Vestibuläre Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist eine weit verbreitete Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die vestibuläre Migräne ist eine spezielle Form der Migräne, bei der zusätzlich zum Kopfschmerz Symptome wie Schwindel auftreten. Diese Schwindelmigräne kann, wie viele andere Migräneformen, mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen und dauert in der Regel wenige Minuten bis mehrere Stunden.

Was ist vestibuläre Migräne?

Die vestibuläre Migräne, auch Schwindelmigräne genannt, ist eine Sonderform der Migräne, die in der Neurologie erst seit den 1980er-Jahren bekannt ist. Bei dieser Form der Migräne treten neben den typischen Kopfschmerzen zusätzliche Symptome auf, insbesondere kurze Attacken von Übelkeit, Ohrgeräuschen und Sehstörungen. Auch das Gleichgewichtsorgan im Innenohr kann beeinträchtigt sein.

In vielen Fällen kommt es in bis zu 30 % der Fälle gar nicht zum klassischen Migräne-Symptom Kopfschmerz. Dafür aber zu anderen typischen Begleitbeschwerden, die der Schwindelattacke vorausgehen oder zeitgleich auftreten, wie z.B.:

  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Ohrgeräusche oder Hörminderung
  • Sehstörungen
  • Übelkeit und Erbrechen

Der Name "vestibuläre Migräne" bezieht sich auf das vestibuläre System, das im menschlichen Körper für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts verantwortlich ist. Bei der vestibulären Migräne ist dieses System gestört, so dass schon einfache Kopfbewegungen Schwindel und Desorientierung auslösen können. Diese Symptome sind für die Betroffenen oft noch belastender als die Kopfschmerzen selbst. Gehen und Stehen fallen den Patienten schwer, und jede Veränderung der Körperlage kann den Schwindel verstärken.

Eine Schwindelmigräne kann sich in verschiedenen Schwindelformen äußern, z. B. als Schwankschwindel oder Drehschwindel, wobei es sich in den meisten Fällen um einen Drehschwindel handelt. Häufig treten auch zuckende Augenbewegungen auf, die für den Betroffenen deutlich spürbar und auch für andere sichtbar sind. Dies kann die vestibuläre Migräne zu einem äußeren Stigma machen, was für die Patienten oft sehr unangenehm ist. Mitunter treten auch nur die Schwindelattacken auf, während der eigentliche Kopfschmerz vollständig ausbleibt.

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Symptome der vestibulären Migräne

Das Hauptsymptom der vestibulären Migräne ist Schwindel. Dieser kann sich als Drehschwindel, als lageabhängiger Schwindel oder als Kopfbewegungsintoleranz äußern. Daher wird die vestibuläre Migräne im Volksmund auch als "Schwindelmigräne" bezeichnet. Schwindel tritt zwar auch bei anderen Arten von Migräne auf, ist aber nie so charakteristisch wie bei der vestibulären Migräne.

Beim Drehschwindel haben die Betroffenen das Gefühl, sich ununterbrochen auf einem Karussell zu befinden. Beim lagerungsabhängigen Schwindel hängt die Symptomstärke von der Position des Kopfes im Raum ab. Die Kopfbewegungsintoleranz gibt den Betroffenen das Gefühl, seekrank zu sein, sobald sie ihren Kopf bewegen. Wird der Kopf für längere Zeit nicht bewegt, verflüchtigt sich der Schwindel bis zur nächsten Kopfbewegung.

Bei einigen Patienten werden die Schwindelattacken auch von visuellen Signalen beeinflusst: Die Ansicht bewegter oder besonders komplexer Muster mit vielen Farben und Formen lösen den Schwindel aus. Die Teilnahme am Straßenverkehr, ein Kinobesuch und das Einkaufen im Supermarkt sind oft besonders herausfordernd für Betroffene.

Eine Schwindelattacke kann zwischen wenigen Sekunden und mehreren Tagen andauern. Bei etwa der Hälfte aller Betroffenen halten die Attacken Stunden bis Tage an.

Ein temporärer Zusammenhang zwischen Schwindel und migränetypischen Kopfschmerzen ist nicht immer vorhanden: Manche Betroffene haben Kopfschmerzen während der Schwindelattacken. Andere leiden unter Schwindel, ohne jedoch Kopfschmerzen zu haben. Die meisten Patienten weisen allerdings beide Symptome auf - zeitlich allerdings oft unabhängig voneinander.

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Neben dem Schwindel gibt es weitere Symptome, die das Beschwerdebild der vestibulären Migräne vervollständigen:

  • Oszillopsien: Bei Oszillopsien handelt es sich um Scheinbewegungen der Umwelt. Patienten glauben, dass ihr Umfeld sich bewegt, tatsächlich ist es aber unbewegt.
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Gangunsicherheit: Da bei der vestibulären Migräne das Vestibularorgan (Gleichgewichtsorgan) im Innenohr betroffen ist, kommt es zu Gleichgewichtsstörungen, die sich als Gangunsicherheit zeigen.
  • Migräne-Symptome: Dazu gehören Kopfschmerzen, Lärm- und Lichtscheu sowie häufiges Wasserlassen.
  • Auditive Symptome: Das betroffene Vestibularorgan befindet sich im Innenohr, sodass auch das Gehör betroffen sein kann. Die Beschwerden äußern sich als Hörminderung, Tinnitus oder Ohrendruck.
  • Keine Verschlimmerung der Hörminderung im Laufe der Erkrankung: Im Gegensatz zu Morbus Menière verschlechtert sich die Hörleistung bei der vestibulären Migräne mit der Zeit nicht weiter.

Differentialdiagnose

Die Diagnose einer vestibulären Migräne ist nicht immer einfach, da die Symptome mitunter diffus sind und auch auf andere Erkrankungen hinweisen können. Sehr ähnlich sind beispielsweise die Symptome der Menière-Krankheit, die das Innenohr betrifft. Auch Morbus Menière ist mit Schwindel und einer Störung des Gleichgewichts verbunden. Allerdings sind die Ursachen von Morbus Menière bis heute nicht erschlossen und eine Therapie gestaltet sich deshalb schwierig.

Für eine eindeutige Diagnose hat die Bárány-Society (The International Society for Neuro-Otology) die folgenden Kriterien aufgestellt:

  • Mindestens fünf Attacken mit vestibulären Symptomen mit einer Dauer von fünf Minuten bis 72 Stunden
  • Es wird eine Migräne mit oder ohne Aura diagnostiziert
  • Bei mindestens 50 % der Schwindelanfälle treten ein oder mehrere Migränesymptome auf
  • Die Beschwerden sind nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen

Ein weiteres klares Unterscheidungsmerkmal ist außerdem: Die Attacken der vestibulären Migräne führen im Gegensatz zu Morbus Menière nicht zu einem fortschreitenden Hörverlust.

Ursachen und Auslöser

Die Neurologie forscht eifrig nach den Ursachen der vestibulären Migräne, aber vollständig sind diese noch nicht erfasst. Bislang wurden bereits verschiedene innere und äußere Risikofaktoren ausgemacht, die als Auslöser infrage kommen.

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Die Gene und die familiäre Veranlagung spielen eine wichtige Rolle und können die vestibuläre Migräne begünstigen. Besteht in Ihrer Familie eine Anfälligkeit für das Leiden, liegt der Verdacht nahe, dass auch Sie selbst betroffen sein könnten.

Zu den als sicher geltenden Auslösern einer Migräne gelten Stress und Schlafmangel. Ist das Gehirn überreizt, kann es sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern zu Kopfschmerzen kommen, und eine Störung der körpereigenen Mechanismen wirkt sich auch auf das vestibuläre System aus. Negativer Stress ist darüber hinaus eine häufige Ursache für viele andere Erkrankungen und lässt sich durch eine geschickte Alltagsgestaltung und Anpassung des Lebensstils in manchen Fällen vermeiden oder zumindest verringern.

Geraten die Hormone in Aufruhr, zum Beispiel bei Frauen mit Eintritt in die Wechseljahre, nach Absetzen der Pille oder während einer Schwangerschaft, kann das ebenfalls das häufige Auftreten von Kopfschmerzen, Migräne und der speziellen Schwindelmigräne begünstigen.

Auch bestimmte Lebensmittel können bei einer vorhandenen Unverträglichkeit oder Allergie die Symptome einer Schwindelmigräne auslösen. In diesem Fall lässt sich das Auftreten der Beschwerden wie Kopfschmerzen und Schwindel durch die Vermeidung des entsprechenden Nahrungsmittels oft deutlich verringern oder sogar ganz verhindern.

Sowohl Licht als auch bestimmte Geräuschimpulse können bei einer entsprechenden Veranlagung Schwindelmigräne auslösen. Besonders wetterfühlige Menschen sind unter Umständen bei Veränderungen der Witterungsverhältnisse auch von der Schwindelmigräne betroffen. Dabei ist es nicht unbedingt ein bestimmtes Wetter, das die Symptome wie Kopfschmerz und Schwindel auslöst, sondern die Veränderung der Wetterbedingungen an sich.

Wie viele andere Erkrankungen hängt auch die vestibuläre Migräne stark mit der individuellen Ernährung und Lebensweise zusammen. Fehlen dem Körper wichtige Nährstoffe, kann dies das Auftreten entsprechender Symptome nach sich ziehen. Dass der dauerhafte oder übertriebene Genuss von Nikotin und Alkohol dem Körper schadet und ihn unnötig in Stress versetzt, ist heutzutage ebenfalls kein Geheimnis mehr.

Individuelle Trigger identifizieren

Im Allgemeinen sind die Trigger einer Migräne mit vestibulärer Aura sehr individuell und können von Mensch zu Mensch verschieden sein. Die genaue Ursache zu ermitteln ist also in jedem Fall eine spezifische Aufgabe, die es zu meistern gilt. Ein Anfallstagebuch kann helfen, die individuellen Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.

Behandlung der vestibulären Migräne

Obwohl sich Neurologen schon seit einiger Zeit mit der vestibulären Migräne beschäftigen, ist die Krankheit für viele Ärzte noch immer ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Auch die Diagnose der vestibulären Migräne gelingt nicht immer eindeutig: Einer amerikanischen Studie zufolge wird die vestibuläre Migräne nur in 20 Prozent aller Fälle richtig diagnostiziert.

Da die Neurologie noch vergleichsweise wenig über die vestibuläre Migräne weiß, ist eine gezielte erfolgreiche Therapie oft schwierig. Im Mittelpunkt des richtigen Umgangs mit der Schwindelmigräne steht deshalb vor allem die Vorbeugung. Vestibuläre und gewöhnliche Migräne werden mit ähnlichen Ansätzen therapiert.

Vestibuläre Migräne gehört zu den Erkrankungen, die vorwiegend mit Medikamenten bekämpft bzw. abgemildert werden. Dabei geht es zum einen um die Verhinderung der schubweise auftretenden Attacken sowie der damit verbundenen Symptome, also der verschiedenen Schwindelformen und der Kopfschmerzen.

Akutbehandlung

Treten Kopfschmerz und Schwindel nur gelegentlich und schwach auf, können Sie eine Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika versuchen: Medikamente wie Ibuprofen und Aspirin können den Kopfschmerz im akuten Fall lindern. Um Schmerzen kurzfristig zu lindern, können Sie zu einem Schmerzmittel greifen. Dabei handelt es sich aber nur um eine Sofortmaßnahme, die langfristig keine Therapie ersetzt.

Bei einer akuten Attacke können bestimmte Mittel gegen Übelkeit helfen, etwa der Wirkstoff Dimenhydrinat, der auch in Reisetabletten enthalten ist. Den Wirkstoff gibt es in Form von Tabletten, Saft (individuell dosierbar) oder Zäpfchen, was sinnvoll sein kann, wenn die Attacken mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen. Sie helfen auch gegen den Schwindel und lassen die Patienten zur Ruhe kommen. Typische Migränemedikamente wie Schmerzmittel oder Triptane sind bei der vestibulären Form mit Kopfschmerz ebenfalls sinnvoll.

Vorbeugende Maßnahmen

Wenn die Symptome der Schwindelmigräne langfristig auftreten, helfen nur gezielte therapeutische Mittel aus dem Neurologie Bereich, um das allgemeine Risiko der Erkrankung zu senken. Zur Vorbeugung chronischer Migräneanfälle hat die Neurologie Betablocker und Calciumkanalblocker als Wirkstoffe ausgemacht. Ihr Arzt wird Ihnen das auf Sie und Ihre Beschwerden zugeschnittene Mittel empfehlen und verschreiben.

Bei der Verabreichung von Antivertiginosa geht es weniger um den Kopfschmerz, als um den Schwindel und die daraus resultierende Orientierungslosigkeit. Als Mittel gegen schwere Attacken werden für gewöhnlich Triptane verschrieben. Einige diese Medikamente enthalten verschreibungsfreie Wirkstoffe, die Sie auch zum schnellen Versand erhalten, beugen Entzündungen vor und wirken gefäßverengend. Zwar können Triptane gegen Migräne helfen, bei allzu häufiger Einnahme aber auch als Nebenwirkung Kopfschmerzen hervorbringen. In diesem Fall spricht man von einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Die Einnahme dieser Medikamente ist daher erst ab 18 Jahren empfohlen. Besondere Vorsicht sollten Patienten mit bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchblutungsstörungen, Nieren- oder Leberschäden walten lassen. Als weitere Nebenwirkungen sind zudem Kribbeln, Hitzegefühle, Schwindel, Blutdruckanstieg, Schläfrigkeit und Herzrasen zu nennen.

Wichtig: Aufgrund der genannten Einschränkungen und Nebenwirkungen sollten Sie eine langfristige Medikamentierung nicht ohne ärztlichen Rat vornehmen.

Weitere Therapieansätze

  • Stressmanagement: Da Stress zu den gesicherten Ursachen bzw. Auslösern einer Schwindelmigräne gehört, sollten Sie Stress, wann immer möglich, vermeiden oder Ihr Stresslevel zumindest reduzieren. Dazu gehören vor allem regelmäßige Entspannungspausen und auch Schlafphasen - denn neben Stress begünstigt insbesondere auch der Schlafmangel Kopfschmerzen und Schwindel-Attacken in hohem Maße.
  • Bewegung: Gegen regelmäßigen Schwankschwindel hilft auch Bewegung. Sport kann nicht nur entspannen und damit Stress vorbeugen, sondern dient auch als effektive prophylaktische Maßnahme gegen viele Erkrankungen, darunter eben auch Kopfschmerz und Schwindel. Durch regelmäßige Bewegung senken Sie das Risiko einer Migräne mit vestibulärer Aura spürbar.
  • Gleichgewichtstraining: Gleichgewichtstraining gibt Patientinnen und Patienten Sicherheit.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und genügend Trinken bilden die Basis für einen gesunden Lebensstil.

Leben mit vestibulärer Migräne

Vestibuläre Migräne ist nicht heilbar, aber es gibt Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Es ist wichtig, die eigenen Trigger zu identifizieren und zu vermeiden, Stress zu reduzieren und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Eine medikamentöse Therapie kann helfen, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren. Mit der richtigen Behandlung und einem guten Selbstmanagement können Betroffene ein erfülltes Leben führen.

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