Venlafaxin: Wirkung, Dosierung und Anwendung

Venlafaxin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), das zur Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen eingesetzt wird. Es beeinflusst die Konzentration bestimmter Botenstoffe im Gehirn und kann so stimmungsaufhellend und angstlösend wirken.

Was ist Venlafaxin?

Venlafaxin ist ein Arzneistoff, der zur Behandlung von Depressionen und Angststörungen eingesetzt wird. Es gehört zur Klasse der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Diese Medikamente wirken, indem sie die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin im Gehirn hemmen. Serotonin und Noradrenalin sind Neurotransmitter, die eine wichtige Rolle bei der Stimmungsregulation spielen.

Wirkmechanismus

Venlafaxin und sein aktiver Metabolit O-Desmethylvenlafaxin (ODV) hemmen die neuronale Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin. Zudem hemmt Venlafaxin schwach die Dopamin-Wiederaufnahme. Durch die Blockierung der Wiederaufnahme dieser Stoffe verbleiben sie länger im synaptischen Spalt, was ihre Konzentration erhöht und potenziell zu einer Stimmungsaufhellung und Angstlösung führen kann.

Unterschiede zu SSRI

Venlafaxin unterscheidet sich von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) wie Fluoxetin oder Citalopram. Während SSRI hauptsächlich die Serotonin-Wiederaufnahme hemmen, beeinflusst Venlafaxin zusätzlich die Wiederaufnahme von Noradrenalin. Die Wiederaufnahme von Dopamin wird allerdings nur gehemmt, wenn Venlafaxin in einer höheren Dosierung eingenommen wird.

Anwendungsgebiete von Venlafaxin

Venlafaxin ist für mehrere Indikationen zugelassen. Venlafaxin ist vor allem für Menschen geeignet, deren Depression von Angstzuständen begleitet wird, denn der Wirkstoff wird auch zur Behandlung von Panikattacken und anderen Angstzuständen eingesetzt. Zu den Hauptanwendungsgebieten gehören:

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  • Depressive Störungen (Episoden der Major Depression): Behandlung und Rezidivprophylaxe von Depressionen.
  • Generalisierte Angststörung: Behandlung von übermäßiger Sorge und Anspannung.
  • Soziale Angststörung (soziale Phobie): Behandlung von Ängsten in sozialen Situationen.
  • Panikstörung: Behandlung von Panikattacken mit oder ohne Agoraphobie.

Es gibt auch Hinweise auf eine Wirksamkeit bei posttraumatischer Belastungsstörung, bei Depressionen im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung, bei chronischen Schmerzen, bei klimakterischen Beschwerden, bei prämenstruell-dysphorischem Syndrom und als Migräneprophylaxe.

Dosierung und Einnahme von Venlafaxin

Die Dosierung von Venlafaxin muss individuell angepasst werden. Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Fragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Anfangsdosis und Steigerung

Die übliche empfohlene Anfangsdosis zur Behandlung der Depression, der generalisierten Angststörung und der sozialen Angststörung beträgt 75 mg täglich. Die Dosis kann von Ihrem Arzt allmählich und, falls erforderlich, bei Depression bis auf eine maximale Dosis von 375 mg täglich erhöht werden. Wenn Sie wegen einer Panikstörung behandelt werden, wird Ihr Arzt mit einer niedrigeren Dosis (37,5 mg) beginnen und danach die Dosis schrittweise erhöhen. Die maximale Dosis beträgt bei generalisierter Angststörung, sozialer Angststörung und Panikstörung 225 mg täglich.

Die Anfangsdosis von 75 mg/Tag, verteilt auf zwei bis drei Einzeldosen, kann alle zwei Wochen gesteigert werden. Die Anfangsdosis von 75 mg/Tag einmal täglich kann alle zwei Wochen gesteigert werden. Die Anfangsdosis von 75 mg/Tag einmal täglich sollte nicht gesteigert werden, da es keine Belege dafür gibt, dass höhere Dosen bei einer sozialen Angststörung von zusätzlichem Nutzen für den Patienten sind. Lediglich Patienten, die auf die Initialdosis nicht ansprechen, dürfen diese auf bis zu 225 mg pro Tag erhöhen. Sieben Tage lang sollten Patienten täglich 37,5 mg retardiertes Venlafaxin einnehmen.

Einnahmehinweise

Venlafaxin wird einmal täglich möglichst zur selben Zeit zu einer Mahlzeit eingenommen. Retardformen werden einmal täglich eingenommen, ansonsten wird die Tagesdosis auf zwei bis drei Gaben aufgeteilt.

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Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie eine Tablette in Ihrem Stuhl sehen, nachdem Sie Venlafaxin eingenommen haben. Während die Tablette Ihren Magen-Darm-Trakt durchquert wird Venlafaxin langsam freigesetzt. Die Form der Tablette bleibt unaufgelöst zurück und wird mit Ihrem Stuhl ausgeschieden. Daher haben Sie Ihre richtige Venlafaxin-Dosis aufgenommen, selbst wenn Sie eine Tablette in Ihrem Stuhl sehen sollten.

Therapiedauer

Eine Therapie mit Antidepressiva sollte über mindestens sechs Monate erfolgen, auch wenn die Remission bereits eingesetzt hat. In der Rezidivprophylaxe wird die wirksame Dosis meist beibehalten und die Therapie mindestens sechs Monate lang (nach der Remission) fortgeführt.

Dosierungsempfehlungen

  • Depression: Start mit 75 mg Venlafaxin täglich, Steigerung bis zu 375 mg täglich möglich.
  • Angststörungen: Ausgehend von der 75-mg-Anfangsdosis kann bis auf 225 mg gesteigert werden.
  • Panikstörungen: Start meist mit der halben Dosis, Steigerung bis 225 mg möglich.

Besondere Patientengruppen

Wenn bei Ihnen Leber- oder Nierenprobleme bestehen, teilen Sie dies Ihrem Arzt mit, weil eine andere Dosierung von diesem Arzneimittel erforderlich sein kann.

Genetische Unterschiede im Cytochromsystem (poor metabolizer, PM; extensive metabolizer, EM; ultrarapid metabolizer, UM) können Dosisanpassungen erforderlich machen und das Verhältnis der Muttersubstanz Venlafaxin zum aktiven Metaboliten ODV verändern. Die Messung von Plasmakonzentrationen der sogenannten aktiven Fraktion, active moiety (Summe aus Venlafaxin + ODV), hat sich als sinnvoll erwiesen. Ein therap. Referenzbereich für die aktive Fraktion zwischen 100 und 400 ng/ml gilt als gut etabliert.

Was ist zu tun, wenn Sie eine größere Menge eingenommen haben, als Sie sollten?

Konsultieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie eine größere Menge dieses Arzneimittels eingenommen haben als von Ihrem Arzt verschrieben.

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Eine Überdosierung kann lebensbedrohlich sein, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol und/oder bestimmten Arzneimitteln.

Die Symptome einer eventuellen Überdosierung können einen raschen Herzschlag, Änderungen des Wachheitsgrades (von Schläfrigkeit bis Koma reichend), verschwommenes Sehen, Krämpfe oder Anfälle und Erbrechen einschließen.

Was ist zu tun, wenn Sie die Einnahme vergessen haben?

Wenn Sie eine Dosis versäumt haben, nehmen Sie diese ein, sobald Ihnen dies auffällt. Wenn es aber Zeit ist, Ihre nächste Dosis einzunehmen, überspringen Sie die versäumte Dosis und nehmen nur eine einzelne Dosis wie üblich ein. Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, wenn Sie die vorherige Einnahme vergessen haben. Nehmen Sie nicht mehr als die Ihnen verschriebene Tagesdosis von Venlafaxin ein.

Nebenwirkungen von Venlafaxin

Wie bei allen Arzneimitteln kann es auch nach Einnahme von Venlafaxin zu unerwünschten Wirkungen kommen, auch wenn der Wirkstoff verglichen mit älteren Antidepressiva besser verträglich ist.

Häufige Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Venlafaxin gehören:

  • Schwindelgefühl
  • Kopfschmerzen
  • Schläfrigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Übelkeit
  • Mundtrockenheit
  • Verstopfung
  • Schwitzen (einschließlich Nachtschweiß)
  • Verminderter Appetit
  • Nervosität
  • Ungewöhnliche Trauminhalte
  • Zittern
  • Sehstörungen (einschließlich verschwommenem Sehen)
  • Erweiterte Pupillen
  • Herzklopfen
  • Herzrasen
  • Blutdruckanstieg
  • Hitzewallungen
  • Atemnot
  • Gähnen
  • Durchfall
  • Milder Hautausschlag
  • Juckreiz
  • Erhöhte Häufigkeit des Wasserlassens
  • Harnverhalt
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • Unregelmäßigkeiten bei der Menstruation
  • Ejakulations- und Orgasmusstörungen (beim Mann)
  • Erektile Dysfunktion (Impotenz)
  • Erschöpfung (Asthenie)
  • Abgeschlagenheit
  • Schüttelfrost
  • Gewichtszunahme, Gewichtsabnahme
  • Erhöhter Cholesterinspiegel

Gelegentliche Nebenwirkungen

  • Überaktivität
  • Gedankenrasen und herabgesetztes Schlafbedürfnis (Manie)
  • Trugwahrnehmungen
  • Gefühl, von der Wirklichkeit abgetrennt (oder abgehoben) zu sein
  • Orgasmusstörungen
  • Verringerung von Gefühlen/Emotionen
  • Gefühl, übererregt oder euphorisch zu sein
  • Zähneknirschen
  • Ohnmachtsanfälle
  • Unwillkürliche Bewegungen der Muskeln
  • Einschränkung der Koordination und des Gleichgewichts
  • Schwindelgefühl (vor allem beim zu schnellem Aufstehen)
  • Niedriger Blutdruck
  • Erbrechen von Blut
  • Schwarzer, teerartiger Stuhl (Fäzes) oder Blut im Stuhl, was ein Anzeichen einer inneren Blutung sein kann
  • Überempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht
  • Hautblutungen (blaue Flecken)
  • Ungewöhnlicher Haarausfall
  • Unfähigkeit, die Harnentleerung zu kontrollieren (Harninkontinenz)
  • Steifigkeit, Verkrampfungen und unwillkürliche Bewegungen der Muskeln
  • Leichte Veränderungen der Leberenzymwerte im Blut

Seltene Nebenwirkungen

  • Krampfanfälle
  • Husten, Keuchen, Kurzatmigkeit, was auch durch eine hohe Temperatur begleitet sein kann
  • Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit, oft von Trugwahrnehmungen begleitet (Delirium)
  • Übermäßige Wassereinlagerung (bekannt als SIADH)
  • Verringerung der Natriumkonzentration im Blut
  • Starke Augenschmerzen und verschlechtertes oder verschwommenes Sehen
  • Abnormer, schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, was zur Ohnmacht führen kann
  • Starke Bauch- oder Rückenschmerzen (was auf ernste Darm-, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenbeschwerden hinweisen könnte)
  • Juckreiz, Gelbfärbung der Haut oder der Augen, dunkel gefärbter Urin oder grippeähnliche Symptome, die Symptome einer Entzündung der Leber (Hepatitis) sind

Sehr seltene Nebenwirkungen

  • Verlängerte Blutungszeit, was ein Anzeichen für eine verringerte Anzahl der Plättchen in Ihrem Blut sein kann, was zu einem erhöhten Risiko führt, blaue Flecken zu entwickeln oder zu bluten
  • Abnorme Milchbildung
  • Unerklärliche Blutungen, z. B. Zahnfleischbluten, Blut im Urin oder in Erbrochenem oder das Auftreten unerklärlicher blauer Flecken oder verletzter Blutgefäße (geplatzte Äderchen)

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit

  • Suizidale Gedanken und suizidales Verhalten
  • Aggression
  • Schwindelschwere vaginale Blutungen kurz nach der Geburt (postpartale Hämorrhagie), siehe weitere Informationen unter Kategorie „Schwangerschaftshinweise"

Wichtiger Hinweis

Wenn eine der folgenden Nebenwirkungen bei Ihnen auftritt, brechen Sie die Einnahme von Venlafaxin ab. Sprechen Sie unverzüglich mit Ihrem Arzt bzw. suchen Sie die Notfallambulanz des nächstgelegenen Krankenhauses auf:

  • Anschwellen des Gesichts, des Mundes, der Zunge, des Rachens, der Hände oder Füße und/oder gesteigerter juckender Hautausschlag (Nesselsucht), Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atmen.
  • Engegefühl in der Brust, pfeifendes Atmen, Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atmen, starker Hautausschlag, Jucken oder Nesselsucht (erhabene rote oder blasse Hautflecken, die oft jucken).
  • Zeichen und Symptome eines Serotonin-Syndroms, die Unruhe, Halluzinationen, Verlust der Koordination, schnellen Herzschlag, erhöhte Körpertemperatur, schnelle Veränderungen des Blutdrucks, überaktive Reflexe, Durchfall, Koma, Übelkeit und Erbrechen umfassen können. In seiner schwersten Form, kann ein Serotonin-Syndrom einem malignen neuroleptischen Syndrom (MNS) ähneln. Anzeichen und Symptome des MNS können eine Kombination sein aus Fieber, beschleunigtem Herzschlag, Schwitzen, schwerer Muskelsteifheit, Verwirrtheit und erhöhten Muskelenzymen (nachgewiesen durch eine Blutuntersuchung).
  • Anzeichen einer Infektion wie erhöhte Temperatur, Schüttelfrost, Zittern, Kopfschmerzen, Schwitzen, grippeähnliche Beschwerden. Dies kann durch eine Erkrankung des Blutes, die das Risiko einer Infektion erhöht, verursacht werden.
  • Starker Ausschlag, der in starke Blasenbildung und Hautabschälung übergehen kann.
  • Unerklärliche Muskelschmerzen, -empfindlichkeit oder -schwäche. Dies können Anzeichen für Rhabdomyolyse sein.
  • Anzeichen und Symptome einer Stress-Kardiomyopathie, die Brustschmerzen, Kurzatmigkeit, Schwindelgefühl, Ohnmachtsanfälle und unregelmäßigen Herzschlag umfassen können.

Suizidalität

Ähnlich wie bei anderen Antidepressiva kann auch bei der Einnahme von Venlafaxin die Selbstmordgefahr in den ersten Wochen der Therapie erhöht sein. Auch nach einer Veränderung der Dosierung kann das Suizidrisiko ansteigen. Patienten sollten sich selbst gerade während dieser Zeit streng beobachten, aber auch von Freunden, Verwandten sowie dem behandelnden Arzt überwacht werden. Das höchste Risiko für einen Selbstmord ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 30 Jahren zu beobachten.

Auswirkungen auf Knochen

In aktuellen Studien wurde darüber hinaus nachgewiesen, dass durch eine Langzeiteinnahme von bestimmten Wirkstoffen aus der Gruppe der SSRI oder SNRI die Arbeit der knochenab- und aufbauenden Zellen behindert werden kann. Dies kann vermehrt zu Knochenbrüchen sowie einem erhöhten Osteoporose-Risiko führen. Für welche Wirkstoffe diese Nebenwirkung im Einzelnen gelten, ist aber noch unklar.

Überwachung durch den Arzt

Venlafaxin verursacht manchmal Nebenwirkungen, die Sie möglicherweise nicht erkennen, wie z. B. ein Blutdruckanstieg oder Störungen der Herzfrequenz, leichte Veränderungen der Werte der Leberenzyme, des Natrium- oder Cholesterinspiegels im Blut. Seltener kann Venlafaxin die Funktion Ihrer Blutplättchen verringern und zu einem erhöhten Risiko für Hautblutungen (blaue Flecken) und Blutungen führen. Daher möchte Ihr Arzt bei Ihnen eventuell gelegentlich Blutuntersuchungen durchführen, vor allem, wenn Sie das Arzneimittel eine längere Zeit einnehmen.

Was tun bei Nebenwirkungen?

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht angegeben sind.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Venlafaxin darf nicht eingenommen werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff vorliegt. Ebenfalls darf der Wirkstoff nicht gemeinsam mit Monoaminooxidase-Hemmern (MAO-Hemmern) angewendet werden, die ebenfalls eine antidepressive Wirkung haben. Wird von einem Antidepressivum auf das andere umgestellt, sollte dazwischen eine mindestens zweiwöchige medikamentenfreie Phase liegen.

Gegenanzeigen

Venlafaxin darf nicht eingenommen werden,wenn Sie allergisch gegen Venlafaxin oder einen der sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind.wenn Sie außerdem Arzneimittel einnehmen oder innerhalb der letzten 14 Tage eingenommen haben, welche als irreversible Monoaminoxidase-Hemmer (MAOI) bekannt sind und zur Behandlung einer Depression oder der Parkinsonschen Erkrankung verwendet werden. Die gleichzeitige Einnahme eines irreversiblen MAOI zusammen mit Venlafaxin kann schwere oder sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen hervorrufen. Außerdem müssen Sie nach Beendigung der Einnahme von Venlafaxin mindestens 7 Tage warten, bevor Sie einen MAOI einnehmen.

Wechselwirkungen

Venlafaxin hat ein vergleichsweise hohes Potenzial für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, da es von CYP2D6 verstoffwechselt wird.

Außerdem darf Venlafaxin nicht gemeinsam mit anderen Substanzen, die ebenfalls eine serotonerge Wirkung haben, eingenommen werden. Dazu zählen unter anderem alle SSRI-Wirkstoffe, aber auch Lithium, Johanniskraut sowie Triptane.

Venlafaxin und irreversible MAO-Inhibitoren (MAOI) wie Tranylcypromin dürfen nie kombiniert werden, da ein potenziell lebensbedrohliches Serotonin-Syndrom mit Symptomen wie Agitation, Tremor und Hyperthermie droht. Venlafaxin darf frühestens 14 Tage nach Absetzen von Tranylcypromin angesetzt werden. Bei umgekehrter Abfolge müssen sieben Tage Abstand eingehalten werden. Kombinationen mit reversiblen MAO-Hemmern wie Moclobemid oder auch Linezolid sind zu vermeiden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Venlafaxin einnehmen.wenn Sie andere Arzneimittel anwenden, welche bei gleichzeitiger Einnahme mit Venlafaxin das Risiko erhöhen könnten, ein Serotonin-Syndrom zu entwickeln,wenn Sie an Schluckbeschwerden oder Störungen im Magen- oder Darmbereich leiden, so dass Ihre Fähigkeit, zu schlucken oder Nahrung durch no…

CYP3A4-Inhibitoren

CYP3A4 ist geringfügig an der Elimination von Desvenlafaxin beteiligt.

Alkohol

Wie bei jeder Therapie mit ZNS-aktiven Substanzen sollten Patienten tunlichst keinen Alkohol trinken.

Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Dieses Arzneimittel kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Achtung im Straßenverkehr oder beim Bedienen von Maschinen. Wie alle psychoaktiven Substanzen kann auch Venlafaxin das Urteils- und Denkvermögen sowie die motorischen Fähigkeiten beeinträchtigen. Dies kann die Fähigkeit zum Autofahren oder Maschinenbedienen beeinträchtigen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wenden Sie sich an Ihren Frauenarzt, ob und wie das Arzneimittel in der Schwangerschaft angewendet werden kann.

Während der Schwangerschaft sollte Venlafaxin nur in besonders dringenden Fällen verwendet und mit einem Arzt explizit abgesprochen werden. Denn der Wirkstoff kann zu einem erhöhten Blutdruck, Atemschwierigkeiten oder Erbrechen beim Neugeborenen führen. Auch während der Stillzeit sollte auf Venlafaxin verzichtet werden, da der Wirkstoff auch in die Muttermilch übergeht.

Venlafaxin darf bei schwangeren Frauen nur nach strenger Nutzen-Risiko-Bewertung angewendet werden. Ist die Frau stabil auf den Wirkstoff eingestellt, sollte die Therapie fortgesetzt werden, rät Embryotox, das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité in Berlin. Die Schwangere sollte aber sorgfältig gynäkologisch und psychiatrisch begleitet werden.

Venlafaxin und sein aktiver Metabolit O-Desmethyl-Venlafaxin gehen in die Muttermilch über. Jedoch sei Stillen bei Monotherapie und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel, schreiben die Experten.

Postpartale Hämorrhagie

Schwindelschwere vaginale Blutungen kurz nach der Geburt (postpartale Hämorrhagie)

Absetzen von Venlafaxin

Brechen Sie die Einnahme dieses Arzneimittels nicht ab, ohne vorher Ihren Arzt zu konsultieren.

Ausschleichen

Wenn Ihr Arzt der Ansicht ist, dass Sie Venlafaxin nicht mehr benötigen, wird er/sie Sie möglicherweise anweisen, die Dosis langsam zu reduzieren, bevor die Behandlung ganz beendet wird. Es ist bekannt, dass Nebenwirkungen auftreten, wenn Patienten die Einnahme dieses Arzneimittels beenden, vor allem, wenn es plötzlich abgesetzt oder die Dosis zu schnell reduziert wird.

Ihr Arzt wird Sie anweisen, wie Sie die Behandlung mit Venlafaxin schrittweise beenden sollten. Dies kann einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten benötigen. Bei manchen Patienten muss das Absetzen möglicherweise sehr langsam über Monate oder länger erfolgen. Wenn Sie eine der aufgeführten oder andere Nebenwirkungen bei sich bemerken, die Sie belasten, fragen Sie Ihren Arzt um weiteren Rat.

Absetzerscheinungen

Bei einer Dosisreduktion und vor allem beim plötzlichen Absetzen von Antidepressiva kann es zu schweren Absetzreaktionen kommen. Dazu gehören Schwindelgefühl, Parästhesien, Schlafstörungen, Erregtheit oder Angst, Übelkeit und Erbrechen, Zittern, Kopfschmerzen, Blutdruckanstieg, aber auch Aggressionen, Suizid und suizidale Gedanken.

Bei einigen Patienten kann es zu Beschwerden wie Suizidgedanken, Aggressivität, Müdigkeit, Schwindelgefühl, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Albträumen, Mundtrockenheit, vermindertem Appetit, Übelkeit, Durchfall, Nervosität, Unruhe, Verwirrtheit, Ohrgeräuschen, Kribbeln oder selten auch zu stromschlagähnlichen Empfindungen, Schwächegefühl, Schwitzen, Krampfanfällen oder grippeähnlichen Symptomen, Problemen mit dem Sehvermögen und erhöhtem Blutdruck (kann unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrgeräusche, Schwitzen hervorrufen) kommen.

Hinweise für ältere Menschen

Laut FORTA-Liste (Fit fOR The Aged) sind SNRI wie Venlafaxin nur sehr bedingt geeignet bei älteren Menschen mit Depression (Kategorie C) und in der Regel ungeeignet bei demenzkranken Menschen mit Depression (Kategorie D).

Desvenlafaxin

Desvenlafaxin ist ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) und der aktive Hauptmetabolit von Venlafaxin. Der Wirkstoff ist unter dem Präparatenamen Desveneurax seit dem 1. Desvenlafaxin wurde bereits im Jahr 2008 in den USA zugelassen. In Europa wurde der Antrag auf Zulassung im Jahr 2009 jedoch abgelehnt. Der CHMP hatte zu diesem Zeitpunkt Bedenken, dass die Wirksamkeit von Desvenlafaxin (Ellefore) insgesamt nicht überzeugend dargelegt worden wäre. „Im Vergleich zur Muttersubstanz Venlafaxin schien Desvenlafaxin weniger wirksam zu sein, aber keinen Vorteil im Hinblick auf die Sicherheit und Verträglichkeit zu bieten. Venlafaxin und Desvenlafaxin sind im Wesentlichen pharmakologisch äquivalent. Beide sind starke und selektive Inhibitoren von Serotonin- und Noradrenalin-Transportern mit kleinen Unterschieden in der Bindungsaffinität, gemessen am Ki-Wert. Die Ki-Werte für den Serotonin-Transporter betragen 40,2 nM und 82 nM für Desvenlafaxin bzw. Venlafaxin und für Noradrenalin-Transporter 558,4 nM und 2480 nM für Desvenlafaxin bzw. Theoretisch könnte eine höhere Bindungsaffinität für Desvenlafaxin gegenüber Venlafaxin an Noradrenalin-Wiederaufnahmepumpen zu Unterschieden in der Wirksamkeit führen, dies wurde jedoch nicht in direkten klinischen Studien validiert. Am häufigsten traten Nebenwirkungen unter Desvenlafaxin in der ersten Behandlungswoche auf und waren leicht bis mäßig schwer.

Laboruntersuchungen

Bei Immunoassays zum Nachweis von Phencyclidin (PCP) und Amphetaminen im Urin wurden bei Patienten, die Desvenlafaxin einnahmen, falsch positive Ergebnisse beobachtet. Dies ist auf eine unzureichende Spezifität der durchgeführten Tests zurückzuführen. Falsch positive Ergebnisse der Tests sind über einen Zeitraum von mehreren Tagen nach Beendigung der Behandlung mit Desvenlafaxin zu erwarten.

Gegenanzeigen

Desvenlafaxin darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels. Darüber hinaus ist die gleichzeitige Anwendung von Monoaminoxidase-Inhibitoren kontraindiziert.

Schwangerschaft und Stillzeit

Bisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Desvenlafaxin bei Schwangeren vor. Desvenlafaxin wird in die Muttermilch ausgeschieden. Aufgrund der möglichen schweren Nebenwirkungen für gestillte Kinder, die Desvenlafaxin exponiert werden, muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung verzichtet werden soll.

Fazit

Venlafaxin ist ein wirksames Antidepressivum, das bei verschiedenen psychischen Erkrankungen eingesetzt wird. Es ist wichtig, die Einnahme und Dosierung genau mit dem Arzt abzustimmen und auf mögliche Nebenwirkungen zu achten. Das Absetzen sollte niemals abrupt erfolgen, sondern schrittweise unter ärztlicher Aufsicht.

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