Die Suche nach der passenden Unfallversicherung kann komplex sein, insbesondere wenn Vorerkrankungen wie Epilepsie vorliegen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Unfallversicherung im Zusammenhang mit Epilepsie, insbesondere im Hinblick auf die VHV Versicherung, und gibt einen Überblick über weitere relevante Themen wie Fahrtauglichkeit und allgemeine Aspekte der Unfallversicherung.
Unfallversicherung und Epilepsie: Ein Überblick
Eine private Unfallversicherung schützt vor den finanziellen Folgen von Unfällen. Sie zahlt bei bleibenden Unfallschäden eine festgelegte Summe, die Invaliditätsleistung. Die Höhe dieser Leistung hängt von der vereinbarten Versicherungssumme, der Progression und dem Grad der Invalidität ab. Ergänzend dazu können weitere Leistungen wie Unfallrente, Todesfallleistung oder Krankenhaustagegeld vereinbart werden.
Gesundheitsfragen bei Unfallversicherungen
Viele Versicherungsunternehmen stellen Gesundheitsfragen, um das Risiko besser einschätzen zu können. Diese Fragen können unterschiedlich komplex sein. Einige Versicherer verzichten gänzlich auf Gesundheitsfragen, während andere vereinfachte oder sehr detaillierte Fragen stellen. Die Interrisk Unfallversicherung beispielsweise stellt folgende vereinfachte Gesundheitsfrage:
"Wurden bei einer der zu versichernden Personen wegen AIDS, Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch, Bluterkrankheit, Epilepsie, Glasknochenkrankheit, Multipler Sklerose, Osteoporose, Paget-Krankheit, Spina bifida, Wirbelgleiten oder Zuckerkrankheit in den letzten 5 Jahren ärztliche Behandlungen durchgeführt oder Medikamente verordnet?"
Eine positive Antwort auf diese Frage kann zu einer Ablehnung oder zu besonderen Bedingungen führen.
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Unfallversicherungen ohne Gesundheitsfragen
Einige Versicherer bieten Unfallversicherungen ohne Gesundheitsfragen an. Zu diesen gehören oder gehörten:
- Askuma: Verzichtet komplett auf Gesundheitsfragen und Mitwirkungsanteile (Vorerkrankungen werden nicht auf die Invalidität angerechnet). Allerdings gelten bestimmte Annahmebedingungen (Alter, Beruf, Vorschäden).
- Basler: Bietet eine Option ohne Gesundheitsfragen, berechnet aber Vorerkrankungen ab einer Mitwirkung von 75 % an. Es besteht auch die Möglichkeit, gegen einen höheren Beitrag und ausführliche Gesundheitsfragen auf den Mitwirkungsanteil zu verzichten.
- VHV: Die VHV Versicherung hat ab 2021 die Gesundheitsprüfung abgeschafft und bietet Unfallversicherungen ohne Gesundheitsfragen an. Allerdings gilt bei den Diagnosen Multiple Sklerose, Parkinson und Glasknochenkrankheit ein Mitwirkungsanteil von 75 %.
- Haftpflichtkasse Darmstadt: Stellt Gesundheitsfragen, die aber im normalen Bereich liegen.
- Adam Riese: Stellt klare Gesundheitsfragen, rechnet aber (auch künftige) Vorerkrankungen ab 75 Prozent an.
Die VHV Versicherung im Fokus
Die VHV Versicherung hat sich in Bezug auf Unfallversicherungen ohne Gesundheitsfragen stark verbessert. Seit 2021 gibt es keine Gesundheitsprüfung mehr, was die VHV zu einer attraktiven Option für Personen mit Vorerkrankungen macht. Allerdings ist zu beachten, dass bei bestimmten Vorerkrankungen (Multiple Sklerose, Parkinson, Glasknochenkrankheit) ein Mitwirkungsanteil von 75 % zur Geltung kommt. Die Beiträge der VHV sind etwas höher als der Marktdurchschnitt, was aber auf eine solide Kalkulation hindeuten könnte.
Auswahlkriterien für eine Unfallversicherung mit Epilepsie
Bei der Auswahl einer Unfallversicherung mit Epilepsie sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
- Gesundheitsfragen: Sind Gesundheitsfragen vorhanden und wie detailliert sind diese?
- Mitwirkungsanteil: Werden Vorerkrankungen auf die Invaliditätsleistung angerechnet?
- Bedingungen: Sind die Versicherungsbedingungen umfassend und kundenfreundlich?
- Leistungsumfang: Welche Leistungen sind im Versicherungsumfang enthalten (Invaliditätsleistung, Unfallrente, Krankenhaustagegeld, etc.)?
- Beitrag: Wie hoch ist der Beitrag und steht er im Verhältnis zum Leistungsumfang?
Fahrtauglichkeit bei Epilepsie
Ein weiterer wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit Epilepsie ist die Fahrtauglichkeit. Ein ärztliches Fahrverbot ist zunächst nur eine Empfehlung, kann aber zu einem behördlichen Fahrverbot führen. Die Fahrerlaubnisbehörde kann ein ärztliches Gutachten anfordern, wenn Zweifel an der Fahrtauglichkeit bestehen. Wer trotz eines behördlichen Fahrverbots fährt, begeht eine Straftat (Fahren ohne Fahrerlaubnis).
Ärztliches Fahrverbot und Versicherungsschutz
Wer trotz eines ärztlichen Fahrverbots Auto fährt und einen Unfall verursacht, riskiert den Verlust des Versicherungsschutzes. Dies wird als grobe Fahrlässigkeit eingestuft.
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Hilfestellung für Ärzte
Ärzte erhalten Hilfestellung bei der Beurteilung der Fahrtauglichkeit durch die Anlage IV zur Fahrerlaubnisverordnung (FeV). Diese Anlage listet Krankheiten auf, die zum Entzug der Fahrerlaubnis führen können.
Allgemeine Aspekte der Unfallversicherung
Neben den spezifischen Aspekten im Zusammenhang mit Epilepsie gibt es auch allgemeine Aspekte, die bei der Wahl einer Unfallversicherung zu beachten sind:
Gesetzliche vs. Private Unfallversicherung
Die gesetzliche Unfallversicherung schützt Arbeitnehmer und Kinder nur bei Arbeits- und Schulunfällen. Unfälle in der Freizeit sind nicht abgedeckt. Daher ist eine private Unfallversicherung besonders für Personen wichtig, die keinen gesetzlichen Unfallschutz haben oder in ihrer Freizeit einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt sind.
Zusatzleistungen
Neben der Invaliditätsleistung können weitere Zusatzleistungen vereinbart werden, wie z.B.:
- Unfallrente: Eine monatliche Rente bei Invalidität.
- Todesfallleistung: Eine finanzielle Absicherung der Hinterbliebenen im Todesfall.
- Krankenhaustagegeld: Eine tägliche Zahlung während eines Krankenhausaufenthalts.
- Easy Care: Ein optionaler Baustein, der bei Pflegebedürftigkeit nach einem Unfall Unterstützung bietet (Grundpflege, Reinigung, Mahlzeiten, Begleitung, Hausnotruf, etc.).
Progression
Die Progression erhöht die Invaliditätsleistung bei höheren Invaliditätsgraden. Je schwerwiegender die Invalidität, desto höher die finanzielle Leistung.
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Gliedertaxe
Die Gliedertaxe legt den Grad der Invalidität für verschiedene Körperteile fest. Die Höhe der Leistung hängt von der Art der Invalidität ab.
Erweiterter Unfallbegriff
Einige Versicherer bieten einen erweiterten Unfallbegriff an, der auch Unfälle einschließt, die nicht von außen auf den Körper einwirken (z.B. Bewusstseinsstörungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle).
Bedarf ermitteln
Vor Abschluss einer Unfallversicherung sollte der individuelle Bedarf ermittelt werden. Jüngere Menschen benötigen in der Regel eine höhere Unfallrente, während ältere Menschen eher eine höhere Invaliditätsleistung benötigen. Die Versicherungssumme sollte so bemessen sein, dass eventuelle Umbauten am Haus behindertengerecht umgerüstet werden können.
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