Viel Ruhe bei der Alzheimer-Pflege: Ein Leitfaden für Angehörige

Die Betreuung von Menschen mit Alzheimer oder anderen Formen von Demenz stellt eine immense Herausforderung für pflegende Angehörige dar. Neben den körperlichen und organisatorischen Aufgaben ist es entscheidend, eine ruhige und entspannte Umgebung zu schaffen, die das Wohlbefinden des Betroffenen fördert und gleichzeitig die Belastung für die Pflegenden reduziert. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte, wie Ruhe in der Alzheimer-Pflege erreicht werden kann, und gibt praktische Ratschläge für den Alltag.

Die Belastung pflegender Angehöriger

Pflegende und betreuende Angehörige stehen im Alltag häufig unter großem Druck. Von körpernahen Pflegemaßnahmen bis hin zu organisatorischen Aufgaben und vielen Dingen, die der Alltag erfordert, werden Zeit und Energie aufgefressen. Es ist wichtig zu erkennen, dass die ständige Anspannung und der Mangel an Ruhe nicht nur die Gesundheit der Pflegenden beeinträchtigen, sondern auch negative Auswirkungen auf die betreute Person haben können.

Unterstützung suchen und gewähren lassen

Es gibt unterschiedliche Formen der möglichen Unterstützung - von Tagespflege bis zu niedrigschwelligen Betreuungsangeboten. Nicht immer lässt sich eine optimale Entlastung dadurch gewährleisten. Es ist entscheidend, sich frühzeitig um Hilfs- und Entlastungsmöglichkeiten zu kümmern, solange noch Zeit und Energie dafür vorhanden sind. Oft suchen pflegende Angehörige erst dann nach Entlastungsmöglichkeiten, wenn sie kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Dann erweist sich die Suche jedoch als zusätzlicher Stressfaktor, der kaum noch verkraftet werden kann.

Akzeptanz und Loslassen: Selbstgewählte Tätigkeiten respektieren

Menschen mit Demenz sollten weder unter- noch überfordert werden. Gerade bei fortgeschrittener Erkrankung suchen sie sich manchmal Tätigkeiten, die sie wieder und wieder wiederholen. Solche Tätigkeiten können Dritten sinnlos und monoton vorkommen. Häufig fühlen sich Angehörige dann geradezu genötigt, die Tätigkeit auf etwas „sinnvolles“ zu lenken. Das bedingt dann aber meist, dass die Betroffenen während der neuen Aufgabe kontinuierlich begleitet und angeleitet werden müssen.

Ist die von Betroffenen gewählte Tätigkeit gefahrlos, empfiehlt es sich jedoch, die dadurch entstehenden Zeitfenster sinnvoll für sich selbst beziehungsweise andere Dinge zu nutzen statt sich ständig genötigt zu fühlen, etwas „Besseres“ zu bieten. Einerseits ist die selbstgewählte Beschäftigung für die Betroffenen nicht sinnlos, nur weil für Außenstehende kein Sinn erkennbar ist. Andererseits ist die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz eine so intensive Herausforderung, dass sie nicht dadurch vergrößert werden sollte, ständig Abwechslung und Anleitung bieten zu wollen. Zu bedenken ist, dass dies für den Großteil unseres Lebens Normalität ist: niemand ist ständig um uns herum, um uns zu „entertainen“, unser Tun zu lenken oder uns davon abzuhalten, uns intensiv mit einer Sache zu beschäftigen. Häufig bietet die gutgemeinten Unterbrechungen auch einiges Konfliktpotential, dass zumeist vermieden werden könnte. Außerdem: neben dem Anspruch darauf, gefördert und auch gefordert zu werden, sollten wir uns immer wieder daran erinnern: es gibt auch ein Recht darauf, in Ruhe gelassen zu werden oder einer Tätigkeit in Ruhe nachzugehen, sofern sie niemandem schadet.

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Die Bedeutung von Routine und Beständigkeit

Eine angenehme und spannungsfreie Atmosphäre, die Halt und Sicherheit gibt, steigert das Wohlbefinden maßgeblich. Wechselhafte Situationen und Neuerungen belasten die von Demenz Betroffenen stark, da ihr Kurzzeitgedächtnis nicht mehr in der Lage ist, neue Informationen aufzunehmen. Neue Anschaffungen oder plötzliche Umstellungen im Tagesablauf werden daher oftmals nicht als Abwechslung empfunden, sondern als bedrohliche Verunsicherung, die den Betroffenen Sorgen und Ängste bereitet.

Feste Regeln und Gewohnheiten geben hingegen ein Gefühl von Sicherheit. Das Gleichmaß bei den gewohnten Abläufen mag den Angehörigen zwar langweilig vorkommen, bedeutet aber weniger Stress für die Menschen mit Demenz und erspart den Betreuenden eine Menge an Erklärungen, Überzeugungskünsten und misslichen Situationen.

Kommunikation und Geduld

Muss es nicht unbedingt schnell gehen, dann sollte man dem betroffenen Menschen genügend Zeit lassen, sich in seinem eigenen Rhythmus zu artikulieren oder zu handeln. Werden seine Sätze zu häufig unterbrochen oder von dem Betreuenden zu Ende geführt, entmutigt ihn dies. In der Folge führt dies sehr wahrscheinlich dazu, dass er sich in Passivität zurückzieht und sich hilfsbedürftiger fühlt, als er ist. Deshalb sollten Antworten oder Erklärungen nochmals wiederholt werden. Gleichfalls sollten Betreuende des Öfteren zeigen, was sie von dem Familienmitglied mit Demenz erwarten.

Stärkenorientierung statt Defizitfokus

Pflegende Angehörige, die ihr Augenmerk vor allem auf die Einschränkungen und „Fehlleistungen“ der zu Betreuenden richten, übersehen oft noch verbliebene Fähigkeiten. Damit verpassen sie die Chance, die Lebensqualität entscheidend zu verbessern. Was kann der Mensch noch? Wie kann ich ihn dabei am besten unterstützen? Was macht ihm am meisten Spaß? Dies alles sind Fragen, die sich an den vorhandenen Stärken der Person ausrichten und dazu beitragen, sich gemeinsam an den Dingen zu erfreuen, die sie noch kann. Doch auch wenn Ruhepausen notwendig sind, sollte man keinesfalls akzeptieren, dass sich die betreute Person dauerhaft ins Bett zurückzieht. Versuchen Sie in einem solchen Fall, den Menschen zur Mitarbeit zu bewegen und durch entsprechende Angebote zu motivieren.

Um noch vorhandene Fähigkeiten zu unterstützen, haben sich reine Gedächtnisübungen - Abfragen von Daten, Namen oder Fakten - hingegen als ungeeignet erwiesen. Sie wirken sich negativ auf das Empfinden der Betroffenen aus, da so etwas sie überfordert und ihnen immer wieder ihr Unvermögen vor Augen führt. Besser werden Wahrnehmungsübungen wie das speziell für Menschen mit Demenz entwickelte Geräusche-Memory angenommen. Dabei werden Klänge wie Fahrradklingeln oder Kirchengeläut vom Tonband abgespielt und die entsprechenden Bilder zugeordnet. Auch als mein Großvater keine sinnvollen Sätze mehr bilden konnte und kaum noch sprach, funktionierte sein musikalisches Gedächtnis immer noch hervorragend.

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Selbstfürsorge der Pflegenden: Die Basis für eine ruhige Pflege

Die Betreuung eines Familienmitglieds mit Demenz ist außerordentlich schwer und kann viele Jahre dauern. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass ein einzelner Mensch die für die Betreuung erforderliche seelische und körperliche Kraft jederzeit und unbegrenzt aufbringen kann. Den selbst auferlegten Leistungsdruck abzubauen, steht daher an erster Stelle. Niemand kann einen anderen Menschen täglich 24 Stunden betreuen, versorgen und beobachten, ohne sich dabei selbst vollkommen zu überfordern. Das Missachten der eigenen Belastungsgrenze schadet aber nicht nur der betreuenden, sondern auch der betreuten Person. So verursachen Ungeduld oder Reizbarkeit als Folgen der Überlastung häufig Konflikte im Betreuungsalltag.

Für die Hauptbetreuungsperson ist es wichtig, private Bekanntschaften und Hobbys weiterzupflegen. Sie sollte sich von Anfang an feste Freiräume schaffen, die allein ihr gehören, und sich jeden Tag etwas gönnen, worauf sie sich freuen kann, wie etwa ungestört Musik hören, einen Spaziergang machen, eine Zeitschrift lesen oder im Garten arbeiten. Vermeiden sollte sie unbedingt ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich Zeit für sich nimmt. Denn schließlich vernachlässigt die beziehungsweise der Betreuende den Menschen mit Demenz nicht, sondern nimmt sich nur notwendige Pausen. Von der Kraft und guten Laune, die ein freier Tag schenkt, profitiert schließlich auch das betroffene Familienmitglied.

Oft suchen pflegende Angehörige erst dann nach Entlastungsmöglichkeiten, wenn sie kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Dann erweist sich die Suche jedoch als zusätzlicher Stressfaktor, der kaum noch verkraftet werden kann. Pflegende Angehörige sollten sich deshalb um Hilfs- und Entlastungsmöglichkeiten kümmern, solange sie noch Zeit und Energie dafür haben. Autogenes Training (Form der Selbsthypnose) oder andere entspannende Techniken können helfen, den Alltag besser zu bewältigen.

Schlafstörungen bei Demenz: Ursachen und Lösungsansätze

Eine Demenz geht weit über den Verlust der geistigen Fähigkeiten hinaus. Sie beeinträchtigt die Wahrnehmungen, das Verhalten und Erleben der Betroffenen - das gesamte Sein des Menschen. Zu den Symptomen der Demenz gehören verschiedene typische Verhaltensweisen der Betroffenen, mit denen sich die Angehörigen auseinandersetzen müssen. Mit der Diagnose „Demenz“ kommen nicht nur auf die Betroffenen, sondern auch auf ihre Angehörigen große Belastungen zu.

Schlafstörungen gehören zu den größten Herausforderungen in der Betreuung von Menschen mit Demenz. Wenn jemand nachts wach ist, ruft oder unruhig umherwandert, ist an Schlaf auch für die Angehörigen kaum noch zu denken. Viele Pflegende berichten, dass sie sich auch nachts häufig wach sind oder sich wie in Alarmbereitschaft fühlen - was auf Dauer gesundheitliche Folgen haben kann.

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Ursachen für Schlafstörungen

Schlaf und Wachsein werden vom Gehirn gesteuert. Erkrankt ein Mensch an einer Demenzerkrankung wie Alzheimer, ist häufig schon früh der Bereich im Gehirn betroffen, der den Tag-Nacht-Rhythmus reguliert - und damit auch für den Schlaf eine wichtige Rolle spielt. In der Folge gerät die innere Uhr aus dem Takt - und mit ihr das Gefühl dafür, wie spät es ist oder ob gerade Tag oder Nacht ist.

Im Alltag können sich Schlafprobleme ganz unterschiedlich äußern. Als Sundowning bezeichnet man eine Phase am frühen Abend, in der viele Menschen mit Demenz unruhiger werden. Sie wirken dann häufiger verwirrt, ängstlich oder gereizt und beginnen manchmal unruhig umherzulaufen.

Bedeutung von gutem Schlaf

Schlaf ist mehr als Ruhe. Während wir schlafen, regeneriert sich das Gehirn, sortiert Eindrücke, festigt Erinnerungen und baut schädliche Stoffwechselprodukte ab. Gerade für Menschen mit Demenz kann guter Schlaf helfen, innere Anspannung zu verringern und die kognitiven Fähigkeiten zu stabilisieren - zumindest vorübergehend. Auch für pflegende Angehörige ist Schlaf unverzichtbar.

Strategien für besseren Schlaf

  1. Unterstützung der inneren Uhr: Tageslicht ist dabei besonders wichtig: Wer morgens am Fenster frühstückt oder kurz an die frische Luft geht, hilft dem Gehirn, sich zeitlich zu orientieren. Im Winter kann eine Tageslichtlampe helfen. Auch Bewegung hilft - am besten draußen und zu festen Zeiten. Sie baut Spannungen ab und macht abends müde. Schlafen am Tag sollte vermieden werden: Ein Mittagsschlaf kann guttun, sollte aber 30 Minuten nicht überschreiten, da er sonst die innere Uhr zusätzlich durcheinanderbringt und den Nachtschlaf erschwert.
  2. Optimierung der Umgebung: Am Tag darf es ruhig hell sein. Abends sollte das Licht dagegen gedimmt werden, damit der Körper Melatonin produzieren und zur Ruhe kommen kann. Nachtlichter mit Bewegungsmeldern helfen, sich bei Dunkelheit zu orientieren, ohne durch grelles Licht aufgeweckt zu werden. Auch die Raumtemperatur hat Einfluss auf den Schlaf: Ideal sind eher kühle 16 bis 20 Grad. Wer leicht friert, kann eine zusätzliche Decke bereitlegen. Manche Menschen kommen mit einer Gewichtsdecke besser zur Ruhe.
  3. Routinen für den Tagesausklang: Ein ruhiger Ausklang des Tages hilft vielen Menschen mit Demenz dabei, besser zur Ruhe zu kommen und in den Schlaf zu finden. Deshalb gilt: keine Reizüberflutung am Abend. Laute Fernsehsendungen, hektische Gespräche oder zu helles Licht sollten vermieden werden. Stattdessen helfen feste Routinen dabei, Sicherheit zu geben. Ein Tee, leise Musik, eine kleine Geschichte oder einfach gemeinsames Zähneputzen können Signale dafür sein, dass jetzt die Nacht beginnt. Wenn nachts dennoch Unruhe aufkommt, hilft es, ruhig zu bleiben. Den Tag am besten ruhig ausklingen lassen.
  4. Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: Manchmal reichen gute Routinen und eine ruhige Umgebung nicht aus. Wenn die Nächte dauerhaft anstrengend bleiben und niemand mehr richtig durchschläft ist es wichtig, Hilfe anzunehmen - frühzeitig und ohne schlechtes Gewissen. Eine ärztliche Abklärung kann helfen, körperliche Ursachen wie Schmerzen, Infekte oder Nebenwirkungen von Medikamenten zu erkennen und gezielt zu behandeln. Auch Angebote wie Nachtpflege, Tagesbetreuung oder stundenweise Hilfe können entlasten. Medikamente zur Beruhigung sollten nur gezielt und nach Rücksprache mit Ärztin oder Arzt eingesetzt werden, da sie Risiken wie Stürze oder zusätzliche Verwirrtheit mit sich bringen können. Wenn die Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist, kann auch ein Umzug in eine Einrichtung neue Stabilität bringen.

Klammern und Ruhelosigkeit: Ursachen und Umgang

"Mein Mann läuft mir den ganzen Tag hinterher. Ich kann nicht einmal alleine zur Toilette gehen ohne dass er an die Tür klopft und mich ruft." Weil Angehörige von Menschen mit Demenz damit oft an ihre Grenzen kommen, erklärt Barbara Hergert die Gründe für das typische „Klammern“ und hat wichtige Tipps für den Alltag parat.

Ursachen für Ruhelosigkeit

  • Verunsicherung: Demenzkranke Menschen verlieren in der Regel das Kurzzeitgedächtnis, die Welt um sie herum ist ständig neu und fremd. Das verunsichert sie sehr und löst Unruhe in ihnen aus.
  • Verwirrung und Orientierungslosigkeit: Die Betroffenen finden sich oft in ihrer Umgebung nicht mehr zurecht, haben das Gefühl, am falschen Ort zu sein und wissen nicht, welche Tages- oder Jahreszeit gerade ist oder was als nächstes passiert.
  • Angst: Menschen mit Demenz haben häufig große Angst davor, verlassen zu werden und allein zu sein. Für sie ist eine Person, die den Raum verlässt, für immer verschwunden.
  • Innere Unruhe und Anspannung: Krankheitsbedingte Unruhezustände und ständige Fremdheit erzeugen Anspannung, welche die Kranken durch Umherwandern und Nachlaufen ausdrücken, wodurch sie aber auch Entlastung finden.
  • Suche nach Nähe und Vertrautheit: Die zunehmende Fremdheit in ihrer Umgebung und der Verlust des Bezuges zu sich selbst treibt Menschen mit Demenz dazu, sich einen festen Bezugspunkt zu suchen: Jemanden oder Etwas, das ihnen Sicherheit und Halt gibt. In der Regel ist das der Partner, das Kind oder ein anderes nahestehendes Familienmitglied. Aber auch in einem Haustier kann der demenzkranke Mensch diesen Bezugspunkt finden.
  • Weitere mögliche Ursachen: Schmerzen aufgrund anderer Erkrankungen, Überforderung, z.B. durch ein laufendes Fernsehgerät, Unterforderung, dadurch Langeweile, Veränderungen in dem gewohnten Zuhause, z.B. neue Möbel, Veränderungen in gewohnten Abläufen, Tag/Nacht-Umkehr.

Was kann man selbst tun?

Als pflegender Angehöriger kann man die Unruhe und das ständige Hinterherlaufen des demenzkranken Familienmitgliedes positiv beeinflussen, um für sich und den Kranken einen entspannteren Alltag zu schaffen.

  • Verständnis für die Situation und die damit verbundenen Gefühle des Kranken ihm gegenüber äußern
  • Ablenkung durch eine dem Kranken gemäße Betätigung, z.B. Papiere sortieren, Kartoffeln schälen etc.
  • Nähe und Berührung schenken, kurz und intensiv, immer mal wieder zwischendurch
  • Umgebungsreize reduzieren
  • klären, ob der Kranke unter Schmerzen leidet oder zur Toilette muss, ggfs. Abhilfe schaffen
  • Haustürschlösser sichern, Haustür „tarnen“ (etwa mit einem Vorhang)
  • Nachbarn über die „Wanderneigung“ informieren
  • gemeinsame Spaziergänge unternehmen
  • den Schlaf am Tag reduzieren, indem man den Betroffenen tagsüber behutsam körperlich und geistig aktivieren.
  • Einen Neurologen sollte man aufsuchen, wenn extreme Angstzustände auftreten. Sie können mit unbearbeiteten und lange zurückliegenden Erlebnissen des Kranken zu tun haben und müssen gegebenenfalls medikamentös behandelt werden.

Was kann man mit fremder Hilfe tun?

  • Pflegende Angehörige besonders unruhiger demenzkranker Menschen sollten gezielt nach Entlastungsmöglichkeiten suchen.
  • Betreuungskräfte von Pflegediensten, ehrenamtliche Betreuungskräfte, Nachbarn, Verwandte können stundenweise die Betreuung des demenzkranken Menschen zu Hause übernehmen
  • Mehrmals pro Woche die Betreuung in einer Tagespflegeeinrichtung oder einer Demenzgruppe in Anspruch nehmen. In der gewonnenen Zeit nicht nur den Haushalt „schmeißen“, sondern auch ganz bewusst etwas für sich selbst tun!
  • Eine der zahlreichen Entspannungstechniken erlernen, die man regelmäßig gut in den Alltag „einbauen“ kann.
  • Die Kranken- und Pflegekassen, Pflegedienste und Pflegeberatungsstellen bieten Informationen zu diesen Angeboten und den entsprechenden Finanzierungsmöglichkeiten.

Was soll man nicht tun?

Durch das Vermeiden bestimmter Verhaltensweisen lassen sich angespannte und kritische Situationen meistens entschärfen:

  • Nicht mit dem Kranken schimpfen, sich aufregen.
  • Keinen körperlichen Zwang ausüben.
  • Fragen nicht ignorieren - das ist für den Kranken quälend, unbefriedigend und verstärkt das Fragen umso mehr.
  • Nicht allein lassen, das zieht meistens vermehrtes Hinterherlaufen nach sich.
  • Ärztlich verordnete Beruhigungsmittel nicht höher dosieren - Sturzgefahr!

Neuroleptika: Nutzen und Risiken

Um die Situation zu entschärfen und die Belastungen für Angehörige zu minimieren, verschreiben Hausärtz*innen den Demenzkranken Neuroleptika. Diese Medikamente dämpfen die Patienten, d. h. sie werden ruhiggestellt. Ein Drittel aller Patienten mit Alzheimer-Demenz bekommen Neuroleptika. Im stationären Bereich sind es sogar 54 Prozent, die Neuroleptika bekommen. Das alles deutet darauf hin, dass es um die Ruhigstellung geht, aber nicht um eine Therapie, so der Gesundheitswissenschaftler Glaeske. Neuroleptika werden oft leichtfertig eingesetzt.

Seit 2002 wissen Mediziner, dass diese Arzneimittel bei Menschen mit Alzheimer-Demenz mehr schaden als nutzen. Gerade die längere Vergabe führt dazu, dass Demenzpatienten ein 1,7-fach erhöhtes Risiko haben, früher zu sterben als gleichaltrige Menschen, die keine Demenz haben. Neuroleptika erzeugen sogenannte Dyskinesien - parkinsonartiger Syndrome wie z. B. Zitterbewegungen und Unruhe. Die immer noch weit verbreitete Verordnung dieser Mittel bei dementen Menschen sei langfristig keine akzeptable Strategie, kritisiert Gerd Glaeske im Demenzreport. Dieser Bericht belegt zudem, dass nur rund 20 Prozent der Patienten spezielle Mittel gegen Demenz erhalten.

Aktivierende Pflegekonzepte: Ein Blick in die Zukunft

Da in absehbarer Zeit kein Medikament auf den Markt kommen wird, Präventionsprogramme keine Allheilmittel sind und für die Versorgung bereits Erkrankter zu spät kommen, sind aktivierende Pflegekonzepte die Zukunft bei der Versorgung von Demenzkranken. Grundlage dieses Pflegekonzeptes ist die "Silviahemmet®- Pflegephilosophie". Sie geht auf die schwedische Königin Silvia zurück, deren Mutter an Alzheimer erkrankt war. Ziel ist es, eine möglichst hohe Lebensqualität für die dementen Menschen zu erreichen.

Tipps für den Alltag mit Demenzkranken

Prof. Dr. Gabriele Wilz ist Diplompsychologin und Leiterin der Abteilung für klinisch-psychologische Intervention sowie der Ambulanz für Forschung und Lehre an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie besitzt langjährige Erfahrung in der psychologischen und psychotherapeutischen Unterstützung von pflegenden Angehörigen. Im Interview erklärt sie, worauf es im Alltag mit an Demenz Erkrankten besonders ankommt, was vermieden werden sollte und wie Musik dabei helfen kann, die Krankheit für einen Moment in den Hintergrund treten zu lassen.

Worauf ist im Umgang mit Menschen mit Demenz besonders zu achten?

Wichtig ist, sich erst einmal über die Erkrankung zu informieren. Es gibt häufig Missverständnisse im Umgang mit Menschen mit Demenz, die darauf zurückzuführen sind, dass Angehörige zu wenig Kenntnis über die Erkrankung und ihre Folgen haben. So lassen sich bereits viele Konflikte und Schwierigkeiten im Alltag vermeiden. Indem ein Verständnis dafür entwickelt wird, wie sich Menschen mit Demenz fühlen - dadurch, dass ihnen Fähigkeiten sukzessiv verloren gehen. Dadurch, dass sie sich nicht mehr zurechtfinden.

Ein weiterer Punkt ist, dass der Selbstwert von Erkrankten immer mehr angegriffen wird. Weil sie Dinge nicht mehr können, die sie vorher konnten, weil sie nicht mehr einbezogen und von Gesprächen ausgeschlossen werden. Deswegen ist es wichtig, darauf zu achten, ihnen so viel Selbstständigkeit und Autonomie wie nur möglich zu überlassen. Auch das ist Teil eines empathischen, verständnisvollen Umgangs mit ihnen.

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