Einführung
Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die vor allem durch motorische Symptome wie Rigor, Tremor und Hypokinesie gekennzeichnet ist. Die Behandlung zielt in erster Linie darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Neben den etablierten Therapieansätzen rücken zunehmend auch andere Medikamente in den Fokus, darunter Virustatika. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Virustatika, insbesondere Amantadin, bei der Behandlung von Morbus Parkinson, unter Berücksichtigung ihrer Wirkmechanismen, Anwendungsgebiete und potenziellen Risiken.
Amantadin: Ein Virustatikum mit antiparkinsoner Wirkung
Wirkmechanismus
Amantadin ist ein Derivat des Adamantan und wurde ursprünglich als Arzneistoff zur Behandlung der durch das Influenza-A-Virus ausgelösten Virusgrippe entwickelt. Es kann in therapeutischer Dosis die Fieberdauer einer Grippeerkrankung des Virus-Typ-A um etwa einen Tag verkürzen. Aufgrund häufig auftretender Nebenwirkungen wird Amantadin auch in der Parkinson-Therapie eingesetzt.
Als Antiparkinsonmittel wirkt Amantadin indirekt agonistisch an Dopamin-Rezeptoren im Gehirn (im Striatum) durch gesteigerte Dopaminfreisetzung sowie durch Hemmung der Dopamin-Wiederaufnahme in die präsynaptischen Nervenzellen. Außerdem wirkt es anticholinerg durch eine NMDA-Rezeptor-vermittelte Hemmung der Acetylcholin-Freisetzung. Hier zeigt Amantadin in Kombination mit L-Dopa synergistische Effekte.
Anwendungsgebiete bei Morbus Parkinson
Amantadin wird zur Linderung von Symptomen wie Rigor, Tremor und Hypokinesie bzw. Akinesie eingesetzt. Es stellt sich laut Befürwortern des Mittels als bewegungs- und antriebsfördernd dar und ist nach ihrer Ansicht eine gute Ergänzung zu anderen Pharmaka (insbesondere L-Dopa) in der Behandlung. Es ist das Mittel der Wahl in der sogenannten akinetischen Krise, einem lebensbedrohlichen Zustand mit einer Stunden bis Tage dauernden Bewegungsblockade, hohem Fieber und starkem Schwitzen. Meist wird Amantadin in fortgeschrittenen Stadien des Morbus Parkinson eingesetzt.
Dosierung und Verabreichung
Amantadin sollte als Filmtablette morgens und nachmittags mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden. Die letzte Einnahme sollte nicht nach 16 Uhr erfolgen. Als Infusionslösung wird Amantadin intravenös verabreicht. Dabei sollte die Infusion mit einer langsamen Geschwindigkeit erfolgen.
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Pharmakokinetik
Die Bioverfügbarkeit von Amantadin als Infusionslösung ist als vollständig anzusehen. Amantadin wird zu 90% unverändert über den Urin ausgeschieden.
Wechselwirkungen
Amantadin kann mit anderen Antiparkinsonmitteln kombiniert werden. Bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika vom Typ Triamteren/Hydrochlorothiazid kann es zu einer Reduktion der Plasma-Clearance von Amantadin und zu toxischen Plasmakonzentrationen kommen.
Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
Die Nutzung von Amantadin während der Schwangerschaft ist aufgrund unzureichender Erfahrungen und berichteter Risiken wie Schwangerschaftskomplikationen und Fehlbildungen nur bei zwingender Notwendigkeit ratsam. Amantadin wird in die Muttermilch ausgeschieden. Falls die Einnahme während der Stillperiode unumgänglich ist, sollte der Säugling aufgrund potenzieller Medikamenteneffekte wie Hautreaktionen, Harnverhalt oder Übelkeit überwacht werden.
Bei der Therapie mit Amantadin sind Beeinträchtigungen der Wachsamkeit und der Sehanpassung, insbesondere in Kombination mit anderen Medikamenten zur Behandlung des Parkinson-Syndroms, möglich. Ein abruptes Beenden der Einnahme von Amantadin kann bei Parkinson-Patienten eine erhebliche Verschlechterung der Bewegungsstörungen bis hin zur akinetischen Krise bewirken. Patienten sind regelmäßig auf die Entwicklung von Impulskontrollstörungen zu überwachen.
Evidenzbasierte Bewertung
Vertreter der evidenzbasierten Medizin halten eine über Placebo hinausgehende, positive Wirkung bei Morbus Parkinson für unzureichend belegt.
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Hepatitis-Viren und Morbus Parkinson: Ein möglicher Zusammenhang
Epidemiologische Studien
Mehrere Studien haben einen möglichen Zusammenhang zwischen Hepatitis-Virusinfektionen und einem erhöhten Risiko für Morbus Parkinson untersucht. Eine taiwanesische Kohortenstudie des China Medical University Hospital ergab, dass eine chronische Hepatitis-C-Infektion das Parkinsonrisiko um rund ein Drittel erhöhen könnte. Die Forscher nutzten die Daten von etwa 250.000 Menschen der Taiwan National Health Insurance Research Database, die zwischen 2000 und 2010 erhoben wurden. Sie stellten fest, dass Patienten mit einer chronischen Hepatitis C unter Ausschluss anderer Risikofaktoren wie Geschlecht, Alter oder eine manifeste Zirrhose ein um 29 Prozent erhöhtes Risiko für einen Morbus Parkinson hatten als virusfreie Teilnehmer.
Eine retrospektive Kohortenstudie der Oxford Universität analysierte die Daten der English National Hospital Episode Statistics und verglich die Daten von 100.390 Patienten mit verschiedenen Formen der Hepatitis oder einer HIV-Infektion mit einer Referenzkohorte von 6.132.124 Personen. Die Patienten mit Hepatitis C erkrankten später zu 51 Prozent häufiger am Morbus Parkinson. Die Hepatitis B war sogar mit einem um 76 Prozent erhöhten Risiko verbunden.
Mögliche Pathomechanismen
Die genauen Mechanismen, die diesen Zusammenhang erklären könnten, sind noch unklar. Die Forscher der taiwanesischen Studie berichten, dass das RNA-Virus möglicherweise auch Neurone infizieren könnte. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass die Viren den Untergang von Nervenzellen triggern, welche bei ihrem Zelltod Dopamin ausschütten.
Die Epidemiologen der Oxford Universität vermuten, dass eine Störung der Bluthirnschranke, die die Nervenzellen anderen Toxinen aussetzt, ein möglicher Pathomechanismus sein könnte. Rezeptoren für Hepatitis C-Viren werden im Gehirn nur auf den Endothelzellen der Blutgefäße, nicht aber in den Hirnzellen selber gefunden. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass das Virus selbst die Hirnzellen infiziert.
Altersdepression und Morbus Parkinson
Diagnostische Herausforderungen
Die Diagnose einer Depression im Alter ist oft schwierig, da über 90 Prozent der Erkrankten fast ausschließlich über somatische Beschwerden berichten. Zudem sind die psychischen Symptome einer Depression im Alter oft anders als bei Jüngeren. Nicht Niedergeschlagenheit oder gedrückte Stimmungslage stehen im Vordergrund, sondern vor allem ängstliches Klagen und körperbezogene Sorgen.
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Einfluss gesellschaftlicher Einstellungen
Wie bei nur bei wenigen Erkrankungen beeinflussen Einstellung und Werte unserer Gesellschaft die Diagnose einer Altersdepression. Alter ist für viele der Inbegriff von Leiden und Regression. Dieses Altersbild prägt Patienten, Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte oft gleichermaßen. Es trägt dazu bei, dass Niedergeschlagenheit und Klagen als »normal« und nicht als behandlungswürdig eingestuft werden. Eine andere Schwierigkeit ist die Unfähigkeit vieler alter Menschen, über ihr psychisches Befinden zu sprechen.
Differenzialdiagnose
Differenzialdiagnostisch sind »normale« Trauer, Schlafstörungen sowie körperliche Erkrankungen, die mit depressiven Symptomen einhergehen können, abzuklären. Trauer und Depression sind unterschiedliche psychische Abläufe. Der Mensch trauert über ein konkretes Ereignis, während eine Depression meist als Zustand erlebt wird, der ohne greifbaren Grund eingetreten ist.
Komorbidität von Depression und Morbus Parkinson
Degenerative Demenzen wie Morbus Alzheimer und fronto-temporale Demenz sowie vaskulär bedingte demenzielle Erkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen im Alter. Bei allen kann es zu einer depressiven Symptomatik kommen. So tritt bei 35 bis 40 Prozent aller Alzheimer-Patienten im Verlauf der Erkrankung ein depressiver Zustand auf. Viele Patienten mit Morbus Parkinson entwickeln im Krankheitsverlauf solche Störungen.
Therapieansätze
Da depressive Syndrome von vielen Faktoren mitbestimmt werden, sollte auch die Therapie möglichst auf verschiedenen Ansätzen beruhen und interdisziplinär erfolgen. Eine Kombination von Psychotherapie, Psychopharmaka und umfassender sozialer Unterstützung gilt als optimal. Empfehlenswert sind Substanzen ohne oder mit nur geringen anticholinergen Effekten. Als Arzneistoffe der Wahl gelten die selektiven Serotoninwiederaufnahme-Hemmer (SSRI) Citalopram, Escitalopram, Sertralin und Paroxetin, selektive Serotonin- und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Venlafaxin und Duloxetin sowie Mirtazapin und der reversible MAO-Hemmer Moclobemid.