Ein Taubheitsgefühl im Gesicht kann beunruhigend sein und verschiedene Ursachen haben. Es kann plötzlich auftreten oder sich allmählich entwickeln, vorübergehend oder anhaltend sein. Die Ursachen reichen von harmlosen Verspannungen bis hin zu ernsteren Erkrankungen wie Schlaganfall oder Multipler Sklerose. Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die geeignete Behandlung einzuleiten.
Einführung
Ein Taubheitsgefühl im Gesicht, medizinisch als Hypästhesie bezeichnet, ist eine verminderte Sensibilität der Haut. Betroffene können Berührungen, Temperatur oder Schmerzen weniger intensiv wahrnehmen. Dieses Gefühl kann isoliert auftreten oder von anderen Symptomen wie Kribbeln (Parästhesie), Schmerzen, Muskelschwäche oder Sprachstörungen begleitet sein. Da die Ursachen vielfältig sein können, ist eine sorgfältige Untersuchung durch einen Arzt unerlässlich.
Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl im Gesicht
Ein Taubheitsgefühl im Gesicht kann viele verschiedene Ursachen haben. Diese reichen von vergleichsweise harmlosen Auslösern bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:
1. Fazialisparese (Gesichtslähmung)
Die Fazialisparese ist eine Lähmung der Gesichtsnerven, die zu einem Taubheitsgefühl und einer Schwäche der Gesichtsmuskeln führt. Es gibt zwei Haupttypen:
- Periphere Fazialisparese: Hier ist der Nervus facialis, der vom Gehirn zum Gesicht führt, geschädigt. Ursachen können Infektionen (z.B. mit Herpes-Simplex-Viren, Bakterien wie bei einer Mittelohrentzündung oder dem Varizella-Zoster-Virus, dem Erreger von Gürtelrose), Entzündungen, Tumore, Verletzungen oder Durchblutungsstörungen sein. In vielen Fällen bleibt die Ursache jedoch unklar (idiopathische Fazialisparese). Bei der peripheren Gesichtslähmung sind alle Äste im Gesicht betroffen: Der Patient kann die Stirn nicht mehr runzeln, das Auge auf der betroffenen Seite kann nie völlig geschlossen werden. Bei dem Versuch dreht sich der Augapfel nach oben (Bell-Phänomen).
- Zentrale Fazialisparese: Diese Form entsteht durch eine Schädigung im Gehirn, beispielsweise durch einen Schlaganfall. Hierbei ist das Gesicht vom Auge bis zum Kinn einseitig gelähmt - lediglich die Mimik im Bereich der Stirn bleibt erhalten. Grund dafür ist, dass beide Stirnseiten von Nervenfasern sowohl aus der linken als auch aus der rechten Gehirnhälfte versorgt werden. Nach einer Schädigung in der einen Hälfte, bekommt die Stirn also weiterhin Impulse von Nervenfasern aus der intakten Hirnhälfte. Für den Gesichtsbereich vom Auge bis zum Kinn kreuzen diese Nervenfasern vollständig und versorgen nur jeweils eine Hälfte, sodass keine Mitversorgung der betroffenen Seite durch Nervenfasern der gesunden Seite vorliegt.
Symptome der Fazialisparese:
- Plötzlich auftretende Schwäche oder Lähmung einer Gesichtshälfte
- Hängender Mundwinkel
- Unfähigkeit, das Auge vollständig zu schließen
- Veränderter Geschmackssinn
- Trockener Mund oder trockenes Auge
- Probleme beim Sprechen oder Essen
- Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen
Die Beschwerden treten in der Regel innerhalb von wenigen Stunden auf und erreichen nach ein bis zwei Tagen ihren Höhepunkt.
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2. Schlaganfall
Ein Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn, die zu einer Schädigung von Hirngewebe führt. Ein Taubheitsgefühl im Gesicht, insbesondere wenn es plötzlich auftritt und von anderen Symptomen wie Sprachstörungen, Sehproblemen, Schwäche in den Gliedmaßen oder Verwirrtheit begleitet wird, kann ein Warnzeichen für einen Schlaganfall sein. In diesem Fall ist sofortiges Handeln erforderlich, da jede Minute zählt.
3. Multiple Sklerose (MS)
Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Nervenfasern angreift. Dies kann zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, darunter auch Taubheitsgefühle im Gesicht, Kribbeln, Muskelschwäche und Sehstörungen.
4. Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des fünften Hirnnervs (Trigeminusnerv), der für die Sensibilität im Gesicht verantwortlich ist. Sie verursacht anfallsartige, stechende Schmerzen im Gesicht, die durch Berührungen, Kauen oder Sprechen ausgelöst werden können. In manchen Fällen kann auch ein Taubheitsgefühl auftreten.
5. Verspannungen und Nervenkompression
Verspannungen der Nackenmuskulatur oder eine Kompression von Nerven im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) können ebenfalls zu einem Taubheitsgefühl im Gesicht führen. Dies kann durch Fehlhaltungen, Stress oder degenerative Veränderungen verursacht werden.
6. Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
CMD bezieht sich auf Probleme mit der Kiefergelenkfunktion und den umliegenden Muskeln. Diese Dysfunktion kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter auch Taubheitsgefühle im Gesicht, Kopfschmerzen, Kieferschmerzen und Ohrgeräusche (Tinnitus).
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7. Infektionen
Bestimmte Virusinfektionen, wie das Herpes-Simplex-Virus, können Nerven im Gesicht beeinflussen und zu Taubheitsgefühlen führen. Auch bakterielle Infektionen, wie beispielsweise eine Mittelohrentzündung, können den Nervus facialis in Mitleidenschaft ziehen.
8. Migräne
Kribbeln und Taubheitsgefühle können eine Migräne-Attacke ankündigen. Die Missempfindungen treten zumeist im Gesicht auf oder einseitig an Armen oder Beinen.
9. Tumore
In seltenen Fällen können Tumore im Gehirn oder im Gesichtsbereich auf Nerven drücken und Taubheitsgefühle verursachen.
10. Andere Ursachen
- Mangelerscheinungen: Ein Mangel an Vitamin B12 oder Magnesium kann zu neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen führen.
- Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Taubheitsgefühle verursachen.
- Psychische Faktoren: Stress, Angst und Panikattacken können ebenfalls zu Taubheitsgefühlen im Gesicht führen.
- Durchblutungsstörungen: Durchblutungsstörungen im Gehirn können ein Taubheitsgefühl auslösen.
Diagnose
Die Diagnose eines Taubheitsgefühls im Gesicht erfordert eine sorgfältige Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und eine körperliche Untersuchung. Der Arzt wird Fragen zu den Symptomen stellen, wie z.B.:
- Wann hat das Taubheitsgefühl begonnen?
- Wo genau im Gesicht tritt das Taubheitsgefühl auf?
- Ist das Taubheitsgefühl ständig vorhanden oder tritt es nur zeitweise auf?
- Gibt es Begleitsymptome wie Schmerzen, Kribbeln, Muskelschwäche oder Sprachstörungen?
- Gibt es bekannte Vorerkrankungen oder Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck oder Rauchen?
Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt die Sensibilität im Gesicht prüfen, die Muskelkraft testen und die Reflexe überprüfen. Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B.:
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- Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT): Diese bildgebenden Verfahren können helfen, Ursachen im Gehirn oder im Gesichtsbereich zu erkennen, wie z.B. Tumore, Schlaganfälle oder Entzündungen.
- Elektromyografie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann helfen, Nervenschäden zu erkennen.
- Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf eine Entzündung des Nervensystems kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit zu untersuchen.
- Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Mangelerscheinungen, Infektionen oder andere Erkrankungen zu erkennen, die das Taubheitsgefühl verursachen könnten.
- Neurologische Untersuchung: Um neurologische Ursachen auszuschließen oder zu bestätigen.
- Orthopädische Untersuchung: Um Probleme im Bereich der Halswirbelsäule als Ursache auszuschließen.
- Untersuchung beim HNO-Arzt: Um eine Mittelohrentzündung oder andere Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung eines Taubheitsgefühls im Gesicht richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige gängige Behandlungsansätze sind:
- Medikamentöse Therapie:
- Kortikosteroide (Kortison): Bei Entzündungen des Nervus facialis, wie bei der idiopathischen Fazialisparese, können Kortikosteroide eingesetzt werden, um die Entzündung zu reduzieren und die Nervenfunktion zu verbessern.
- Virustatika: Bei einer Fazialisparese, die durch eine Virusinfektion verursacht wird, können Virustatika eingesetzt werden, um die Virusvermehrung zu hemmen.
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen, die zu einem Taubheitsgefühl führen, werden Antibiotika eingesetzt.
- Schmerzmittel: Bei Schmerzen, die mit dem Taubheitsgefühl einhergehen, können Schmerzmittel eingesetzt werden.
- Botulinumtoxin: Bei Synkinesien (unwillkürlichen Mitbewegungen der Gesichtsmuskulatur) nach einer Fazialisparese kann Botulinumtoxin eingesetzt werden, um die überaktiven Muskeln zu entspannen.
- Vitamin-B-Präparate: Bei einem Vitamin-B12-Mangel können Vitamin-B-Präparate eingesetzt werden, um den Mangel auszugleichen.
- Physiotherapie: Bei einer Fazialisparese oder Verspannungen im Nackenbereich kann Physiotherapie helfen, die Muskeln zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Nervenfunktion zu fördern. Spezielle Fazialisparese-Übungen ermöglichen es den Betroffenen, unter professioneller Anleitung das Sprechen zu verbessern, leichter essen und trinken zu können sowie Gesichtsausdrücke zu trainieren.
- Logopädie: Bei Sprachstörungen, die mit einem Taubheitsgefühl im Gesicht einhergehen, kann Logopädie helfen, die Artikulation und das Sprechen zu verbessern.
- Ergotherapie: Bei Schwierigkeiten im Alltag aufgrund des Taubheitsgefühls kann Ergotherapie helfen, Strategien zu entwickeln, um die Einschränkungen zu kompensieren.
- Operation: In einigen Fällen, wie z.B. bei Tumoren oder einer schweren Nervenkompression, kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache des Taubheitsgefühls zu beseitigen. Bei chronischer Gesichtslähmung mit gestörtem Lidschluss gibt es die Möglichkeit der Therapie mit rekonstruktiver, plastischer Operation. Ein offenstehendes Unterlid kann beispielsweise mit einer besonderen Operationstechnik (Canthoplastik) behandelt werden. Eine entsprechende OP am Oberlid, bei der das Sichtfeld korrigiert wird, heißt Blepharoplastik.
- Alternative Therapien: Einige Menschen finden Linderung durch alternative Therapien wie Akupunktur, Entspannungstechniken oder Homöopathie. Die Wirksamkeit dieser Therapien ist jedoch nicht immer wissenschaftlich belegt.
- Augenpflege: Da bei den meisten Patienten und Patientinnen mit peripherer Fazialisparese eine Schädigung der Lidschluss-Funktion besteht, muss das Auge besonders gepflegt werden, damit sich die Hornhaut nicht entzündet. Das geschieht mit künstlicher Tränenflüssigkeit und Augensalbe. Nachts tragen Patienten einen sogenannten Uhrglasverband (eine Art durchsichtige Augenklappe im Pflasterformat), um vor Austrocknung zu schützen.
- Behandlung der Grunderkrankung: Wenn das Taubheitsgefühl im Gesicht durch eine andere Erkrankung verursacht wird, wie z.B. Diabetes oder Multiple Sklerose, ist es wichtig, diese Grunderkrankung zu behandeln.
Vorbeugung
Einige Maßnahmen können helfen, einem Taubheitsgefühl im Gesicht vorzubeugen:
- Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf können helfen, das Immunsystem zu stärken und das Risiko von Infektionen und anderen Erkrankungen zu reduzieren.
- Stressmanagement: Stress kann zu Verspannungen und Nervenproblemen führen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine gute Haltung und einen ergonomischen Arbeitsplatz, um Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich vorzubeugen.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeiden Sie Risikofaktoren für Schlaganfall, wie z.B. Rauchen, Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Gehen Sie regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen, um Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Achten Sie auf Ihre Haltung: Achten Sie auf Ihre Haltung und nehmen Sie regelmäßig Pausen, um Ihre Nackenmuskulatur zu entspannen.
- CMD Behandlung: Eine frühe Diagnose und Behandlung durch einen Kieferorthopäden kann helfen, die Symptome zu lindern und Langzeitschäden zu vermeiden.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Das Taubheitsgefühl im Gesicht plötzlich auftritt.
- Das Taubheitsgefühl von anderen Symptomen wie Sprachstörungen, Sehproblemen, Schwäche in den Gliedmaßen oder Verwirrtheit begleitet wird.
- Das Taubheitsgefühl über einen längeren Zeitraum anhält oder immer wiederkehrt.
- Das Taubheitsgefühl sich verschlimmert.
- Sie sich Sorgen machen oder unsicher sind, was die Ursache des Taubheitsgefühls sein könnte.
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