Die Vestibularisprüfung mit dem Kaltwasser-Test: Ursachenforschung bei Schwindel

Schwindel ist ein weit verbreitetes Symptom, das viele Ursachen haben kann. Um die genaue Ursache zu finden, ist eine gründliche Diagnose notwendig. Ein wichtiger Bestandteil dieser Diagnostik ist die Vestibularisprüfung, bei der unter anderem der Kaltwasser-Test zum Einsatz kommt.

Anamnese und erste Untersuchungen

Am Anfang jeder Diagnose steht ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patient, die Anamnese. Dabei werden Informationen zum Schwindelgefühl und der Krankheitsgeschichte des Patienten gesammelt. Fragen, die dabei gestellt werden, sind beispielsweise:

  • Tritt der Schwindel plötzlich und ohne Vorwarnung auf?
  • Wie lange dauert der Schwindel an (Sekunden, Stunden, Tage, Wochen)?
  • Wird der Schwindel durch bestimmte Faktoren beeinflusst (Ruhe, Bewegung, Lagerung, Situationen wie Höhen oder Autofahrten)?

Nach der Anamnese folgt eine erste körperliche Untersuchung. Anhand der Ergebnisse kann der Arzt die möglichen Ursachen des Schwindels grob einteilen:

  • Peripher-vestibulärer Schwindel: Ursache im Gleichgewichtsorgan
  • Zentral-vestibulärer Schwindel: Ursache im Gehirn
  • Nicht-vestibulärer Schwindel: Ursache in körperlichen Faktoren außerhalb des Gleichgewichtsorgans oder des Gehirns
  • Psychogener Schwindel: Ursache in seelischem Ungleichgewicht

Fachärztliche Untersuchungen

Wenn die ersten Untersuchungen keine eindeutige Ursache für den Schwindel ergeben, oder wenn der Verdacht auf eine Schädigung des Gleichgewichtssystems oder des Gehirns besteht, werden weitere fachärztliche Untersuchungen durchgeführt. In den meisten Fällen werden ein HNO-Arzt oder ein Neurologe hinzugezogen.

Der HNO-Arzt kann verschiedene Gleichgewichtsuntersuchungen durchführen, um die Ursache des Schwindels zu finden. Ziel ist es festzustellen, ob die Ursache im Gleichgewichtsorgan selbst, im Gleichgewichtsnerv oder in den Nervenbahnen im Gehirn liegt.

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Die Vestibularisprüfung im Detail

Die Vestibularisprüfung dient der Feststellung von Ursachen für Gleichgewichtsstörungen und Problemen im zuständigen Apparat für die harmonische Ausführung von Bewegungen. Symptome wie Schwindelgefühl, Benommenheit und Gleichgewichtsstörungen können, wenn sie häufiger auftreten und länger anhalten, auf verschiedene Krankheiten zurückzuführen sein. Die im Rahmen dieser Untersuchung durchgeführten Tests prüfen die Funktionsfähigkeit des Gleichgewichtsorgans, also des Apparats, der das Vestibulum und das Labyrinth umfasst und dem Gehirn durch eine Reihe von Prozessen Informationen über die Stellung von Körper und Kopf im Raum übermittelt. Dysfunktionen dieses Apparats wie Labyrinthitis oder benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS) sind die häufigste Ursache für Gleichgewichtsstörungen.

Die Vestibularisprüfung beruht vor allem auf der Beobachtung von Nystagmus, d.h. unwillkürlichen Bewegungen der Augen, die spontan erfolgen oder durch spezifische Reize ausgelöst werden. Der Patient trägt dabei eine besondere Brille oder eine maskenähnliche Vorrichtung, die ihn daran hindert, einen Punkt zu fixieren. Bei der Untersuchung werden bestimmte Manöver und Bewegungen am Kopf des auf einer Untersuchungsliege ruhenden Patienten vorgenommen, um zu überprüfen, welche Stellungen und Impulse Nystagmus hervorrufen. Aus der Stellung, in der diese Augenbewegungen beobachtet werden und der Art dieser Bewegungen kann der HNO-Arzt schließen, welche Diagnose zu stellen ist oder ob weitere Untersuchungen erforderlich sind.

Die Vestibularisprüfung dauert etwa 15 Minuten und kann Schwindelgefühl und Übelkeit hervorrufen. Aus diesem Grund sollte man in Begleitung zur Prüfung erscheinen und seit mindestens vier Stunden nüchtern sein. Die Einnahme von Arzneimitteln gegen Schwindelgefühl kann zudem das Ergebnis der Tests verfälschen. Eine Behandlung mit solchen Arzneimitteln muss daher zwei Tage vor der Vestibularisprüfung abgesetzt werden. Während der Tests dürfen keine Kontaktlinsen jeglicher Art getragen werden. Vor der Vestibularisprüfung wird eine HNO-Untersuchung durchgeführt, um das Vorhandensein von Ohreninfektionen oder Ohrenschmalzpfropfen auszuschließen, da diese eine Kontraindikation für die Prüfung darstellen.

Der Kaltwasser-Test (Kalorische Spülung)

Ein wichtiger Bestandteil der Vestibularisprüfung ist die kalorische Spülung, auch Kaltwasser-Test genannt. Dabei wird der äußere Gehörgang mit unterschiedlich temperiertem Wasser gespült. Die Temperaturveränderung bewirkt eine Flüssigkeitsbewegung im horizontalen Bogengang des Gleichgewichtsorgans, die wiederum einen Nystagmus auslöst.

Die Methode nach Hallpike wird in der Regel angewendet. Dabei wird der Kopf des Patienten im Liegen um 30 Grad vorgebeugt, um den horizontalen Bogengang möglichst senkrecht zu positionieren. Anschließend wird der Gehörgang abwechselnd mit warmem (44 Grad Celsius) und kühlerem Wasser (30 Grad Celsius) gespült.

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  • Warmreiz: Löst bei gesunden Menschen einen horizontalen Nystagmus zur gereizten Seite aus.
  • Kaltreiz: Löst einen Nystagmus zur Gegenseite aus.

Die thermische Vestibularisprüfung regt den Gleichgewichtssinn im horizontalen Bogengang des jeweiligen Ohres an. Diese Reaktion kann entweder mit kaltem oder warmem Wasser ausgelöst werden, das ca. 30-40 Sekunden in den Gehörgang gespült wird. Je nach Wassertemperatur kommt eine Abkühlung bzw. Erwärmung der Endolymphe (Innenohrflüssigkeit) im Bogengang zustande. Die Veränderung der Druckunterschiede wird durch Sinneszellen registriert und als neuronaler Impuls über den Gleichgewichtsnerv zum Hirnstamm geleitet, wo schließlich die Augenmuskelkerne erregt werden. Der Nystagmus wird ausgelöst.

Die periphere Erregbarkeit wird zwischen links und rechts verglichen, sodass einseitige Funktionsminderungen bzw. -ausfälle identifiziert werden können. Bei zentralen vestibulären Funktionsstörungen ist die thermische Erregbarkeit meist beidseits gleich gemindert oder beidseits unauffällig.

Vor der Durchführung der thermischen Labyrinthprüfung muss eine intakte Trommelfellmembran sichergestellt werden. Bei bekannter Perforation des Trommelfells ist die Durchführung des Verfahrens kontraindiziert.

Weitere Tests im Rahmen der Vestibularisprüfung

Neben der kalorischen Spülung werden im Rahmen der Vestibularisprüfung häufig weitere Tests durchgeführt:

  • Romberg-Test: Der Patient muss mit geschlossenen Augen auf beiden Beinen stehen.
  • Tretversuch nach Unterberger: Der Patient muss mit geschlossenen Augen auf einer Stelle marschieren.
  • Zeigeversuch: Der Patient muss mit geschlossenen Augen mit einem Zeigefinger auf die Nasenspitze tippen.
  • Kopf-Impuls-Test (KIT): Die Funktion jedes einzelnen Bogengangs im Innenohr wird untersucht.
  • Drehstuhl-Test: Der Patient sitzt auf einem drehbaren Stuhl und wird gedreht, während seine Augenbewegungen aufgezeichnet werden.

Interpretation der Ergebnisse

Die Ergebnisse der Vestibularisprüfung, einschließlich des Kaltwasser-Tests, geben dem Arzt wichtige Hinweise auf die Ursache des Schwindels. Anhand der Art und Richtung des Nystagmus, der bei den verschiedenen Tests ausgelöst wird, kann der Arzt feststellen, ob eine Störung des Gleichgewichtsorgans vorliegt und wo genau diese lokalisiert ist.

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Kosten und Unannehmlichkeiten

Die Kosten für eine Vestibularisprüfung liegen zwischen 50 und 100 Euro, abhängig vom Umfang der Untersuchung und dem behandelnden Spezialisten. Die Untersuchung kann von einem Spezialisten verordnet und entweder privat oder auf Rezept des staatlichen Gesundheitsdienstes durchgeführt werden.

Die Vestibularisprüfung ist nicht schmerzhaft, kann aber in einigen Fällen zu vorübergehenden Beschwerden in Verbindung mit dem Schwindelgefühl führen.

Therapie

Abhängig von der Diagnose können verschiedene Therapien eingesetzt werden, um den Schwindel zu behandeln.

  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS): Hier kann ein Befreiungsmanöver (z.B. Semont-Manöver, Epley-Manöver, McClure-Manöver) direkt im Rahmen der Vestibularisprüfung durchgeführt werden.
  • Labyrinthitis oder Ménière-Syndrom: Weitere Untersuchungen und spezifische Therapien sind erforderlich.
  • Andere vestibuläre Erkrankungen: Chirurgische Interventionen, medikamentöse Therapien, Verhaltensempfehlungen oder physiotherapeutische Übungen können in Betracht gezogen werden.

Alternativen zur Wasserspülung

Obwohl die Wasserspülung eine bewährte Methode zur kalorischen Reizung des Gleichgewichtsorgans ist, gibt es auch Alternativen. Eine davon ist die Reizung mit Luft, die bei korrekter Ausführung ebenfalls zuverlässig ist. Moderne Geräte wie der KALORIstar CT verwenden temperierte Luft, um das Gleichgewichtsorgan zu reizen. Durch eine integrierte aktive Kühlung können Kaltreize bis 7°C unter der Raumtemperatur erzeugt werden.

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