Spinalkanalstenose nach OP: Was tun? Ein umfassender Leitfaden

Die Spinalkanalstenose, oft auch als Wirbelkanalstenose bezeichnet, ist eine Verengung des knöchernen Kanals, durch den Rückenmark und Nervenwurzeln verlaufen. Diese Verengung kann zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Obwohl eine Operation oft notwendig ist, um den Druck auf die Nerven zu entlasten, können auch nach dem Eingriff Herausforderungen auftreten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Spinalkanalstenose, Behandlungsoptionen nach einer Operation und Strategien zur Verbesserung der Lebensqualität.

Was ist eine Spinalkanalstenose?

Die Spinalkanalstenose (ICD: M48.0) ist eine Verengung des Spinalkanals, des "Tunnels" in der Wirbelsäule, in dem das Rückenmark und die Nerven gebündelt verlaufen. Diese Verengung kann an verschiedenen Abschnitten der Wirbelsäule auftreten:

  • Zervikale Spinalkanalstenose: Im Halsbereich, was zu Problemen mit der Motorik führen kann, z. B. Schwierigkeiten beim Zuknöpfen von Hemden oder Aufheben von Gegenständen. Auch das Schriftbild kann sich verändern.
  • Lumbale Spinalkanalstenose: Im Lendenbereich, wobei die Beine betroffen sind. Symptome sind oft erträglicher, wenn man sich nach vorne beugt.
  • Thorakale Spinalkanalstenose: Im Brustbereich, was sehr selten vorkommt. Die Symptome sind meist stärker als bei der Spinalkanalstenose an der LWS.

Die Ursachen sind vielfältig, entstehen aber in der Mehrzahl der Fälle durch natürliche Alterungsprozesse der Wirbelsäule (degenerative Veränderungen). Mit den Jahren nutzen sich Bandscheiben und Wirbelgelenke ab, Bänder verdicken sich, und es können sich knöcherne Anbauten bilden, die den Spinalkanal nach und nach einengen.

Symptome einer Spinalkanalstenose

Typische Symptome sind:

  • Schmerzen im Rücken, die in die Beine oder Arme ausstrahlen
  • Missempfindungen in Armen oder Beinen
  • Zunehmende Einschränkung der Gehstrecke
  • Schmerzen beim Stehen und Gehen
  • Bei lumbaler Spinalkanalstenose: Erleichterung bei Vorbeugung, z. B. beim Hinsetzen oder Bücken
  • Claudicatio intermittens spinalis (Schaufensterkrankheit) aufgrund des verengten Spinalkanals
  • In manchen Fällen: Gestörte sexuelle Funktion, Blasen- und Mastdarmentleerungsstörungen

Diagnose der Spinalkanalstenose

Die Diagnose umfasst in der Regel:

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  • Anamnesegespräch: Erhebung der Krankengeschichte und Beschwerdeschilderung
  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Form und Beweglichkeit der Wirbelsäule, Testen von Reflexen, Rückenmuskulatur und Bewegungen
  • Bildgebende Verfahren:
    • Röntgenaufnahmen
    • Kernspintomografie (MRT)
    • Computertomografie (CT)
    • Myelo-CT (in seltenen Fällen)
  • Elektrophysiologische Untersuchungen (EMG/NLG): Zur Ermittlung des Funktions- und Leistungszustands der Nervenbahnen
  • Laboruntersuchungen: In einzelnen Fällen, z. B. zum Ausschluss anderer Erkrankungen

Konservative Behandlungsmöglichkeiten

Nicht immer ist eine Operation sofort notwendig. Konservative Behandlungen zielen darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern:

  • Physiotherapie: Stärkung der tiefen Rücken- und Bauchmuskulatur, entlordosierende Übungen zur Erweiterung des Wirbelkanals
  • Elektrotherapie: Gezielte elektrische Impulse zur Muskelentspannung und Schmerzlinderung
  • Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac, Muskelrelaxantien, Kortison (nur kurzfristig), Vitamin B-Präparate, lokale Schmerzmittel (Injektionen an die Wirbelgelenke)
  • Weitere Maßnahmen: Bädertherapie, Massagen, Fango, Orthesen (Korsett), Rollator (Gehwagen)

Operative Behandlungsmöglichkeiten

Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder neurologische Ausfälle drohen, kann eine Operation erforderlich sein. Ziel ist es, den Wirbelkanal zu erweitern und den Druck von den Nerven zu nehmen (Dekompression). Es gibt verschiedene Operationsmethoden:

  • Mikrochirurgische Dekompression: Entfernung von Knochengewebe und verdicktem Bandgewebe unter Verwendung eines Mikroskops
  • Minimalinvasive Techniken: Z. B. endoskopische Verfahren, bei denen über kleine Hautschnitte operiert wird
  • Spondylodese (Wirbelkörperverblockung): Stabilisierung der Wirbelsäule durch Verschraubung von Wirbelkörpern, insbesondere bei Wirbelgleiten
  • Implantation von Cages: Platzhalter in das Bandscheibenfach zwischen zwei Wirbelkörpern, um den Spinalkanal offen zu halten
  • Interspinöse Spreizer: Kleine Metallimplantate zwischen den Dornfortsätzen der Wirbelkörper, um die Beugung der Lendenwirbelsäule zu reduzieren

Was tun nach der Operation?

Auch nach einer erfolgreichen Operation ist eine sorgfältige Nachbehandlung entscheidend für den langfristigen Erfolg.

Unmittelbar nach der Operation

  • Aufwachraum: Überwachung des Kreislaufs, Rückenlage
  • Mobilisation: Aufstehen und Gehen mit Unterstützung, rückengerechtes Aufstehen (zur Seite drehen, an die Bettkante rutschen)
  • Bewegung: Regelmäßiges Aufstehen und kurze Strecken gehen, allmähliche Steigerung
  • Gehhilfe: Gelegentlich Verwendung eines Gehwagens (Rollator) in den ersten Tagen
  • Sitzen: Vermeiden von längerem Sitzen in der ersten Woche (insbesondere bei Mitoperation der Bandscheibe)

Rehabilitation

Es gibt verschiedene Formen der Rehabilitation:

  • Ambulante Rehabilitation: Tägliche Behandlung in einem Reha-Zentrum, Rückkehr nach Hause am Abend
  • Stationäre Rehabilitation: Aufnahme in einem Rehabilitationskrankenhaus für ca. 3 bis 4 Wochen
  • Ambulante Krankengymnastik: Verordnung über Krankengymnastik nach der Entlassung

Die stationäre Reha nach einer Spinalkanalstenosen-OP ist die beste Therapieform, um wieder aktiv am Leben teilzunehmen. Sie bereitet Sie als betroffene Person auf allen Ebenen auf den Alltag vor - und zwar rund um die Uhr.

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Die stationäre Reha nach Spinalkanalstenosen-OP bei KIRINUS besteht aus verschiedenen Therapie-Bausteinen. Diese werden auf Ihre individuellen Bedürfnisse hin zusammengestellt und beruhen auf vier verschiedenen Säulen:

  1. Körperlicher Aufbau: Training zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Versorgung von OP-Wunden
  2. Schulung im Umgang mit der Erkrankung: Erlernen eines positiven Umgangs mit Schmerzen, Stärkung der inneren Widerstandsfähigkeit
  3. Psychische Heilung: Unterstützung bei Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen
  4. Integration in den Alltag (auch beruflich): Beratung und Schulung zu Medikamenteneinnahme, Hilfsmittelnutzung, Unterstützung durch Angehörige

Weitere Maßnahmen

  • Medikamente: Schmerzmittel nach Bedarf
  • Physiotherapie: Fortsetzung der Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit
  • Vermeidung von Fehlbelastungen: Richtiges Heben und Tragen, ergonomischer Arbeitsplatz
  • Regelmäßige Bewegung: Sanfte Sportarten wie Wassergymnastik, Radfahren, Stretching oder Pilates
  • Gewichtsmanagement: Übergewicht vermeiden, um die Wirbelsäule nicht zusätzlich zu belasten

Mögliche Komplikationen nach der Operation

Trotz sorgfältiger Durchführung können Komplikationen auftreten:

  • Infektionen: An der Operationsstelle
  • Nervenverletzungen: Können zu Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Taubheitsgefühlen führen
  • "Failed Back Surgery Syndrome": Anhaltende oder erneut auftretende Schmerzen nach der Operation
  • Narbenbildung: Kann erneute Rückenschmerzen verursachen
  • Instabilität der Wirbelsäule: In manchen Fällen kann eine zusätzliche Stabilisierung erforderlich sein
  • Verstärkte Abnutzung der Nachbarsegmente: Insbesondere bei Implantation von interspinösen Spreizern

Langfristige Perspektive

Die langfristigen Ergebnisse nach einer Spinalkanalstenosen-OP sind in der Regel gut. Viele Patienten berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Beschwerden und einer erhöhten Lebensqualität. Es ist jedoch wichtig, realistische Erwartungen zu haben. Eine vollständige Beschwerdefreiheit ist nicht immer möglich, und begleitende degenerative Veränderungen der Wirbelsäule können weiterhin Beschwerden verursachen.

Was tun bei anhaltenden Beschwerden?

  • Erneute Untersuchung: Um mögliche Ursachen für die Beschwerden zu finden (z. B. Narbenbildung, Instabilität)
  • Weitere konservative Behandlungen: Physiotherapie, Schmerzmittel, Injektionen
  • Psychologische Unterstützung: Bei chronischen Schmerzen kann eine psychologische Therapie helfen, den Umgang mit den Schmerzen zu erlernen
  • Zweitmeinung: Einholen einer zweiten ärztlichen Meinung, um alternative Behandlungsoptionen zu prüfen
  • Wirbelsäulenkatheter: Mit dem Videokatheter untersuchen, behandeln und entfernen wir unter direkter Sicht nicht nur Entzündungen und Engstellen im Wirbelkanal, sondern auch Verklebungen und Narben. Dazu führen wir den nur 1,4 Millimeter dünnen Katheter über das Kreuzbein in den Wirbelkanal ein, leiten ihn bis zu der schmerzenden Stelle und injizieren dort hochwirksame Medikamente. Es kommt so zu einer Schrumpfung von störendem Weichteilgewebe.

Prävention

Obwohl die Spinalkanalstenose oft altersbedingt ist, gibt es Maßnahmen, die man ergreifen kann, um das Risiko zu verringern:

  • Gesunde Ernährung: Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen
  • Regelmäßige Bewegung: Förderung der Durchblutung und Stärkung der Muskulatur
  • Gezieltes Rückentraining: Stärkung der Rücken- und Rumpfmuskulatur
  • Vermeidung von Übergewicht: Entlastung der Wirbelsäule
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Vermeidung von Fehlhaltungen und Überlastungen
  • Regelmäßige Pausen bei sitzenden Tätigkeiten: Bewegung und Dehnübungen

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