Vitamin B12 und Schlaganfall: Aktuelle Studien und Erkenntnisse

Vitamin B12, auch Cobalamin genannt, ist ein essentielles Vitamin, das eine zentrale Rolle in nahezu allen Bereichen unseres Körpers spielt. Es ist unverzichtbar für die Blutbildung, die Funktion des Nervensystems und den Stoffwechsel. Ein Mangel an diesem Vitamin kann weitreichende gesundheitliche Folgen haben, einschließlich eines erhöhten Risikos für Schlaganfälle.

Die Bedeutung von Vitamin B12 für die Gesundheit

Vitamin B12 erfüllt viele essenzielle Funktionen im Körper:

  • Nervenschutz: Es ist essenziell für die Myelinschicht, die unsere Nervenbahnen schützt. Ein Mangel kann zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen und sogar dauerhaften Schäden führen.
  • Blutbildung: Es unterstützt die Produktion roter Blutkörperchen und verhindert Anämien wie die perniziöse Anämie, die mit Erschöpfung und Schwäche einhergeht.
  • Gehirnfunktion: Ein ausreichender Vitamin-B12-Spiegel kann den Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit fördern und das Risiko von kognitiven Störungen im Alter reduzieren. Es beeinflusst Nerven, Blut und Gehirn gleichermaßen.
  • DNA-Synthese: Vitamin B12 ist unverzichtbar für die Zellteilung, insbesondere in Geweben mit hoher Erneuerungsrate, wie im Knochenmark.
  • Homocystein-Abbau: Vitamin B12 baut das ungünstige Homocystein in das weniger schädliche Methionin um. Homocystein ist eine Aminosäure, die Gefäße schädigt, Arteriosklerose begünstigt und in Zusammenhang mit Herzinfarkt und Schlaganfall steht.

Vitamin B12-Mangel und Schlaganfallrisiko

Ein Mangel an Vitamin B12 kann schleichend beginnen und sich in unspezifischen Symptomen äußern, wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen oder Appetitlosigkeit. Schon sehr früh führt ein B12-Mangel zu neurologischen Problemen.

Forschungsergebnisse zum Zusammenhang

Eine Untersuchung von Alexander Reinshagen mit dem Gerinnungslabor der Universität Leipzig zeigte, dass Schlaganfallpatienten überzufällig einen Vitamin-B12-Mangel aufwiesen. Bei einem Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure kann die Aminosäure Homocystein, die Schlaganfälle begünstigt, nicht vom Körper abgebaut werden. Auch Beobachtungsstudien aus China und Indien deuten auf dieses Problem hin.

Die Potsdamer EPIC-Studie ergab, dass Teilnehmer mit niedrigen Folat- und Vitamin B12-Werten im Blut ein 2,2fach höheres Risiko für Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen im Gehirn hatten. Ein niedriger Vitamin B12-Spiegel allein erhöhte das Risiko immerhin noch um 76 Prozent. Die Wirkung beider B-Vitamine wird zumindest teilweise durch ihren Einfluss auf den Homocysteinspiegel erzielt.

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Kontroverse Ergebnisse und Studien

In der Übersichtsarbeit über die Sekundärprophylaxe des Schlaganfalles bemerken Diener et al., dass vier randomisierte Studien eindeutig belegt hätten, dass eine Kombinationstherapie mit Vitamin B6, B12 und Folsäure ungeeignet ist, zerebrale Ischämien zu verhindern.

Die VISP-Studie wurde einer kritischen Reanalyse unterzogen. Nach Berücksichtigung der Vitamin-B12-Malabsorption als logische Ursache für Folsäureunwirksamkeit wurde das Ergebnis korrigiert und das relative Risiko für eine zerebrale Ischämie in diesem Hochrisikokollektiv durch die Vitamingabe um 18 % gesenkt.

Die sekundärpräventive Wirksamkeit Homocystein-senkender Vitamine zeigte sich auch in der HOPE-Studie als signifikante 24-prozentige Senkung des relativen zerebralen Ischämierisikos (p = 0,03). Auch die Neuberechnung der NORVIT-Daten durch unabhängige Statistiker hat günstige Effekte der Gabe von Vitaminen für alle klinischen Endpunkte ergeben.

Risikogruppen für Vitamin-B12-Mangel

Das Risiko, an einem Vitamin-B12-Mangel zu leiden, betrifft vor allem:

  • Ältere Menschen: Mit dem Alter nimmt die Fähigkeit des Körpers ab, Vitamin B12 aus der Nahrung aufzunehmen.
  • Menschen mit Magen-Darm-Erkrankungen: Betroffene, die unter Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn oder einer Zöliakie leiden, haben das Risiko, zu wenig Vitamin B12 aufzunehmen.
  • Vegetarier und Veganer: Da Vitamin B12 fast ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt, sind auch Vegetarier und Veganer durch einen Vitamin-B12-Mangel gefährdet.
  • Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen: Medikamente wie Magenschutzmittel oder das Diabetes-Medikament Metformin können die Vitaminaufnahme blockieren.
  • Lachgas-Konsumenten: Der Missbrauch von Lachgas kann zu plötzlichen und nicht reparablen Lähmungen führen, da das Gas die Vitamin-B12-Depots im Körper leert und das noch vorhandene Vitamin B12 im Körper blockiert.

Symptome und Diagnose eines Vitamin-B12-Mangels

Wer Symptome wie Kribbeln, Müdigkeit, Unsicherheiten beim Gehen oder Konzentrationsprobleme bemerkt, sollte den Vitamin-B12-Spiegel überprüfen lassen. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Labore die Normalwerte zu niedrig anlegen. Während für die Blutbildung circa 150 pmol/l als normal gelten, benötigen Nervenzellen 300 bis 400 pmol/l, um optimal zu funktionieren.

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Diagnostische Maßnahmen

Um den Vitamin B12-Status professionell abklären zu lassen, sollte man am besten beim Arzt einen entsprechenden Bluttest durchführen lassen. „Dabei ist es wichtig, mindestens zwei Biomarker zu messen, beispielsweise Gesamt-Vitamin B12 und Holo-TC (Holo-Transcobalamin) im Serum oder Plasma, zusätzlich ein aussagekräftiger Funktionsparameter wie Methylmalonsäure (MMA) oder Homocystein im Serum“, rät Silke Restemeyer.

Prävention und Behandlung von Vitamin-B12-Mangel

Der beste Weg, einem Vitamin-B12-Mangel vorzubeugen, ist eine ausgewogene Ernährung. Da Vitamin B12 fast ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt, müssen Vegetarier und Veganer besonders auf eine ausreichende Zufuhr achten.

Ernährungsumstellung und Supplementierung

Ist der Mangel nicht ausgeprägt, reicht es meistens, seinen Ernährungsplan etwas zu modifizieren und auf das B-Vitamin auszurichten. Vegetarier und Veganer sollten unbedingt und dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen und die Versorgung regelmäßig ärztlich überprüfen lassen.

Ist ein Vitamin B12-Mangel nachgewiesen, sollte dieser durch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden. Das kann oral als Tabletten und Kapseln erfolgen. Verträglichkeit und Bioverfügbarkeit sind gut. Vitamin B12 und dabei „Cyanocobalamin als kristalline Substanz, wie es oft in Nahrungsergänzungsmitteln vorkommt, wird sogar von Patienten mit Gastritis besser verwertet als Vitamin B12 aus Lebensmitteln“.

Vitamin B12-Injektionen

Manchmal reicht diese aktive Supplementierung jedoch nicht. Das kann der Fall sein, wenn einer oder mehrere Faktoren vorliegen wie:

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  • Der Mangel ist stark ausgeprägt.
  • Aufnahmestörungen - etwa durch hohes Alter oder chronische Entzündungen der Verdauungswege
  • Medikamente, die die Aufnahme des Vitamins verhindern, jedoch nicht ausgesetzt oder ersetzt werden können

Dann rät der Arzt zu einer Vitamin B12-Kur per Injektion. Dabei wird im Abstand von einigen Tagen oder einer Woche das Vitamin muskulär gegeben.

Fazit

Vitamin B12 ist ein unscheinbarer, aber lebenswichtiger Helfer, der in jedem Alter Aufmerksamkeit verdient. Ein Mangel kann das Risiko für Schlaganfälle und andere schwerwiegende Erkrankungen erhöhen. Durch eine ausgewogene Ernährung, gezielte Supplementierung und regelmäßige ärztliche Kontrollen lässt sich ein Mangel jedoch effektiv verhindern und behandeln. Es beeinflusst Nerven, Blut und Gehirn gleichermaßen.

Die Studienlage zum Thema Vitamin B12 und Schlaganfall ist komplex und teilweise widersprüchlich. Während einige Studien einen klaren Zusammenhang zwischen niedrigem Vitamin-B12-Spiegel und erhöhtem Schlaganfallrisiko zeigen, kommen andere zu dem Schluss, dass eine Supplementierung mit Vitamin B12, B6 und Folsäure nicht geeignet ist, zerebrale Ischämien zu verhindern. Es bedarf weiterer Forschung, um die genauen Zusammenhänge und die optimale Dosierung für die Prävention von Schlaganfällen zu klären.

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