörungen können eine künstliche Ernährung (PEG-Sonde) und atemunterstützende Maßnahmen erforderlich sein.
Polyneuropathie
Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark geschädigt sind.
Symptome:
- Empfindungsstörungen (Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühl, "Ameisenlaufen")
- Schmerzen
- Muskelschwäche oder Lähmungen
- Störungen des Berührungs-, Schmerz- oder Temperaturempfindens
- Störungen der Organfunktionen (Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall, verstärktes Schwitzen)
Ursachen: Die Ursachen für Polyneuropathie sind vielfältig, darunter:
- Diabetes (diabetische Polyneuropathie)
- Alkoholmissbrauch
- Bestimmte Medikamente (z. B. Chemotherapeutika)
- Autoimmunerkrankungen (z. B. Guillain-Barré-Syndrom)
- Infektionen (z. B. Borreliose, Gürtelrose)
- Vitaminmangel (z. B. Vitamin B12)
- Nierenerkrankungen
- Lebererkrankungen
- Genetische Veranlagung
- Kontakt mit giftigen Substanzen (z. B. Schwermetalle)
- Krebserkrankungen
Diagnostik: Die Diagnose umfasst eine neurologische Untersuchung, eine Elektroneurographie (Messung der Nervenleitgeschwindigkeit), eine Elektromyographie (Messung der Muskelaktivität) sowie Blut- und Urinuntersuchungen. In einigen Fällen sind eine Nerven-Muskel-Biopsie oder eine Hautbiopsie erforderlich.
Therapie: Die Behandlung zielt darauf ab, die Ursache der Polyneuropathie zu behandeln und die Symptome zu lindern. Bei Diabetes ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig. Alkoholabhängige sollten eine Suchttherapie machen. Bei Vitaminmangel kann eine Ernährungsumstellung helfen. Medikamente wie Antidepressiva, Antikonvulsiva oder Opioide können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Physio- und Ergotherapie können bei Muskelschwäche und Gleichgewichtsstörungen helfen.
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Radikulopathie
Bei einer Radikulopathie wird eine Nervenwurzel des Rückenmarks gereizt oder geschädigt.
Symptome:
- Schmerzen, die in Arme oder Beine ausstrahlen
- Missempfindungen (Kribbeln, Taubheitsgefühl)
- Neurologische Ausfälle (Muskelschwäche, Reflexverlust)
Ursachen:
- Bandscheibenvorfall
- Spinalkanalstenose
- Wirbelsäulentumoren
- Entzündungen
Diagnostik: Die Diagnose umfasst eine neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren (MRT, CT) und elektrophysiologische Untersuchungen.
Therapie: Die Behandlung kann konservativ (Schmerzmittel, Physiotherapie, Injektionen) oder operativ erfolgen.
Spinalkanalstenose
Die Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals, die zu einer Kompression des Rückenmarks und der Nervenwurzeln führen kann.
Symptome:
- Schmerzen im unteren Rücken, die in Gesäß und Beine ausstrahlen
- Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Beinen
- Lähmungserscheinungen
- Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit): Schmerzen in den Beinen beim Gehen, die sich beim Vorbeugen bessern
- In schweren Fällen: Blasen- und Darmfunktionsstörungen (Kauda-Syndrom)
Ursachen:
- Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule (Arthrose, Bandscheibenvorfall, Wirbelgleiten)
- Angeborene Verengung des Wirbelkanals
- Verletzungen
- Tumoren
Diagnostik: Die Diagnose umfasst eine neurologische Untersuchung und bildgebende Verfahren (MRT, CT).
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Therapie: Die Behandlung kann konservativ (Schmerzmittel, Physiotherapie, Injektionen) oder operativ erfolgen.
Meralgia paraesthetica
Die Meralgia paraesthetica ist eine Nervenkompression des Nervus cutaneus femoris lateralis, der die Haut an der Außenseite des Oberschenkels versorgt.
Symptome:
- Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schmerzen an der Außenseite des Oberschenkels
Ursachen:
- Einklemmung des Nervs unter dem Leistenband
- Übergewicht
- Enge Kleidung
- Schwangerschaft
Therapie: Die Behandlung umfasst konservative Maßnahmen (Gewichtsabnahme, Vermeidung enger Kleidung, Schmerzmittel, Physiotherapie) oder Injektionen. In seltenen Fällen ist eine Operation erforderlich.
Restless-Legs-Syndrom (RLS)
Das Restless-Legs-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang in den Beinen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Missempfindungen.
Symptome:
- Bewegungsdrang in den Beinen, besonders abends oder nachts
- Missempfindungen (Kribbeln, Ziehen, Brennen)
- Besserung der Symptome durch Bewegung
Ursachen: Die Ursachen des RLS sind vielfältig, darunter genetische Faktoren, Eisenmangel, Nierenerkrankungen und Schwangerschaft.
Therapie: Die Behandlung umfasst Medikamente (z. B. Dopaminagonisten, Eisenpräparate) und nicht-medikamentöse Maßnahmen (z. B. Bewegung, Entspannungstechniken).
Weitere mögliche Ursachen
- Multiple Sklerose (MS)
- Bandscheibenvorfall
- Wirbelsäulenverletzungen
- Tumoren des Rückenmarks oder der Wirbelsäule
- Infektionen (z. B. Meningitis, Enzephalitis)
- Vitamin-B12-Mangel
- Schilddrüsenerkrankungen
- Medikamente
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn das Vibrieren im Rückenmark und den Beinen:
- Neu auftritt oder sich plötzlich verschlimmert
- Von anderen Symptomen begleitet wird (z. B. Muskelschwäche, Taubheitsgefühl, Schmerzen, Blasen- oder Darmfunktionsstörungen)
- Die Lebensqualität beeinträchtigt
Diagnose
Die Diagnose umfasst in der Regel eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und neurologische Tests. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können erforderlich sein, um die Ursache des Vibrierens zu ermitteln.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Sie kann Medikamente, Physiotherapie, Ergotherapie, Injektionen oder in einigen Fällen eine Operation umfassen.
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