Einleitung
Kranke Mitarbeiter stellen für viele Arbeitgeber eine Herausforderung dar. Meldungen über Krankheiten häufen sich, die verbleibenden Mitarbeiter sind unzufrieden, und das Unternehmen leidet unter Produktionsverzögerungen und verpassten Fristen. Dieser Artikel bietet Verhaltenstipps für Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Umgang mit kranken Kollegen, um sowohl die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen als auch den reibungslosen Ablauf im Unternehmen zu gewährleisten.
Ursachen und Auswirkungen von Fehlzeiten
Die Gründe für krankheitsbedingte Fehlzeiten sind vielfältig. Im Winter oder bei grassierenden Sommergrippen fallen oft viele Mitarbeiter gleichzeitig aus. Längerfristige Ausfälle können auf ernsthafte Erkrankungen zurückzuführen sein. Häufige Kurzerkrankungen hingegen können Zweifel beim Arbeitgeber aufkommen lassen, insbesondere wenn sie einem Muster folgen.
Die Auswirkungen von Fehlzeiten sind erheblich:
- Unzufriedenheit der verbleibenden Mitarbeiter: Sie müssen kurzfristig einspringen und Überstunden leisten.
- Produktionsverzögerungen und verpasste Fristen: Dies kann zu Kundenverärgerung und finanziellen Einbußen führen.
- Belastung des Betriebsklimas: Wenn Kollegen häufig krank sind, kann dies zu Unmut und Spannungen im Team führen.
Krank zur Arbeit: Ein absolutes No-Go
Krank zur Arbeit zu gehen, ist ein absolutes No-Go. Arbeitnehmer sollten sich zu Hause auskurieren, um ihre Kollegen nicht zu gefährden. Auch für den Arbeitgeber hat dies Vorteile, da eine schnelle Genesung die Arbeitsfähigkeit wiederherstellt.
Das klärende Gespräch: Ursachenforschung statt Vorwürfe
Bei häufigen Kurzerkrankungen sollte der Arbeitgeber das Gespräch mit dem betroffenen Mitarbeiter suchen. Dabei ist es wichtig, keine Vorwürfe zu erheben, sondern stattdessen Verständnis zu zeigen und gemeinsam die Gründe für das häufige Fehlen zu analysieren. Möglicherweise leidet der Mitarbeiter unter privatem oder beruflichem Stress, psychischen Belastungen, Überforderung oder hohem Leistungsdruck.
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Mögliche Auswege können sein:
- Ein wöchentlicher Homeoffice-Tag
- Flexible Arbeitszeiten
- Urlaub
- Eine bessere Verteilung der Aufgaben
Ärztliches Attest: Eine mögliche Maßnahme
Sollte sich das Problem auch nach einem klärenden Gespräch nicht ändern, hat der Vorgesetzte die Möglichkeit, bereits ab dem ersten Tag einer Erkrankung ein ärztliches Attest einzufordern. Dies kann Mitarbeiter davon abhalten, ihren Urlaub unberechtigt zu verlängern.
Kündigung wegen Krankheit: Wann ist das möglich?
Dass Krankheit kein Kündigungsgrund sei, ist eine weit verbreitete Meinung. Entscheidend ist, dass sich die Fehlzeiten eines Mitarbeiters, der ständig krank ist, auf mehr als sechs Wochen im Jahr belaufen müssen. Oder es ist damit zu rechnen, dass sich die hohe Anzahl auch in Zukunft nicht ändern wird. Darüber hinaus muss der Arbeitgeber nachweisen, dass der Unternehmenserfolg durch das abwesende Teammitglied beeinträchtigt ist.
Präventive Maßnahmen: Für ein besseres Betriebsklima
Wenn in einem Unternehmen viele Angestellte ungewöhnlich oft fehlen, sollten die vorherrschenden Arbeitsbedingungen überdacht werden. Zufriedene Mitarbeiter sind seltener krank. Faktoren wie Lob vom Chef, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und sympathische Kollegen begünstigen ein gutes Betriebsklima, in dem jeder gerne arbeitet und sich nur dann krankmeldet, wenn er oder sie auch wirklich das Bett hüten sollte.
Gesprächsführung: Wertschätzung und Interesse zeigen
Mit Angestellten über Fehlzeiten zu sprechen, ist oft unangenehm. Führungskräfte sollten jedoch regelmäßig mit ihren Teammitgliedern sprechen, auch in gesunden Zeiten. Nach einer Fortbildung oder nach dem Urlaub bietet sich ein Gespräch an. Je länger die Abwesenheit gedauert hat, desto mehr Zeit sollte für ein Krankenrückkehrgespräch eingeplant werden.
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Wichtig ist, Wertschätzung und echtes Interesse am Gegenüber zu signalisieren. Die Botschaft muss lauten, dass dir aufgefallen ist, dass der Mitarbeiter gefehlt hat und dass dir das nicht egal ist. Frag, wie es deinem Gegenüber geht. Frag, ob dein Gegenüber wieder voll einsatzbereit ist oder sich noch schonen muss, so dass Rücksichtnahme nötig ist. Frag, ob die Arbeit Grund für die Erkrankung war. Frag nicht nach der Diagnose, dazu hast du kein Recht.
Umgang mit schwierigen Mitarbeitern
Wenn Kollegen zum Problem werden, sind Führungskräfte besonders gefordert. Sie sind eine Bewährungsprobe für ihre Vorgesetzten. Fallen Mitarbeitende durch Fehlverhalten auf, kann das unterschiedliche Gründe und Konsequenzen haben. Wichtig ist es, die Ursachen zu erkennen und frühzeitig die richtigen Gegenmaßnahmen zu treffen.
Beispiele für schwieriges Verhalten:
- Mangelnde Aufmerksamkeit im Meeting
- Destruktive Kritik
- Sich als Opfer darstellen
- Negative oder pessimistische Einstellung
- Stetige Leistungsabnahme
- Unzuverlässigkeit
- Dauerkrankheit
Strategien zur Konfliktlösung
- Beobachtung: Den Arbeitsalltag mit dem schwierigen Mitarbeiter genau beobachten.
- Analyse: Was ist der Auslöser für das Verhalten des Mitarbeiters? Wie und wann hat sich das Verhalten verändert?
- Gespräch: Ein gemeinsames Gespräch ist grundsätzlich der erste Schritt zur Klärung eines Konflikts.
- Lösungen: Auf mögliche Lösungen kommen: „Wie kommen wir zusammen aus dieser Situation?
- Konsequenz: Worte sollten Taten folgen. Führungskräfte, die Fehlverhalten bemerken und ansprechen, zeigen, dass im Unternehmen auf die Mitarbeiter und deren Arbeit geachtet wird.
- Eskalation: Bleibt der Austausch mit dem schwierigen Mitarbeiter ohne Folgen, hilft oft nur die Eskalation des Konflikts. Abmahnungen wirken als erste konkrete Warnungen an den Mitarbeiter.
Umgang mit psychisch beeinträchtigten Beschäftigten
Ein Mitarbeiter oder Kollege ist Ihrem Eindruck nach irgendwie anders als sonst. Das veränderte Verhalten beeinträchtigt nötige Arbeitsprozesse oder hat Auswirkungen auf das Teamklima und Sie wissen nicht so recht, wie Sie sich verhalten sollen. Dann könnten die folgenden Schriften für Sie interessant sein. Die DGUV Information 206-030 „Umgang mit psychisch beeinträchtigten Beschäftigten. Handlungsleitfaden für Führungskräfte“ greift Themen rund um die Problematik auf und will informieren sowie sensibilisieren. Einen ersten Überblick liefert der Fachartikel „Hilfe, mein Kollege hat Depressionen - Über den Umgang mit psychisch kranken Mitarbeitern".
Souveräner Umgang mit schwierigen Kollegen
Konflikte im Job gehören für viele zum Alltag. Es gibt Möglichkeiten zu lernen, schwierige Menschen am Arbeitsplatz souverän zu begegnen, ohne sich selbst zu verbiegen oder Konflikten aus dem Weg zu gehen.
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Tipps für den souveränen Umgang:
- Die eigenen Grenzen klar kennen und kommunizieren
- Sich bewusst machen: Du musst nicht alles hinnehmen
- Emotionen im Griff behalten
- Resilienz stärken
- Selbstreflexion üben
- Kontakt reduzieren
- Work-Life-Balance schaffen
- Offenes Gespräch suchen
- Unterstützung holen
Konfliktgespräche führen
In einem Konfliktgespräch kommt es zunächst darauf an, die Position des Gegenübers in Ruhe anzuhören und zu versuchen, sie zu verstehen. Das schafft Vertrauen und hilft beim Finden eines gemeinsamen Lösungswegs. Kern eines solchen aktiven Zuhörens ist, das Gehörte mit eigenen Worten zu wiederholen: „Ich habe verstanden, dass…“ So lassen sich Missverständnisse vermeiden. Gift für ein Konfliktgespräch sind Killerphrasen wie Verallgemeinerungen oder Schuldzuweisungen, Du-Botschaften und Recht haben zu wollen. Stattdessen kommt es gerade in Konfliktgesprächen darauf an, die eigenen Interessen, Vorstellungen, Meinungen und Gefühle in der Ich-Form zu schildern, ohne dem Gegenüber dabei Vorwürfe zu machen oder versteckte Du-Botschaften zu senden.
Toxische Mitarbeiter:innen
Als toxische Mitarbeitende werden Personen bezeichnet, die ein demotivierendes und unzufriedenes Verhalten am Arbeitsplatz an den Tag legen und dieses Verhalten auch auf andere Teammitglieder übertragen.
Typen toxischer Mitarbeiter:innen:
- Der Negativ-Denker
- Der Besserwisser
- Das Opfer
- Der Lästerer
- Der Manipulator
- Der Aufschieber
- Der Dauerkranke
- Der Unmotivierte
- Der Unkooperative
Maßnahmen gegen toxisches Verhalten:
- Persönliches Gespräch mit Feedback
- Hilfe und Unterstützung anbieten
- Konsequenzen aufzeigen
- Arbeitsrechtliche Maßnahmen (Ermahnung, Abmahnung, Kündigung)
Präsentismus: Krank zur Arbeit
Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann, sollte zum Arzt gehen und mit einer Krankschreibung zuhause bleiben. Trotzdem gehen viele Mitarbeiter krank zur Arbeit (Präsentismus).
Gründe für Präsentismus:
- Angst, den Job zu verlieren
- Keine Vertretung im Team
- Kollegen nicht im Stich lassen wollen
- Guten Eindruck beim Chef machen wollen
Argumente gegen Präsentismus:
- Geringe Leistungsfähigkeit
- Ansteckungsgefahr
- Benötigte Erholung
- Risiko von Rückfällen oder chronischen Erkrankungen
Rechtliche Aspekte:
- Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht
- Arbeitnehmer müssen den Arbeitgeber im Krankheitsfalle umgehend informieren
- Spätestens am 4. Tag der Krankmeldung muss eine ärztliche Bescheinigung (AU) vorgelegt werden
Tipps zur Vorbeugung von Krankheiten im Büro
- Funktionierendes und gestärktes Immunsystem
- Genügend Schlaf
- Viel Obst und Gemüse
- Papiertaschentücher verwenden
- Körper warm halten
- Alltag entschleunigen
- Saunabesuche
- Trockene Heizungsluft vermeiden
- Positives Denken
Verhalten bei kranken Kollegen
Bevor Sie etwas Falsches sagen, sollten Sie besser gar nichts sagen.