Epilepsie und Arbeit: Informationen und Unterstützung für Betroffene und Arbeitgeber

Menschen mit Epilepsie sehen sich häufig mit Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen konfrontiert, darunter Alltag, Schule, Ausbildung, Beruf und Freizeit. Dies gilt insbesondere, wenn keine Anfallsfreiheit besteht oder zusätzliche Beeinträchtigungen vorliegen. Die Unsicherheit im Umgang mit der Erkrankung ist oft groß, sowohl bei den Betroffenen und ihren Angehörigen als auch in ihrem sozialen Umfeld. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen und Unterstützung für Menschen mit Epilepsie im Arbeitsleben sowie für Arbeitgeber, die Mitarbeiter mit Epilepsie beschäftigen.

Berufliche Möglichkeiten und Herausforderungen bei Epilepsie

Die beruflichen Möglichkeiten von Menschen mit Epilepsie werden häufig durch anfallsbedingte Gefährdungen eingeschränkt. Es stellt sich die Frage, ob spezielle Arbeitsschutzmaßnahmen dazu beitragen können, diese Risiken auf ein akzeptables Maß zu reduzieren. Eine genaue Diagnose und eine darauf aufbauende Behandlung der Epilepsie sind die Grundlage für die Bewältigung epilepsiebedingter Probleme am Arbeitsplatz.

Treten bei anfallskranken Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen erstmalig oder nach längerer Anfallsfreiheit wieder epileptische Anfälle auf, kann dies zu vielfältigen Problemen führen. Fragen, die sich dann stellen, sind:

  • Können die bisherigen Tätigkeiten weiter ausgeübt werden?
  • Ist eine Umsetzung in einen anderen Arbeitsbereich notwendig?
  • Muss der Betrieb gewechselt werden?
  • Welche Hilfen und welche Unterstützung gibt es?

Unterstützung und Beratung für Menschen mit Epilepsie im Arbeitsleben

Es gibt zahlreiche Organisationen und Beratungsstellen, die Menschen mit Epilepsie und deren Arbeitgeber unterstützen. Diese bieten beispielsweise:

  • Spezialisierte Beratungsangebote: Diese helfen Betroffenen, ihre individuellen Möglichkeiten und Einschränkungen im Arbeitsleben besser einzuschätzen und passende Strategien zu entwickeln.
  • Fort- und Weiterbildungen für soziale Berufsgruppen: Diese sollen das Wissen über Epilepsie und den Umgang mit Betroffenen in beruflichen Kontexten verbessern.
  • Unterstützung bei der Krisenbewältigung: Beratung und Begleitung in Konfliktsituationen können helfen, schwierige Situationen am Arbeitsplatz zu meistern.
  • Informationen zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten: Dazu gehören beispielsweise Beratungen zum Schwerbehindertenausweis oder zu beruflichen Möglichkeiten.

Das Netzwerk Epilepsie und Arbeit (NEA) bietet auf seiner Webseite eine Übersicht über regionale Fachteams, die bei Fragen zur Epilepsie und Arbeit kontaktiert werden können. Auf Anfrage nimmt das NEA-Fachteam an einem runden Tisch im Betrieb sowie an einer Arbeitsplatzbegehung mit den verantwortlichen Fachleuten teil. Nach eingehender fachlicher Beratung gelingt es häufig, bestehende Arbeitsverhältnisse zu erhalten.

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Überbetriebliche Ausbildungsmöglichkeiten

Einige Einrichtungen bieten überbetriebliche Ausbildungsmöglichkeiten für Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen an. Dazu gehören beispielsweise:

  • Annedore-Leber Berufsbildungswerk Berlin: Bietet Ausbildungen für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen an.
  • Berufsbildungswerk im Oberlinhaus gGmbH (Potsdam): Ebenfalls spezialisiert auf die Ausbildung von Menschen mit chronischen Krankheiten.
  • Dr. REHAaktiv darr GmbH (Berlin): Bietet einen begleitenden Dienst für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen im Arbeitsleben an.

Rechtliche Grundlagen und Hilfestellungen

Fahreignung

Die Beurteilung der Fahreignung von Menschen mit Epilepsie basiert auf den "Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung" der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST). Diese Leitlinien werden regelmäßig aktualisiert und können kostenlos als PDF-Datei von der BAST-Webseite heruntergeladen werden. Die epilepsiespezifischen Regelungen sind in kurzer und übersichtlicher Form z.B. auf dem von der „Deutschen Epilepsievereinigung“ herausgegebenem Faltblatt „Epilepsie und Führerschein“ zusammengefasst.

Es ist wichtig zu beachten, dass sich die Begutachtungsleitlinien fast ausschließlich auf die Tauglichkeit, ein Kfz zu führen, beziehen. Für andere Zweiräder (z.B. Fahrräder, Pedelecs etc.) gibt es in der Regel keine entsprechenden Regelungen.

Berufliche Eignung

Die "Berufliche Beurteilung bei Epilepsie und nach erstem epileptischen Anfall" der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ist maßgeblich für die Beurteilung der beruflichen Eignung. Diese Schrift kann kostenlos von der DGUV-Webseite heruntergeladen oder in gedruckter Form bezogen werden.

Berufliche Teilhabe

REHADAT ist ein zentrales unabhängiges Informationsangebot zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Es bietet zahlreiche Portale, Publikationen, Apps und Seminare für alle, die sich für die berufliche Teilhabe einsetzen.

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Handlungshilfe Epilepsie und Arbeit

Das Bundesprojekt TEA hat eine Handlungshilfe zum inkludierten Gefährdungsmanagement veröffentlicht. Diese Schrift ist für Arbeitgeber, Betriebsärzte, Neurologen, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und epilepsiekranke Mitarbeiter von besonderem Interesse, da sie hilft, anfallsbedingte Gefährdungen am Arbeitsplatz zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu treffen.

Schwerbehindertenausweis

Die in der Versorgungsmedizin-Verordnung festgelegten Grundsätze sind maßgeblich für die Beurteilung eines Grades der Behinderung. Sie stehen als kostenloser Download auf der Webseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Verfügung.

Initiativen und Selbsthilfe

Es gibt verschiedene Initiativen und Selbsthilfeangebote für Menschen mit Epilepsie:

  • Wir für dich: Eine Gruppe junger Menschen, die sich für den Ausbau von digitalen Selbsthilfeangeboten einsetzt und Menschen vernetzt. Sie arbeiten mit anderen Organisationen zusammen und vertreten die Interessen von Menschen mit Epilepsie gegenüber Krankenkassen, Pharmaindustrie und Gesetzgebern.
  • Zoom Online Austauschtreffen: Jeden ersten Dienstag im Monat findet ein Zoom-Meeting für Menschen mit Epilepsie statt, um sich über verschiedene Themen auszutauschen.
  • Discord Online Community: Eine Community zum Fragen stellen, Vernetzen und Austauschen.
  • Epipower x Marathon: Gemeinsame Teilnahme an Marathonläufen, um auf Epilepsie aufmerksam zu machen.
  • 50 Millionen Schritte Kampagne vom IBE: Eine Sensibilisierungskampagne des Internationalen Büros für Epilepsie (IBE), um auf die Stigmatisierung von Menschen mit Epilepsie aufmerksam zu machen.

Informationen und Ressourcen

  • Epilepsiezentrum Berlin-Brandenburg: Bietet umfassende Informationen und Beratungen für Menschen mit Epilepsie und deren Angehörige.
  • Deutsche Epilepsievereinigung: Bietet Informationen, Beratungen und Selbsthilfegruppen für Menschen mit Epilepsie.
  • Internationales Büro für Epilepsie (IBE): Eine internationale Organisation, die sich für die Interessen von Menschen mit Epilepsie einsetzt.
  • Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE): Eine internationale Organisation von Fachleuten, die sich mit der Erforschung und Behandlung von Epilepsie befassen.
  • REHADAT: Das zentrale unabhängige Informationsangebot zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.

Neuere Behandlungsansätze

Für Patienten, die unter medikamentöser Behandlung nicht anfallsfrei sind, gibt es neue Behandlungsoptionen wie die "Fokale Cortexstimulation" (FCS).

Veranstaltungen

Es finden regelmäßig Tagungen und Kongresse zum Thema Epilepsie statt, wie beispielsweise die Dreiländertagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Epileptologie.

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