Venlafaxin, ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), wird in der neurologischen Praxis zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt. Obwohl diese Anwendung in Deutschland nicht offiziell zugelassen ist (Off-Label-Use), hat sie sich in Studien und der klinischen Praxis als wirksam erwiesen, insbesondere bei postherpetischer Neuralgie und Trigeminusneuralgie. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Venlafaxin bei Nervenschmerzen, seine Wirkungsweise, Dosierung, wichtige Hinweise zur Einnahme, mögliche Nebenwirkungen und wie die Behandlung in der Praxis begleitet wird.
Was sind Nervenschmerzen?
Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch Schädigungen oder Erkrankungen des Nervensystems. Diese Schmerzen können sich durch brennende, stechende oder einschießende Empfindungen äußern und oft chronisch werden. Ein typisches Beispiel ist die postherpetische Neuralgie, die nach einer Gürtelrose auftreten kann, wenn Nervenfasern dauerhaft gereizt oder geschädigt bleiben.
Anwendungsgebiete von Venlafaxin bei Nervenschmerzen
Venlafaxin wird in der neurologischen Praxis zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt, insbesondere bei:
- Postherpetischer Neuralgie: Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose, die durch dauerhaft gereizte oder geschädigte Nervenfasern entstehen.
- Trigeminusneuralgie: In ausgewählten Fällen, wenn klassische Mittel wie Carbamazepin oder Oxcarbazepin nicht ausreichend helfen oder schlecht vertragen werden und wenn gleichzeitig depressive Verstimmung oder innere Unruhe eine Rolle spielen.
- Diabetische Neuropathie: Obwohl Duloxetin hierfür zugelassen ist, kann Venlafaxin eine Alternative darstellen.
- Fibromyalgie: In einigen Fällen kann Venlafaxin zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
Venlafaxin kann helfen, die Schmerzüberempfindlichkeit zu dämpfen und ist besonders geeignet, wenn zusätzlich depressive Verstimmung, Ängste oder Schlafstörungen bestehen - Beschwerden, die häufig mit chronischen Schmerzen einhergehen.
Wie wirkt Venlafaxin bei Nervenschmerzen?
Venlafaxin gehört zur Gruppe der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Es wirkt im zentralen Nervensystem, also im Gehirn und Rückenmark, indem es den Spiegel der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin erhöht. Diese Botenstoffe helfen dem Körper, Schmerzen "von oben nach unten" zu regulieren - sie aktivieren schmerzhemmende Bahnen und verringern die Weiterleitung von Schmerzsignalen. So werden Schmerzimpulse, die nach einer Nervenschädigung überaktiv sind, gedämpft.
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Die Wirkung auf den Schmerz ist unabhängig von der antidepressiven Wirkung: Das bedeutet, Venlafaxin hilft auch dann gegen Nervenschmerzen, wenn keine Depression vorliegt. Venlafaxin stärkt die körpereigene Schmerzkontrolle im Gehirn und Rückenmark. Dadurch werden überaktive Schmerzsignale aus dem Gesicht gedämpft, und die Attacken werden seltener und weniger heftig. Viele Betroffene spüren erste Verbesserungen nach ein bis zwei Wochen, der volle Effekt zeigt sich häufig nach drei bis vier Wochen.
Dosierung und Einnahme von Venlafaxin
Die Behandlung mit Venlafaxin wird in der Regel mit einer niedrigen Dosis begonnen, um den Körper langsam an das Medikament zu gewöhnen.
- Anfangsdosis: Meist startet man mit 37,5 mg einmal täglich (Retardkapsel) oder 25 mg zweimal täglich (Tablettenform).
- Steigerung: Nach etwa einer Woche kann die Dosis auf 75 mg täglich gesteigert werden, wenn das Medikament gut vertragen wird.
- Erhaltungsdosis: In manchen Fällen wird eine Erhaltungsdosis von 75-150 mg pro Tag benötigt, selten bis zu 225 mg täglich.
Venlafaxin sollte immer mit einer Mahlzeit eingenommen werden, da dies Magenbeschwerden vorbeugt. Retardkapseln dürfen nicht geöffnet oder zerkaut werden - sie müssen unversehrt geschluckt werden, da sie den Wirkstoff langsam freisetzen. Die volle Wirkung tritt meist nach zwei bis vier Wochen ein.
Wichtige Hinweise zur Einnahme
- Nehmen Sie das Arzneimittel jeden Tag etwa zur gleichen Zeit morgens und abends ein.
- Das Präparat sollte zu den Mahlzeiten eingenommen werden.
- Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Fragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.
- Die übliche empfohlene Anfangsdosis beträgt 75 mg täglich, auf zwei oder drei Einzeldosen am Tag verteilt. Die Dosis kann von Ihrem Arzt allmählich und, falls erforderlich, bei Depressionen bis auf eine maximale Dosis von 375 mg täglich erhöht werden.
- Wenn bei Ihnen Leber- oder Nierenprobleme bestehen, teilen Sie dies Ihrem Arzt mit, weil eine andere Dosierung von diesem Arzneimittel erforderlich sein kann.
- Brechen Sie die Einnahme dieses Arzneimittels nicht ab, ohne vorher Ihren Arzt zu konsultieren.
Absetzen von Venlafaxin
Wenn Sie das Medikament absetzen möchten, darf dies nicht abrupt, sondern nur schrittweise über mehrere Wochen erfolgen, um Absetzerscheinungen wie Schwindel, Schlafprobleme oder Kribbeln zu vermeiden. Ein plötzliches Absetzen sollte vermieden werden; das Ausschleichen planen wir gemeinsam.
- Brechen Sie Ihre Behandlung nicht ab, oder reduzieren Sie nicht die Dosis, ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt gehalten zu haben, selbst wenn Sie sich besser fühlen.
- Wenn Ihr Arzt der Ansicht ist, dass Sie das Präparat nicht mehr benötigen, wird er Sie möglicherweise anweisen, die Dosis langsam zu reduzieren, bevor die Behandlung ganz beendet wird.
- Ihr Arzt wird Sie anweisen, wie Sie die Behandlung mit Venlafaxin schrittweise beenden sollten. Dies kann mehrere Wochen oder Monate dauern. Bei einigen Patienten muss das Absetzen möglicherweise schrittweise über Monate oder länger erfolgen.
- Wenn Sie eine der aufgeführten oder andere Nebenwirkungen bei sich bemerken, die Sie belasten, fragen Sie Ihren Arzt um weiteren Rat.
Was ist bei der Einnahme von Venlafaxin zu beachten?
Während der Einnahme von Venlafaxin sollte regelmäßig der Blutdruck kontrolliert werden, da das Medikament diesen leicht erhöhen kann - vor allem in höheren Dosierungen. Wenn Sie bereits unter Bluthochdruck leiden, teilen Sie uns dies bitte mit, damit wir Ihre Therapie eng begleiten.
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Vermeiden Sie die gleichzeitige Einnahme anderer serotoninwirksamer Medikamente wie Johanniskraut, Tramadol, Triptane (Migränemittel) oder andere Antidepressiva, da dies zu einer gefährlichen Überstimulation des Serotoninsystems führen kann (sogenanntes Serotonin-Syndrom). Sollten Sie eine Leber- oder Nierenerkrankung haben, informieren Sie uns bitte vor Therapiebeginn - in solchen Fällen passen wir die Dosis individuell an. Alkohol sollte möglichst vermieden werden, da er die Wirkung auf das Nervensystem verstärken und die Aufmerksamkeit beeinträchtigen kann.
Gegenanzeigen
Venlafaxin darf nicht eingenommen werden, wenn Sie:
- allergisch auf Venlafaxin oder einen der sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind
- außerdem Arzneimittel einnehmen oder innerhalb der letzten 14 Tage eingenommen haben, welche als irreversible Monoaminoxidase-Hemmer (MAOI) bekannt sind und zur Behandlung einer Depression oder der Parkinsonschen Erkrankung verwendet werden. Die gleichzeitige Einnahme eines irreversiblen MAOI zusammen mit Venlafaxin kann schwere oder sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen hervorrufen.
- Außerdem müssen Sie nach Beendigung der Einnahme mindestens 7 Tage warten, bevor Sie einen MAOI einnehmen.
In folgenden Fällen sollte die Anwendung des Antidepressivums nur mit Vorsicht erfolgen:
- Suizidgedanken (Venlafaxin steigert den Antrieb, bevor seine antidepressive Wirkung eintritt)
- Epilepsie
- erhöhter Augeninnendruck (Glaukom)
Wechselwirkungen
Es kann zu Wechselwirkungen mit anderen, gleichzeitig angewendeten Medikamenten kommen, so zum Beispiel mit:
- Medikamenten zur Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppressiva wie Tacrolimus, Ciclosporin, Sirolimus)
- Anti-Pilzmitteln (Antimykotika wie lotrimazol, Ketoconazol, Itraconazol)
- verschiedenen Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Clomipramin, Imipramin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Norfluoxetin, Sertralin)
- starken Schmerzmitteln aus der Gruppe der Opiate/Opioide (z.B. Alfentanil, Codein, Fentanyl, Methadon)
- Cholesterinsenkern (Statine wie Atorvastatin, Lovastatin, Simvastatin)
- Mitteln gegen erektile Dysfunktion (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil)
Besonders zu Beginn der Behandlung und auch beim Absetzen von Venlafaxin können das Urteils- und Reaktionsvermögen eingeschränkt sein.
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Altersbeschränkung
Venlafaxin wird nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren empfohlen. Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffes sind in dieser Altersgruppe nicht hinreichend belegt.
Schwangerschaft und Stillzeit
Verschiedene Studien haben keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko bei Anwendung von Venlafaxin erbracht. Die Anwendung kann daher bei stabiler Einstellung in der Schwangerschaft fortgeführt werden. In bisherigen Publikationen zur Anwendung von Venlafaxin in der Stillzeit wurden keine unerwünschten Wirkungen bei den gestillten Kindern beobachtet. Venlafaxin und seine Metaboliten treten jedoch in die Muttermilch über und können beim Säugling zu Schreien, Unruhe und veränderten Schlafverhalten führen. Bei neu aufgetretener Depression in der Schwangerschaft und Stillzeit ist einem der besser untersuchten Wirkstoffe Citalopram und Sertralin der Vorzug zu geben.
Venlafaxin darf bei schwangeren Frauen nur nach strenger Nutzen-Risiko-Bewertung angewendet werden. Ist die Frau stabil auf den Wirkstoff eingestellt, sollte die Therapie fortgesetzt werden. Die Schwangere sollte aber sorgfältig gynäkologisch und psychiatrisch begleitet werden. Venlafaxin und sein aktiver Metabolit O-Desmethyl-Venlafaxin gehen in die Muttermilch über. Jedoch sei Stillen bei Monotherapie und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Die meisten Patienten vertragen Venlafaxin gut, insbesondere wenn die Dosis langsam gesteigert wird. Zu Beginn können Übelkeit, Schwindel, Schlaflosigkeit oder Müdigkeit, vermehrtes Schwitzen oder Mundtrockenheit auftreten. Diese Beschwerden sind meist mild und klingen oft nach einigen Tagen bis Wochen ab.
Gelegentlich kommt es zu einem Anstieg des Blutdrucks, leichtem Herzklopfen oder Kopfschmerzen. Wenn Sie eine solche Veränderung bemerken, informieren Sie uns bitte bei Ihrem nächsten Termin.
Selten treten Verwirrtheit, Zittern, Fieber oder Muskelzuckungen auf - dies kann auf ein Serotonin-Syndrom hinweisen und muss sofort ärztlich abgeklärt werden. Wie bei allen Antidepressiva besteht ein geringes Risiko, dass sich in den ersten Wochen verstärkte Grübelneigung oder Suizidgedanken entwickeln können. Bitte sprechen Sie uns umgehend an, wenn Sie sich psychisch belastet fühlen.
Mögliche Nebenwirkungen im Detail
Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Wenn eine der folgenden Nebenwirkungen bei Ihnen auftritt, brechen Sie die Einnahme von Venlafaxin ab.## Sprechen Sie unverzüglich mit Ihrem Arzt oder suchen Sie die Notfallambulanz des nächstgelegenen Krankenhauses auf.
- Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen): Anschwellen des Gesichts, des Mundes, der Zunge, des Rachens, der Hände oder Füße und/oder gesteigerter juckender Hautausschlag (Nesselsucht), Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atmen
- Selten (kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen):
- Engegefühl in der Brust, pfeifendes Atmen, Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atmen
- starker Hautausschlag, Jucken oder Nesselsucht (erhabene rote oder blasse Hautflecken, die oft jucken)
- Zeichen und Symptome eines Serotonin-Syndroms, die Unruhe, Halluzinationen, Verlust der Koordination, schneller Herzschlag, erhöhte Körpertemperatur, schnelle Veränderungen des Blutdrucks, überaktive Reflexe, Durchfall, Koma, Übelkeit und Erbrechen umfassen können. In seiner schwersten Form kann ein Serotonin-Syndrom einem malignem Neuroleptika-Syndrom (MNS) ähneln. Anzeichen und Symptome des MNS können eine Kombination sein aus Fieber, beschleunigtem Herzschlag, Schwitzen, schwerer Muskelsteifheit, Verwirrtheit und erhöhten Muskelenzymen (nachgewiesen durch eine Blutuntersuchung).
- Anzeichen einer Infektion wie erhöhte Temperatur, Schüttelfrost, Zittern, Kopfschmerzen, Schwitzen, grippeähnliche Beschwerden. Dies kann durch eine Erkrankung des Blutes, die das Risiko einer Infektion erhöht, verursacht werden.
- Starker Ausschlag, der in starke Blasenbildung und Hautabschälung übergehen kann.
- Unerklärliche Muskelschmerzen, -empfindlichkeit oder -schwäche. Dies können Anzeichen für Rhabdomyolyse sein.
- Nicht bekannt (die Häufigkeit kann aus den verfügbaren Daten nicht geschätzt werden): Anzeichen und Symptome einer Erkrankung namens "Stresskardiomyopathie", die Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel, Ohnmacht und unregelmäßigen Herzschlag umfassen kann.
Andere Nebenwirkungen, die Sie Ihrem Arzt mitteilen sollten, umfassen (die Häufigkeit dieser Nebenwirkungen ist in der Liste „Andere Nebenwirkungen, die auftreten können", angegeben):
- Husten, Keuchen, Kurzatmigkeit was auch durch eine hohe Temperatur begleitet sein kann
- schwarzer Stuhl (Teerstuhl) oder Blut im Stuhl
- Juckreiz, gelbe Haut oder Augen oder dunkler Urin, die Symptome einer Entzündung der Leber (Hepatitis) sein können
- Beschwerden des Herzens, wie beschleunigte oder unregelmäßige Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck
- Beschwerden der Augen, wie verschwommenes Sehen, geweitete Pupillen
- Beschwerden des Nervensystems, wie Schwindelgefühl, Kribbeln (Ameisenlaufen), Bewegungsstörungen (Muskelkrämpfe oder Steifheit), Krämpfe oder Anfälle
- psychiatrische Beschwerden, wie Hyperaktivität und Euphorie (Gefühl, ungewöhnlich übererregt zu sein)
- Entzugserscheinungen
- verlängerte Blutungsdauer - wenn Sie sich schneiden oder verletzen, kann es etwas länger als normal dauern, bis die Blutung gestillt ist.
Andere Nebenwirkungen, die auftreten können:
- Sehr häufig (kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen): Schwindelgefühl, Kopfschmerz, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen (einschließlich Nachtschweiß)
- Häufig (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen): verminderter Appetit, Verwirrtheit, Gefühl, von sich selbst abgetrennt (oder abgehoben) zu sein; ausbleibender Orgasmus, verminderter Geschlechtstrieb, Erregtheit, Nervosität, ungewöhnliche Trauminhalte, Zittern, Gefühl der Ruhelosigkeit oder Unfähigkeit, stillzusitzen oder stillzustehen, Kribbeln (Ameisenlaufen), Geschmacksveränderungen; erhöhte Muskelspannung, Sehstörungen einschließlich verschwommenem Sehen, erweiterten Pupillen, Unfähigkeit des Auges automatisch zwischen Objekten in der Ferne und der Nähe scharf zu stellen, Ohrgeräusche (Tinnitus), Herzklopfen, Herzrasen, Blutdruckanstieg, Hitzewallung, Atemnot, Gähnen, Erbrechen, Durchfall, milder Hautausschlag, Juckreiz, erhöhte Häufigkeit des Wasserlassens, Harnverhalt, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Unregelmäßigkeiten bei der Menstruation, z. B. verstärkte Blutung oder verstärkt unregelmäßige Blutung, Ejakulations- und Orgasmusstörungen (beim Mann), erektile Dysfunktion (Impotenz), Erschöpfung (Asthenie), Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Gewichtszunahme, Gewichtsabnahme, erhöhter Cholesterinspiegel
- Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen): Überaktivität; Gedankenrasen und herabgesetztes Schlafbedürfnis (Manie), Trugwahrnehmungen - Gefühl, von der Wirklichkeit abgetrennt (oder abgehoben) zu sein, Orgasmusstörungen, Verringerung von Gefühlen/Emotionen, Gefühl, übererregt oder euphorisch zu sein, Zähneknirschen, Ohnmachtsanfälle, unwillkürliche Bewegungen der Muskeln, Einschränkung der Koordination und des Gleichgewichts, Schwindelgefühl (vor allem bei zu schnellem Aufstehen), niedriger Blutdruck, Erbrechen von Blut, schwarzer, teerartiger Stuhl (Fäzes) oder Blut im Stuhl, was ein Anzeichen einer inneren Blutung sein kann, Überempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht, Hautblutungen (blaue Flecken), ungewöhnlicher Haarausfall, Unfähigkeit, die Harnentleerung zu kontrollieren (Harninkontinenz), Steifigkeit, Verkrampfungen und unwillkürliche Bewegungen der Muskeln, leichte Veränderungen der Leberenzymwerte im Blut
- Selten (kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen): Krampfanfälle, Husten, Keuchen, Kurzatmigkeit was auch durch eine hohe Temperatur begleitet sein kann, Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit, oft von Trugwahrnehmungen begleitet (Delirium), übermäßige Wassereinlagerung (bekannt als SIADH), Verringerung der Natriumkonzentration im Blut, starke Augenschmerzen und verschlechtertes oder verschwommenes Sehen, abnormer, schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, was zur Ohnmacht führen kannstarke Bauch- oder Rückenschmerzen (was auf ernste Darm-, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenbeschwerden hinweisen könnte), Juckreiz, Gelbfärbung der Haut oder der Augen, dunkel gefärbter Urin oder grippeähnliche Symptome, die Symptome einer Entzündung der Leber (Hepatitis) sind
- Sehr selten (kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen): verlängerte Blutungszeit, was ein Anzeichen für eine verringerte Anzahl der Plättchen in Ihrem Blut sein kann, was zu einem erhöhten Risiko führt, blaue Flecken zu entwickeln oder zu bluten, abnorme Milchbildung, unerklärliche Blutungen, z. B. Zahnfleischbluten, Blut im Urin oder in Erbrochenem oder das Auftreten unerklärlicher blauer Flecken oder verletzter Blutgefäße (geplatzte Äderchen)
- Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar): suizidale Gedanken und suizidales Verhalten: Es wurden Fälle berichtet, bei denen es während der Venlafaxin-Therapie oder direkt nach Behandlungsende zu suizidalen Gedanken und suizidalem Verhalten gekommen ist, Aggression, Schwindelstarke vaginale Blutungen kurz nach der Geburt (post-partale Hämorrhagie)
Venlafaxin verursacht manchmal Nebenwirkungen, die Sie möglicherweise nicht erkennen, wie z. B. einen Blutdruckanstieg oder Störungen der Herzfrequenz, leichte Veränderungen der Werte der Leberenzyme, des Natrium- oder Cholesterinspiegels im Blut. Seltener kann Venlafaxin die Funktion Ihrer Blutplättchen verringern und zu einem erhöhten Risiko für Hautblutungen (blaue Flecken) und Blutungen führen. Daher möchte Ihr Arzt eventuell bei Ihnen gelegentlich Blutuntersuchungen durchführen, vor allem, wenn Sie Venlafaxin eine längere Zeit einnehmen.
Wann sollte ich sofort ärztliche Hilfe aufsuchen?
Suchen Sie bitte umgehend ärztliche Hilfe auf, wenn Sie:
- Fieber, Muskelzuckungen, Unruhe oder Verwirrtheit bemerken (mögliche Zeichen eines Serotonin-Syndroms)
- plötzlich starke Kopfschmerzen, Nasenbluten oder Herzklopfen entwickeln (möglicher Bluthochdruckanstieg)
- Ohnmacht, Herzstolpern oder Brustschmerzen spüren (Hinweis auf Herzrhythmusstörungen)
- Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunklen Urin oder Schmerzen im Oberbauch entwickeln (Hinweis auf Leberbeteiligung)
- oder sich ungewöhnlich ängstlich, depressiv oder verzweifelt fühlen.
Solche Situationen sind selten, sollten aber nicht abgewartet werden. Sie können sich jederzeit an unsere Praxis oder an den ärztlichen Notdienst wenden.
Wie begleiten wir Ihre Behandlung in unserer Praxis?
In unserer neurologischen Facharztpraxis achten wir darauf, die Therapie individuell abzustimmen - abhängig von Ihrer Schmerzintensität, Stimmungslage, Begleiterkrankungen und bisherigen Medikamenten. Vor Beginn prüfen wir mögliche Wechselwirkungen, insbesondere mit anderen Antidepressiva, Schmerzmitteln oder Blutverdünnern. Während der Behandlung führen wir regelmäßige Verlaufskontrollen durch - dabei messen wir den Blutdruck, besprechen Ihre Schmerzveränderung und achten auf mögliche Nebenwirkungen.
Wenn nötig, kombinieren wir Venlafaxin mit anderen schmerzlindernden Verfahren, etwa Gabapentin, Pregabalin oder einer lokalen Schmerztherapie. Ziel ist immer, Ihre Lebensqualität zu verbessern, Schlaf und Stimmung zu stabilisieren und chronischen Schmerz zu verhindern.
Zu Beginn und im Verlauf kontrollieren wir regelmäßig den Blutdruck. Bei älteren Patientinnen und Patienten achten wir zusätzlich auf die Blutsalze, insbesondere Natrium. Wir besprechen häufig, wie sich Ihre Schmerzattacken, Ihr Schlaf und Ihr Alltag entwickeln, und passen die Dosis entsprechend an. Wenn Sie Venlafaxin beenden möchten, legen wir einen schrittweisen Reduktionsplan fest.
Wie lange dauert die Behandlung?
Die Behandlung wird individuell festgelegt. Bei postherpetischer Neuralgie dauert sie meist mehrere Wochen bis Monate, da Nervenschmerzen oft langsam nachlassen. Wenn sich Ihr Zustand stabilisiert hat, besprechen wir gemeinsam, wann und wie das Medikament schrittweise reduziert werden kann. Ein zu rasches Absetzen sollte vermieden werden, da sonst Absetzerscheinungen wie Schwindel, Kribbeln oder Schlafstörungen auftreten können. Unser Ziel ist immer, die Therapie so kurz wie nötig, aber so lange wie sinnvoll fortzusetzen.
Was passiert, wenn Venlafaxin nicht ausreichend hilft?
In manchen Fällen kann eine weitere Dosissteigerung sinnvoll sein. Zeigt sich dennoch keine zufriedenstellende Wirkung oder sind Nebenwirkungen störend, wechseln wir auf eine andere Therapie, zum Beispiel auf Duloxetin, Pregabalin, Gabapentin oder Amitriptylin. Manchmal ist auch eine Kombination unterschiedlich wirkender Medikamente hilfreich; dies entscheiden wir individuell.
Absetzerscheinungen von Venlafaxin
Bei einer Dosisreduktion und vor allem beim plötzlichen Absetzen von Antidepressiva kann es zu schweren Absetzreaktionen kommen. Dazu gehören Schwindelgefühl, Parästhesien, Schlafstörungen, Erregtheit oder Angst, Übelkeit und Erbrechen, Zittern, Kopfschmerzen, Blutdruckanstieg, aber auch Aggressionen, Suizid und suizidale Gedanken.
Absetzsymptome sind bei Psychopharmaka gut bekannt. Neben den beispielsweise bei Benzodiazepinen relevanten Entzugssymptomen sind auch bei selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) spezifische Absetzsyndrome beobachtet worden.
Symptome von Venlafaxin-Absetzerscheinungen
Es ist bekannt, dass Nebenwirkungen auftreten, wenn Patienten die Einnahme von diesem Arzneimittel beenden, vor allem, wenn es plötzlich abgesetzt oder die Dosis zu schnell reduziert wird. Bei einigen Patienten kann es zu Beschwerden wie Selbstmordgedanken, Aggressivität, Müdigkeit, Schwindelgefühl, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Albträumen, Mundtrockenheit, vermindertem Appetit, Übelkeit, Durchfall, Nervosität, Unruhe, Verwirrtheit, Ohrgeräuschen, Kribbeln oder selten auch zu stromschlagähnlichen Empfindungen, Schwächegefühl, Schwitzen, Krampfanfällen oder grippeähnlichen Symptomen, Probleme mit dem Sehvermögen und einem Anstieg des Blutdrucks (welcher Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Schwitzen usw. verursachen kann) kommen.
Stromschlagähnliche Symptome nach Absetzen von SSRI
Stromschlagähnliche Symptome nach Absetzen von SSRI sind bislang als Einzelfallberichte beschrieben worden. In der Literatur wurden solche Symptome als stromstoß- oder blitzartige Missempfindungen beschrieben, die oft am Kopf oder Nacken beginnen, anschließend in die Extremitäten ausstrahlen beziehungsweise den ganzen Körper betreffen („brain zaps“) und von den Patienten als sehr quälend erlebt werden.
Ursachen für Absetzphänomene
Die Ursachen für Absetzphänomene unter den genannten Substanzen sind letztlich unklar. Es wird vermutet, dass generell zentralnervöse Adaptierungsstörungen mit einer Desensibilisierung postsynaptischer serotonerger und noradrenerger Rezeptoren und möglicherweise anschließenden hyposerotonergen beziehungsweise hyponoradrenergen Symptomen auftreten. Bei stromschlagähnlichen Missempfindungen scheint Serotonin eine hohe Relevanz in der Koordination sensorischer und autonomer Funktionen mit der motorischen Aktivität zu besitzen und eine Reduktion oder das Absetzen serotonerger Substanzen offenbar eine deutliche Veränderung neuronaler Aktivitäten im ZNS hervorzurufen.
Umgang mit Absetzerscheinungen
Die Notwendigkeit einer möglichst langsamen Reduktion bei einem geplanten Absetzen von SSRI oder SNRI sollte beachtet werden.
Alternativen zu Venlafaxin
Wenn Venlafaxin nicht ausreichend wirksam ist oder unerwünschte Nebenwirkungen verursacht, gibt es verschiedene alternative Behandlungsmöglichkeiten für Nervenschmerzen:
- Trizyklische Antidepressiva (TZA): Amitriptylin, Imipramin und Clomipramin sind gut untersucht und können eine wirksame Alternative sein.
- Antikonvulsiva: Gabapentin und Pregabalin sind Ca-Kanal-Blocker, die häufig bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden.
- Andere SNRI: Duloxetin und Milnacipran sind weitere Optionen, die in der Schmerztherapie eingesetzt werden können.
- Lokale Schmerztherapie: Cremes oder Pflaster mit Lokalanästhetika können bei bestimmten Arten von Nervenschmerzen hilfreich sein.
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