Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsansätze, sowohl für den akuten Anfall als auch zur Vorbeugung. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Antidepressiva bei der Migräneprophylaxe, gibt einen Überblick über weitere Prophylaxe-Medikamente und zeigt, wie man das passende Medikament findet.
Wieso und wann überhaupt Migräneprophylaxe?
Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Intensität und Dauer der Migräneattacken zu reduzieren. Sie ist indiziert, wenn:
- Migräne mehr als dreimal im Monat auftritt.
- Schmerz- oder Migränemittel bei auftretenden Migräne-Attacken nur unzureichend helfen.
- Schmerztabletten oder andere Arzneimittel gegen Migräne ständige Begleiter sind und die 10/20-Regel (an 20 Tagen pro Monat sollte keine Migräne-Akutmedikation erfolgen) nicht berücksichtigt wird.
- Die Migräne-Attacken sich häufen.
Das langfristige Ziel einer wirksamen Vorbeugung ist es, die Häufigkeit der Anfälle sowie die Schwere und die Länge der Attacken zu reduzieren. Ist die Attackenfrequenz (Häufigkeit der Anfälle) um mindestens 50% verringert, wird die medikamentöse Vorbeugung normalerweise als erfolgreich angesehen und fortgeführt. Führt die Prophylaxe dazu, dass die Intensität der Anfälle nachlässt und einzelne Attacken besser mit der normalen Akutmedikation behandelt werden können, ist ebenfalls ein Erfolg erzielt.
Wie lange sollte man die Prophylaxe-Medikamente einnehmen?
Es ist wichtig, nicht zu schnell zu viel von dem Körper und der Wirksamkeit der Medikamente zu erwarten. Ob eine medikamentöse Vorbeugung bei Migräne wirksam ist oder nicht, lässt sich erst nach einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten sagen. Eine ausreichende Dosierung ist daher eventuell nicht von Anfang an gewährleistet und das Medikament muss daher evtl. wesentlich länger als drei Monate genommen werden. Viele Migräne-Betroffene wissen nicht, dass man so lange warten muss, bis die Wirksamkeit verlässlich beurteilt werden kann und brechen die Behandlung vorzeitig ab. Daher ist es wichtig, das Thema mit den Ärzt:innen zu besprechen und Geduld zu haben!
Eine häufige Frage, die sich hierbei stellt ist: Müssen die Medikamente auch mindestens drei Monate eingenommen werden, wenn es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommt, bevor man absetzen oder das Präparat wechseln darf? Bei schweren Nebenwirkungen sollte man immer mit dem behandelnden Neurologen sprechen und sofort pausieren! Ein Medikament mit starken Nebenwirkungen stur weiter zu nehmen, ist bestimmt nicht Sinn der Übung.
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Um nachvollziehen zu können, ob die vorbeugende Therapie anschlägt, empfiehlt es sich, bereits Wochen vor Beginn der medikamentösen Migräne-Prophylaxe mit dem Führen eines Migränetagebuchs zu beginnen.
Wann wird Migräneprophylaxe als erfolgreich angesehen?
Eine medikamentöse Migräneprophylaxe gilt dabei laut Leitlinie als wirksam, wenn bei episodischer Migräne die Anfallshäufigkeit um 50 % oder mehr und bei chronischer Migräne um 30 % oder mehr reduziert wird.
Eine gute medikamentöse Prophylaxe ist nur erfolgreich, wenn die Nebenwirkungen erträglich sind. Selbst wenn ein Medikament effektiv deine Attackenfrequenz verringert, können Nebenwirkungen, die du nicht tolerieren willst oder kannst, wie z.B. eine extreme Gewichtsab- oder -zunahme das Absetzen oder den Wechsel des Präparates rechtfertigen. Bei der Beurteilung der Wirksamkeit und der Beobachtung möglicher Nebenwirkungen hilft natürlich auch das Führen eines Kopfschmerztagebuchs.
Migräneprophylaxe-Medikamente im Überblick
Als Prophylaxe-Medikamente werden einige Medikamente verwendet, die wir aus der Behandlung anderer Krankheiten kennen, wie z.B. Antiepileptika (zur Behandlung von Epilepsie), Beta-Blocker (bei Bluthochdruck), Kalziumkanal-Blocker (bei Schwindel) und Antidepressiva (bei Depressionen und Angststörungen). Erst seit kurzem gibt es eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt worden ist. In den nächsten Jahren sollen weitere folgen. Migräne-Betroffene dürfen also optimistisch bleiben.
Unterschiedliche Migräneprophylaxen können jedoch nicht einfach hintereinander weg ausprobiert werden, sondern müssen immer als zusätzlicher therapeutischer Baustein gesehen werden, der in einer ärztlich begleiteten und strategisch ausgearbeiteten Behandlung Anwendung finden soll.
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Migräneprophylaxe-Medikamente der ersten Wahl
Als Prophylaxemittel der ersten Wahl gelten Betablocker, Antidepressiva, Botox und Kalziumkanal-Antagonisten, als Prophylaxemittel zweiter Wahl z.B. Magnesium, Vitamin B2, Acetylsalicylsäure (als Aspirin® bekannt) und auch weniger bekannte Mittel wie Mutterkraut und Pestwurz. Auch die monoklonalen Antikörper, die neuerdings gegen Migräne eingesetzt werden, sehen wir uns genauer an: Die Antikörper Erenumab (Aimovig®), Galcanezumab (Emgality®) und Fremanezumab (Ajovy®) sind erst seit kurzem in der EU erhältlich, haben sich aber jetzt schon als vielversprechend erwiesen.
Die Wirksamkeit der sogenannten Medikamente der ersten Wahl wurde in mehreren wissenschaftlichen Studien nachgewiesen. Laut einer Studie von Evers et al. sprechen auf diese Medikamente bis zu 70 % aller Betroffenen an.
Betarezeptoren-Blocker wie Metoprolol, Propranolol oder Bisoprolol
Betablocker werden äußerst erfolgreich in der Vorbeugung von Migräne eingesetzt. Besonders die Wirkung von Propranolol und Metoprolol sind in besonders vielen Studien untersucht worden. Propranolol konnte beispielsweise in einer Studie eine Reduzierung der Migräneaktivität von 44% nachgewiesen werden. Metoprolol hat eine ähnlich gute Wirksamkeit auf die Migräne-Aktivität. Auch für andere Betablocker wie Bisoprolol liegen positive Studien vor. Sie sind jedoch älter oder wurden weniger intensiv untersucht und daher ist deren prophylaktische Wirkung weniger gut gesichert (siehe Leitfaden).
Die Betablocker Propranolol und Metoprolol haben eine hohe Evidenz für ihre Wirksamkeit in der Migräneprophylaxe. In einer Metaanalyse reduzierte Propranolol die Kopfschmerztage bei episodischer Migräne um durchschnittlich 1,5 Tage pro Monat. In den Leitlinien werden als häufig auftretende Nebenwirkungen Müdigkeit und arterielle Hypotonie beschrieben. Absolute Kontraindikationen stellen AV-Block, Bradykardie, Herzinsuffizienz, Sick-Sinus-Syndrom und Asthma bronchiale dar.
Kalziumkanal-Antagonisten wie Flunarizin
Flunarizin ist ein Kalziumkanal-Blocker, der zur Behandlung von Schwindel eingesetzt wird. Es ist der einzige Kalzium-Kanal-Blocker, der laut Leitfaden eine signifikante Wirkung in der Migräneprophylaxe zeigen konnte. Flunarizin ist besonders für Migräne-Patienten mit Schwindel, Schlafstörungen oder Untergewicht geeignet und weniger für Patienten mit Depressionen und Übergewicht.
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In einer Metaanalyse reduzierte Flunarizin die Kopfschmerzhäufigkeit um 0,4 Attacken pro 4 Wochen im Vergleich zu einem Placebo. Die Wirksamkeit von Flunarizin war somit mit der von Propranolol vergleichbar, allerdings unterschied sich das Nebenwirkungsprofil. So kommt es unter der Einnahme von Flunarizin häufiger zu Nebenwirkungen wie Depression oder Gewichtszunahme. Flunarizin sollte zudem nicht bei fokaler Dystonie, Depressionen oder während der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden.
Antiepileptika wie Valproinsäure und Topiramat
Antiepileptika/Antikonvulsiva enthalten krampflösende Wirkstoffe und werden eigentlich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, sind jedoch nachgewiesenermaßen laut Leitfaden auch in der Migränetherapie wirksam. Aufgrund des Nebenwirkungsprofils und der Wirkweise eignen sich Antiepileptika eher für Migräne-Patienten, die zusätzlich unter Übergewicht, Epilepsie oder Manie leiden. Valproinsäure kann Fehlbildungen des Kindes während der Schwangerschaft begünstigen und sollte somit nicht von Frauen in der Schwangerschaft oder mit Kinderwunsch verwendet werden.
Topiramat hat sich als wirksam in der Prophylaxe der episodischen als auch der chronischen Migräne erwiesen. In einer Metaanalyse aus 2021 wurde beobachtet, dass der Anteil der Betroffenen bei denen die durchschnittliche monatliche Migräne um mind. 50 % zurückging 2,67-mal so hoch war, wie bei dem Placebo. Topiramat sollte zur Prophylaxe von Migränekopfschmerzen allerdings nur nach sorgfältiger Abwägung möglicher alternativer Behandlungsmethoden eingesetzt werden. Das gilt besonders für Frauen im gebärfähigen Alter, die keine hochwirksame Empfängnisverhütung anwenden. Denn aktuelle Daten deuten darauf hin, dass die Anwendung während der Schwangerschaft schwere angeborene Fehlbildungen und fetale Wachstumsbeeinträchtigungen verursachen könnte. Häufig auftretende Nebenwirkungen bei der Einnahme von Topiramat sind Müdigkeit, kognitive Störungen, Gewichtsabnahme und Parästhesien. Absolute Kontraindikationen umfassen Niereninsuffizienz und -steine.
Botulinumtoxin Typ A (Botox)
Botox ist vielen aus Berichten über Promis bekannt: Es handelt sich um ein Nervengift, welches vor allen Dingen zur Verringerung von Falten verwendet wird. Botox kann auch einen positiven Einfluss auf Migräne haben, jedoch scheint die Wirkung nach einigen Monaten nachzulassen. Um einen anhaltenden und zunehmenden Effekt zu erzielen, werden die Injektionen deshalb meistens alle drei Monate wiederholt. Wenn nach der dritten Injektion keine Besserung eingetreten ist, wird die Behandlung normalerweise als erfolglos eingestuft und beendet. Ungefähr 50% der Patient:innen können jedoch von einer Verbesserung durch die Therapie berichten, so dass keine weiteren Injektionen mehr notwendig sind.
OnabotulinumtoxinA (Botox) ist für die Therapie der chronischen Migräne zugelassen. Es sollte über zwei bis drei Behandlungszyklen im Abstand von drei Monaten eingesetzt werden, bevor über die Wirksamkeit entschieden wird.
Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin, Opipramol und Venlafaxin
Das am besten wirksame Antidepressivum bei Migräne ist laut dem Leitfaden des DGN Amitriptylin. Aber auch die Wirksamkeit von Opipramol und Venlaflaxin wurden in dort erwähnten Studien belegt. Antidepressiva sind oft besonders geeignet für Migräne-Betroffene, die zusätzlich unter Stress, Depressionen, Schlaflosigkeit, Untergewicht oder anderen Schmerzerkrankungen wie Spannungskopfschmerzen oder Rückenschmerzen leiden.
Die Wirksamkeit von Amitriptylin ist mit der von Topiramat vergleichbar und zeigte im Vergleich zu einem Placebo eine signifikante Abnahme der Kopfschmerzfrequenz sowie höhere 50%-Responderrate. Die beste Wirkung wird nach viermonatiger Einnahme erreicht, weshalb es entscheidend ist, dass das Prophylaktikum ausreichend lange eingenommen wird. Häufige Nebenwirkungen von Amitriptylin sind Müdigkeit, Mundtrockenheit, Schwindel und Gewichtszunahme.
Trizyklische Antidepressiva sind sowohl in der Prophylaxe von Spannungskopfschmerzen als auch in der Prophylaxe der Migräne wirksam. Der therapeutische Effekt nimmt mit der Behandlungsdauer zu. Dies ergab eine systematische Übersicht und Metaanalyse.
In den Vereinigten Staaten sind trizyklische Antidepressiva sehr viel populärer als in Europa, was unter anderem daran liegt, dass dort Flunarizin (z.B. Natil-N®), ein Calciumkanalblocker, nicht verfügbar ist.
Über alle Studien hinweg war die Zahl der Tage mit Spannungskopfschmerzen und die Häufigkeit von Migräneattacken unter einer Therapie mit trizyklischen Antidepressiva um 30% niedriger als unter Plazebo. Die Wirkung der Trizyklika nahm mit der Dauer der Einnahme zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Behandlung die Intensität der Kopfschmerzen um mindestens 50% verringert, war unter Trizyklika höher als unter Plazebo, und zwar um 41% bei Patienten mit chronischem Spannungskopfschmerz und um 80% bei Patienten mit Migräne.
Trizyklische Antidepressiva waren nicht nur gegenüber Plazebo überlegen, sondern auch signifikant besser wirksam als selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.
Erwartungsgemäß hatten Trizyklika mehr Nebenwirkungen als Plazebo. Die am häufigsten genannten Nebenwirkungen waren Mundtrockenheit, Benommenheit und Gewichtszunahme.
Diese große Metaanalyse belegt, was in kleineren Studien und durch klinische Erfahrungen bereits bekannt ist. Trizyklische Antidepressiva sind zweifellos sowohl in der Migräneprophylaxe wie bei der Behandlung chronischer Spannungskopfschmerzen wirksam. Die Wirksamkeit ist besonders hoch bei Patienten, die gleichzeitig an einer Depression leiden. Die Metaanalyse belegt auch, was mehrere randomisierte Studien gezeigt haben, nämlich, dass trizyklische Antidepressiva signifikant besser wirksam sind als selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.
Trizyklika verursachen allerdings eine ganze Reihe unangenehmer Nebenwirkungen, wobei im klinischen Alltag die Gewichtszunahme das größte Problem sein dürfte.
Monoklonale Antikörper (CGRP-Antikörper)
Eptinezumab, Fremanezumab und Galcanezumab sind monoklonale Antikörper gegen Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), und Erenumab, ein monoklonaler Antikörper gegen den CGRP-Rezeptor sind in der prophylaktischen Therapie der episodischen und chronischen Migräne einer Behandlung mit Placebo überlegen. Die Wirksamkeit dieser Antikörper kann innerhalb von 4-12 Wochen evaluiert werden. Bei chronischer Migräne kann ein verzögertes Ansprechen auftreten, sodass ein Ansprechen noch nach 5-6 Monaten beobachtet werden kann. Gemäß Zulassung ist der Behandlungserfolg nach drei Monaten zu überprüfen (für Eptinezumab nach sechs Monaten).
Aus Wirtschaftlichkeitsgründen gilt, dass CGRP-Antikörper bei episodischer und chronischer Migräne erst eingesetzt werden dürfen, wenn alle bisher zugelassenen Vortherapien nicht wirksam, nicht verträglich oder kontraindiziert sind. Eine Ausnahme davon besteht für Erenumab, das als einziger CGRP-Antikörper bereits nach einer einzigen erfolglosen Vortherapie budgetneutral verordnet werden darf. Diese Ausnahme von der Verordnungsreihenfolge ist auf die sog. HER-MES-Studie zurückzuführen. In der direkten Vergleichsstudie von Erenumab mit Topiramat zur Prophylaxe bei 777 Migränepatienten war Erenumab signifikant wirksamer (≥ 50% Reduktion der monatlichen Migräneattacken 55,4% vs. 31,2%) und wurde besser vertragen, wodurch es zu weniger Therapieabbrüchen (10,6% vs.
Eine budgetneutrale Verordnung von Fremanezumab und Galcanezumab ist nur dann möglich, wenn mindestens eine Vortherapie (Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin oder OnabotulinumtoxinA) nicht wirksam war bzw.
Migräneprophylaxe-Mittel der zweiten Wahl: Magnesium, Vitamin B2 & Co
Mittel der zweiten Wahl werden in der Migräneprophylaxe nur eingesetzt, wenn die Mittel der ersten Wahl nicht wirksam gewesen sind oder wenn gegen diese Kontra-Indikationen vorliegen. Sie sind “zweite Wahl”, weil zu diesen Substanzen nur wenige randomisierte kontrollierte Studien durchgeführt wurden, und ihre Wirksamkeit nicht ausreichend belegbar ist.
Acetylsalicylsäure
Acetylsalicylsäure (u.a. der Wirkstoff von Aspirin®) hat laut Leitfaden in niedriger Dosierung eine geringe Migräne-prophylaktische Wirkung. Es wird wegen seiner blutverdünnenden Eigenschaft häufig bei Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Patienten mit Migräne eingesetzt.
Magnesium
Besonders bei leichten Formen von Migräne kann die tägliche Einnahme von Magnesium prophylaktisch Abhilfe schaffen - so wurde es zumindest laut Leitfaden in einer positiv kontrollierten Studie nachgewiesen. Dennoch konstatiert das DGN, dass die Reduktion der Attackenfrequenz nicht sonderlich ausgeprägt sei.
Es gibt verschiedene Formen von Magnesium und als ich mich damals informiert habe, wurde mir das Magnesiumcitrat empfohlen. Es soll gut vom Körper aufgenommen werden und verträglich sein. Seitdem nehme ich ein Magnesiumcitrat in Pulverform, weil mir das in Wasser aufzulösende Pulver zusätzlich dabei hilft, die empfohlene hohe Trinkmenge pro Tag einzuhalten (eine sinnvolle, nicht-medikamentöse Prophylaxe). Der Körper gibt zu viel Magnesium übrigens schnell wieder von sich, mittels Durchfall. So kann man also gut erkennen, ob man zu viel Magnesium zu sich genommen hat.
Riboflavin (Vitamin B2)
Aktuell gibt es zwei Studien, die eine gute Wirksamkeit von Vitamin B2 zur Vorbeugung von Migräneattacken vermuten lassen. Es hat ein günstiges Nebenwirkungsprofil und kann daher auch zusätzlich zur Prophylaxe mit Beta-Blockern oder auch in Kombination mit anderen Mikronährstoffen wie Coenzym Q10 und Magnesium genommen werden. Nicht erschrecken: Vitamin B2 kann eine Gelbfärbung des Urins bewirken!
Coenzym Q10
Auch das Coenzym Q10 kann laut Leitfaden wirksam in der Prophylaxe von Migräne sein. Ganz besonders in Kombination mit Magnesium und Vitamin B2 sowie mit Omega-3-Fettsäuren kann die Schwere, jedoch nicht die Anzahl der Migräneattacken reduziert werden.
Pestwurz (Petasites hybridus)
In besonders zwei Studien konnten Migräneanfälle mit Pestwurz-Extrakt deutlich und signifikant im Vergleich zum Placebo reduziert werden.
Mutterkraut (Tanacetum parthenium)
Mutterkraut wurde schon in der Antike zur Linderung von Geburtsschmerzen eingesetzt, daher wohl auch der Name. Es steht im Verdacht Migräneanfällen vorzubeugen; wissenschaftlich nachgewiesen ist der Effekt jedoch noch nicht.
Laut Leitlinie war Mutterkraut jedoch als CO2-Extrakt in zwei Studien wirksam, ist aber in dieser Form in Deutschland leider nicht erhältlich. Aufgrund der fehlenden Wirksamkeitsnachweise der anderen Formen von Mutterkraut empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie die Verwendung aktuell nicht.
ACE-Hemmer und Sartane (beides Blutdrucksenker)
Lisinopril und Telmisartan sind laut dem Leitfaden in kleinen placebo-kontrollierten Studien untersucht worden und zeigten eine signifikante Reduktion der Attackenfrequenz bei Migräne; jedoch fehlen große Studien. Candesartan zeigte eine ähnliche Wirkung.
Wie findet man das passende Prophylaxe-Medikament?
Die individuelle Auswahl eines Medikaments zur Migräneprophylaxe sollte nicht nach einem vorgegebenen Stufenschema vorgenommen werden. Vielmehr sollte sich die Auswahl an den individuellen Bedürfnissen der Patienten orientieren.
Es ist wichtig, sich behutsam an die richtige Dosis der Medikamente heranzutasten. Ein auf dem Gebiet der Migräne erfahrener Hausarzt oder Neurologe steigert sie langsam bis zur ersten Zieldosis, von der er üblicherweise eine Wirkung erwartet.
Eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe kann nur dann zielführend sein, wenn sie sowohl wirksam als auch verträglich ist.
Migräneprophylaxe mit der sinCephalea App
Die Migräneprophylaxe stellt einen essenziellen Bestandteil der Migränebehandlung dar, insbesondere bei Betroffenen mit häufigen Attacken und starkem Leidensdruck. Eine individuell angepasste Therapie, die sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze berücksichtigt, hat das Potential, die Lebensqualität von Migräne-Betroffenen erheblich zu verbessern.
sinCephalea ist eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), die eine personalisierte Migräneprophylaxe auf Rezept anbietet. Sie kombiniert die niedrig-glykämische Ernährung mit einem personalisierten Ansatz. Die Grundlage dafür stellen individuelle postprandiale Blutzuckerreaktionen auf Mahlzeiten, welche interindividuellen Schwankungen unterliegen. Die DiGA ermöglicht Betroffenen mithilfe eines Glukosesensor personalisierte Ernährungsempfehlungen zu erlangen, um ihren Blutzucker möglichst stabil zu halten bzw. Blutzuckerschwankungen vorzubeugen und somit Migräne vorzubeugen. Dabei bietet die Apps entsprechende Tipps und Tricks, um Mahlzeiten blutzuckerfreundlich zu modifizieren, ohne auf Genuss verzichten zu müssen.
Die Wirksamkeit der digitalen nicht-medikamentösen Migräneprophylaxe App sinCephalea konnte in einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) nachgewiesen werden. Damit gehört sinCephalea zu den best-untersuchtesten nicht-medikamentösen Therapien. sinCephalea ist auf Basis von klinischen Studiendaten als DiGA in das Verzeichnis des BfArM aufgenommen und somit durch die Krankenkassen erstattungsfähig.
Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migräneprophylaxe
Neben der medikamentösen Migräne-Prophylaxe ist die nicht-medikamentöse Vorbeugung ein wichtiger Baustein. Als entscheidend gilt dabei, sie in ein stimmiges Grundkonzept einzubinden.
- Akupunktur: Nachgewiesen ist bisher, dass die Häufigkeit von Migräne-Attacken nach einer Akupunktur oftmals abnimmt. Wissenschaftlich belegt ist, dass Akupunktur zur Vorbeugung von episodischer Migräne beitragen kann.
- Biofeedback-Therapie: Ziel ist es, über die Rückmeldung (Feedback) der eigenen Körperfunktionen auf bestimmte Situationen zu reagieren und diese bewusst zu beeinflussen.
- Progressive Muskelentspannung: Menschen erlernen dabei, die wichtigsten Muskeln ihres Körpers kontrolliert anzuspannen und daraufhin wieder zu entspannen.
- Autogenes Training: Hilft dabei, den Körper durch die Kraft der Gedanken zu beeinflussen und einen Entspannungszustand herzustellen.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Bewährt hat sich dabei die kognitive Verhaltenstherapie zur Vorbeugung von Migräne. Psychologische Faktoren wie Stress spielen bei herkömmlichen Kopfschmerzen eine wesentliche Rolle.
Zu den sogenannten Basismaßnahmen zählen unter anderem:
- Ausdauersport wie Schwimmen, Walken oder Radfahren (mindestens dreimal wöchentlich)
- Stress reduzieren
- Regelmäßige Pausen im hektischen Alltag
- Genügend Schlaf
- Gegebenenfalls zusätzlich vorhandene psychische Erkrankungen nicht ignorieren, sondern eine Behandlung in Anspruch nehmen
- Schulungen und Aufklärung über Migräne
Zu guter Letzt gehört auch das Vermeiden individuell unterschiedlicher Migräne-Auslöser (sogenannte Trigger) zu den nicht-medikamentösen Maßnahmen, um der Migräne vorzubeugen.