Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt sind. Das periphere Nervensystem verbindet Organe und Gewebe mit dem zentralen Nervensystem und ist für die Weiterleitung motorischer Befehle an die Muskeln und die Übertragung von Sinneseindrücken verantwortlich. Eine Schädigung dieser Nerven kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Schmerzen, Missempfindungen, Gefühlsstörungen und Muskelschwäche.
Was ist Polyneuropathie?
Bei einer Polyneuropathie handelt es sich um eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Also der Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark verlaufen und dafür verantwortlich sind, Berührungen, Temperatur oder Schmerzempfindungen wahrzunehmen sowie die Bewegungen der Muskeln zu steuern.
Bei Menschen mit einer Polyneuropathie sind mehrere periphere Nerven geschädigt. Dadurch ist die Weiterleitung von Signalen zwischen Gehirn, Rückenmark und den übrigen Körperregionen beeinträchtigt - und zwar sowohl in Richtung der Gliedmaßen als auch zurück zum Zentralen Nervensystem (ZNS).
Circa fünf Prozent aller Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Polyneuropathie. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko zu erkranken kontinuierlich an; bei Menschen über 80 Jahren auf bis zu 35 Prozent.
Ursachen von Polyneuropathie
Polyneuropathie kann erblich bedingt oder im Laufe des Lebens erworben sein, wobei letzteres häufiger vorkommt. Es gibt über 200 verschiedene Ursachen für Polyneuropathie, wobei Diabetes mellitus und Alkoholismus an erster Stelle stehen. Aber auch Infektionskrankheiten oder Stoffwechselkrankheiten, Mangelernährung (z.B. Vitaminmangel), Gift- oder Medikamenteneinwirkungen und Erbkrankheiten können eine Polyneuropathie zur Folge haben. Erworbene Polyneuropathien sind wesentlich häufiger als angeborene.
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Schädigungen an den peripheren Nerven können etwa durch Entzündungsprozesse im Körper als Folge einer Autoimmunerkrankung oder einer Infektion mit bestimmten Viren bzw. Bakterien auftreten. Dafür bekannte Erkrankungen sind unter anderem Borreliose, Diphtherie oder Gürtelrose. Daraus resultieren Entzündungen, die die empfindliche Schutzschicht des Nervenzellfortsatzes, die sogenannte Myelinschicht, angreifen können.
Weitere Polyneuropathie-Ursachen:
- Erkrankungen der Leber
- Mangelernährung, unter anderem bei Zöliakie
- Vitaminmangel, z.B. Vitamin B12
- Autoimmunerkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom oder rheumatoide Arthritis
- Einnahme bestimmter Medikamente wie zum Beispiel die Antibiotika Nitrofurantoin oder Metronidazol
- Kontakt mit giftigen Substanzen, etwa Schwermetalle
- HIV-Infektionen
- Erkrankungen, die auf Infektionen beruhen: Borreliose oder Syphilis
- Krebserkrankungen, beispielsweise Brustkrebs oder Blutkrebs
- hormonelles Ungleichgewicht, zum Beispiel ausgelöst durch eine Schilddrüsenunterfunktion
- erbliche Veranlagung (hereditäre Neuropathien)
Vitamin B12-Mangel als Ursache
Ein Mangel an Vitamin B12 ist eine bekannte Ursache für Polyneuropathie. Vitamin B12 ist ein essentielles Vitamin, das für den Energiestoffwechsel, die Bildung von Blutzellen und den Aufbau der Nervenhüllen benötigt wird. Es ist vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milcherzeugnissen enthalten.
Ein Vitamin-B12-Mangel kann zu Nervenschäden und Symptomen wie Müdigkeit und Blutarmut führen. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen und Veganer. Ein Mangel an Vitamin B12 ist weit verbreitet: In Deutschland hat jeder Zehnte zu wenig Vitamin B12 im Blut. Im Alter von über 65 Jahren ist sogar jeder Vierte betroffen.
Aufnahme und Funktion von Vitamin B12
Vitamin B12 wird im Körper durch Magensäure und Verdauungsenzyme freigesetzt. Ein spezielles Protein ("Intrinsic Factor") transportiert das Vitamin zu den Dünndarmzellen. Der Körper hat in der Leber große Vitamin-B12-Depots. Ein Mangel fällt deshalb in der Regel erst Jahre nach Beginn der Unterversorgung auf. Mit zunehmendem Alter sinkt außerdem die Leistungsfähigkeit des Magen-Darm-Trakts.
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Aufnahme und Funktion
- Abspaltung von proteingebundenem Vitamin B12 durch Pepsin und Magensäure
- Bindung im Magen an R-Proteine Haptocorrine
- Abspaltung von R-Proteinen durch Pankreasenzyme
- Bindung an Intrinsic Factor im Dudodenum IF wird durch Parietalzellen des Magens gebildet
- Resorption des an IF gebundenen Vitamin B12 im terminalen Ileum
- Geringe passive Resorption (ca. 1%) im gesamten Duodenum
- Im Körper Bindung in Form von Holotranscobolamin (biologisch aktive Form), Haptocorrin und Transcobalamin
- Katalisator für Umwandlung von Metylmalonyl-Coenzym A zu Succinyl-Coenzym A, bei Mangel Erhöhung der Methylmalonsäure
- Synthese von Methionin durch Homocystein (Hierzu wird Folsäure benötigt)
- Methionin wichtig in der Hämatopoese
- Bei Mangel von Methionin Erhöhung von Homocystein
Bedarf und Speicherung
- Bedarf Ca. 3-4µg/Tag
- Speicherung von Vitamin B12 größtenteils in der Leber, geringer in Nieren, Muskulatur, Gehirn, Milz
- Körperspeicher reichen für ca.
- Neuropathien
Ursachen für Vitamin B12-Mangel
Es gibt eine Reihe von Ursachen, die für einen Mangel an Vitamin B12 verantwortlich sein können:
- Chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
- Mangel an Intrinsic Factor
- Einnahme von Medikamenten gegen Diabetes
- Zuviel an Magensäure
- Regelmäßiger Konsum von Alkohol
- Vegetarische oder vegane Ernährung
- Alter
Symptome eines Vitamin B12-Mangels
Ein Mangel an Vitamin B12 kann sich durch verschiedene neurologische Symptome äußern:
- Taubheitsgefühle an Händen und Füßen
- Kribbeln, Brennen und andere Missempfindungen an den peripheren Gliedmaßen
- Die Hände und Füße schlafen immer wieder ein
- Der Gang wird unsicher und es treten Schwierigkeiten bei der Koordination auf
- Die Nerven schmerzen ununterbrochen
- Es treten Lähmungen auf
- Es kommt zu Sehstörungen, bis hin zum Verlust des Sehvermögens
Darüber hinaus kann ein Vitamin B12-Mangel zu zerebralen und kognitiven Dysfunktionen führen. Ein Vitamin-B12-Mangel ist mit signifikant geringeren Gedächtnisleistungen verknüpft und zählt zu den Ursachen einer Demenz: Bei Verdacht auf eine Demenz erwies sich ein Vitamin-B12-Mangel als zweithäufigste Ursache einer Demenz nach der Pseudodemenz bei Depressionen.
Diabetische Polyneuropathie und Vitamin B12-Mangel
Diabetische periphere Neuropathie und Vitamin-B12-Mangel bedingte periphere Neuropathie können gleichzeitig auftreten. Bei der Polyneuropathie und ihrem Zusammenhang mit Diabetes mellitus und Vitamin B12 ist es sehr wichtig zu berücksichtigen, dass die Polyneuropathie oft multifaktoriell bedingt ist. So können Menschen mit diabetischer Polyneuropathie gleichzeitig einen Vitamin-B12-Mangel haben. Andererseits hat sich gezeigt, dass Typ-1-Diabetes mellitus mit einer perniziösen Anämie einhergeht, die eine der wichtigsten Ursachen für Vitamin-B12-Mangel ist.
Metformin und Vitamin B12
Menschen mit Diabetes mellitus erhalten in der Regel Metformin als Erstlinientherapie zur Behandlung von Diabetes, wenn sie eine gute Nierenfunktion haben. Es hat sich gezeigt, dass Metformin gleichzeitig mit einem niedrigen Vitamin-B12-Status assoziiert ist. Es ist also möglich, dass Sie den Diabetes mellitus behandeln, um die Polyneuropathie zu behandeln, aber Sie sehen keinen Effekt, und dieser Effekt könnte auf einen Vitamin-B12-Mangel zurückzuführen sein. Daher ist es wichtig, den Vitamin-B12-Status regelmäßig zu überprüfen und bei Menschen mit einem suboptimalen Status mit einer Supplementierung zu beginnen.
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L-Dopa und Vitamin B12
Das Parkinson-Medikament L-Dopa, die erste Wahl, kann das Risiko eines Vitamin-B12-Mangels erhöhen. Für diese Reaktion, d. h. die Umwandlung von Levodopa in 3-O-Methyldopa, benötigen wir Methyl. Dieses Methyl wird durch Reaktionen bereitgestellt, die Vitamin B12 benötigen. Bei Menschen, die eine hohe Dosis Levodopa von etwa 300 mg pro Tag erhalten, haben mehrere Studien gezeigt, dass sie mehr Vitamin B12 brauchen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass diese Patienten einen niedrigen Vitamin-B12-Status haben. Daher ist es wichtig bei Menschen, die 300 mg Levodopa oder mehr erhalten, den Vitamin-B12-Status regelmäßig zu messen, und bei einem Mangel mit einer Supplementierung zu beginnen.
Symptome der Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen, je nachdem, welche Nerven von der Erkrankung betroffen sind. Mediziner und Medizinerinnen unterscheiden sensible, motorische und vegetative Polyneuropathien. Manche Menschen sind auch von mehreren Formen der Polyneuropathie gleichzeitig betroffen. Eine Polyneuropathie kann akut, sich schnell verschlechternd oder chronisch verlaufen.
- Symptome der sensiblen Polyneuropathie: Sensible Nerven senden Informationen von der Haut zum Gehirn. Beeinträchtigungen können zu Empfindungsstörungen wie Ameisenlaufen, Brennen, Jucken, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln führen. Auch ein vermindertes Temperatur- oder Schmerzempfinden ist möglich. Diese Form der Polyneuropathie merken Betroffene vor allem an Füßen oder Händen.
- Symptome der motorischen Polyneuropathie: Die motorischen Nerven leiten Signale vom Gehirn zu den Muskeln weiter. Eine Nervenschädigung kann Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelzucken oder Muskelkrämpfe verursachen.
- Symptome der vegetativen Polyneuropathie: Das vegetative Nervensystem ist Bestandteil des peripheren Nervensystems - es koordiniert automatisierte Körperfunktionen wie das Verdauen, Atmen oder Schwitzen. Eine vegetative Polyneuropathie steht unter anderem mit Beschwerden wie Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall oder verstärktem Schwitzen in Verbindung - sie betrifft die Organfunktionen.
Die Nervenschädigung kann sich an einer oder beiden Körperhälften bemerkbar machen. Betroffene berichten neben körperlichen Symptomen auch von weiteren Beschwerden - Erschöpfungszustände sind bei einer Polyneuropathie ebenfalls möglich. Oft leiden Betroffene unter brennenden, schneidenden oder stechenden Schmerzen.
Diagnose von Polyneuropathie
Eine neurologische Facharztpraxis ist die richtige Anlaufstelle bei Polyneuropathie. Betroffene können sich aber auch an den Hausarzt oder die Hausärztin wenden - diese erstellen eine Verdachtsdiagnose und überweisen zu einem Neurologen oder einer Neurologin.
Um festzustellen, ob tatsächlich eine Polyneuropathie vorliegt, findet zuerst ein Gespräch statt. Dabei erkundigt sich der Mediziner oder die Medizinerin nach der Krankengeschichte und nach den vorliegenden Beschwerden. Von Interesse ist etwa, ob den Betroffenen das Gehen Probleme bereitet oder ob sie feinmotorische Einschränkungen der Hände oder Finger haben. Relevant ist auch, ob die Betroffenen Schmerzen haben und wie stark die Schmerzen sind.
Auch eine körperliche Untersuchung ist wichtig. Dabei prüft der Mediziner oder die Medizinerin, ob Muskeln gelähmt oder geschwächt sind. Einschränkungen beim Reizempfinden oder eine Beeinträchtigung der Reflexe können bei der körperlichen Untersuchung ebenfalls auffallen.
Um den Ursachen auf den Grund zu gehen und um herauszufinden, welche Nerven wie stark geschädigt sind, gibt es zahlreiche Untersuchungsmethoden.
- Elektroneurographie: Bei der Elektroneurographie wird ein Elektrodenset im Gebiet des Nervenverlaufs auf die Haut geklebt - so lassen sich die elektrischen Impulse der Nerven messen. Die Untersuchung hilft dabei, herauszufinden, wie die Nervensignale transportiert und im Körper verteilt werden - Nervenschädigungen führen zu einem auffälligen Ergebnis und geben Hinweise zur Abgrenzung der Nervenausfälle.
- Elektromyographie: Macht deutlich, ob und wie stark die Muskeln auf die Nervensignale ansprechen. Bei dieser Untersuchung werden dünne Nadelelektroden durch die Haut in den entsprechenden Muskel eingeführt.
- Untersuchungen von Urin, Gehirnwasser, Blut oder Gewebeproben sowie genetische Tests und bildgebende Verfahren: Diese Methoden sind sinnvoll, wenn etwa Diabetes und Alkoholkrankheit als Ursache unwahrscheinlich sind und das Beschwerdebild sowie elektrophysiologische Untersuchungsbefunde weiteren Abklärungsbedarf ergeben. Auch wenn die Symptome sehr plötzlich auftreten, kann eine zusätzliche Diagnostik sinnvoll sein.
- Gel. Bildgebung
- MRT des zervikalen Myelons
- Nachweis hyperintenser Darstellung der Hinter- und oder Seitenstränge
- MRT des Kopfes
- Bei psychiatrischer oder demenzieller Symptomatik
- MRT des zervikalen Myelons
- Neurographie
- Motorische und sensible Nervenleitungsgeschwindigkeitsmessung
- Demyelinisierende sensible oder sensomotorische Polyneuropathie (Nervus peronaeus und tibialis mit F-Wellen, Nervus suralis)
- Elektromyographie
- Frage einer axonalen Schädigung
- Evozierte Potentiale
- Sensibel evozierte Potentiale
- Medianus und Tibialis-SEP - fraktionierte Messung
- Bei begleitender funikulärer Myelose zusätzlich zentrale Reizleitungsstörung
- Visuell evozierte Potentiale (VEP)
- Bei V.a. Optikusatrophie
- Magnetisch evozierte Potentiale (MEP)
- Bei V.a. eine Pyramidenbahnschädigung
- Sensibel evozierte Potentiale
- Motorische und sensible Nervenleitungsgeschwindigkeitsmessung
- Augenärztliche Untersuchung
- Bei V.a. Optikusatrophie
- HNO-ärztliche Untersuchung
- Bei V.a. Indikation zur Vitamin B12 Substitution
Vitamin B12-Spiegel - Normwerte
- Normwerte Erwachsene: 191 - 738pmol/l bzw. 200-1000pg/ml
- Manifester Mangel <200pg/ml
- Niedrig-normaler Spiegel 200-400 pg/ml
- Behandlungsempfehlung bei Werten <450pg/ml
- Neurologische Symptome können bereits bei o.g. Normwerten auftreten
- Dosierungsempfehlungen: Siehe unter "Therapie"
- Methylmalonsäure Serum (pathologisch bei >280 nmol/l) oder Urin (in Bezug auf Kreatinin pathologisch >4mg/g Kreatinin)
- Bei begleitend niedrigem Holotranscobalamin spiegel hohe Aussagekraft bez. eines manifesten Vitamin B12 Mangels
- Holotranscobolamin (pathologisch erniedrigt <40pmol/l)
- Spiegel 35-70pmol/l grenzwertiger Befund
- Spiegel <35 pmol/l: B12 Mangel wahrscheinlich
- Spiegel >70 pmol/l: B12 Mangel unwahrscheinlich
- Bei Niereninsuffizienz erniedrigte Spiegel, daher immer Bestimmung Nierenwerte)
- Ergänzende Untersuchung bei grenzwertigen Vitamin B12 Spiegeln sinnvoll
- Antikörper
- Parietalzell-Antikörper
- IF-Autoantikörpern
- Blutbild
- Anämie
- MCV erhöht
- MCH erhöht
- Hypersegmentierte Granulozyten
- Retikulopenie
- Cave Laborwerte können normal sein trotz neurologischer Manifestation
Behandlung von Polyneuropathie
Bei einer Polyneuropathie gibt es verschiedene Behandlungsansätze:
- Auslöser vermeiden und behandeln: Um weitere Schäden zu verhindern und um die Beschwerden zu lindern, wird die zugrunde liegende Ursache beseitigt oder behandelt. Liegt etwa eine unbehandelte Diabeteserkrankung vor, muss der Blutzucker richtig eingestellt werden. Alkoholabhängige Menschen profitieren von einer Suchttherapie. Bei einem Vitaminmangel können Betroffene durch Ernährungsumstellungen einen Ausgleich schaffen. Führen Infektionen oder Entzündungen zu den Nervenschäden, können Antibiotika oder Kortison sinnvoll sein.
- Schmerzen lindern: Eine begleitende Schmerztherapie verschafft Betroffenen Linderung. Zum Einsatz kommen Antidepressiva und bestimmte Medikamente, die ursprünglich für Epilepsien entwickelt wurden (Antikonvulsiva). Durch die Einnahme von Antidepressiva produziert der Körper vermehrt Botenstoffe - diese dämpfen die Weiterleitung von Schmerzsignalen. Antikonvulsiva sind meist die erste Wahl, sie bremsen die Erregbarkeit der Nerven, was schmerzlindernd wirkt. Bei ausgeprägten Schmerzen sind womöglich Opioide angezeigt. Da diese zu einer Abhängigkeit führen können, verschreiben Mediziner und Medizinerinnen sie nur für kurze Zeit.
- Begleitende Therapien: Je nach vorliegender Nervenschädigung können weitere Behandlungsansätze hilfreich sein, etwa Physio- oder Ergotherapie - sie unterstützen bei ungünstigen Bewegungsabläufen oder Gleichgewichtsstörungen sowie bei der Regeneration akuter Polyneuropathien. Spezielle Schienen, sogenannte Orthesen, helfen Betroffenen mit Muskellähmungen dabei, Hände und Füße beweglich zuhalten.
Behandlung von Vitamin B12-Mangel
Wurde bei Ihnen ein Mangel an Vitamin B12 festgestellt, sollte dieser gut behandelt werden. Sie können zum einen Ihre Ernährung so umstellen, dass Sie über tierische Produkte mehr Vitamin B12 zu sich nehmen. Ist das nicht ausreichend, wird Ihnen der Arzt eine Substitutionstherapie vorschlagen und entsprechende Präparate verordnen. Damit kann weiteren Schäden und der Polyneuropathie vorgebeugt werden. Manchmal reicht die Aufnahme ausreichend Vitamin B12-haltiger Nahrung jedoch nicht aus. Damit der gesamte Bedarf gedeckt werden kann, muss Vitamin B12 in mehreren Mahlzeiten vorhanden sein.
Therapieempfehlung
- Dringende Therapieempfehlung bei Spiegeln < 450 pg/ml
- Auftreten neurologischer Symptome auch bei "normalen Blutwerten" (Je nach Labor unterer Normwert ca. 200 pg/ml)
- Kein Risiko einer Behandlung, daher großzügige Indikationsstellung!
- Bezüglich Therapieempfehlung siehe "Literatur"
- Orale Therapie ist der parenteralen Therapie gleichwertig
Orale Therapie
- Therapiebeginn 1000-2000 µg/Tag über eine Woche
- Dosis abhängig von Spiegel
- Bei Spiegel < 200 pg/mg, Therapiebeginn mit 2000 µg/Tag
- Woche 2-4 1000µg/Woche
- Ab 2. Monat 1000µg/Monat
Parenterale Therapie
- Bei neurologischer Manifestation mit funikulärer Myelose, Optikusatrophie empfehlenswert
- Dosis
- Therapiebeginn 1-2x /Woche 1000µg intramuskulär oder (abhängig von Schwere der Symptome) 5-7 Tage 1000µg Hydroxycobalamin intramuskulär oder intravenös/subkutan
- Danach 2x1000µg in den Wochen 2-4
- Erhaltungsdosis 1000µg/Monat
Wichtig
- Keine Toxizität bei Überdosierung!
- Bei Therapiebeginn Kombination mit Folsäure 1,5-5 mg/die
- Kontrolle des B12-Spiegels nach ca.
- Hämatologische Symptomatik mit Besserung des Blutbildes innerhalb einer Woche (Anstieg Retikulozten), danach monatliche Kontrollen
- Besserung der neurologischen Symptomatik abhängig von Dauer und Schwere der Symptomatik, meist innerhalb der ersten drei Monate.
Tipps für die Vorsorge und mehr Lebensqualität bei Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie bedeutet manchmal eine Einschränkung der Lebensqualität. Diese Tipps können das Wohlbefinden steigern und Risiken minimieren:
- Blutzucker kontrollieren: Menschen mit Diabetes kontrollieren am besten regelmäßig ihren Blutzucker und nehmen ärztlich verordnete Medikamente ein. Schließlich kann eine suboptimale Blutzuckereinstellung das Risiko für die Entstehung und einen raschen Fortschritt der Erkrankung erhöhen.
- Füße kontrollieren: Eine Polyneuropathie an Beinen oder Füßen erhöht das Risiko für Fußgeschwüre - eine regelmäßige Kontrolle auf Wunden ist also wichtig.
- Bewegen: Menschen mit Polyneuropathie können bei Schmerzen und Missempfindungen von verschiedenen Angeboten wie Aquagymnastik oder Gehtraining profitieren.
Alltag mit Polyneuropathie
Der Alltag mit einem eingeschränkten Temperatur- und Schmerzempfinden kann herausfordernd sein und erfordert besondere Vorsicht und Vorsorge, um Verletzungen zu vermeiden und frühzeitig zu erkennen sowie um Stürze zu vermeiden.
- Wie kann ich Verletzungen frühzeitig erkennen? Kontrollieren Sie täglich sorgfältig Ihre Hände und Füße und achten Sie auf Rötungen, kleine Schnitte oder Druckstellen. Nutzen Sie für schwer einsehbare Stellen einen Handspiegel.
- Welche Rolle spielt Hautpflege? Regelmäßiges Eincremen beugt trockener, rissiger Haut vor, die anfällig für Erreger ist. Stellen Sie Wunden oder Entzündungen fest, sollten Sie frühzeitig ärztlichen Rat einholen. Auch medizinische Fußpflege kann eine sinnvolle Ergänzung sein.
- Wie schütze ich mich vor Verbrennungen oder Erfrierungen? Nutzen Sie ein Thermometer, um die Wassertemperatur zu überprüfen. Verzichten Sie zudem auf Wärmflaschen oder Heizdecken. Im Winter können warme Handschuhe und gut isolierte Schuhe vor Kälte schützen.
- Worauf sollte ich zuhause und draußen achten? In den eigenen vier Wänden sind unter anderem rutschfeste Böden, ausreichende Beleuchtung und das Entfernen von Stolperfallen wie losen Teppichen, wichtig, um Stürzen vorzubeugen. Im Freien sollten Sie auf festes Schuhwerk, Gehhilfen, gut beleuchtete Wege und die Vermeidung glatter oder unebener Flächen achten.
Polyneuropathie und Sexualität
Die Nervenschädigung kann bei Männern und Frauen zu sexuellen Funktionsstörungen führen. Durch die Polyneuropathie sind die Nerven geschädigt, die für die Empfindungen und Steuerung von Körperfunktionen zuständig sind - darunter auch die Nerven, die an der sexuellen Reaktion beteiligt sind. Männer haben häufig Schwierigkeiten eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten. Frauen hingegen verspüren oft eine geringere Empfindlichkeit im Intimbereich, wodurch Erregung und Orgasmus erschwert sind. Zudem kann auch eine vaginale Trockenheit auftreten, was den Geschlechtsverkehr unangenehm macht. Auch Schmerzen oder Unsicherheiten können die Lust mindern und den Sexualtrieb negativ beeinflussen.
Sprechen Sie offen mit Ihrem behandelnden Arzt, am besten einem Neurologen oder Sexualmediziner.
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