Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem. Oftmals wird eine Operation als letzte Lösung in Betracht gezogen, um den Druck auf wichtige Nerven zu beseitigen. Obwohl viele Wirbelsäulenoperationen technisch erfolgreich sind, erleben einige Patienten weiterhin Schmerzen oder entwickeln neue Beschwerden. Eines der Hauptprobleme nach einer solchen Operation ist die Bildung von Narbengewebe im Spinalkanal, auch bekannt als epidurale Fibrose. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Vorbeugung und Behandlung von Vernarbungen nach Spinalkanaloperationen.
Das Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS)
Das Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS), auch Postdiskektomie-Syndrom (PDS) genannt, beschreibt einen Zustand, bei dem Patienten nach einer Wirbelsäulenoperation weiterhin oder erneut Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule verspüren. Die Ursachen für das FBSS sind vielfältig und oft nicht abschließend geklärt. Angesichts der vielen möglichen Ursachen von Rückenschmerzen wird jeder Patient mit FBSS zum Einzelfall.
Definition wichtiger Begriffe:
- Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS): Anhaltende oder neu auftretende Schmerzen nach einer Wirbelsäulenoperation.
- Postdiskektomie-Syndrom (PDS): Schmerzhafter Zustand mit Rückenschmerzen und ausstrahlenden Schmerzen nach Entfernung der Bandscheibe.
- Postoperatives Schmerzsyndrom an der Wirbelsäule: Anhaltende Rückenschmerzen 6 bis 12 Wochen nach der Operation.
- Epidurale Fibrose: Narbenbildung und überschießende Bildung von Bindegewebe durch die Hülle des Rückenmarks (Epidura).
- Epiduroskopie: Untersuchung und Therapie des Spinalraums durch eine Kamerasonde.
Ursachen von Vernarbungen nach Spinalkanal OP
Epidurale Fibrose
In etwa jedem 3. Fall von Failed-Back-Surgery-Syndrom liegt der Auslöser in einer überschießenden Narbenbildung (Fibrose) der schützenden Hülle des Rückenmarks im Spinalkanal als Folge der Operation. Die Narbenbildung (epidurale Fibrose) ist in bis zu 36% aller Fälle die Ursache der chronischen Schmerzen nach lumbaler Bandscheibenoperation. Diese Narben treten in der Regel erst einige Zeit nach der Operation auf. Die postoperative Narbenbildung ist individuell bei den Patienten sehr unterschiedlich ausgeprägt. Narben der Epidura schränken die Beweglichkeit der Rückenmarkshülle ein und lösen dadurch Schmerzen aus. Postoperative Narben können auch auf Nerven des Rückenmarks oder Nervenwurzeln drücken und dadurch Rückenschmerzen verursachen.
Weitere Ursachen
Neben der epiduralen Fibrose gibt es weitere mögliche Ursachen für das FBSS:
- Unzureichende Diagnose vor der Operation: Übersehen von zusätzlichen Schmerzursachen wie Arthrose der Facettengelenke.
- Operation in nur einem Segment: Unzureichend, wenn auch angrenzende Segmente betroffen sind.
- Instabilitäten oder Nervenkompressionen: Können durch die Operation selbst entstehen.
- Veränderung der Biomechanik: Durch Wirbelkörperversteifung (Spondylodese) in einem oder mehreren Segmenten der Wirbelsäule verändert sich immer die Beweglichkeit und erhöht die Belastung angrenzender Bezirke.
- Ungünstige Gewohnheiten: Übergewicht, Diabetes, Rauchen.
- Seelische Störungen: Depression oder Angststörung.
- Erworbene Stenose des Rückenmarkskanals nach Operation
- Foraminale Stenose (Verengung der Nervenaustrittfenster) durch Spondylarthrose
- Weiterer Bandscheibenvorfall
- Zu wenig Bandscheibenmaterial wurde entfernt
- Schmerzen im Iliosakralgelenk (ISG-Syndrom) strahlen aus oder entstehen nach Versteifung der Lumbalen Wirbelsäule
- Nerven oder Muskeln beschädigt oder durch Änderung der Biomechanik überlastet
- Implantate oder Schrauben sitzen sind nicht richtig im Gewebe oder lösen sich
- Instabilität (Überbeweglichkeit bzw.
Faktoren, die die Narbenbildung fördern
Die Narbenbildung wird durch Blutergüsse in der Umgebung der Epiduralhaut gefördert. Sie wird verstärkt durch die Einwirkung der entzündungsfördernden Bandscheibe, die sich nach Bandscheibenvorfall in der Nachbarschaft des Rückenmarks befindet. Vernarbung vermindert die Blutversorgung der Nerven. Epidurale Fibrose kann auch zur Reizung von dorsalen Nervenwurzeln führen. Diese Reizung kann weit in das Versorgungsgebiet des Nerven hinein ausstrahlen. So können epidurale Narben auch Beinschmerzen (Ischialgie) verursachen.
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Symptome von Vernarbungen nach Spinalkanal OP
Typische Beschwerden beim Failed-Back-Surgery-Syndrom sind Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Die Schmerzen können dumpf, brennend sein oder als stechende, elektrische Impulse auftreten. Oft strahlen die Schmerzen ins Bein aus (Ischialgie). Bewegungsstörungen und Gefühlsstörungen können ebenfalls auftreten.
Beim typischen Verlauf einer schmerzhaften Narbenbildung ist der Patient nach der Operation zunächst für einige Monate schmerzfrei, denn die Nervenkompression, die zu den Schmerzen geführt hat, wurde ja erfolgreich beseitigt. Nach etwa sechs bis neun Monaten zeigen sich dann immer heftiger werdende Schmerzen an der gleichen Stelle wie vorher. Dies führt dann auch zu der oft geäußerten Annahme, die Operation habe „nichts gebracht“, weil die Schmerzen ja wiedergekommen seien.
Vorbeugung von Vernarbungen und des FBSS
Es ist natürlich sehr wichtig, ein Failed-Back-Surgery-Syndrom gar nicht erst auftreten zu lassen. Operationen an der Wirbelsäule sollten daher sehr zurückhaltend empfohlen werden. Nicht jeder im Röntgen oder im MRT auftretende radiologische Befund an der Wirbelsäule muss operiert werden: Stattdessen legen wir besonders großen Wert darauf, bei der Indikationsstellung nachzuweisen, dass eine sichtbare Veränderung an der Wirbelsäule tatsächlich für die Rückenschmerzen verantwortlich sind. Wenn nicht die Schmerzursache, sondern lediglich einer der sichtbaren Befunde operiert wird, kann sich nach der Operation herausstellen, dass die Therapie nicht wirksam war. Es ist außerdem sehr wichtig, auch die gesamte körperliche und geistige Verfassung des Patienten in die Indikationsstellung miteinzubeziehen.
Sorgfältige Diagnostik
Eine Hauptursache für das FBSS ist eine unzureichende Diagnose vor der Operation. Daher ist eine detaillierte Diagnostik vor der geplanten Wirbelsäulenoperation entscheidend, um mögliche Ursachen für die Rückenschmerzen des Patienten zu ermitteln.
Konservative Therapie
Vor einem operativen Eingriff und auch im Fall eines Failed-Back-Surgery-Syndroms schöpfen die Ärzte und Physiotherapeuten alle konservativen Therapiemöglichkeiten für Rückenschmerzen aus. Dazu gehören Schmerzmittel, physikalische Therapien und physiotherapeutische Übungen.
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Minimal-invasive Verfahren
Im letzten Jahrzehnt ist die „offene“ Bandscheibenoperation, bei der unter direkter Aufsicht ein Fenster von mehreren Zentimetern Größe in der Wirbelsäule eröffnet wird, immer stärker von so genannten „minimal-invasiven“ Verfahren abgelöst worden. Bei diesen wird das vorgefallene Bandscheibengewebe oftmals durch einen nur wenige Millimeter großen Zugang entfernt. Die Beschränkung auf eine winzige Öffnung bei der Operation hat nicht nur kosmetische Gründe: Fast fünf Prozent aller Patienten müssen später an der gleichen Stelle ein zweites Mal operiert werden, weil sie bereits nach kurzer Zeit wieder einen ganz ähnlichen Schmerz verspüren. Dabei ist in den meisten Fällen nicht etwa der Eingriff misslungen: Schuld an dem Auftreten der Schmerzen ist oft die Bildung von Narbengewebe.
Anti-Narben-Gel
Eine Möglichkeit, die Narbenbildung zu verhindern, ist die Verwendung eines Anti-Narben-Gels, mit welchem der Nerv umkleidet wird. Dies führt dazu, dass das entstehende Narbengewebe quasi um den Nerv herumwächst und so eine Art „Führungshülse“ schafft, in welcher der Nerv ungehindert gleiten kann und nicht bedrängt wird. Die Erfolge mit diesen Präparaten werden jedoch kontrovers diskutiert, und es gibt auch Kontraindikationen, die den Einsatz verbieten, z.B. eine Perforation der Dura.
Postoperative Bestrahlung
Eine andere Methode besteht darin, unmittelbar postoperativ (d.h. einen Tag später) über etwa vier Tage hinweg eine Bestrahlung des Operationsgebietes vorzunehmen. Die Belastung für den Patienten liegt bei dieser Bestrahlung nur bei etwa sechs Sievert; sie ist also deutlich geringer als bei der Krebstherapie. Zudem ist das bestrahlte Gebiet exakt begrenzt: Nach einer genauen Winkel-, Tiefen- und Querschnittsberechnung findet die Bestrahlung nur im Narbenfeld statt.
Diagnose von Vernarbungen nach Spinalkanal OP
Die Aufarbeitung einer misslungenen Rückenoperation beginnt stets mit einer genauen Untersuchung der Schmerzen, der Lokalisation und medizinischen Vorgeschichte (Anamnese). Dabei ist es wichtig, die Beschwerden vor der Operation genau zu vergleichen mit den Beschwerden nach der Operation. Durch diesen Vergleich gewinnt der Orthopäde wichtige Hinweise, ob die eigentliche Ursache der Rückenschmerzen durch die Operation behandelt wurde.
Klinische Untersuchung
Zur klinischen Untersuchung postoperativer Rückenschmerzen gehört die Bestimmung der Art und der Lokalisation der Schmerzen. Ebenso stellt der Arzt neurologische Ausfälle wie Gefühlsstörungen und Reflexsstörungen sowie Lähmungen fest. Zur neurologischen Untersuchung gehört auch der eindeutige Ausschluss von sofort operationsbedürftigen Störungen wie Infektionen, Verlust der Blasen- und Darmkontrolle oder schnell fortschreitender neurologischer Defizite.
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Bildgebende Verfahren
- Röntgenbilder: Stellen das Skelettsystem der Wirbelsäule dar und bieten die Möglichkeit, auch das Ergebnis funktioneller Tests anzuzeigen. Vor allem Beweglichkeitstörungen und Überbeweglichkeit der Wirbelkörper lassen sich mit funktionellen Röntgenbildern sehr gut darstellen.
- MRT (Kernspintomografie): Die wichtigste Untersuchung für schmerzauslösende Veränderungen wie epidurale Fibrose, Narbengewebe in der Umgebung der Nervenwurzeln, erneuter Bandscheibenvorfall (Rezidiv) und entzündliche Veränderungen der Wirbelsäule (Spondylodiszitis).
- CT (Computertomografie): Wird verwendet, wenn Metallimplantate zu Artefakten führen oder andere MRT-Hindernisse bestehen. Auch bei einem Verdacht auf Spondylarthrose oder Osteochondrose der Wirbelkörper ist das CT ebenfalls von Vorteil.
Behandlung von Vernarbungen nach Spinalkanal OP
Die Behandlung der Folgen einer gescheiterten Rückenoperation ist für alle Beteiligten - vor allem für die Patienten - eine schwierige Situation. Eine erneute Operation (Revision) ist nur in Ausnahmefällen das Verfahren der ersten Wahl.
Konservative Therapie
Nichtoperative Therapie ist immer die erste Wahl: Nach einer vorangegangenen Operation ist die Erfolgswahrscheinlichkeit weiterer Operationen stark verringert. In erster Linie beschreiten wir daher den konservativen Behandlungsweg.
- Medikamentöse Schmerztherapie und Entzündungshemmung: Kann die Schmerzen lindern. Wenn die Beschwerden zum Beispiel auf eine entzündliche Reizung des Epiduralraumes durch das ausgetretene Bandscheibenmaterial zurückgehen, könnten hochdosierte nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen helfen.
- Physiotherapie: Ebenso gehört beweglichkeitsfördernde Physiotherapie und entzündungshemmende physikalischen Therapie zum Standard der konservativen Therapie des Postdisketomiesyndroms.
- Injektionen mit Kortison: Häufig können Injektionen mit Kortison weiterhelfen. Eine weitverbreitete Behandlung der therapierestenten epiduralen Fibrose ist daher die Injektion von steroidalen Entzündungshemmern (Kortison) durch die Öffnungen der Rückenmarksnerven in den Rückenmarkskanal durch die Nervenaustrittsstellen (Neuroforamen).
Interventionelle Schmerztherapie
Bei chronischen Schmerzen wenden wir die minimalinvasiven Verfahren der interventionellen Schmerztherapie wie zum Beispiel die Neuromodulation mit PASHA®-Katheter bzw. EPRF an.
- Epiduroskopie: Untersuchung und Therapie des Spinalraums durch eine Kamerasonde, die mit Hilfe eines Katheters durch eine Öffnung des Wirbelkanals im Bereich der Sakralwirbel (Hiatus sacralis) eingeführt wird. Unter Röntgenkontrolle navigiert der Arzt die Sonde durch das Rückenmark. Während Untersuchung und Behandlung ist der Patient wach und für den Operateur ansprechbar auf die durch die Berührung von Nervenwurzeln ausgelösten Symptome.
- Methode nach Prof. Racz: Katheter kann zu einer Schrumpfung des Narbengewebes führen und Ihnen dadurch langfristig Linderung verschaffen. Es kommt hier auch auf Art und Ausprägung der Narbenbildung an.
Operative Therapie
Eine Möglichkeit ist, in einem zweiten kleinen Eingriff die Narbe zu beseitigen und so den Nerv wieder zu befreien (Neurolyse).
Eine erneute Operation nach postoperativem Schmerzsyndrom an der Wirbelsäule ist nur bei eindeutigen In…
Rehabilitation
Viele Operationen führen auch zu einer Veränderung der Statik: Versteifungen oder Entfernung von Bandscheibenvorfällen führt zu einer Veränderung der Beweglichkeit. Muskeln und Nervensystem müssen sind an diese Veränderungen anpassen: Physiotherapie und Aktivität unterstützen diese Anpassungsvorgänge. Je nach Ausgangssituation dauern diese Anpassungen unterschiedlich lange. Wenn ein halbes Jahr nach Operation noch deutliche Rückenbeschwerden bestehen, besteht Anlass für eine eingehende klinische Untersuchung.
Bei chronischen Schmerzen nach der Wirbelsäulen-OP müssen wir auch stets den Verlauf der Rehabilitation kritisch hinterfragen. Hat der Patient den möglichen Bewegungsumfang realisiert, oder befindet er sich noch im Stadium der Vermeidung und der postoperativen Schonhaltung?
Wundheilung und Narbenpflege nach der Operation
Gerade in der ersten postoperativen Phase stehen die Wundheilung, die Schmerzprophylaxe, die Regelung der Verdauung und die vorsichtige Mobilisierung unter Vermeidung von Fehlbewegungen im Vordergrund.
Eine Wirbelsäulenoperation kann sehr blutig sein, weil das Venengeflecht im Spinalkanal blutreich ist. Deshalb wird häufig ein kleiner Schlauch (Redon) in die Wunde eingelegt, damit das Blut abfließen kann. Dieser Schlauch wird 1-2 Tage nach der Operation gezogen, was unangenehm sein kann, aber nach eigener (mehrfacher) Erfahrung auszuhalten ist. Oft werden Sie auch gebeten, in den ersten Tagen flach auf dem Rücken zu liegen, damit die Blutung etwas komprimiert wird. In dieser Zeit wird der Verband allerdings noch stärker Blut aufsaugen, machen Sie sich keine Sorgen, das ist normal. Achtung: Wunden, die stark Flüssigkeit absondern (sezernieren), sind infektionsgefährdet, weil hier Keime und Bakterien von außen in den Rückenmarkskanal eindringen können. Die Wunde am Rücken bzw. am Hals können Sie nicht selbst versorgen, dies muss bis zur Fäden- bzw. Klammerentfernung von Fachleuten durchgeführt werden. Duschen ist 10-14 Tage lang nur mit einem wasserfesten Pflaster erlaubt. Nach dem Duschen sollten Sie wieder ein luftdurchlässiges Pflaster anbringen, denn unter den meisten Duschpflastern kann sich Sekret ansammeln, das einen Nährboden für Bakterien bildet. Die Gefahr einer Infektion der Wunde, vielleicht sogar auch des Spinalkanals, durch eindringende Bakterien darf man nicht unterschätzen. Eine reizlose Narbe ist nach 10-14 Tagen sicher geschlossen, sodass die Wundfäden entfernt werden können. Häufig bleibt die Narbe auch danach noch etwas geschwollen, was meist an dem darunter befindlichen Bluterguss liegt. Auch dies ist ein Zeichen, dass Sie sich auch tagsüber 3- bis 4-mal hinlegen und den Rücken schonen sollten. Achtung: Rötet sich die Haut um die Wunde zunehmend und tritt vermehrt Flüssigkeit (oder sogar Eiter) aus, müssen Sie sich unversehens zum Arzt begeben. Eine Infektion in diesem Gebiet ist eine schwerwiegende Komplikation.
Nervenregeneration
Gefühlsstörungen oder gar Lähmungen, die vor der OP bestanden, sind postoperativ meist noch vorhanden, vielleicht aber schon in geminderter Ausprägung, weil sich der Nerv nun langsam erholen kann. Ein Nerv besteht aus vielen einzelnen Nervenfasern und einer Nervenhülle, die wie bei einem Telefonkabel die Fasern und Bündel umhüllt. Ein starker Druck oder eine andere Verletzung können die Nervenfasern teilweise (Stadium 1) oder ganz (Stadium 2) unterbrechen. In beiden Fällen wachsen glücklicherweise innerhalb der Hüllstruktur die Nervenfasern wieder nach - ähnlich wie die Wurzeln bei einem Baum - und zwar mit einer Geschwindigkeit von etwa 5-8 Millimetern pro Woche. Damit können Sie ausrechnen, wann das Gefühl im großen Zeh zurückkommt, wenn in der Lendenwirbelsäule ein Nerv operativ befreit wurde: erst nach vielen Monaten. Die Nervenregeneration kann bis zu 2 Jahre dauern. Ist auch die Hüllstruktur des Nervs komplett zerrissen (Stadium 3), kann die Regeneration auch ganz verhindert sein. Auch zu langes Abwarten über viele Wochen kann in den Schädigungsstadien 1 und 2 die Nervenregenration hemmen.
Nervenaktivierung mit elektrischem Strom
Bei einer Elektro-Myo-Stimulation (EMS) des Muskels führen schwache Stromimpulse von Elektroden, die auf der Haut liegen, zu einer Kontraktion des Muskels. Dies macht man sich bei Lähmungen bzw. Teillähmungen eines Muskels zunutze, um einen Muskel trotz fehlender Nervenversorgung (etwa bei einem geschädigten Nerven im Rückenbereich) zu trainieren. Zwar regeneriert sich der Nerv oft nach vielen Wochen und gewinnt seine Funktion zurück, in der Zwischenzeit ist aber der untätige Muskel dünn geworden (atrophiert) und die Synapsen (Verbindungen vom Nerv zum Muskel) sind verschwunden. Der nach einigen Monaten wieder funktionsfähige Nerv trifft dann auf einen ausgeprägten Muskelabbau mit Umwandlung in Fettzellen. Dann kann auch ein komplett geheilter Nerv die Muskelfunktion nicht wiederherstellen, denn Fettzellen wandeln sich nicht mehr in Muskeln zurück. Daher sollte so früh wie möglich mit der täglichen Elektro-Myo-Stimulation (EMS) begonnen werden.
Knochenheilung
Bei Knochenbrüchen der Wirbelkörper dauert es mindestens 8-12 Wochen, bis der Knochen verheilt ist. Bei komplizierten Brüchen mit vielen Bruchstücken oder bei ständiger Bewegung und Instabilität im Frakturbereich oder bei schlechter Durchblutung kann dies länger dauern. Auch nach Verschraubung und Einbringen von Knochenspänen zur Stabilisierung eines Wirbelsegments sollten Sie mit einer langen Einheilungszeit rechnen. Wenn dagegen bei osteoporotischen Knochenbrüchen der Wirbelkörper mit Knochenzement ausgefüllt ist, kann dieses Segment eigentlich schon nach 15 Minuten belastet werden. Dann ist der Knochenzement fest. Jedoch entscheidet auch hier Ihr Arzt, wann und wie stark Sie das operierte Wirbelsegment belasten dürfen.
Heilung nach Operation einer Spinalkanalstenose
Eigentlich kann die Wirbelsäule nach der Operation einer spinalen Stenose bald wieder belastet werden. Es ist davon abhängig, wie viel Gewebe vom Knochen, von den Bändern oder anderen Strukturen entfernt wurde.
Weitere Heilungsvorgänge an der Wirbelsäule
Die Heilung nach Verödung der kleinen Wirbelgelenke ist schon nach wenigen Tagen vorangeschritten. Werden die Gelenkschleimhäute der kleinen Wirbelgelenke mit Thermosonden, Radiofrequenz oder anderen endoskopischen Verfahren behandelt (bzw. verödet), oder werden kleine Knochenvorsprünge an den Dorn- oder Querfortsätzen entfernt, ist nach der Wundheilung keine besondere Maßnahme erforderlich.
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