Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine vielschichtige neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Die Antwort auf die Frage „Was ist Migräne?“ scheint auf den ersten Blick einfach: Migräne ist ein anfallsartig auftretender, starker Kopfschmerz mit oder ohne Aura, der Stunden bis Tage andauern kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne, von den Ursachen und Auslösern über die Symptome und Diagnose bis hin zu den Therapie- und Vorbeugungsmöglichkeiten.

Was ist Migräne? Eine neurologische Perspektive

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, heftige Kopfschmerzattacken auszeichnet. Diese Attacken werden oft von weiteren Symptomen begleitet, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen können. Migräne ist unberechenbar und individuell, und sie ist mehr als „nur“ Kopfschmerzen. Sie kann den Alltag massiv beeinträchtigen und Betroffene für Tage außer Gefecht setzen.

Migräne vs. Kopfschmerzen: Ein wesentlicher Unterschied

Der Unterschied zwischen Spannungskopfschmerzen und Migräne liegt primär in der Intensität der Schmerzen. Migräne schränkt die Betroffenen im Alltag gänzlich ein, während Spannungskopfschmerzen meist am gesamten Kopf auftreten, beschränkt sich der Schmerz bei Migräne nicht selten auf eine Kopfhälfte. Starke Licht- und Lärmempfindlichkeit bei Migräne zwingt Betroffene oft zur Ruhe in abgedunkelten, stillen Räumen. Allgemeine Maßnahmen wie frische Luft und Bewegung schlagen bei Migräne kaum an. Der Migräneschmerz tritt meist nur in einer Schädelhälfte auf und wird von Übelkeit und Erbrechen begleitet.

Ursachen und Auslöser der Migräne

Trotz intensiver Forschung sind die genauen Ursachen der Migräne bis heute nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Ansätze zu den Krankheitsmechanismen der Migräne. Eine Theorie besagt, dass bei Migräne-Betroffenen eine aktivere Reizverarbeitung im Gehirn stattfindet als bei Nichtbetroffenen. Bestimmte Reize oder Einflussfaktoren, sogenannte Trigger, können zu Veränderungen im Gehirn führen, die letztlich zum Migräneanfall führen. Die Forschung geht davon aus, dass eine Veranlagung für Migräne auf unterschiedliche Auslöser (Trigger) der Migräne-Attacken trifft.

Häufige Migräne-Trigger

  • Stress und starke Emotionen: Stress, überschwängliche Freude oder Angst können Migräneattacken auslösen. Oft tritt die Attacke erst nach dem Abklingen der Belastung auf.
  • Hormonelle Veränderungen: Hormonschwankungen innerhalb des Menstruationszyklus oder hormonelle Verhütungsmethoden können Migräne begünstigen.
  • Unregelmäßiges Essen: Unregelmäßiges Essen und das Auslassen von Mahlzeiten, wie beispielsweise beim intermittierenden Fasten, können Migräneattacken triggern.
  • Bestimmte Lebensmittel: Einige Lebensmittel wie Käse und Rotwein gelten als Auslöser für Migräne.
  • Wetterveränderungen: Wetterveränderungen wie Föhn oder plötzliche Temperaturschwankungen können Migräneattacken auslösen.
  • Unregelmäßiger Schlaf: Sowohl zu viel als auch zu wenig Schlaf können Migräneattacken begünstigen.
  • Äußere Reize: Helles Licht, Straßenlärm, Gerüche und Rauch können Migräneattacken auslösen.
  • Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können ebenfalls Migräneattacken triggern.

Die Rolle von Botenstoffen

Botenstoffe des Gehirns, wie Serotonin, spielen bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle. Serotoninspiegel können zum Beispiel durch den Zyklus beeinflusst werden, was erklärt, warum Frauen während bestimmter Zyklusphasen häufiger Migräne bekommen. Auch Genussmittel wie Rotwein können diese Botenstoffe beeinflussen.

Lesen Sie auch: Gehirnzellen und Anästhesie: Ein detaillierter Blick

Verlauf: Phasen und Symptome der Migräne

Bei Betroffenen erreicht die Migräne ihre höchste Intensität und Häufigkeit zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, ab dem 55. Lebensjahr klingt sie langsam aus. In der Medizin unterscheidet man zwischen den Migräne-Hauptformen Migräne ohne Aura (mitunter auch: gewöhnliche Migräne) und Migräne mit Aura (mitunter auch: klassische Migräne). Kennzeichnend für beide Formen sind Migräne-Attacken mit meist starken, oft einseitigen Kopfschmerzen, die Betroffene als pulsierend und pochend wahrnehmen und die bei körperlicher Betätigung zunehmen.

Phasen einer Migräne-Attacke

Die Migräne-Attacken lassen sich in verschiedene, ineinander übergehende Phasen einteilen:

  • Vorbotenphase (Prodromalstadium): Im Prodromalstadium treten unverkennbare Vorboten auf, die den Betroffenen die Migräne-Attacke ankündigen. Diese Vorboten sind sehr individuell und können Heißhunger, häufiges Gähnen, Gereiztheit oder Euphorie umfassen.
  • Aura: Etwa 15 Prozent der Migräne-Betroffenen haben eine klassische Migräne, also eine Migräne mit Aura. Unmittelbar vor der Schmerzphase bemerken diese Patientinnen und Patienten Symptome, die Neurologinnen und Neurologen unter dem Begriff Aura zusammenfassen. Zu den möglichen Kennzeichen einer Aura gehören Schwindel, Schwächegefühl, Sehstörungen, Hörprobleme, Empfindungsstörungen und Sprechstörungen. Eine Aura besteht in der Regel nicht länger als eine Stunde.
  • Schmerzphase: Typisch für die Migräne mit und ohne Aura sind stechende, pochende oder pulsierende Kopfschmerzen, die sich in der Regel einseitig bilden und auf Stirn, Schläfe und Augenbereich ausbreiten. Bei manchen Patientinnen und Patienten dehnen sich die zunächst einseitigen Kopfschmerzen bei Migräne auf beide Seiten aus, auch ein Wechsel der Schmerzseiten ist möglich. Die Schmerzphase hält in der Regel zwischen vier und 72 Stunden an. Häufige Begleitsymptome der Migräne-Kopfschmerzen sind Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, verstärkte Wahrnehmung von Gerüchen, erschwerte Nasenatmung und leichtes Augentränen.
  • Rückbildungsphase (Erholungsphase): In der Rückbildungsphase der Migräne-Attacke entwickeln sich die pochenden oder pulsierenden Kopfschmerzen zu gleichbleibendem Schmerz, der allmählich abklingt. Häufig haben Betroffene ein erhöhtes Schlafbedürfnis, bis die Migräne-Attacke vollends beendet ist.

Seltenere Formen der Migräne

Neben den beiden Hauptformen der Migräne gibt es seltener auftretende Formen wie die hemiplegische Migräne (Migräne mit motorischer Aura), die vestibuläre Migräne (Schwindel-Migräne) und die Basilaris-Migräne (Migräne mit Hirnstammaura).

Diagnose: Wie wird Migräne festgestellt?

Frauen sind bis zu dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer. Generell ist die Migräne eine der häufigsten Kopfschmerzformen. Zwischen zehn und 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind betroffen. Wichtigstes diagnostisches Instrument ist neben der neurologischen Untersuchung das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese). Aufgrund der beschriebenen und aufgeschriebenen Krankheitszeichen können Fachärztinnen und Fachärzte eine Migräne eindeutig erkennen und diagnostizieren. Falls dies nicht eindeutig möglich ist oder falls ein Verdacht auf eine andere Ursache für die Symptome besteht, können weitere Untersuchungen des Gehirns wie eine Bildgebung des Kopfes notwendig sein.

Die Bedeutung des Kopfschmerzkalenders

Bereits die Aufklärung über die Erkrankung, ihre hirnorganische Ursache und mögliche Einflussgrößen gehört zur Therapie. Wichtig ist auch die Dokumentation von Kopfschmerzen und Medikation in einem Kopfschmerzkalender.

Lesen Sie auch: Überblick über die Funktionen von Nervenzellen

Migräne-Behandlung: Medikamente und andere Therapieansätze

Da die Migräne eine chronische Erkrankung ist, deren Ursachen noch nicht genau bekannt sind, ist bislang keine Heilung möglich. Jedoch stehen heute Arzneimittel zur Verfügung, die die Symptome rund um die Migräne-Attacke effektiv lindern und so im Vergleich zu früheren Therapiemöglichkeiten die Lebensqualität von Betroffenen deutlich verbessern können. In der Akuttherapie der Migräne können Ärztinnen und Ärzte sowohl Medikamente zur Linderung der migränebedingten Kopfschmerzen als auch Medikamente zur Linderung der individuellen Begleitsymptome einsetzen. Hier sind insbesondere die Antiemetika zur Bekämpfung der Übelkeit zu nennen.

Medikamentöse Therapie

  • NSAR: Bei leichter bis mittelschwerer Migräne können Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen eingesetzt werden.
  • Triptane: Bei mittelschwerer und schwerer Migräne sind Triptane die Substanzen mit der besten Wirksamkeit bei akuten Migräne-Attacken. Sie lindern nicht nur die Kopfschmerzen, sondern auch Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen. Wichtig ist der Zeitpunkt der Einnahme: Triptane sollen früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden, um bestmöglich zu wirken.
  • Gepante: Eine neue Wirkstoffgruppe, die sogenannten Gepante, sollen verhindern, dass sich überhaupt CGRP-Proteine bilden. Sie sollen nicht nur vorbeugend wirken, sondern auch bei akuten Migräneattacken.

Vorbeugung der Migräne

Als Prophylaxe bezeichnet man generell Maßnahmen, um einer Erkrankung vorzubeugen. Speziell bei der Migräne-Vorbeugung geht es um die bestmögliche Minderung von Attacken in Bezug auf Häufigkeit, Dauer und Intensität. Die Migräne-Prophylaxe verfolgt außerdem das Ziel, dass Patientinnen und Patienten nicht zu viele Medikamente gegen Migräne-Attacken einnehmen müssen.

Medikamentöse Prophylaxe

In der medikamentösen Migräne-Prophylaxe stehen mehrere unterschiedliche Substanzen zur Verfügung, die ursprünglich für einen anderen Therapiezweck entwickelt wurden, die aber auch in der Migräne-Vorbeugung wirksam sein können. Die neueste Klasse der Migräne-Prophylaktika stellen speziell entwickelte Antikörper dar.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

  • Entspannungsverfahren und psychotherapeutische Verfahren: Hier erlernen Migräne-Betroffene insbesondere Übungen und Techniken, um besser mit Stress und herausfordernden Situationen umgehen zu können, die eine Migräne-Attacke triggern können.
  • Ausdauersport: Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Laufen können laut Studien ähnlich migränevorbeugend wirken wie die medikamentöse Prophylaxe. Allerdings muss der Ausdauersport regelmäßig betrieben werden und darf nicht zu intensiv ausfallen - sonst kann er Migräne-Attacken sogar fördern.
  • Persönliche Trigger erkennen und vermeiden: Patientinnen und Patienten, die wissen, dass sie beispielsweise nach dem Genuss von Rotwein mit einer Migräne-Attacke reagieren, sollten diesen meiden.

Alternative Behandlungen

  • Akupunktur: Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.
  • Daith-Piercing: Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft warnt ausdrücklich vor den Gesundheitsrisiken eines Daith-Piercings und empfiehlt bei Migräne nur die fachärztliche Behandlung.

Leben mit Migräne: Tipps für den Alltag

Jeder Betroffene muss lernen, mit dieser Erkrankung zu leben. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser für Attacken nach Möglichkeit zu reduzieren und sich auf der anderen Seite einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer reellen Minderung der Leistungsfähigkeit führen. Regelmäßigkeit ist für viele Patientinnen und Patienten hilfreich. Das gilt für Schlafens- und Aufwachzeiten aber auch für Mahlzeiten. Hetze, Unregelmäßigkeit, Naschen und Überspringen von Mahlzeiten können Migränebeschwerden verschlimmern.

Migräne-Tagebuch

Wer Tagebuch über seine Migräneattacken führt, kommt so möglicherweise den individuellen Triggern auf die Spur und kann sie meiden.

Lesen Sie auch: Synapsen erklärt: Von der Struktur zur Funktion

Stressmanagement

Regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren sowie Entspannungsverfahren, zum Beispiel Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training, können den Stresspegel verringern und helfen, Migräneattacken vorzubeugen.

Migräne bei Kindern und Jugendlichen

Bereits Kinder können an Migräne leiden, typisch ist aber ein erstes Auftreten nach der Pubertät. Jungen und Mädchen sind in etwa gleich häufig betroffen. Bei der kindlichen Migräne können neben Kopfschmerzen auch andere Symptome auftreten (z.B. Bauchschmerzen). Am häufigsten manifestiert sich die Migräne jedoch in der 2. und 3. Lebensdekade. Schmerzmittel müssen in der Dosierung entsprechend angepasst werden. Auch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten bei ihnen immer genau mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt sein.

Migräne in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft lässt sich Migräne behandeln. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden. Glücklicherweise verlieren viele betroffene Frauen während der Schwangerschaft vorübergehend ihre Migräne.

tags: #von #einer #migrane